Schlagwort-Archive: Algorithmen

Digitale Agenda kw27 / 2017

 

Digitale Diskriminierung

‚Wir brauchen einen Algorithmen-TÜV‘, hatte Justizminister Maas schon vor zwei Jahren gefordert. Jetzt macht er ernst. Er schlug diese Woche die Gründung einer Digitalagentur vor, die sicherstellen soll, dass Firmen nicht über ihre Algorithmen diskriminieren können (Zeit).

Algorithmen können in der Tat diskriminieren. Die Bertelsmann-Stiftung hat hierzu Studien verfasst (hier und hier), die zeigen, dass vom Informationsangebot über die Kreditvergabe bis hin zur Kriminalitätsbekämpfung ihre Entscheidungen weitreichende Folgen für Menschen haben können (siehe auch Süddeutsche und ein Radiofeature der ARD).

Den Algorithmus von Google zu knacken versucht unterdessen ein Projekt von AlgorithmWatch. Über eine Firefox- oder Chrome-Erweiterung soll erkundet werden, wie Google seine Suchergebnisse personalisiert und so auch Wahlen beeinflussen kann (Zeit).

 

Digitale Welt

Schluss mit EU-Steueroasen für Apple, Amazon & Co. Das EU-Parlament plant eine neue Richtlinie, um multinationale Konzerne besser besteuern zu können (Zeit).

Warum Apple in der EU so wenig Steuern zahlt, erklärt ein Artikel in der FAZ. Unterdessen will Donald Trump Apple helfen, der Nachzahlung von 13 Milliarden Euro zu entgehen (ZDnet).

Das deutsche Facebook-Gesetz macht Schule. Das neue Gesetz gegen Hasskommentare mag umstritten sein, Staaten wie Italien und Israel wollen es jedoch als Vorbild für eigene Gesetze nutzen (Spiegel). Und es könnte der Anfang für weitere Maßnahmen zur Regulierung von Internet-Konzernen werden.

Die Sexismus-Affären im Silicon-Valley (Handelsblatt) haben die Diskussion um die Behandlung von Frauen in der Technologiebranche auch hierzulande neu entfacht. Eine Studie der KfW-Bank zeigt, dass es Frauen bei den Banken wesentlich schwerer haben, neue Projekte finanziert zu bekommen – zu unrecht (Süddeutsche).

Wie weist man zu langsame DSL-Anschlüsse nach? Die Bundesnetzagentur hat jetzt hierzu ein Regelwerk veröffentlicht, Netzpolitik.org fasst das wichtigste zusammen.

Mit Patientendaten sollte man nicht so umgehen, wie es die britische Gesundheitsbehörde vor einem Jahr tat.1,6 Millionen nicht anonymisierte Krankenakten wurden der Google-Tochter Deep Mind ohne Einverständnis der Patienten zur Verfügung gestellt. Jetzt kam die Rüge der Datenschutzbehörde (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Die Tür wird neu erfunden. Warum sitzen Lichtschalter immer neben der Tür? Wieso sind Zimmertüren auch in der Wohnung absperrbar? Und warum fehlt dann trotzdem meist der Schlüssel? Architekturstudenten der TU München stellten durch solche Fragen die gesamte Logik einer Tür in Frage und kamen zum Schluss, dass man durch Smart-Home-Technologien die Funktion einer Tür komplett neu definieren kann (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw21

 

Facebook und die US-Wahlen

Die gute Nachricht zuerst: Facebook hat die Berichterstattung über die US-Vorwahlen, entgegen entsprechender Vorwürfe, nicht manipuliert, ergab eine interne Untersuchung. Trotzdem sieht sich das Netzwerk dazu gezwungen, noch mehr als bisher auf seine Neutralität zu achten (Zeit.de).

Das Problem: Algorithmen sind nicht neutral. Sie werden von Menschen programmiert und die Kriterien, was gezeigt werden darf und was nicht, werden von Menschen bestimmt und sind ihren Konventionen unterworfen (Netzpolitik.org).

Den Beweis lieferte Facebook selbst diese Woche. Das Netzwerk weigerte sich die Anzeige einer Organisation mit dem Foto eines übergewichtigen Models zu zeigen. Begründung: Es entspreche nicht seinen Kriterien (Spiegel, Diskussion auf süddeutsche.de).

Jetzt müssen Regeln her, fordern Internet-Experten wie Kate Crawford im Spiegel-Interview. Das Internet beeinflusst unsere Wahrnehmung, allen voran Plattformen wie Facebook oder Google, die inzwischen mitbestimmen, welche Nachrichten wir zu sehen bekommen.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie man Websites auf Benutzerfreundlichkeit testet, schildert Frank Piotraschke von Optimizely in der Computerwoche. Seine sechs Tipps zielen vor allem darauf ab, Conversion Rates zu erhöhen.

Android-Hersteller sollen endlich schneller updaten, findet Android-Urheber Google, und will jetzt zu langsame Gerätehersteller öffentlich bloßstellen. Die schlimmsten lassen sich derzeit mit Security-Updates bis zu 11 Monaten Zeit (golem.de).

Wo Deutschland bei der Digitalisierung lahmt, verrät der neue European Digital Progress Report. Unter den 28-EU-Ländern steht Deutschland jetzt auf Platz 9 und holt schnell auf – zumindest was die Industrie betrifft. Beim E-Government reicht es gerade mal für Platz 18 (Zeit.de).

Software zur Voraussage von Verbrechen ist rassistisch, fand das US-Medium Pro Publica heraus. Die Software wird in den USA eingesetzt, um das Rückfallrisiko bekannter Straftäter vorauszusagen. Afroamerikaner werden dabei systematisch benachteiligt, obwohl die Ergebnisse dagegen sprechen (heise.de).

Einen Besuch bei Microsofts Hardware-Entwicklung schildert Axel Postinett in der Zeit. Hardware ist für Microsoft inzwischen kein kurzzeitiges Abenteuer mehr, der Konzern will es vielmehr mit Apple aufnehmen.

Smartphones sollen Nutzer über ihre Sensoren erkennen. Im Rahmen von „Project Abacus“ wird von Google eine Programmierschnittstelle entwickelt, die biometrische und Nutzerdaten auswertet. Besonders für die Sprachsteuerung von Geräten sind solche Verfahren wichtig (silicon.de).

    

Zu guter Letzt …

US-Atomstreitkräfte nutzen Computer aus den Siebzigern und haben sich deswegen eine Rüge des US-Rechnungshofs eingefangen. Sogar 8-Zoll-Floppydisks für IBM-Rechner der Serie 1 sollen noch im Einsatz sein (Spiegel).

Technologiefirmen horten die größten Cash-Reserven. Apple hat mehr als 200 Milliarden Dollar auf der hohen Kante, Microsoft etwa halb so viel. Es folgen Google, Cisco und Oracle. Der reichste Pharmakonzern, Pfizer, kommt nicht einmal auf 40 Milliarden (GeekWire).