Schlagwort-Archive: Blockchain

Digitale Agenda kw04 / 2018

 

Überwachung & Zensur

Die Freiheit im Internet schrumpft weiter. Die Meldungen zum Thema Überwachung und Zensur allein diese Woche:

  • Die EU-Kommission will große Online-Plattformen verpflichten, alle Inhalte zu scannen, die Nutzer hochladen (Süddeutsche)
  • Heimliche Handy-Überwachung durch Sicherheitsbehörden nimmt zu (Zeit)
  • Ein Pilotprojekt für Peilsender in den Schulranzen von Schülern wurde gestoppt (Spiegel)
  • Intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo sind der Geheimdienste bester Freund (The Verge)
  • US-Geheimdienste wollen Zugriff auf Daten in europäischen Rechenzentren (Zeit)
  • Eine Sammelklage gegen Facebook wegen seiner Tracking-Praktiken wird nicht zugelassen (Süddeutsche)
  • Künstliche Intelligenz wird Überwachungssysteme revolutionieren (Futurezone)

 

Digitale Welt

Google-Mutter startet Security-Unternehmen. „Chronicle“ soll Firmenkunden zehnmal sicherer machen als heute – mit Datenanalyse, Maschinenlernen und einem besseren Verständnis der eigenen Daten (Golem).

Ein Gesetz zur Kontrolle von Algorithmen bereitet die Stadt New York vor. Algorithmus-basierte Systeme sind unter anderem in der Kriminalitätsbekämpfung und in der Justiz im Einsatz, doch die Kriterien der Algorithmen kennen nur die Hersteller (Netzpolitik).

Vorstellungsgespräch bei einem Chatbot – undenkbar? Ganz im Gegenteil, die Industrie arbeitet schon daran. Algorithmen sortieren bereits Bewerbungen vor, die Telekom experimentiert mit einem Facebook-Bot (Zeit).

IoT-Botnetz spioniert seine Opfer aus. „Hide’n Seek“ befällt intelligente Geräte wie Webcams oder Fernseher und beinhaltet Funktionen, die auf Spionage und Erpressung hindeuten, fand Bit Defender heraus (heise.de).

Blockchain und P2P werden das Internet radikal verändern, glauben Experten. Alternative Modelle für Cloud-Storage sind bereits Realität (Computerworld), Peer-to-Peer-Technologien werden Nutzer unabhängiger von Mega-Plattformen machen (Hackernoon).

 

Zu guter Letzt …

Wenn Milliardäre über das Establishment schimpfen, wird es skurril. Internet-Giganten wie Facebook und Google seien „Hemmnisse für Innovation“ und entwickelten ein „Netz der totalitären Kontrolle“, sagte George Soros, der inzwischen 87jährige legendäre Investor, auf dem World Economic Forum in Davos. Donald Trump warf er vor, die USA in einen „Mafiastaat“ wie China und Russland verwandeln zu wollen. Und die bayerische CSU sei maßgeblich für den Aufstieg der AfD verantwortlich (Welt).

Digitale Agenda kw03 / 2018

 

Coin-Schwemme

Jeder darf mal: Fast jeden Tag kommen neue Kryptowährungen wie Bitcoin auf dem Markt und offensichtlich gibt es genug Verrückte, die sie kaufen. Gegen den Krypto-Hype ist Roulette ein Familienspiel kommentiert die Süddeutsche. Auch der neuerliche Bitcoin-Crash schreckt kaum jemanden ab.

Alles, was mit Bitcoin und Blockchain zu tun hat, ist gefragt. Ein Unternehmen wie Kodak (gibt’s noch) braucht nur anzukündigen, einen „KodakCoin“ zu entwickeln, um seinen Aktienkurs zu verdoppeln. Eine Getränkefirma fügte nur das Wort „Blockchain“ in ihrem Namen und hatte denselben Effekt.

Die Blockchain-Technologie (gute Erläuterung in der SZ) hat dennoch das Potenzial, die digitale Welt zu verändern (Netzpolitik). Sogar sinnvolle Geschäftsmodelle mit Kryptowährungen sind möglich, wenn sie so gut durchdacht sind beim Messenger Telegram (Zeit).

 

Digitale Welt

Soziale Netzwerke sind auf Löschkurs. Schon die bloße Androhung des Netzdurchsetzungsgesetzes (NetzDG) hat gereicht, dass 2017 Facebook und Twitter viel mehr Beiträge gelöscht haben als die Jahre davor (Zeit). Der Übereifer den Netzwerke ist allerdings genauso gefährlich wie ihre Nachlässigkeit.

Android-Trojaner liest bei WhatsApp mit. „Skygofree“ wurde von Kaspersky entdeckt und scheint ein typischer Staatstrojaner zu sein. Entwickelt wurde er wahrscheinlich von einer darauf spezialisierten italienischen Firma (Spiegel).

Über die iPhone-Bremse entscheidet künftig der Nutzer. Apple hat sich Kritik und Klagen eingefangen, weil es die Leistung alter iPhones mit altem Akku drosselt, damit sie länger laufen. Künftig kann man das abstellen, sollte man aber besser nicht (Spiegel).

Spähtechnoilogie soll nicht exportiert werden dürfen. Das EU-Parlament hat dafür gestimmt, Gesetzeslücken zu schließen, die den Verkauf von Überwachungssoftware an autoritäre Staaten erlaubt (Netzpolitik).

Apple holt seine Milliarden nach Hause. Der Konzern will seine Cash-Reserven von 252 Milliarden Dollar aus Steueroasen abziehen und in den USA 20.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Mit Trumps Steuerreform soll das aber nur bedingt etwas zu tun haben (Süddeutsche, Welt).

 

Zu guter Letzt …

Es geht auch ohne Vermittler. Nach dem Verbot des Fahrdienstleisters Uber in London haben die Fahrer der legendären schwarzen Taxis selbst eine App herausgegeben. Die TaxiApp wird von ihnen genossenschaftlich getragen und vermittelt Taxis, ohne dass ein Konzern wie Uber mitverdient. Es ist nicht die erste Zunft, die dem genossenschaftlichen Modell folgt. Nachdem bei der Sharing Economy offenbar nur Vermittler profitieren, ist die Co-operative Economy jetzt im Kommen (Netzpolitik, The Independent, Co-op News).

Digitale Agenda kw25 / 2017

 

Der Trojaner im Grundgesetz 

Der Staatstrojaner ist jetzt gesetzlich beschlossen. Im Eiltempo durch den Bundestag gemogelt, ohne echte Debatte, an der Datenschutzbeauftragten des Bundes vorbei – und wahrscheinlich direkt in den Papierkorb des Bundesverfassungsgerichts.

Eine Analyse des neuen Gesetzes in der Zeit bringt folgendes zu Tage:

  • Der Trojaner nutzt nicht bekannte (Zero-Day-) Sicherheitslücken, die die Geheimdienste auf dem grauen Markt kaufen.
  • Was der Trojaner darf oder nicht, ist Auslegungssache. Im Zweifelsfall darf er alles.
  • Es gibt keine technische Kontrolle über seine Auswirkungen auf dem Zielsystem.
  • Es gibt keine öffentliche Kontrolle über die Einhaltung der gesetzlichen Einschränkungen.

Der Staatstrojaner ist ein Einbruch ins Grundgesetz, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen. Der große Lauschangriff, über den so lange gestritten wurde, sei verglichen damit ein lächerliches Unterfangen. Viele Experten teilen diese Meinung.

        

Digitale Welt

Amazon übernimmt weltgrößte Biomarktkette. Für 13,7 Milliarden Dollar gönnt sich der Online-Händler 430 Ladengeschäfte und will damit eine neue Art Lebensmittelhandel erfinden (Süddeutsche). US-Kommentatoren fordern schon Amazons Zerschlagung.

Die Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen EU-Recht, urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster. Das Urteil gilt jedoch vorerst nur für den Kläger, den Münchner Internet-Provider Spacenet (Zeit).

Wie sich Lügen im Netz verbreiten, erklärt die Publizistin Ingrid Brodnig in der Süddeutschen. Unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich – und der Erfolg hat System.

Wie verschleiert man sein Konsumverhalten? Als Verbraucher wird man ständig durch Tracking, Scoring und andere Techniken auf sein Verhalten hin analysiert. Umgehen lässt sich die Analyse kaum, verfälschen schon (Zeit).

Wofür sind Digitale Assistenten wirklich gut? Alexa, Cortana, Siri & Co. sind im Kommen weil Sprache der bequemste Weg ist, einen Computer zu bedienen und eine riesige Wissensdatenbank anzuzapfen (FAZ).

Wie Apple, Google & Co. ihre Geheimnisse hüten, schildert ein Artikel in der Zeit, der natürlich auf geleakten Informationen basiert. Ehemalige Geheimdienstler sind im Silicon Valley derzeit sehr gefragte Leute.

   

Zu guter Letzt …

Die Blockchain soll die Meinungsfreiheit retten. Publisicm ist ein niederländisches Projekt, das die Bitcoin-Basistechnologie Blockchain nutzen will, um Journalisten in repressiven Staaten zu schützen. Die Idee dahinter ist eine unabhängige Content-Plattform, die keinerlei zentrale Steuerung besitzt. Journalisten können dort ihre Inhalte hochladen und sich entlohnen lassen – anonym und manipulationssicher (Politik Digital).

Digitale Agenda kw19

 

Privatsphäre

Wem gehören meine Daten? Diese Frage war das dominierende Thema der Netzkonferenz re:publica dieses Jahr.

Privatsphäre ist eine Illusion und Datenvermeidung keine Option mehr”, sagt der ehemalige Chefwissenschaftler von Amazon, der Deutsche Andreas Weigend, im Interview mit der Zeit. In seinem neuen Buch fordert er stattdessen von den Konzernen Transparenz über die gespeicherten Daten und das Recht, diese Daten selbst zu managen.

Was Browser-Daten über uns verraten, schildert sehr anschaulich ein Artikel von Zarja Protner auf Netzpolitik.org. Es ist viel mehr, als häufig angenommen – inklusive der falschen Schlüsse, die man aus den Lücken dieser Daten ziehen könnte.

Das Internet der Dinge setzt eine zusätzliche Dimension drauf und schafft damit sogar eine neue Form der Spurensicherung.

Auch der Staat will viel mehr Daten haben und Innenminister de Maizière begründet das mit digitalem Pragmatismus – Terrorabwehr mache die Zusammenarbeit mit Ländern notwendig, die es nicht so genau mit dem Datenschutz nehmen (Süddeutsche). Also wird die Vorratsdatenspeicherung jetzt ausgeweitet.

Eine Alternative zu “Sign in with Facebook” wollen deutsche Unternehmen aus der Automobil- und Finanzbranche schaffen. Der Nutzer soll dabei selbst bestimmen können wer welche Daten bekommt (Spiegel).

        

Digitale Welt

Wie Mobbing auf Twitter funktioniert, schildert ein Artikel der Süddeutschen am Beispiel des Netzwerks “Sifftwitter”. Es führt systematisch digitale Mobbing-Attacken gegen Andersdenkende aus – mit üblen Konsequenzen für die Opfer.

Blockchain-Technologie stabilisiert deutsches Stromnetz. Im Rahmen eines Pilotprojekts soll der Strom aus Windanlagen im Norden und Solaranlagen im Süden im Übertragungsnetz ausgeglichen werden (Die Welt).

Den Krieg um die Adblocker im Browser analysiert ein Artikel in der Zeit. Wenn Google seinen Chrome-Browser mit einem Adblocker ausstattet, geht es nicht nur um die Dominanz im Werbegeschäft, sondern auch um freie Meinungsäußerung, Netzneutralität und Datenschutz.

Amazon Echo bekommt Bildschirm und Kamera. Der Onlinehändler hat mit dem Modell “Echo Show” seinem Heimassistenten die Möglichkeit gegeben, die Haustür oder andere Zimmer zu überwachen, Videotelefonate zu führen und Informationen anzuzeigen (Spiegel).

Künstliche Intelligenz ist rassistisch. Algorithmen werden überwiegend von Weißen programmiert. Wenn Computer die Schönheit von Frauen beurteilen sollen, passiert das auch nach dem Geschmack weißer Männer (Süddeutsche).

Wie wird man Datenspezialist? So sehr sie gesucht werden, richtige “Data Scientists” sind momentan eine seltene Spezies. 7 Tipps, wie man als Normalsterblicher trotzdem den Umgang mit Daten lernen kann, gibt Lars Milde in der Computerwoche.

   

Zu guter Letzt …

IT-Verband Bitkom bekommt Big Brother Award. Wenn es in der Vergangenheit um Datensouveränität oder Datensparsamkeit ging, vertrat der IT-Branchenverband eine eher deutsch-konservative Linie und empfahl möglichst wenig Daten zu teilen. Nun scheine sich innerhalb des Verbands die amerikanische Sicht der Dinge durchzusetzen, so die Laudatoren. Nämlich dass Datensparsamkeit die Entwicklung von Big Data und Künstlicher Intelligenz behindere. Und dank Bitkom habe sich diese Ansicht mittlerweile auch in die Politik eingeschlichen (Zeit).