Digitale Agenda kw01

 

Überwachung / staatlich

Unterschiedslose Vorratsspeicherung ist illegal, urteilte kurz vor Weihnachten der Europäische Gerichtshof. Es ist schon das zweite Mal, dass der EuGH diese Art von Massenüberwachung kippt und das könnte auch das Aus für die deutsche Vorratsdatenspeicherung sein (Zeit).

Also muss der Staat zum Hacker werden, wenn er überwachen will. Und das tut er auch nach Kräften, wie auf dem letzten CCC-Kongress von vielen Insidern aufgezeigt wurde (Süddeutsche, Spiegel).

Die Gefahr dabei: Wenn Geheimdienste das Heft in die Hand nehmen, kommen Bürgerrechte schnell unter die Räder. Investigative Journalisten und Whistleblower sind dann auch in westlichen Demokratien nicht mehr sicher, wie eine neue Studie zeigt (Netzpolitik.org).

    

Überwachung / kommerziell

Im Wynn Hotel Las Vegas hört Amazon alles mit. Das Luxushotel will in jedes Zimmer Amazons hörenden Lautsprecher Echo installieren. Die virtuelle Assistentin Alexa hört dann alles mit und soll den Gästen alle Wünsche von den Lippen ablesen (Saturn Magazin).

Kann Alexa auch einen Mord aufklären? Die Polizei im US-Bundesstaat Arkansas hofft das. Der Besitzer des Geräts soll in seinem Haus einen Mann umgebracht haben und die Polizei geht davon aus, dass Amazon alles aufgezeichnet hat (Zeit).

Ein Tablet mit einer aufs Bett gerichteten Kamera hat das Starwood Hotel in London in jedem Zimmer installiert. Es soll den Gästen helfen, London zu erkunden. Hinweise darüber, was es sonst so treibt und wie es vernetzt ist, sucht man vergeblich (Pando, englisch).

  

Nachrichten

Die Highlights aus der Consumer Electronics Show in Las Vegas, von der intelligenten Haarbürste über die strahlungssicheren Boxershorts bis zum papierdünnen Fernseher, haben die Zeit, die FAZ und der Spiegel zusammengefasst.

Für die ‚russischen Hacks‘ gibt’s nur Indizien, aber kaum Beweise. Obama schickte 35 Diplomaten mit dem Vorwurf der Spionage nach Hause (Tagesspiegel), doch Experten halten die Beweisführung als „absolut nicht abgedeckt“ (Süddeutsche).

Twitter fällt auseinander. Seit Gründer Jack Dorsey das Ruder übernommen hat, folgt einer Krise die nächste. Kurz vor Jahreswechsel gab es einen richtigen Manager-Exodus (FAZ), zu Jahresbeginn suchte auch die China-Chefin das Weite. Ideen zur Rettung gäbe es eigentlich genug.

WhatsApp-Übernahme hat ein Nachspiel. Die EU-Kommission wirft Facebook vor, beim Kauf von WhatsApp vorsätzlich falsche Angaben zum Datenabgleich zwischen den beiden Diensten gemacht zu haben und droht jetzt mit Strafen (Zeit).

Künstliche Intelligenz ersetzt Sachbearbeiter. 34 der rund 100 Mitarbeiter werden beim Japanischen Versicherer Fukoku entlassen. Ihren Job macht künftig IBMs KI-System Watson (FAZ).

Lässt sich eine kaputte SSD noch auslesen? Im Prinzip ja, sagt Doc Storage, doch die Datenrettung geht bei Flash-Speichern nur mit Spezial-Tools und ist deswegen komplizierter und teurer. Dafür sind SSDs robuster und langlebiger als Festplatten.

   

Zu guter Letzt …

Franzosen haben jetzt das Recht auf Unerreichbarkeit. Seit 1. Januar dürfen französische Arbeitnehmer die Bearbeitung beruflicher E-Mails außerhalb der Arbeitszeit verweigern. Das Gesetz soll vor Burnout schützen und das Familienleben bewahren (silicon.de).

Erpressungssoftware blockiert Fernseher. Ein Android-basiertes Smart-TV wurde von Ransomware gekapert, der Erpresser wollte von seinem Opfer 500 Dollar Lösegeld. Die Malware war durch die Installation einer neuen App ins System gelangt (Zeit).