Schlagwort-Archive: Digitalisierung

Digitale Agenda kw06 / 2018

 

Digitale GroKo-Pläne

Glasfaser und Gigabit-Internet für alle bis 2025, Schulen auf der digitalen Überholspur, WLAN überall und eine digitalisierte Verwaltung verspricht das Koalitionspapier von Union und SPD. Der Weg dorthin bleibt im Nebel, aber der Steuermänner (der CSU) kenner ihn ja gut (Spiegel).

Deutschland verschiebt den Beginn der Digitalisierung auf 2021, heißt es auf Twitter und  die Kommentare der Zeitungen sind auch nicht viel freundlicher. „Vom Neuland ins Digitalland“ urteilt z.B. Die Zeit nach ihrem Realitätscheck.

Konkreter sind nur die Pläne für mehr Überwachung. Aus Datenschutz wird Dateninnovation, es gibt mehr Videoüberwachung und Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und die CSU will die Polizei zum Geheimdienst aufrüsten.

 

Digitale Welt

Telekom und Vodafone wollen Passwörter abschaffen. Die Angabe der Handy-Nummer soll genügen, um sich eindeutig zu identifizieren, den Rest machen die Telko-Riesen im Hintergrund. Die Deutsche Bank, Lufthansa und verschiedene Online-Händler wollen mitmachen (Süddeutsche).

Schluss mit Geoblocking im Online-Shopping. Kunden sollen künftig unabhängig von ihrem Wohnort frei wählen können, in welchem Shop sie innerhalb der EU einkaufen. Dies betrifft den Kauf von Waren ebenso wie das Mieten von Ferienwohnungen oder Leihwägen (Zeit).

Digitalisierung wird 3,4 Millionen Jobs kosten, sagt eine Studie des Branchenverbands Bitkom. Verbandchef Achim Berg spricht sich deshalb dafür aus, die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zu testen (FAZ).

WeChat soll den Personalausweis ersetzen. Der chinesische WhatsApp-Konkurrent will virtuelle ID-Karten verteilen, die die Bürger anstatt von physischen Personalausweisen verwenden können (Netzpolitik.org).

Facebook steht im Regen, zumindest was das öffentliche Ansehen betrifft. Prominente Tech-Vertreter werfen dem Netzwerk vor, jugendliche Nutzer absichtlich süchtig zu machen, der Schauspieler Jim Carrey ruft wegen der Russland-Affäre zum Boykott auf. Ob Facebook sein neuestes Patent, das Nutzer in Arbeiter, Mittelschicht und Oberschicht klassifiziert, positive PR bringt, scheint fraglich.

 

Zu guter Letzt …

Ein Kontrollarmband für Lagermitarbeiter hat sich Amazon patentieren lassen. Seine eigentliche Funktion besteht darin, einem Mitarbeiter den Weg zur richtigen Ware zu weisen und zu vibrieren, wenn er daneben greift (t3n.de). Allerdings kennt Amazon damit auch immer die exakte Position des Mitarbeiters und weiß, wie schnell er arbeitet oder ob er zu lange Pausen macht. In Italien, wo Amazon das Ansehen eines Blutsaugers genießt, ist das Armband zum Wahlkampfthema geworden (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw09

 

Mobile World Congress in Barcelona

LTE war gestern, jetzt kommt 5G. Zumindest in den Eröffnungsreden der Firmenbosse war der nächste Mobilfunkstandard so präsent, als würde er dieses Jahr schon eingeführt werden. Dabei soll 5G erst 2020 starten (Zeit).

5G wird trotzdem vieles verändern, denn die Technik ist Voraussetzung für eine ganze Reihe neuer Anwendungen, die heute noch Zukunftsvision sind – das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und der autonome Autoverkehr (Süddeutsche).

Was außerdem in Barcelona neu war:

    

Digitale Welt

Firmen ignorieren Gefahren durch Digitalisierung. Sehr viele Unternehmen glauben, dass sie ihr Geschäftsmodell nicht verändern werden müssen, fand unter anderem eine Bitkom-Studie heraus (Computerwoche).

Die Störerhaftung soll endgültig sterben. Das Wirtschaftsministerium bessert das WLAN-Gesetz nach, sodass Betreiber offener WLANs nicht mehr mit Urheberrechtsklagen belangt werden können. Auch die Passwortpflicht soll verschwinden (Süddeutsche).

Eine neue Cyber-Eiszeit würde nur Verbrechern nutzen, glaubt Eugene Kaspersky. Wenn der Informationsaustausch zwischen russischen und amerikanischen Hackern zum Erliegen kommt, haben Cyber-Kriminelle ein leichtes Spiel (Süddeutsche).

Auch YouTube hat ein Fake-News-Problem. Tausende computergenerierte Videos mit Film- und Tonschnipseln der stramm rechten US-Medien Fox News und Breitbart versuchen aktuelle Themen zu kapern und sie in ihrem Sinne zu verdrehen (Süddeutsche).

Was ist wenn Trump den Privacy Shield abschafft? Der neue Präsident will per Dekret den Schutz persönlicher Daten von Nicht-US-Bürgern aufheben. Europäische Firmen sind besorgt um die Daten, die sie in den USA speichern (ONEtoONE).

Snap ist nach Börsengang 28 Milliarden wert. Deren Messaging-App Snapchat wird vor allem von jungen Leuten verwendet und hat es immer wieder geschafft, pfiffige neue Features einzuführen, die von den Konkurrenten WhatsApp und Instagram gern kopiert werden (Handelsblatt).

   

Zu guter Letzt …

Uber-Chef will endlich erwachsen werden. Für das von Sexismus-Vorwürfen geplagte, wertvollste Startup im Silicon Valley kam es diese Woche noch ein bisschen dicker:
– Der neue Technik-Chef musste nach nur einigen Wochen gehen, weil er eine Sexismus-Affäre bei seinem letzten Arbeitgeber verschwieg (Manager Magazin).
– Google hat wegen Industriespionage geklagt, weil Uber Patente für die Entwicklung autonomer Autos geklaut haben soll (Golem).
– Und Uber-Chef Travis Kalanick hat sich vor laufender Kamera mit einem seiner Fahrer gestritten und ihn abfällig behandelt (heise.de).
Nun hat Kalanick eingesehen, endlich erwachsen werden zu müssen (Buzzfeed).

Digitale Agenda kw30

 

Der Münchner Amoklauf in Internet

Soziale Netzwerke sind ein Echoraum für Gerüchte, das hat der Amoklauf von München letzte Woche einmal mehr gezeigt – bis hin zur Verbreitung gefälschter Bilder vom Tatort, schon wenige Minuten nach dem Anschlag (Spiegel).

Gerüchte werden aber erst dann zu Falschmeldungen, wenn große Medien ungeprüft darüber kolportieren (Süddeutsche) – und davon gab es letzten Freitag reichlich.

Dagegen gibt es ein sehr wirksames Mittel: eine staatliche Informationspolitik, die Gerüchten konkrete Fakten entgegensetzt, möglichst schnell und natürlich auch über soziale Netzwerke. Wie das geht, hat der Sprecher der Münchner Polizei letzten Freitag gezeigt (Süddeutsche).

Was es weniger braucht, sind die vorhersehbar reflexhaften Forderungen nach Verboten seitens der üblichen Verdächtigen aus der Politik (Netzpolitik.org). Erstaunlich viele von ihnen scheinen zu glauben, dass ein Verbot des Darknet etwas bewirken könnte.

    

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie CEOs auf die Digitalisierung reagieren, hat KPMG in einer neuen Studie (PDF) untersucht. Sie erwarten die gravierendsten Veränderungen seit 50 Jahren und machen sich Sorgen um ihre technische Infrastruktur (CIO.de).

Kann man WhatsApp beruflich nutzen? Dieser Frage geht der Datenschutz-Experte Christian Volkmer in der Computerwoche nach und kommt zu einem negativen Ergebnis, trotz der neulich eingeführten Verschlüsselung.

60 Prozent aller Datendiebstähle passieren von innen und den Security-Anbietern bleibt nichts anderes übrig, als das Verhalten der Mitarbeiter im Firmennetz zu analysieren. Jetzt hat auch IBM sein QRadar mit Behavioral Analytics erweitert (silicon.de).

Was von Database as a Service zu halten ist, erklärt ein eBook von CloudComputing-Insider.de. Es beleuchtet die möglichen Vorteile und Risiken und gibt Praxistipps zur Anbietersuche.

3D-Strukturen werden das Mooresche Gesetz retten, glaubt der Chiphersteller-Verband SIA. Die Miniaturisierung der Strukturen ist bis 2021 ausgereizt, danach muss gestapelt werden – unter anderem (DataCenter-Insider.de).

Wo die meisten IT-Experten arbeiten, hat der IT-Verband Bitkom nachgezählt. Hamburg hat im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl die höchste Dichte, noch vor Hessen, Baden-Württemberg und Berlin.

Das bundesweit größte Cyber-Forschungszentrum entsteht derzeit in München und gehört der Bundeswehrhochschule. Gesucht werden noch 11 Professoren und 67 technische Mitarbeiter (silicon.de).

    

Zu guter Letzt …

Verlierer plus Verlierer gleich Gewinner, titelt die Zeit zur Übernahme von Yahoo durch Verizon. Der größte Mobilfunkanbieter der USA scheint ein Faible für Antiquitäten entwickelt zu haben. Vor nicht allzu langer Zeit kaufte es sogar AOL. Allerdings ist das alles Teil seines Plans, seine Kunden schonungslos zu tracken, egal wo sie sich gerade befinden.

Digitale Agenda kw21

 

Facebook und die US-Wahlen

Die gute Nachricht zuerst: Facebook hat die Berichterstattung über die US-Vorwahlen, entgegen entsprechender Vorwürfe, nicht manipuliert, ergab eine interne Untersuchung. Trotzdem sieht sich das Netzwerk dazu gezwungen, noch mehr als bisher auf seine Neutralität zu achten (Zeit.de).

Das Problem: Algorithmen sind nicht neutral. Sie werden von Menschen programmiert und die Kriterien, was gezeigt werden darf und was nicht, werden von Menschen bestimmt und sind ihren Konventionen unterworfen (Netzpolitik.org).

Den Beweis lieferte Facebook selbst diese Woche. Das Netzwerk weigerte sich die Anzeige einer Organisation mit dem Foto eines übergewichtigen Models zu zeigen. Begründung: Es entspreche nicht seinen Kriterien (Spiegel, Diskussion auf süddeutsche.de).

Jetzt müssen Regeln her, fordern Internet-Experten wie Kate Crawford im Spiegel-Interview. Das Internet beeinflusst unsere Wahrnehmung, allen voran Plattformen wie Facebook oder Google, die inzwischen mitbestimmen, welche Nachrichten wir zu sehen bekommen.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie man Websites auf Benutzerfreundlichkeit testet, schildert Frank Piotraschke von Optimizely in der Computerwoche. Seine sechs Tipps zielen vor allem darauf ab, Conversion Rates zu erhöhen.

Android-Hersteller sollen endlich schneller updaten, findet Android-Urheber Google, und will jetzt zu langsame Gerätehersteller öffentlich bloßstellen. Die schlimmsten lassen sich derzeit mit Security-Updates bis zu 11 Monaten Zeit (golem.de).

Wo Deutschland bei der Digitalisierung lahmt, verrät der neue European Digital Progress Report. Unter den 28-EU-Ländern steht Deutschland jetzt auf Platz 9 und holt schnell auf – zumindest was die Industrie betrifft. Beim E-Government reicht es gerade mal für Platz 18 (Zeit.de).

Software zur Voraussage von Verbrechen ist rassistisch, fand das US-Medium Pro Publica heraus. Die Software wird in den USA eingesetzt, um das Rückfallrisiko bekannter Straftäter vorauszusagen. Afroamerikaner werden dabei systematisch benachteiligt, obwohl die Ergebnisse dagegen sprechen (heise.de).

Einen Besuch bei Microsofts Hardware-Entwicklung schildert Axel Postinett in der Zeit. Hardware ist für Microsoft inzwischen kein kurzzeitiges Abenteuer mehr, der Konzern will es vielmehr mit Apple aufnehmen.

Smartphones sollen Nutzer über ihre Sensoren erkennen. Im Rahmen von „Project Abacus“ wird von Google eine Programmierschnittstelle entwickelt, die biometrische und Nutzerdaten auswertet. Besonders für die Sprachsteuerung von Geräten sind solche Verfahren wichtig (silicon.de).

    

Zu guter Letzt …

US-Atomstreitkräfte nutzen Computer aus den Siebzigern und haben sich deswegen eine Rüge des US-Rechnungshofs eingefangen. Sogar 8-Zoll-Floppydisks für IBM-Rechner der Serie 1 sollen noch im Einsatz sein (Spiegel).

Technologiefirmen horten die größten Cash-Reserven. Apple hat mehr als 200 Milliarden Dollar auf der hohen Kante, Microsoft etwa halb so viel. Es folgen Google, Cisco und Oracle. Der reichste Pharmakonzern, Pfizer, kommt nicht einmal auf 40 Milliarden (GeekWire).