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Digitale Agenda kw46 / 2018

 

Digitalstrategie

Die Bundesregierung hat einen Plan. Auf 78 Seiten ist die Digitalstrategie beschrieben, die Deutschland zu einer führenden Größe in Sachen Künstliche Intelligenz machen und die Infrastruktur auf Vordermann bringen soll. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Plan dem Thema Arbeit.  Gigabit-Internet für Schulen, Industriegebiete und Krankenhäuser verspricht Verkehrsminister Scheuer, KI soll bis 2025 mit 3 Milliarden Euro und 100 neuen Lehrstühlen gefördert werden. Ein Regelwerk soll sicherstellen, dass KI dem Gemeinwohl verpflichtet ist.  Alles schön und gut, aber nur ein Anfang, mahnt Bitkom-Chef Achim Berg. Auch andere Experten äußern Zweifel, ob die Maßnahmen ausreichen und ob die Ziele auf diese Weise erreichbar sind. Und was die digitale Infrastruktur betrifft, habe der Bund in der Vergangenheit mehr eingenommen als investiert.  

Digitales Leben

Initiative für freies Web findet viel Unterstützung. Frankreichs Premierminister Macron fordert ein Internet des Vertrauens und hat den Großteil der IT-Industrie hinter seiner Paris Call-Initiative. Die Bundeskanzlerin will sich (wie auch Frankreich) die Initiative For The Web des Web-Erfinders Tim Berners-Lee anschließen. Anrufe ins EU-Ausland werden billiger. Das EU-Parlament hat für ein neues Gesetzespaket gestimmt, wonach die Gebühren für Gespräche in einen anderen EU-Staat bei 19 Cent pro Minute gedeckelt werden. SMS sollen maximal 6 Cent kosten. Wer zahlt für die politische Werbung im Internet? Vier von fünf Europäern würden gerne wissen, wieviel Geld Firmen wie Google und Facebook mit Wahlwerbung in Europa verdienen, doch diese schweigen sich darüber aus. Bei der US-Kongresswahl letzte Woche waren es immerhin mehr als 430 Millionen US-Dollar.   IWF und CDU wollen mehr digitale Währungen. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds sieht in einer vom Staat regulierten Digitalwährung ein Mittel, strukturschwachen Regionen zu helfen, CDU-Politiker wollen  Deutschland zum Mekka für Kryptogeld machen. Weiterhin Zoff um die 5G-Lizenzen. Die Bundesnetzagentur verschärft die Auflagen für Netzbetreiber, diese drohen mit Klagen. Und die Bundesregierung besteht darauf, dass der neue Mobilfunkstandard fast allen Haushalten in Deutschland zur Verfügung stehen soll.  

Zu guter Letzt …

Amazon will noch mehr Steuern sparen. 232 US-Städte bund Bundesstaaten hatten sich als Location für den zweiten Hauptsitz von Amazon beworben. Den Zuschlag teilen sich jetzt New York und Virginia. Sie wollen zusammen rund 2,8 Milliarden Dollar in Infrastrukturmaßnahmen und Steuerbegünstigungen für Amazon investieren. Andere Bundesstaaten wie New Jersey oder Maryland waren bereit, bis zu 7 Milliarden Dollar zu spendieren. 

Digitale Agenda kw21 / 2018

 

DSGVO, natürlich

Wer weiß gut über die DSGVO Bescheid? Scheinbar nicht viele. Der aktuelle Amazon-Bestseller ist ein Buch über die DSGVO. Selbst ein Politiker wie der Datenschutzexperte Jan Philipp Albrecht muss zugeben: Wir hätten die Menschen besser informieren können (Zeit).

Die neuen Regeln schüren Angst vor Abmahnungen (Süddeutsche) und mit der Verunsicherung verdienen einige Leute Geld, bedauert auch Bundesjustizministerin Barley. Im Interview mit dem Spiegel verspricht sie, gegen Abmahner konsequent durchzugreifen. 

Facebook & Co. nutzen derweil die Verunsicherung, um die Nutzer für ihre neuen Datenschutzrichtlinien zu gewinnen und mehr statt weniger Nutzerdaten abzugreifen (Netzpolitik). 

Hilfe bei der Umformulierung der AGBs liefert der IT-Verband Bitkom in Form einer Muster-AGB, die vor allem Mittelständlern und Kleinunternehmen helfen soll.

 

Digitale Welt

Die Anhörung von Mark Zuckerberg im EU-Parlament war eine Farce, aber das lag nicht an den Fragen der Politiker. Die Bedingungen waren so gesetzt, dass der Facebook-Chef die Anhörung als PR-Termin nutzen konnte (Zeit). Immerhin scheinen beim letzten Datenskandal keine europäischen Nutzer betroffen zu sein. 

Wird Wikipedia für politische Zwecke missbraucht? Ein rätselhafter „Redakteur“ verändert in Großbritannien die Einträge über linke Aktivisten und Journalisten so, dass sie in möglichst schlechtem Licht erscheinen – seit 14 Jahren, sieben Tage die Woche (Business User). 

Trump darf auf Twitter keine Kritiker blockieren, urteilte ein US-Gericht. Die Richter stuften den Twitter-Feed des Präsidenten als „öffentliches Forum“ ein (Netzpolitik).

Amazon fördert den Überwachungsstaat und verdient dabei kräftig. Seine Gesichtserkennung kann sehr viel und wird seit zwei Jahren an die Polizei verkauft (Süddeutsche). Der intelligente Lautsprecher Echo zeichnet derweil auch mal unbemerkt Gespräche auf und verschickt sie an Bekannte. 

 

Zu guter Letzt …

Das Netz lacht über die DSGVO. Der Frust über die neuen Datenschutzregeln der DSGVO ist bei vielen groß – vor allem bei denen, die sie im Unternehmen umsetzen müssen. Humor ist ein gern genutzter Weg, sich abzureagieren. Die Zeitschrift t3n hat eine Auswahl der witzigsten Netzreaktionen zusammengestellt.

Digitale Agenda kw06 / 2018

 

Digitale GroKo-Pläne

Glasfaser und Gigabit-Internet für alle bis 2025, Schulen auf der digitalen Überholspur, WLAN überall und eine digitalisierte Verwaltung verspricht das Koalitionspapier von Union und SPD. Der Weg dorthin bleibt im Nebel, aber der Steuermänner (der CSU) kenner ihn ja gut (Spiegel).

Deutschland verschiebt den Beginn der Digitalisierung auf 2021, heißt es auf Twitter und  die Kommentare der Zeitungen sind auch nicht viel freundlicher. „Vom Neuland ins Digitalland“ urteilt z.B. Die Zeit nach ihrem Realitätscheck.

Konkreter sind nur die Pläne für mehr Überwachung. Aus Datenschutz wird Dateninnovation, es gibt mehr Videoüberwachung und Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und die CSU will die Polizei zum Geheimdienst aufrüsten.

 

Digitale Welt

Telekom und Vodafone wollen Passwörter abschaffen. Die Angabe der Handy-Nummer soll genügen, um sich eindeutig zu identifizieren, den Rest machen die Telko-Riesen im Hintergrund. Die Deutsche Bank, Lufthansa und verschiedene Online-Händler wollen mitmachen (Süddeutsche).

Schluss mit Geoblocking im Online-Shopping. Kunden sollen künftig unabhängig von ihrem Wohnort frei wählen können, in welchem Shop sie innerhalb der EU einkaufen. Dies betrifft den Kauf von Waren ebenso wie das Mieten von Ferienwohnungen oder Leihwägen (Zeit).

Digitalisierung wird 3,4 Millionen Jobs kosten, sagt eine Studie des Branchenverbands Bitkom. Verbandchef Achim Berg spricht sich deshalb dafür aus, die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zu testen (FAZ).

WeChat soll den Personalausweis ersetzen. Der chinesische WhatsApp-Konkurrent will virtuelle ID-Karten verteilen, die die Bürger anstatt von physischen Personalausweisen verwenden können (Netzpolitik.org).

Facebook steht im Regen, zumindest was das öffentliche Ansehen betrifft. Prominente Tech-Vertreter werfen dem Netzwerk vor, jugendliche Nutzer absichtlich süchtig zu machen, der Schauspieler Jim Carrey ruft wegen der Russland-Affäre zum Boykott auf. Ob Facebook sein neuestes Patent, das Nutzer in Arbeiter, Mittelschicht und Oberschicht klassifiziert, positive PR bringt, scheint fraglich.

 

Zu guter Letzt …

Ein Kontrollarmband für Lagermitarbeiter hat sich Amazon patentieren lassen. Seine eigentliche Funktion besteht darin, einem Mitarbeiter den Weg zur richtigen Ware zu weisen und zu vibrieren, wenn er daneben greift (t3n.de). Allerdings kennt Amazon damit auch immer die exakte Position des Mitarbeiters und weiß, wie schnell er arbeitet oder ob er zu lange Pausen macht. In Italien, wo Amazon das Ansehen eines Blutsaugers genießt, ist das Armband zum Wahlkampfthema geworden (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw48 / 2017

 

Daten-Deals

Was lässt sich mit Gesichtsdaten verdienen? Offenbar so viel, dass die australische Regierung jetzt darüber nachdenkt, die Identität eingescannter Gesichter über ihre Passfoto-Datenbank zu verifizieren. Bisher hat sich die Verifizierung aller anderen persönlichen Daten als lukratives Geschäft für sie erwiesen (Zeit).

Bayer ließ Gesichter von Apothekenkunden scannen, um ihnen die zu ihrem Geschlecht und Alter passende Werbung an der Kasse anzuzeigen (Spiegel). Nach Protesten wurde das österreichische Pilotprojekt abgebrochen.

Einen Daten-Deal der besonderen Art macht gerade die chinesische Regierung mit ihren Bürgern. Über ein Punktesystem sollen Chinesen, die gesund leben, mit günstigen Krediten und Krankenversicherungen belohnt werden. Wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder Pornos schaut, bekommt Punktabzüge (Zeit).

 

Digitale Welt

Steuergeschenke für Amazon: Während in Europa die Steuerschlupflöcher langsam geschlossen werden, wird Amazon in den USA das Steuergeld hinterhergeworfen. Bei der Ausschreibung für eine neue Konzernzentrale überbieten sich US-Metropolen bis zur Lächerlichkeit mit Steuergeschenken – auf Kosten ihrer Bürger (Welt).

Extrem einfach zu hacken war bis vorgestern Apples aktuelles MacOS. Das Einloggen als Root-Nutzer war ohne Passwort möglich. Inzwischen gibt’s ein Sicherheitsupdate (Süddeutsche).

None of your Business: Der österreichische Facebook-Schreck Max Schrems hat eine Organisation gegründet, die systematisch Konzerne verklagen will, wenn diese gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Das dafür nötige Geld will noyb.eu über Spenden eintreiben (Zeit).

Wie Startups vom Bitcoin-Hype profitieren, schildert ein Artikel in der Süddeutschen. Statt Businesspläne zu schreiben, erfinden sie einfach neue Digitalwährungen und locken Zocker auf ihre „Initial Coin Offerings“.

Einen Orwellschen Albtraum nennen die Grünen Pläne von Innenminister de Maizière, das Ausspionieren von Wohnungen, Autos und Heimgeräten zu erleichtern (Spiegel). Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland soll der Lauschangriff durch den „Einsatz technischer Mittel gegen Einzelne“ drastisch erweitert werden.

 

Zu guter Letzt …

Gelbe Fahrräder werden zum Hassobjekt. Die Mieträder des asiatischen Verleihers O-Bike stehen weltweit in großen Mengen in immer mehr Städten herum und ziehen den teilweise heftigen Zorn ihrer Bewohner an. Der vom Bayerischen Rundfunk aufgedeckte Datenskandal, nach dem Nutzerdaten von O-Bike frei verfügbar im Netz zu finden waren, hat auch hierzulande sein Übrigens getan. Auf Instagram überbieten sich die Nutzer jetzt mit kreativen Zerstörungsfotos (SZ-Magazin).