Schlagwort-Archive: Safe Harbor

Digitale Agenda kw03

 

Smartphones aus Kinderarbeit

Apple, Samsung und Sony stehen wieder am Pranger, weil sie in ihren Akkus Kobalt aus Minen im Kongo verarbeiten, in denen massiv Kinderarbeit betrieben wird. Der Vorwurf stammt aus einem neuen Bericht von Amnesty International zu diesem Thema (Artikel auf Zeit.de).

Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts stammt aus dem Kongo. Der strittige Anteil, rund 20 Prozent der Gesamtproduktion, stammt aus kleineren Minen im Süden des vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes. Laut Unicef sollen dort 40.000 Minderjährige unter prekären Bedingungen in den Minen arbeiten.

Das Kobalt gelangt in die Akku-Produktion meist über chinesische Firmen. Letztere wollen von Kinderarbeit nichts gewusst haben, trotz angeblicher Kontrollen. Auch die Hersteller weisen die Vorwürfe zurück und auf eigene Programme hin, um ihre Lieferanten zu prüfen (im Original auf TechCrunch). Wenn die Vorwürfe stimmen, haben die Proramme wohl nicht viel genützt.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie grenzen sich CIO und CDO voneinander ab? Viele Unternehmen denken daran, einen Chief Digital Officer zu bestellen, doch sein Ressort sollte nicht mit dem des IT-Chefs in Konflikt stehen. Jan Appl und Oliver Oswald von der Porsche-Tochter MHP liefern in der Computerwocheeine Übersicht der beiden Aufgabengebiete.

Windows-Support für neue CPUs wird eingeschränkt. Für ältere Windows-Versionen (7, 8 oder 8.1), die auf Rechnern mit aktuellen Prozessoren laufen, will Microsoft künftig keinen Support mehr bieten. Für neuere Maschinen gibt’s Support nur mit Windows 10 (heise.de).

Wie der Vogel Verlag alle Web-Services in die Cloud ausgelagert hat, schildert ein Bericht auf CloudComputing-Insider.de (einer Vogel-Publikation). Implementationspartner und Cloud-Provider ist die Berliner ProfitBricks GmbH. 

Digitalisierung ist nur mit Hybriden Clouds zu bewältigen, ergab eine Studie von IDC. Während sich die Sicherheitsbedenken gegen sie langsam relativieren, mache IT-Managern die Komplexität solcher IT-Landschaften noch schwer zu schaffen (speicherguide.de).

Safe Harbor: Politiker sollen endlich handeln! Mit einem Brandbrief wandten sich IT-Verbände an die EU-Kommission und Präsident Obama und forderten eine schnelle Lösung. Ende Januar läuft die Schonfrist des Europäischen Gerichtshofs ab, danach dürften zwischen der EU und den USA keine Daten mehr ausgetauscht werden (Spiegel.de).

Dedizierte Storage-Systeme gibt es in zehn Jahren nicht mehr, glaubt André Braun, Sales Director Storage bei Dell. Klassische Systeme würden mehr und mehr durch konvergente Rechenzentrums-Lösungen ersetzt (Storage-Insider.de).

Eine Sicherheitslücke im Linux-Kernel bedroht Millionen Server und Android-Smartphones. Über die Lücke kann ein Angreifer Root-Rechte erlangen. Für Linux-Distributionen sind Patches bereits vorhanden oder in Arbeit, die meisten Android-Nutzer müssen noch eine Weile warten (Golem.de).

  

Zu guter Letzt …

EU-Bürger stehen Big Data skeptisch gegenüber, ihre persönlichen Daten geben sie dennoch an Google, Facebook & Co. bereitwillig weiter, ergab jetzt eine Studie von Vodafone (Zusammenfassung auf Politik-digital.de). Die Anwender sehe zwar den Nutzen durch bestimmte Dienste und Apps, das Potenzial für Missbrauch aber auch.

Digitale Agenda kw50

 

Das europäische Internet nimmt Gestalt an

Es wurde auch langsam Zeit. Offensichtlich haben die Urteile des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung und zu Safe Harbor die EU-Kommission dazu bewogen, etwas Ordnung ins europäische Politiker-Neuland Internet zu bringen.

Ein neues europäisches Sicherheitsgesetz wurde am Dienstag von EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament beschlossen. Die Richtlinie soll den Schutz der Daten-Infrastruktur in den 28 Mitgliedstaaten vereinheitlichen (Süddeutsche).

Die einheitliche Nutzung von Online-Inhalten quer durch alle EU-Länder soll eine Verordnung regeln, die Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach sollen Online-Inhalte, die in einem Land gekauft wurden, ab 2017 in allen EU-Ländern abspielbar sein. Heute ist das oft nicht möglich (Spiegel).

Europäische Nutzerdaten sollen vor US-Zugriff besser geschützt werden – zumindest will sich EU-Justizkommissarin Věra Jourová dafür stark machen. Für das Nachfolgeabkommen von Safe Harbor fordert sie ein „System von Vertrauen und Kontrolle“ (FAZ).

Eine Charta der digitalen Grundrechte forderte unlängst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Einen ersten Entwurf dafür lieferte ihm gestern sein Parteikollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, in der Zeit.

Das Thema Vorratsdatenspeicherung ist allerdings trotz entsprechendem Urteil des EuGH noch lange nicht gegessen. Einer Reihe interner Dokumente des EU-Ministerrats zufolge wollen die Innenminister die Massenspeicherung von Nutzerdaten auch ohne konkreten Anlass durchsetzen (Zeit).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT 

In einer neuen Gehaltsstudie für Projektmanager in Deutschland und Österreich (PDF) ermittelte der GPM-Verband Einstiegsgehälter von 60.000 Euro und Spitzengehälter jenseits der 100.000 Euro.

Cloud Computing funktioniert gut, solange es keine Probleme mit Verträgen, ISO-Normen und der rechtlichen Absicherung gibt, schreibt Stephan Krische vom Bundesverband der IT-Sachverständigen im Cloud-Computing Insider. Sobald jedoch Sturm aufzieht, kann es schnell teure Schäden geben.

Die Kommerzialisierung des Cybercrime ist auch hierzulande weit fortgeschritten, schreibt Jürgen Hill in der Computerwoche. Die deutsche Crimeware-Szene zählt inzwischen rund 70.000 registrierte Mitglieder.

Mozilla sucht noch seine Rolle im mobilen Zeitalter. Die Organisation hinter Firefox scheint derzeit ihre Prioritäten neu zu setzen (Zeit) und hat angekündigt, das Smartphone-Betriebssystem Firefox OS ad acta zu legen (Zeit). Auch der E-Mail-Client Thunderbird soll lieber woanders weiterentwickelt werden (heise.de). Neu hinzugekommen ist Focus für iOS, ein Ad-Blocker, der auch Tracking wirksam abstellen kann (heise.de).

Google stellt seinen ersten Quanten-Computer vor. Er steht im Nasa-Forschungszentrum und hat schon mal ein erstes Benchmark gesetzt: Er rechnet bis zu 100 Millionen Mal schneller als konventionelle Binär-Computer. Als nächstes soll er lernen, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten (Spiegel).

Ein Android-Tablet, das versucht, ein Notebook zu sein, ist Googles Pixel C. Allerdings ohne viel Glück. Die Hardware mag eindrucksvoll sein (Spiegel), doch die Kollegen von Ars Technica bringen es auf den Punkt: Hardware war nie Androids Problem. Es ist die Software, die nicht wirklich für produktive Arbeit geschaffen ist. Deswegen ziehen deutsche Profi-Nutzer vorerst das Notebook dem Tablet vor (Computerwoche).

 

Zu guter Letzt …

Der Erfinder des Bitcoin wurde enttarnt – mal wieder. Niemand weiß wirklich, wer sich hinter dem Namen Satoshi Nakamoto verbirgt. Jetzt wollen die US-Medien Gizmodo und Wired herausgefunden haben, dass es der australische Entrepreneur Craig Wright ist. Es bleiben Zweifel, doch die Geschichte liest sich spannend wie ein Agententhriller (Zeit).

Digitale Agenda kw43

 

Safe Harbor 2.0

Dieses Fass ist tiefer als gedacht. Mit seinem Grundsatzurteil zum Datenaustausch zwischen den USA und der EU (Safe Harbor-Abkommen) hat der Europäische Gerichtshof Hektik auf beiden Seiten des Atlantiks ausgelöst.

Datenschützer der Bundesländer wie Marit Hansen aus Schleswig-Holstein setzen Firmen unter Druck und drohen mit Strafen, falls die derzeitige Praxis einfach fortgesetzt werde (Golem.de).

Die Europäischen Datenschutzbeauftragten setzten der EU-Kommission ein Ultimatum bis Ende Januar, um „rechtliche und technische“ Lösungen für den transatlantischen Datenverkehr zu finden (heise.de).

US-Anbieter wie Microsoft sehen ihr Cloud-Geschäft in Gefahr und bieten für die Zeit, bis eine echte Lösung auf höchster Ebene gefunden wird, modifizierte Verträge auf Basis des bisherigen Standard-Vertragslauseln (heise.de).

Das eigentliche Problem ist nicht Safe Harbor, sondern die NSA. Massenüberwachung ist nicht mit der europäischen Grundrechte-Charta zum Datenschutz vereinbar, weil es dadurch keinen Datenschutz geben kann. Nicht nur der EuGH, auch sie meisten anderen Experten sehen das so (WebmagazinDigitale GesellschaftDateschutzzentrum Schleswig-Holstein). Damit wären aber auch die Standard-Vertragsklauseln nichts wert.

Was sollten Unternehmen tun? Erst mal weitermachen wie bisher, sagte EU-Justizkommissarin Vera Jourová, schließlich könne man der Datenverkehr zwischen USA und EU nicht einfach kappen. Und solange es keine neue Regelung gibt, sich weiter auf die Standard-Vertragsklauseln berufen, denn eine andere praktikable Lösung gibt es momentan nicht, empfiehlt der IT-Anwalt Jens Nebel im Handelsblatt.

 

IT-MANAGEMENT

Alles wissenswerte rund um Cloud-Zertifikate fasst Dr. Klaus Manhart in einem mehrseitigen Artikel in der Computerwoche zusammen – vom Zertifizierungsprozess über die wichtigsten Herausgeber von Zertifikaten bis zu einer Beurteilung der letzteren durch Analysten.

Collaboration-Lösungen finden langsam den Weg in deutsche Unternehmen, doch noch klemmt es in vielen Bereichen, findet eine neue Studie von PAC. IT-Verantwortliche bemängeln unzureichende Integration und Mobilität der Anwendungen, oft steht aber auch die Organisation der Unternehmen im Weg (silicon.de).

 

TECHNIK

Ab November gibt es kostenlose HTTPS-Zertifikate über Let’s Encrypt, einem gemeinnützigen Verein, der mitunter von Akamai, Cisco und Mozilla unterstützt wird. Durch sogenannte „Cross-Signatures“ werden die Zertifikate jetzt von allen großen Browsern unterstützt (t3n.de).

Mobile Apps sind der Schlüssel zur Digitalisierung, findet eine neue Studie von Accenture. Das ist den meisten Unternehmen auch klar, trotzdem hapert es meistens mit der Umsetzung – bis die Kunden ihnen den Rücken kehren (Computerwoche).

Das Smartphone in einen 3D-Scanner verwandeln kann Eora, ein Gerät, das gerade bei der Crowd-Funding-Plattform Kickstarter seine Finanzierung gesichert hat. Unterstützer bekommen es nächstes Jahr für 230 Dollar, der reguläre Preis soll bei 330 Dollar liegen (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Bis zu 256 GB zusätzlichen Speicher fürs iPhone liefern die Sticks eines taiwanesischen Herstellers, die am Lightning-Port des Smartphones angeschlossen werden. Die Preise liegen zwischen 59 und 399 Euro (t3n.de).

Digitale Agenda kw41

 

Safe Harbor ist ungültig

„Safe Harbor war ein Witz, den niemand verstanden hat“, schreibt Sascha Lobo im Spiegel. Der Europäische Gerichtshof hat den Witz wohl auch nicht verstanden. Oder er hat genau verstanden, wie er gemeint war, und das Abkommen über den Austausch persönlicher Daten zwischen der EU und den USA daraufhin letzten Dienstag gekippt (Zeit.de).

Safe Harbor war eigentlich nur ein bequemer Weg, den laxen Umgang der USA mit dem Thema Datenschutz einfach auszublenden. Wollten US-Firmen persönliche Daten von EU-Bürgern verarbeiten, mussten sie nur schriftlich erklären, dass sie damit sorgsam umgehen. Kontrollieren durften EU-Behörden das nicht, und die dafür zuständige US-Handelsbehörde FTC zeigte sowieso keinen allzu großen Eifer (Süddeutsche).

Die Auswirkungen auf Unternehmen sind gravierend. International aufgestellte Firmen müssten jetzt sogar für den internen Datenaustausch neue Vereinbarungen einführen. Entsprechend „not amused“ waren die Reaktionen von Industrie und Verbänden wie dem Bitkom oder dem Eco (Computerwoche). Sie alle fordern eine neue Regelung, schnell, und diesmal bitte wasserdicht.

Eine neue Regelung wird nur dann funktionieren, wenn sie die Interessen der einfachen Nutzer respektiert, glaubt die Safe-Harbor-Expertin Eve Maler im Interview mit der Computerwoche. „Wenn es Safe Harbor nicht tut, wird es das Einverständnis der Nutzer tun müssen.“ Unternehmen rät sie, sich schon mal eine robustere Zustimmung der Nutzer für die Verarbeitung ihrer Daten einzuholen.

 

IT-MANAGEMENT

Wie man Schatten-IT verhindern kann, verrät Dr. Klaus Manhart auf CIO.de. Das Maßnahmenpaket reicht vom Sensibilisieren und der Schulung von Mitarbeitern bis hin zur Bereitstellung von Alternativen – was wohl der schwierigste und teuerste Teil sein dürfte.

Auf die Kunden von IBM, Oracle und Microsoft abgesehen hat es Amazon mit einer Reihe neuer Web Services, die eine Konvertierung der Daten von Legacy-Anwendungen im großen Stil vorsehen (heise.de). Zudem gibt es eine Reihe neuer Services für Business Intelligence (silicon.de).

 

TECHNIK

Die Top 10 Technologie-Trends für 2016 hat Gartner identifiziert. Auf der Liste ganz oben stehen Mesh-Netzwerke, die Endgeräte im Peer-to-Peer-Modus miteinander verbinden und damit eine Vernetzung möglich machen, die am Internet vorbei läuft (t3n.de).

Microsofts erstes eigenes Notebook nennt sich ‚Surface Book‘ und ist eine Mischung aus Notebook und Tablet mit herausnehmbarem Bildschirm. Die Leistungsdaten sind beeindruckend und das Gerät ist eindeutig gegen die Edel-Hardware von Apple positioniert (Chip.de).

Einen PC in Form eines gekrümmten Cinemascope-Bildschirms hat HP vorgestellt. Das All-in-one-Gerät hat eine Bildschirmdiagonale von 34 Zoll (!) mit 3440×1440 Pixel Auflösung und auch sonst geizte HP nicht an edler Ausstattung (Mobiflip.de).

 

Zu guter Letzt …

Peeple sollte das ‚Yelp für Menschen‘ werden – so hatten es sich zumindest seine zwei Gründerinnen vorgestellt. Man sollte darauf seine Mitmenschen mit einem bis fünf Sterne bewerten können, ohne dass sie sich hätten dagegen wehren können. Die zwei wissen inzwischen, wie ein Shitstorm von innen aussieht, und ob die App tatsächlich wie geplant im November erscheint, ist ungewiss (Süddeutsche).