Digitale Agenda kw03 / 2019

 

Persönliche Daten und Doxing

Der Diebstahl persönlicher Daten geht weiter. Diesmal hat ein australischer IT-Sicherheitsforscher hat in einem Hackerforum eine riesige Sammlung gehackter Datensätze unter dem Namen „Collection #1“ entdeckt. Darin enthalten sind 770 Millionen E-Mail-Adressen und 22 Millionen Passwörter. 

Geld ist nicht immer das Motiv für Datenklau. Sowohl Antrieb als auch Zweck können sehr unterschiedlich sein, wie der letzte Vorfall rund um die Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten gezeigt hat. 

Die kommerzielle Nutzung persönlicher Daten ist ein zusätzliches Problem, welches das Risiko weiter erhöht. So sehr der deutsche Staat künftig alles tun will, um persönliche Daten zu schützen, auch der Graubereich des Handels mit persönlichen Daten muss eingedämmt werden. 

 

Digitales Leben

Telekom könnte die Glasfaser der Mitbewerber drosseln. Die Glasfaseranschlüsse anderer Anbieter bringen häufig die Vectoring-Technik der Telekom für Kupferleitungen durcheinander. Die Bundesnetzagentur hat nun entschieden, dass die Telekom in solchen Fällen andere Glasfaser-Anschlüsse abschalten oder drosseln darf.

Wirtschaftskrieg gegen Huawei auch in Europa. Zwei Mitarbeitern von Huawei wird Spionage vorgeworfen, die Bundesregierung erwägt unterdessen einen Ausschluss von Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes. In den USA gibt es weitere Ermittlungen. 

Kostenloses WLAN soll als gemeinnützig anerkannt werden. Der Plan für ein entsprechendes Gesetz war Bestandteil des Koalitionsvertrags, doch der Finanzminister will den Freifunk in ein neues allgemeines Getz zur Gemeinnützigkeit packen – und das kann dauern. 

IBM zeigt ersten kommerziellen Quantencomputer. In einem luftdichten 2,5 Meter großen Glaswürfel durften die Besucher der CES-Messe in Las Vegas die Zukunft der Computer-Hardware bestaunen. Verkäuflich ist das IBM Q System One noch nicht, die Kunden können die Rechenleistung nur mieten.

IT-Sicherheit ist die größte Sorge der Unternehmen, ergab eine internationale Umfrage der Allianz. Der Schaden durch Vorfälle beläuft sich derzeit auf über 500 Milliarden jährlich. Tesla zahlt inzwischen Preisgelder in Höhe von 900.000 Dollar für die Entdeckung von Lücken.

 

Zu guter Letzt …

Wann ist ein Mann ein Mann? Der Rasierklingen-Anbieter Gillette hat es geschafft, die Empörungswelle rund um #MeToo kommerziell zu nutzen und ausgerechnet in einem Werbespot, der das traditionelle Männerbild in Frage stellt, von sich reden zu machen. Den einen ist der Clip zu pauschal, den anderen zu belehrend – egal, Hauptsache die Marke Gillette ist in aller Munde. 

Digitale Agenda kw01 / 2019

 

Lokales Roaming

Funklöcher gehören gestopft, soviel hat die Politik inzwischen verstanden. Die Parlamentarier von Union und SPD wollen ein Gesetz entwerfen, das lokales Roaming ermöglicht. Die CSU will sogar eine staatliche Gesellschaft für den Ausbau des 5G-Netzes gründen. 

Unterdessen haben neun Konzerne die Bundesnetzagentur verklagt. Sie finden die Auflagen zur Vergabe der neuen 5G-Frequenzen als zu hart und fürchten um ihre Investitionen. Das Kartellamt lobt hingegen die Regeln der Netzagentur. 

Ihr Ziel für den Ausbau des Breitbandnetzes hat die Bundesregierung wohl verfehlt. Nicht 100 sondern nur 80 Prozent der deutschen Haushalte haben Zugang zu schnellem Internet, und dafür gibt es gute Gründe.  

 

Digitales Leben

Einige Highlights des letzten CCC-Kongresses: 

Beim BAMF sind Fehler vorprogrammiert. Die IT-Tools des Bundesamts für Migration sind vielschichtig und komplex, deren Nutzung verlangt aber von den Sachbearbeitern eine Expertise, die sie gar nicht haben können. 

Eine bessere Regulierung von Drohnen ist nach dem Vorfall am Flughafen Gatwick kurz vor Weihnachten dringend nötig, doch Experten haben wenig Hoffnung, den Einsatz von Drohnen effektiv zu überwachen.

Wie Mark Zuckerberg Facebook retten will, verriet er in seinem Jahresrückblick. Facebook soll seinen Nutzer nun weniger süchtig, dafür aber glücklicher machen – auch wenn das weniger Umsatz bedeutet. 

 

Zu guter Letzt …

Einen Adventskalender der besonderen Art betrieb ein unbekannter Twitter-Nutzer im Dezember. Nach und nach veröffentlichte er private Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens, darunter Briefe, Rechnungen, Adresslisten und Ausweise. 

Digitale Agenda kw51 / 2018

 

And the winner is …

Facebook natürlich. Kein anderes Unternehmen produzierte 2018 so viele negative Schlagzeilen wie das mit 2,3 Milliarden Nutzern weltweit größte soziale Netzwerk. Und es will einfach nicht abreißen.

  • Die Cambridge Analytica-Affäre hat jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Der Generalstaatsanwalt von Washington hat Klage gegen Datenmissbrauchs eingereicht. 
  • 150 Firmen hatten privilegierten Zugriff auf Nutzerdaten. Sie konnten Daten von Nutzern abgreifen, die überhaupt keinen Kontakt mit den Unternehmen hatten.
  • Anzügliches Flirten und sexuelle Andeutungen sind ab sofort verboten. Die Regeln sind so schwammig formuliert, dass Facebook praktisch nach Belieben löschen kann. 

Es wird langsam Zeit, dass sich Facebook einige grundsätzliche Gedanken über sein Geschäftsmodell macht, meint nicht nur die Süddeutsche.   

Digitales Leben

Eine Kennzeichnungspflicht für Social Bots fordert der neue Fraktionschef der CDU. Er jagt damit die nächste elektronische Sau durchs Dorf und beweist erneut, dass das Internet für die meisten Politiker wirklich Neuland ist. 

Wie Social-Media-Propaganda wirklich funktioniert, zeigen zwei neue Studien über die Aktivität russischer Trolle im US-Wahlkampf sowie das Buch „LikeWar“, das die Methodik der Manipulation erklärt. 

Gegen einen Boykott von Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes hat sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ausgesprochen. Die Geheimdienste der USA, Großbritanniens und anderen Länder bezichtigen Huawei der Spionage, liefern aber keine Beweise. 

Die Polizei will ihr eigenes LTE-Netz betreiben, berichtet die WiWo. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden (BDBOS) will eine Reihe von Frequenzen reservieren, um ein eigenes Datenfunknetz aufzubauen.

Die ePrivacy-Reform der EU wird zur Lobby-Schlacht. Die Verordnung über den Umgang mit Nutzerdaten im Internet soll die DSGVO ergänzen. Tech-Firmen und Verlage, die ihr Geld mit Werbung verdienen, laufen bei EU-Parlamentariern Sturm.  

Zu guter Letzt …

Legen Sie über die Feiertage das Handy weg, empfiehlt Dirk Peitz in der Zeit, liefert einige sehr gute Grunde für sein Anliegen und verrät auch, wie Sie das erreichen und wozu der sogenannte „Digital Detox“ gut sein soll. 

Digitale Agenda kw50 / 2018

 

Gesetz vs. New Economy

Die Geschäftsmodelle der Internet-Wirtschaft geraten immer häufiger in Konflikt mit geltenden Gesetzen. Die drei Beispiele dieser Woche: 

  • Airbnb muss Daten herausrücken, urteilte das Landgericht München. Die Stadt möchte wissen, wer seine Wohnung mehr als 8 Wochen im Jahr als Ferienwohnung vermietet, denn das ist meldepflichtig. Außerdem trägt diese Praxis zu Wohnungsknappheit und hohen Mieten bei. 
  • Der Fahrdienst-Vermittler Uber verstößt mit seiner Masche, Taxifahrten als „Mietwagen mit Fahrer“ zu vermarkten, gegen das Taxi-Gesetz. Ob das Urteil die Verbreitung von Uber ausbremsen wird, ist allerdings fraglich. 
  • Das deutsche Leistungsschutzrecht für Verlage, findet der EU-Generalanwalt. Das Gesetz, nach dem Google für Überschriften und Textfragmente von Nachrichten in seinen Ergebnislisten Lizenzgebühren an die Verlage zahlen soll, verstößt gegen EU-Recht.

 

Digitales Leben

Ein Drittel aller Android Apps schickt private Daten an Facebook. Möglich ist das durch die Nutzung von Facebooks App-Entwicklungsplattform (SDK). Davon betroffen sind auch Apps der CDU und SPD.  

Apple Pay startet in Deutschland. Noch macht nicht jede Bank in Deutschland beim Bezahldienst mit dem iPhone mit, aber das soll sich bald ändern. Alles wichtige zu Apple Pay in der Zeit, plus die interessante Frage: Zerstört das Smartphone die deutsche Liebe zu Bargeld?

Zahl der DSGVO-Anzeigen steigt schnell an. Von den 45.000 Beschwerden in der EU bis September 2018 geht etwa ein Viertel auf deutsche Nutzer zurück. Die Zahlen sind ein Indiz dafür, dass die Verordnung angenommen wird, sagt die Bundesbeauftragte für Datenschutz.

Gesichtserkennung gegen Stalking hat die US-Sängerin Taylor Swift in einem ihrer Konzerte eingesetzt. Die Besucher wurden heimlich gefilmt, um mutmaßliche Stalker der Sängerin zu identifizieren.

Wie weibliche Wikipedia-Redakteurinnen weggemobbt werden, beschreibt die taz-Autorin Carolina Schwarz auf Netzpolitik.org. Ein Kommentar wie „erst wenn diese Feministin verschwunden ist, kann Wikipedia wieder ein guter Ort sein“, gehört noch zu den harmloseren.  

Zu guter Letzt …

Personalisierte Werbung funktioniert nicht, wie der Fall einer US-Bürgerin zeigt. Als sie schwanger war, wurde sie mit Werbung für Schwangerschaftsartikel beworfen. Das blieb auch so nachdem sie ihr Kind verlor und ihr über verschiedene soziale Netzwerke tausendfach Beileid gewünscht wurde. In ihrer Verzweiflung brachte sie den Fall an die Öffentlichkeit. Trotz des berechtigten Ärgers über den Zynismus der Werbealgorithmen sollten wir aber froh sein, dass Tracking nicht gut funktioniert, findet der Spiegel.