Schlagwort-Archive: Autonome Autos

Digitale Agenda kw26 / 2018

 

Menschliche Maschinen

Die Bundeskanzlerin plaudert mit einem Roboter, der Gefühle zeigen und ironische Bemerkungen machen kann. Künstliche Intelligenz versucht dem Menschen immer ähnlicher zu werden und die Süddeutsche fragt sich, ob das sinnvoll und zielführend ist. Sehr zurecht, denn:

Künstliche Intelligenz greift in die Meinungsbildung ein. IBM stellte mit dem Project Debater einen Computer vor, der rational argumentieren und seine (menschlichen) Zuhörer überzeugen kann. 

Wie gut so etwas funktioniert und wohin es führen kann, zeigt Google in einem internen Video, das diese Woche der Presse in die Hände fiel. Der Mensch wird darin von der Maschine so gut verstanden, dass er von ihr immer überzeugt werden kann, was als nächstes zu tun ist.

Immerhin: Googles neuester Sprachcomputer Duplex will sich künftig vor einem Gespräch mit dem Nutzer als Maschine ausweisen (Spiegel).

 

Digitales Leben

Google Pay ist in Deutschland gestartet. Um mit dem Smartphone einzukaufen brauchen Nutzer ein Android-Smartphone (ab Version 5.0) mit NFC-Funktionalität, eine Kreditkarte und die dazugehörige Google-App (Zeit). 

Die geheimen Überwachungszentren der NSA haben zwei Journalisten ausfindig gemacht und beschreiben sie in einem detailreichen Artikel auf The Intercept (Zusammenfassung im Spiegel). Die Zentren werden vom Telekom-Riesen AT&T betrieben und deren Gebäude sind weder klein noch unauffällig. 

Autonome Lkw-Konvois starten Testbetrieb. Das vordere Fahrzeug wird nach wie vor von einem Menschen gesteuert, die Lkw dahinter aber nicht mehr. Die Konvois sollen sicherer sein und außerdem Sprit und Platz auf der Autobahn sparen (WiWo).

Der schnellste Computer steht jetzt wieder in den USA. Der von IBM gebaute Superrechner ist um 25 Prozent leistungsfähiger als der bisherige Spitzenreiter aus China (FAZ).

Der effizienteste Computer arbeitet im Weltall. Der neue Rechner der Raumstation ISS soll mitunter herausfinden, wie er resistenter sein kann als die mehr als 100 Laptops, die bisher von der Strahlung der Sonnenstürme zerstört wurden (Süddeutsche). 

 

Zu guter Letzt …

Facebook meldet Patent zum Abhören seiner Nutzer an. Der Patentantrag beschreibt ein Verfahren, nach dem die Facebook-App mithilfe eines Audio-Signals das Mikrofon des Smartphones aktivieren kann, um Geräusche aus der Umgebung aufzunehmen. Die Erkennung der Umgebung soll Facebook helfen, die passende Werbung einzuspielen. Facebook beteuert, dass das Verfahren nie zum Einsatz kommen soll (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw12 / 2018

 

Facebook und Cambridge Analytica

Facebook als Instrument der Wählerbeeinflussung – daran nichts illegal. Was aber Cambridge Analytica im Auftrag eines US-Milliardärs und Trump-Förderers bei der letzten US-Wahl daraus machte, hat Facebook in eine Krise gestürzt (Zusammenfassung auf Netzpolitik.org).

Wahlmanipulation ist ein Geschäftsmodell, das Cambridge Analytica zur Perfektion getrieben hat. Facebook-Nutzer zu manipulieren war dabei nur ein Baustein aus einer ganzen Palette illegaler Mittel (Süddeutsche).

Der eigentliche Datenskandal besteht aber darin, dass aus Sicht von Facebook nichts illegales passiert ist. Cambridge Analytica hat nur Facebooks Möglichkeiten genutzt, auf seine Nutzer Einfluss zu nehmen (Spiegel).

Wird sich in absehbarer Zeit etwas ändern? Politiker und Datenschützer sind empört, Facebook musste sich entschuldigen und gelobte, wie immer, Besserung. Das Geschäftsmodell bleibt aber intakt und die Nutzer sind weiterhin treu.

 

Digitale Welt

Anwälte misstrauen ihrem elektronischen Postfach. Das eigens für sie entwickelte Anwaltspostfach (beA) mit dem „Look-and-Feel der Neunzigerjahre“ sollte seit 1. Januar verpflichtend sein, scheiterte aber an einem IT-Anfängerfehler (Süddeutsche).

Bei der Digitalisierung kann Deutschland von Spanien lernen. Breitband, digitale Unterschrift, elektronische Steuererklärung und Online-Behördengänge sind in Spanien längst Realität – und sie funktionieren (WiWo).

Internet-Konzerne sollen mehr Steuern zahlen, findet die EU und arbeitet an einem Plan zur Besteuerung der Umsätze der Internet-Riesen vorsieht. Die Gewinne von Apple, Amazon & Co. werden so lange zwischen den EU-Ländern verschoben, bis sie nicht mehr zu sehen sind (Zeit).

Autonomes Uber-Auto überfährt Fußgängerin. Ein von der Polizei veröffentlichte Video des Unfallhergangs zeigt allerdings, dass auch ein menschlicher Fahrer in dieser Situation keine Chance gehabt hätte, rechtzeitig zu bremsen (Süddeutsche).

Im Wettlauf um KI hat China die besseren Karten. Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz hängt stark von der Verfügbarkeit Daten ab. So etwas wie Datenschutz gibt es in China aber nicht (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Wie Wikipedia, nur ohne Frauen und Evolution zeigt sich eine Online-Enzyklopädie ultraorthodoxer Juden. Das „Hamichlol“ (Gesamtheit) genannte Projekt unterschlägt alles, was nicht zu hundert Prozent in Einklang mit der Sicht von ultraorthodoxen Juden steht – oder schreibt es einfach um. Beim Eintrag über die aktuelle israelische Regierung wurden auf dem Gruppenfoto die drei weiblichen Mitglieder einfach wegretuschiert (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw05 / 2018

 

Staatstrojaner

Der Staatstrojaner ist bereits in Aktion, fanden die Süddeutsche, NDR und WDR heraus. Der Trojaner umgeht verschlüsselte Messaging-Dienste wie WhatsApp und hat vollen Zugriff auf alle Daten des Zielgeräts.

Die digitale Inquisition hat begonnen, kommentiert Heribert Prantl. Damit fielen bei der Überwachung zeitliche und inhaltliche Grenzen und die vom Grundgesetz garantierte freie und geschützte Kommunikation werde außer Kraft gesetzt.

Verfassungsklagen sind vorprogrammiert. Politiker aller Fraktionen im Bundestag außer der Union teilen die Ansicht, dass das Gesetz übers Ziel hinausschießt. In Großbritannien hat das höchste Gericht ein ähnliches Gesetz gerade als rechtswidrig erklärt.

 

Digitale Welt

Deutschland ist Pionier bei autonomen Fahrzeugen, aber die Schlagzeilen gehören Tesla, Google und Apple. Mehr als die Hälfte aller Patente zum Thema liegen in Deutschland, Daimler schickte die ersten Autos schon 1992 in den Straßenverkehr (FAZ).

Intelligente Lautsprecher sind Black Boxes, was den Datenschutz betrifft. Amazon Echo oder Google Home sind immer auf Empfang, doch nur die Hersteller wissen, was sie speichern. Datenschützer äußern Bedenken (Tagesspiegel, Süddeutsche), Tests fallen wenig schmeichelhaft aus (Spiegel, Welt).

Spracherkennung lässt sich leicht austricksen, fanden US-Forscher heraus. Man kann Sprachsequenzen mit anderen Signalen so überlagern, dass die Spracherkennung etwas völlig anderes versteht als ein Mensch.

Wie ein Quantencomputer funktioniert, erklärt in einer einfachen Sprache ein Artikel in der Zeit.

Passwörter sind für junge Leute ein alter Hut, sagt eine neue Studie von IBM. Sie setzen lieber auf Biometrie, Multifaktor-Authentifizierung und – wenn’s denn sein muss – auf Passwort-Manager. Für diejenigen, die noch eine Weile mit Passwörtern leben müssen, hier einige Tipps von der Süddeutschen und vom Spiegel.

Populäre Märchen: Bitcoin ist anonym und das Darknet ist sicher. Forscher aus Katar konnten Bitcoin-Nutzer identifizieren, die ihre Bitcoin-Adressen sowohl im Tor-Netzwerk benutzt als auch im Internet veröffentlicht haben (Spiegel).

 

Zu guter Letzt …

Fitness-App verrät Standorte geheimer Militärbasen. Soldaten joggen gerne um ihre Militärbasis herum und zeichnen dabei ihre Strecken und Leistungsdaten auf. Als die Fitness-App Strava neulich eine globale Heatmap der Strecken veröffentlichte, die die Fitness-Strecken ihrer Nutzer zeigte, dürften viele Geheimdienste gejubelt haben. Darauf zu erkennen waren die Umrisse vieler geheimer Stützpunkte in Syrien, Taiwan, Dschibuti und anderen Ländern. Auch ein Camp der Bundeswehr in Afghanistan ist darauf zu finden. Immerhin: die Heatmap ist anonym (Zeit).

Digitale Agenda kw45 / 2017

 

iPhone X: Fortschritt oder Lachnummer?

Die ersten Kritiken für das neue iPhone X lesen sich ähnlich wie die Testberichte des allerersten iPhones vor zehn Jahren: Ein eindrucksvolles Stück Technik – aber braucht man das unbedingt, noch dazu zu diesem Preis? (Zeit, Welt, Golem, heise.de)

Ein Haar in der Suppe finden viele:

  • Zu viele neue Gesten (witziges Video im Wall Street Journal, Verriss der Benutzeroberfläche auf Fast Company);
  • es geht leicht kaputt wenn es runterfällt (Guardian);
  • es ist teuer zu reparieren (heise.de);
  • es sollte lieber 100 Euro mehr kosten und fair produziert werden (Spiegel);
  • und Samsung macht sich in einem Werbespot darüber lustig.

Wer hat in Sachen Innovation die Nase vorn? Google ist Apple beim Thema Künstliche Intelligenz weit voraus und letztere spielt bei Smartphones eine immer größere Rolle, doch man sollte die Bedeutung guter Hardware nicht unterschätzen, sagt der US-Technologieexperte Ben Thompson.

 

Digitale Welt

Es wird wieder mehr digital spioniert, schreibt das BSI in seinem neuen Bericht zur Lage der Cybersicherheit. Die diplomatischen Bemühungen der letzten Jahre scheinen ins Leere gelaufen zu sein. Für Verbraucher sind vor allem vernetzte Hausgeräte und Daten auf mobilen Geräten gefährdet (Süddeutsche).

Selbstfahrende Autos nehmen die nächste Hürde. Google-Tochter Waymo schickt jetzt komplett unbemannte Autos auf die Straße, mitunter als Taxis des Fahrdienstleisters Uber (FAZ). Warum das autonome Auto sich zu einer Supermacht entwickelt, erklärt Ethik-Professor Iyad Rahwan im Interview.

Online-Bezahldienste erheben zu viele Daten, zeigt eine neue Studie. PayPal und andere Dienstleister klären ihre Nutzer nur unzureichend darüber auf, welche Daten sie sammeln und wofür genau (Zeit).

Hört Facebook seine Nutzer heimlich ab? Seit Jahren hält sich das Gerücht, dass Facebook über das Handy-Mikrofon Gespräche mitschneidet. Hamburger Datenschützer wollen die Vorwürfe nun prüfen (Süddeutsche).

55.000 offene Stellen für IT-Spezialisten meldet der Branchenverband Bitkom. Fast die Hälfte davon sind Jobs in der ITK-Branche selbst, vor allem bei Software-Anbietern und Dienstleistern.

Deutsche Bank ersetzt Mitarbeiter durch Maschinen. „Wir machen zu viel Handarbeit, was uns fehleranfällig und ineffizient macht“, sagte Vorstandschef Cryan. Der geplante Abbau von 9.000 Stellen müsse größer ausfallen (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Facebook hat Rachepornos den Krieg erklärt und testet gerade eine Technik, die solche Bilder und Videos automatisch löschen soll. Im Rahmen des Pilotprojekts sollen nun potenzielle Opfer die fraglichen Dateien per Facebook-Messenger an sich selbst schicken, damit Facebook die Bilder erkennt und deren Veröffentlichung blockieren kann. Die Methode sei in Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen entwickelt worden und absolut sicher, beteuert das Netzwerk (Süddeutsche).