Schlagwort-Archive: Datenschutz

Digitale Agenda kw14 / 2018

 

Facebook: Ein Datenfass ohne Boden

Je mehr in Facebooks Daten gestochert wird, desto diffuser wird es. Erst waren es 50 Millionen persönliche Datensätze, die an Cambridge Analytica weitergegeben wurden, dann 87 Millionen, und jetzt weiß es nicht einmal Facebook so genau (Zeit). 

Cambridge Analytica war kein Einzelfall. Facebook ermöglichte den Entwicklern von Apps über Jahre Zugriff auf Nutzerprofile. Das hat Facebook nun geändert, doch weder das Geschäftsmodell noch die Haltung von Facebook wird intern in Frage gestellt. Damit sollten Facebook-Nutzer abfinden. 

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Nur Europa kann das Silicon Valley zähmen, glaubt der Experte Evgeny Morozov (Süddeutsche). Ex-Justizminister Gerhart Baum ruft zum Widerstand auf, seine aktuelle Kollegin Barley leitet erste Schritte ein. 

 

Digitale Welt

Auch die Deutsche Post ist ein Datenhändler. CDU und FDP nutzten Datenanalysen der Firma Post Direkt, um gezielt Wahlwerbung zu versenden (Süddeutsche). Die Daten, die die Post verkauft hat, sind im Vergleich zu Facebook allerdings harmlos (Zeit).

Frankreich ist nicht ganz so planlos wie Deutschland, wenn es um digitale Entwicklung geht. Während wir hier über die Gründe für die schleppende Breitbandversorgung grübeln (WiWo), artikuliert Macron seine Strategie für Künstliche Intelligenz (Spiegel). 

Systematische Abmahnungen gegen Internet-Shops bringen kleinere Firmen in Existenznöte. Rechtsanwälte und Abmahnvereine haben daraus ein lukratives Geschäft gemacht (Süddeutsche). 

Apple verlässt ab 2020 die Intel-Welt. Laut einem Bericht von Bloomberg will Apple ab 2020 auch in Macs nur noch eigene, ARM-basierte Prozessoren verbauen (Spiegel). Der letzte Prozessor-Umstieg, von Motorola auf Intel im Jahr 2005, hatte Apple alles andere als geschadet. 

Deep Learning wird erschwinglich. Die neuen Komplettsysteme der DGX-Serie von Nvidia bringen 15 Server-Racks in ein kompaktes Gehäuse zusammen, leisten bis zu 2 Petaflops und integrieren einen umfassenden Software-Stack für Deep Learning (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Wird Ihr Job wegdigitalisiert? Die Zukunft von fast jeder Tätigkeit hängt von der Entwicklung in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung ab. Ein einfacher Fragebogen gibt Orientierung darüber, wie diese drei Faktoren einzelne Tätigkeiten beeinflussen (Business User). 

Digitale Agenda kw48 / 2017

 

Daten-Deals

Was lässt sich mit Gesichtsdaten verdienen? Offenbar so viel, dass die australische Regierung jetzt darüber nachdenkt, die Identität eingescannter Gesichter über ihre Passfoto-Datenbank zu verifizieren. Bisher hat sich die Verifizierung aller anderen persönlichen Daten als lukratives Geschäft für sie erwiesen (Zeit).

Bayer ließ Gesichter von Apothekenkunden scannen, um ihnen die zu ihrem Geschlecht und Alter passende Werbung an der Kasse anzuzeigen (Spiegel). Nach Protesten wurde das österreichische Pilotprojekt abgebrochen.

Einen Daten-Deal der besonderen Art macht gerade die chinesische Regierung mit ihren Bürgern. Über ein Punktesystem sollen Chinesen, die gesund leben, mit günstigen Krediten und Krankenversicherungen belohnt werden. Wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder Pornos schaut, bekommt Punktabzüge (Zeit).

 

Digitale Welt

Steuergeschenke für Amazon: Während in Europa die Steuerschlupflöcher langsam geschlossen werden, wird Amazon in den USA das Steuergeld hinterhergeworfen. Bei der Ausschreibung für eine neue Konzernzentrale überbieten sich US-Metropolen bis zur Lächerlichkeit mit Steuergeschenken – auf Kosten ihrer Bürger (Welt).

Extrem einfach zu hacken war bis vorgestern Apples aktuelles MacOS. Das Einloggen als Root-Nutzer war ohne Passwort möglich. Inzwischen gibt’s ein Sicherheitsupdate (Süddeutsche).

None of your Business: Der österreichische Facebook-Schreck Max Schrems hat eine Organisation gegründet, die systematisch Konzerne verklagen will, wenn diese gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Das dafür nötige Geld will noyb.eu über Spenden eintreiben (Zeit).

Wie Startups vom Bitcoin-Hype profitieren, schildert ein Artikel in der Süddeutschen. Statt Businesspläne zu schreiben, erfinden sie einfach neue Digitalwährungen und locken Zocker auf ihre „Initial Coin Offerings“.

Einen Orwellschen Albtraum nennen die Grünen Pläne von Innenminister de Maizière, das Ausspionieren von Wohnungen, Autos und Heimgeräten zu erleichtern (Spiegel). Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland soll der Lauschangriff durch den „Einsatz technischer Mittel gegen Einzelne“ drastisch erweitert werden.

 

Zu guter Letzt …

Gelbe Fahrräder werden zum Hassobjekt. Die Mieträder des asiatischen Verleihers O-Bike stehen weltweit in großen Mengen in immer mehr Städten herum und ziehen den teilweise heftigen Zorn ihrer Bewohner an. Der vom Bayerischen Rundfunk aufgedeckte Datenskandal, nach dem Nutzerdaten von O-Bike frei verfügbar im Netz zu finden waren, hat auch hierzulande sein Übrigens getan. Auf Instagram überbieten sich die Nutzer jetzt mit kreativen Zerstörungsfotos (SZ-Magazin).

Digitale Agenda kw02

 

Neue ePrivacy-Verordnung 

Einen strengeren Umgang mit Cookies will die EU-Kommission laut ihrem neuen Entwurf der ePrivacy-Verordnung ab 2018 durchsetzen (Zeit).

  • Cookies von Drittanbietern (z.B. Werbenetzwerken) sollen dann vom Browser standardmäßig geblockt und nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Nutzers aktiviert werden können.
  • Das Tracking bei Mail-Diensten wie Gmail zu Werbezwecken muss ab 2018 explizit vom Nutzer genehmigt werden.
  • „Harmlose“ Cookies, die das Surfvehalten des Nutzers auf der jeweiligen Website festhalten, sollen hingegen nicht mehr zustimmungspflichtig sein.

Wird der Datenschutz für Nutzer dadurch besser? Ein genauerer Blick auf den Entwurf lässt nur bedingt darauf schließen. Zwar ist er eine Verbesserung im Vergleich zum letzten, doch ‚Do-not-track‘ als Voreinstellung ist für Internet-Software auch künftig nicht Pflicht (Netzpolitik.org).

    

Digitale Welt

Verfassungsschutz will Cyber-Gegenangriffe starten. „Angriff ist die beste Verteidigung“ scheint sich BfV-Chef Maaßen gedacht zu haben und ist für eine „aktive Bekämpfung“ von Cyberangriffen (Spiegel). Ob er wohl weiß, worauf er sich da einlassen will, fragen sich Netzpolitik.org und die Süddeutsche.

Energiebilanz: Apple hui, Amazon pfui. In ihrem neuen Energy Reportschlüsselt Greenpeace die Energiequellen auf, aus denen Internet-Firmen ihren Strom beziehen. Bei Spitzenreiter Apple liegt der Anteil der Erneuerbaren inzwischen bei 83 Prozent, Amazon stagniert bei 17.

Endlich einfachere Privacy-Einstellungen bei Windows 10. Mit dem nächsten Update werden die Express-Einstellungen durch ein Datenschutz-Setup ersetzt und Nutzer bekommen mit dem Privacy Dashboard eine Übersicht über die von Windows-10-Geräten gespeicherten Daten (silicon.de).

Eine Prognose der Arbeitswelt im neuen Jahr aus der Brille der Personalverantwortlichen bei SAP, Dell, Microsoft, Accenture und anderen Unternehmen liefert eine Umfrage der Computerwoche. Dazu fünf Tipps von IDC für den Arbeitsplatz der Zukunft.

Samsung-Chef droht Haftbefehl. Bei den Ermittlungen in der Korruptionsaffäre gegen Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye wird jetzt auch der Samsung-Erbe und Vizechef Lee Jae Yong verdächtigt, Regierungsmitglieder bestochen und einen Meineid geleistet zu haben (FAZ).

Wie der Drohnenkrieg der Zukunft aussehen wird, hat das Pentagon jetzt in einem Feldversuch demonstriert (Video). Ein von Jagdbombern abgesetzter Drohnenschwarm zerstört mehrere Ziele und verhält sich dabei wie ein „intelligenter kollektiver Organismus mit verteiltem Hirn“ (Spiegel).

Facebook startet Projekt gegen Fake News. Das „Facebook Journalism Project“ sieht eine stärkere Kooperation mit Journalisten und Medienhäusern vor und erinnert damit an die Digital News Initiative von Google, die ähnliche Ziele verfolgt.

Auf der CES gab es nicht nur unsinnige Gadgets. Mit Sensoren aufgewertete Geräte können auch echten Nutzen bringen, wie z.B. Körper-Airbags für Motorrad-, Ski- oder Fahrradfahrer (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

„Frau zu sein kostet eine Viertelmillion mehr“, sagt die Unternehmerin Vivienne Ming im Interview mit der FAZ über die Kosten der Qualifikationen, die ein Frau haben muss, um an Gründungskapital zu kommen. Und selbst dann bekommt sie nur 60 Prozent des Kapitals, das ein männlicher Hightech-Gründer bekommen würde.
Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der Karriere von 100.000 Unternehmerinnen und Unternehmern über 10 Jahre hinweg, aber auch auf der eigenen Erfahrung: Ming war bis zum dreißigsten Lebensjahr ein Mann.

Digitale Agenda kw15

 

Facebook wird ein „Everything Shop“

Community, Zeitungs-Kiosk, Shopping-Mall, Fernsehsender – wer braucht schon das Internet, wenn er Facebook hat? Facebook will zur „Krake unseres Alltags“ werden (Welt.de).

Das „Internet der Konversation“ hat Facebook auf seiner Entwicklerkonferenz ausgerufen. Alles, was Facebook heute schon bietet und künftig bieten wird, soll über einige Zeilen in menschlicher Sprache im Chat-Fenster zu bekommen sein. Am anderen Ende der Leitung sitzen Chatbots, die unsere Anliegen verstehen und darauf richtig reagieren (FAZSüddeutsche).

Mit der Facebook Bot Engine bekommen Entwickler selbstlernende Algorithmen an die Hand, mit denen sie für die eigenen Bots natürliche Gespräche simulieren werden können (Zeit.de). Die Vielzahl an anderen kostenlosen Tools soll zudem dafür sorgen, dass Facebook zur dominierenden Infrastruktur-Plattform für Kommunikation, Inhalte und Konsum wird (Spiegel).

Wo führt das alles hin? Genauso wie Banken, die „too big to fail“ sind, werden Technologiefirmen zu wichtig für unser Leben, um zu scheitern, schreibt Evgeny Morozov im Guardian. Bald sei auch keine Regierung mehr in der Lage, sich ihnen in den Weg zu stellen.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU hat diese Woche im EU-Parlament eine Mehrheit gefunden und soll 2018 in Kraft treten. Was sich dadurch ändert und wie Verbraucherschützer und Industrie darauf reagiert haben, hat Netzpolitik.org zusammengefasst.

Auch eine neue EU-Richtlinie über Geschäftsgeheimnisse ist vom EU-Parlament ohne Probleme beschlossen worden (Netzpolitik.org). Was zehn Tage nach Veröffentlichung der Panama Papers etwas verwundert, denn die Richtlinie komme einem Maulkorb für Whistleblower und Presse gleich, glauben Experten (Deutschlandfunk).

Beim US-EU Privacy Shield gibt es hingegen starke Bedenken. Das Nachfolgeabkommen von Safe Harbor steht nach eingehende Analyse von allen Seiten unter Beschuss: Datenschützern ist es nicht präzise genug (silicon.de) und für die USA zu unverbindlich (Computerwoche), Verbraucherschützern zufolge verstößt es sogar gegen EU-Recht (Datacenter-Insider.de).

IT-Organisationen haben Angst vorm Abstellgleis, ergab eine Studie von EMC (PDF). Die Hälfte der befragten IT-Verantwortlichen befürchtet, dass ihre Abteilungen bis 2019 verschwunden sein könnten (silicon.de).

Wie man IT-Altlasten beseitigt, verrät der IDC-Experte Oliver Laitenberger auf CIO.de. Organisation, Prozesse und Architektur bleiben auch bei der Digitalisierung die maßgeblichen Parameter, müssen aber neu gedacht werden.

6 Schritte zur Vermeidung von Cyber-Risiken erläutert Tim Grieveson, Chief Security Strategist bei Hewlett Packard Enterprise. Dazu gehört, dass man beim Thema Sicherheitsverstöße nicht ans „ob“ denkt, sondern ans „wann“ (HPE Business Insights)

Eine Sync & Share-Lösung für 330.000 Siemens-Mitarbeiter hat EMC mithilfe seiner Tochterfirma Syncplicity implementiert. Es ist die vermutlich größte Installation für den Austausch und der Synchronisation von Files weltweit (Speicherguide).

    

Zu guter Letzt …

Verleger laufen Sturm gegen einen neuen Browser. ‚Brave‚ wurde vom ehemaligen Firefox-Chef Brendan Eich entwickelt und entfernt nicht nur die meiste Werbung von den angezeigten Webseiten, sondern blendet auf einigen Werbeplätzen eigene Werbung ein, die aber Nutzerdaten nicht trackbar macht (heise.de).