Schlagwort-Archive: Fake News

Digitale Agenda kw04 / 2019

 

Die Internet-Lobby in Europa

Ein schickes neues Büro hat Google in Berlin eröffnet, wenn auch nicht ganz so groß und nicht genau da, wo es ursprünglich stehen sollte. Der Widerstand der Berliner war einfach zu groß. Dafür ist Googles neues Büro so klischeehaft schick, dass es Satire provoziert.  

Facebook spendet 6,5 Millionen Euro an das KI-Ethikzentrum der TU München, hat dafür aber etwas anderes als Wohltätigkeit im Sinn. Genau wie Google will es sich Einfluss in Europa erkaufen – aus gutem Grund. 

Tech-Firmen sind derzeit so beliebt wie Banken nach dem Crash, ergab eine aktuelle Studie. Mit dem Zorn der Nutzer im Rücken fällt es der Politik leicht, hohe Bußgelder wegen Verletzung der DSGVO zu verhängen oder digitale Zölle von Internet-Konzernen zu verlangen. 

 

Digitales Leben

Beim letzten Datendiebstahl prominenter Politiker führen die Spuren in die rechte Internet-Szene, ergaben Recherchen des Spiegel. Der angeklagte 20-jährige Schüler hatte einschlägige Kontakte und wahrscheinlich auch Helfer. 

Jetzt bekommt auch die EU ihren Staatstrojaner, ergab eine Anfrage der Linken im Bundestag. Die Fraktion der Linken in Brandenburg scheint hingegen umgeknickt zu sein und will entgegen der offiziellen Parteilinie den Einsatz von Staatstrojanern absegnen. 

Der Widerstand gegen Upload-Filter wächst und die Verhandlungen zur EU-Urheberrechtsreform stecken fest. Elf Länder, darunter Deutschland sollen den letzten Kompromissvorschlag abgelehnt haben.

Der Einfluss von Fake News auf Wahlen wird überschätzt, sagt eine neue Studie. Unwahre Nachrichten verbreiten sich zwar, werden aber oft nur von einer kleinen Gruppe wahrgenommen und haben nur einen geringen Effekt. 

Microsoft hat in China ausgebingt. Seit Mittwoch wird auch Microsofts Suchmaschine Bing in China blockiert. Dabei war Bing die erste westliche Suchmaschine, die sich bemüht hatte, es der Regierung recht zu machen. Vorauseilender Gehorsam lohnt sich eben nicht immer.

 

Zu guter Letzt …

Die attraktivsten Städte für Start-ups sind nicht in Deutschland, ergab eine neue Studie. Das vielgelobte Berlin liegt abgeschlagen auf Platz 32, München kommt immerhin auf Platz 20. Die attraktivsten Start-up-Stadt in Europa sind bei unseren nördlichen und südlichen Nachbarn.

Digitale Agenda kw07 / 2018

 

Fake News & Fake Porn

Löschen, aber richtig. Soziale Medien sollen sich nach Ansicht der EU-Kommission stärker gegen Fake News, Hasskommentare und illegale Inhalte engagieren (Spiegel). Andererseits kritisiert sie die schwammigen Nutzungsbedingungen bei Facebook & Co, was das Löschen von Inhalten betrifft.

Das ist leichter gesagt als getan, da sich das Problem inzwischen nicht nur auf Textbeiträge beschränkt. Auch Videos lassen sich kinderleicht manipulieren. Resultat ist eine Schwemme gefälschter Pornofilme, in denen die Gesichter prominenter Schauspielerinnen wie Scarlett Johansson hineinmontiert werden.

Künstliche Intelligenz soll KI-Pornos eliminieren, wenn es nach dem Willen einiger Plattformbetreiber geht. Allerdings nicht als einzige Maßnahme, denn das Problem der gefälschten Videos betrifft auch Politiker (FAZ).

 

Digitale Welt

Pannenserie für Apple: Der neue intelligente Lautsprecher HomePod kann Holzmöbel beschädigen. Bei iOS 11 ist dem holprigen Start im letzten Jahr nun auch ein Teil des Codes im Internet aufgetaucht. Außerdem reicht ein indischer Buchstabe in einer WhatsApp-Nachricht, um ein iPhone zum Absturz zu bringen (Süddeutsche). Nun will Apple das Release-Tempo für iOS drosseln (Welt).

US-Geheimdienste warnen vor Huawei-Smartphones. FBI-Direktor Christopher Wray ist „zutiefst über die Risiken besorgt, wenn ein Unternehmen unter dem Einfluss einer fremden Regierung steht“ (Zeit).

Start für den Google Chrome Ad Blocker. Ausgeblendet werden sollen vor allem nervige animierte Banner. Google hofft, dass damit weniger Nutzer Ad Blocker installieren, die jegliche Werbung (inklusive der eigenen) blockieren (Süddeutsche).

Österreichs Polizei will die eigenen Spuren verwischen. Ein neues Gesetz soll die Gesetzeshüter teilweise von ihrer Dokumentationspflicht entbinden, wenn sie Verdächtige überwachen oder ausspionieren (Netzpolitik.de).

Finnland testet Führerscheine als Smartphone-App. Derzeit können 1000 Testpersonen ihre Fahrerlaubnis auf dem Smartphone vorzeigen. Knöllchen bekommen sie dann direkt auf den Bildschirm (Süddeutsche).

 

Zu guter Letzt …

Bitcoin wird zu einem vielschichtigen Problem, vor allem aber zu einem energetischen. Immer mehr Computer werden mit mit Schadsoftware infiziert, um im Hintergrund Bitcoins zu schürfen, seit neuestem auch Rechner kritischer Infrastrukturen wie Wasserwerke (Zeit). In Island soll 2018 mehr Energie fürs Schürfen aufgewendet werden als für die Summe aller Privathaushalte (Quartz). Und in den USA gibt es eine erste Bitcoin-Hotline für Leute, die verzweifelt sind weil sie durch Spekulationen zu viel Geld verloren haben (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw25 / 2017

 

Der Trojaner im Grundgesetz 

Der Staatstrojaner ist jetzt gesetzlich beschlossen. Im Eiltempo durch den Bundestag gemogelt, ohne echte Debatte, an der Datenschutzbeauftragten des Bundes vorbei – und wahrscheinlich direkt in den Papierkorb des Bundesverfassungsgerichts.

Eine Analyse des neuen Gesetzes in der Zeit bringt folgendes zu Tage:

  • Der Trojaner nutzt nicht bekannte (Zero-Day-) Sicherheitslücken, die die Geheimdienste auf dem grauen Markt kaufen.
  • Was der Trojaner darf oder nicht, ist Auslegungssache. Im Zweifelsfall darf er alles.
  • Es gibt keine technische Kontrolle über seine Auswirkungen auf dem Zielsystem.
  • Es gibt keine öffentliche Kontrolle über die Einhaltung der gesetzlichen Einschränkungen.

Der Staatstrojaner ist ein Einbruch ins Grundgesetz, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen. Der große Lauschangriff, über den so lange gestritten wurde, sei verglichen damit ein lächerliches Unterfangen. Viele Experten teilen diese Meinung.

        

Digitale Welt

Amazon übernimmt weltgrößte Biomarktkette. Für 13,7 Milliarden Dollar gönnt sich der Online-Händler 430 Ladengeschäfte und will damit eine neue Art Lebensmittelhandel erfinden (Süddeutsche). US-Kommentatoren fordern schon Amazons Zerschlagung.

Die Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen EU-Recht, urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster. Das Urteil gilt jedoch vorerst nur für den Kläger, den Münchner Internet-Provider Spacenet (Zeit).

Wie sich Lügen im Netz verbreiten, erklärt die Publizistin Ingrid Brodnig in der Süddeutschen. Unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich – und der Erfolg hat System.

Wie verschleiert man sein Konsumverhalten? Als Verbraucher wird man ständig durch Tracking, Scoring und andere Techniken auf sein Verhalten hin analysiert. Umgehen lässt sich die Analyse kaum, verfälschen schon (Zeit).

Wofür sind Digitale Assistenten wirklich gut? Alexa, Cortana, Siri & Co. sind im Kommen weil Sprache der bequemste Weg ist, einen Computer zu bedienen und eine riesige Wissensdatenbank anzuzapfen (FAZ).

Wie Apple, Google & Co. ihre Geheimnisse hüten, schildert ein Artikel in der Zeit, der natürlich auf geleakten Informationen basiert. Ehemalige Geheimdienstler sind im Silicon Valley derzeit sehr gefragte Leute.

   

Zu guter Letzt …

Die Blockchain soll die Meinungsfreiheit retten. Publisicm ist ein niederländisches Projekt, das die Bitcoin-Basistechnologie Blockchain nutzen will, um Journalisten in repressiven Staaten zu schützen. Die Idee dahinter ist eine unabhängige Content-Plattform, die keinerlei zentrale Steuerung besitzt. Journalisten können dort ihre Inhalte hochladen und sich entlohnen lassen – anonym und manipulationssicher (Politik Digital).

Digitale Agenda kw11

 

Gesetz gegen Fake News

Mit Bußgeldern bis 50 Millionen Euro droht Justizminister Heiko Maas sozialen Netzwerken in einem neuen Gesetzentwurf, wenn Fake News und Hasskommentare nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums gelöscht werden (Zeit).

Der Gesetzentwurf ist unausgegoren, schert unterschiedliche sozialen Netzwerke über Kamm, würde Facebook & Co. zum Richter über die Meinungsfreiheit machen und eine ausgefeilte Zensurinfrastruktur etablieren, sind sich die Experten einig (Netzpolitik.orgZeit).

Derweil trainiert Google seinen Algorithmus, um Fake News und Hasskommentare maschinell zu erkennen – freilich nicht ohne den Menschen als letzte Instanz: Ein 160-seitiges Regelwerk erklärt den weltweit etwa 10.000 „Quality Raters“, worauf sie bei ihrer Arbeit achten sollen (t3n.de).

    

South By Southwest

Wie umgehen mit Donald Trump? Die Technologiebranche zeigte sich auf dem Technik-Festival South by Southwest (SXSW) in Austin, Texts, besorgt. Allerdings weniger um die Demokratie in den USA oder die Auswirkungen von Fake News und Hasskommentaren auf ihren Plattformen, sondern erstmal nur um ihre eigene Zukunft. Trump ist so gar nicht ihr Präsident (Zeit).

Eine Front gegen Trump scheint sich im Silicon Valley zu bilden, doch auch auf der SXSW passiert das nur auf der verbalen Ebene. Mögen noch so viele linke Politiker eingeladen gewesen sein, für Aktionen seitens der Konzerne reicht es noch nicht (FAZ).

Demokratie ist kein selbstfahrendes Auto und Technologie nicht nur zum Geldverdienen da – solche Botschaften waren in Austin eher Kabarettisten vorbehalten. Sie sickern nur widerwillig ins kollektive Bewusstsein der Branche herab, auch wenn es erfreulich viele Diskussionen über soziale Verantwortung gab (Süddeutsche) und ein Fake-News-König öffentlich sein Tun bereute (Spiegel).

    

Digitale Welt

Google Snippets: Fake News by Design. Google liefert über seine ‚Snippets‘-Funktion Antworten auf Fragen, die in ausformulierten Sätzen gestellt werden. Nur sind sie nicht immer wahr: So soll Barack Obama einen Staatsstreich planen und Impfstoffe lösen angeblich Alzheimer aus (Süddeutsche).

Russische Spione sollen Yahoo gehackt haben. US-Ermittler werfen russischen Geheimdiensten vor, gemeinsam mit kriminellen Hackern Yahoo angegriffen zu haben. Es gab mehrere Festnahmen in verschiedenen Ländern (Golem).

Gefahr durch ältere Private-Cloud-Server. Über 20.000 ownCloud- und Nextcloud-Installationen in Deutschland sind nicht auf dem aktuellen Stand und somit potenziell verwundbar, warnt das BSI (heise.de).

Neue Collaboration-Tools von Google. Hangouts Meet eignet sich für Videokonferenzen mit bis zu 30 Teilnehmern, Hangouts Chat bietet Teams virtuelle Räume für die Kommunikation und den Austausch von Dateien (silicon.de).

   

Zu guter Letzt …

Wenn ein Vibrator zu viele private Daten sammelt, gibt’s in den USA eine Sammelklage und eine Entschädigung von 10.000 Dollar pro ‚geschädigten‘ Kunden. Genau das widerfuhr dem Hersteller We-Vibe, dessen Vibrator über Smartphone App gesteuert wird. Letztere schickte unerlaubter Weise jede Menge intimer Daten an den Server von We-Vibe, darunter Temperatur, Intensität und wie häufig das Gerät verwendet wurde – um dessen Qualität langfristig zu verbessern, versteht sich (heise.de).