Schlagwort-Archive: Störerhaftung

Digitale Agenda kw30 / 2018

 

Abkehr von Facebook

Einen historischen Absturz erlebte gestern die Facebook-Aktie. Zu einem Wertverlust von 150 Milliarden Dollar in nur einem Tag führten die rückgängigen Nutzerzahlen, vor allem in Europa. Die vielen Datenskandale haben wohl doch Spuren hinterlassen.

Wird es Zeit für Alternativen? Die gibt es, allerdings haben die erfolgreichen unter ihnen einen eng gefassten Fokus. Dazu gehören die Künstlerplattform Ello, das Blogging-Netzwerk Medium oder das Bockchain-basierte Steemit. 

Als richtige Facebook-Konkurrenten stehen jetzt Openbook (Artikel dazu in der Süddeutschen) und Vero in den Startlöchern. Sie alle streben einen Paradigmenwechsel an: Strenger Datenschutz, keine Werbung. 

 

Digitales Leben

Die DSGVO-Abmahnwelle rollt. Seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung versuchen dubiose Abmahnanwälte immer wieder ihr Glück. Adressaten sind meist kleine Gewerbetreibende. Den Abgemahnten drohen Strafen von 200 bis 12.000 Euro.

Bundesgerichtshof beerdigt die Störerhaftung endgültig. Betreiber öffentlicher WLANs müssen keine Unterlassungsklagen mehr befürchten. Leichter werden es die Café- und Hotelbesitzer dennoch nicht haben. Von ihnen werden „angemessene Netzsperren“ gegen Missbrauch verlangt. 

Das Netzdurchsetzungsgesetz (NetzDG) zeigt Wirkung. Tausende Beiträge auf Youtube, Twitter und Facebook wurden seit Anfang des Jahres gesperrt. In 70 bis 90 Prozent der Fälle hatten die Nutzerbeschwerden jedoch keinen Erfolg, Facebook lehnt die meisten ab.

In Smart Cities findet die totale Überwachung statt. Adrian Lobe beschreibt in in der Süddeutschen, warum der Begriff ‚Smart City‘ schon jetzt nur eine wohlklingende Umschreibung für den urbanen Überwachungsstaat ist. 

Comdirect ermöglicht Überweisungen mit Google. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen können die zwei Millionen Privatkunden der Bank demnächst per Sprachbefehl mit Google Home oder dem Google Assistant eine Überweisung in Auftrag geben.

 

Zu guter Letzt …

Kriegswaffen aus dem 3D-Drucker. Nach einem dreijährigen Rechtsstreit hat ein junger Texaner sein Ziel erreicht: Er darf die Konstruktionspläne für Waffen aus dem 3D-Drucker ins Netz stellen. Was die Obama-Regierung noch vehement ablehnte, ist unter Donald Trump kein Problem (Wired).

Digitale Agenda kw11 / 2018

 

Digitale Bilanz

Wohin geht’s mit dem Internet? Die „South by Southwest“-Konferenz (SXSW) in Austin, Texas, hielt dem Web den Spiegel vor – und bot ein ernüchterndes Bild.

  • Die Freiheit weicht einer immer stärker werdenden Zensur.
  • Soziale Netzwerke manipulieren das Verhalten ihrer Nutzer.
  • Künstliche Intelligenz läuft Gefahr, aus dem Ruder zu geraten.

Auch der Erfinder des WWW ist alles andere als glücklich. Am 29. Geburtstag des Web plädiert Tim Berners Lee für mehr Offenheit, Chancengleichheit und Vielfalt statt immer mehr Monopole und Kommerz.

 

Digitale Welt

Zombie Störerhaftung: Betreiber offener WLANs haften zwar weiterhin nicht für Urheberrechtsverletzungen, entschied das Münchner Oberlandesgericht. Abmahnungen, die vor dem 12. Oktober 2017 verschickt wurden, sind aber weiterhin rechtens (Netzpolitik).

Regierung will nicht für digitale Geräte in Schulen bezahlen. Stattdessen sollen Kinder ihre eigenen Geräte in den digitalen Unterricht mitbringen. Bring Your Own Device macht Digitalisierung vom elterlichen Geldbeutel abhängig, kritisiert die Opposition (Tagesspiegel).

Mit Wikipedia  gegen Verschwörungstheorien: YouTube will jetzt neben allzu abstrusen Videos harte Fakten aus Wikipedia-Einträgen setzen – und sich damit eine eigene Prüfinstanz sparen, die Menschen beschäftigt (Spiegel). Die Begründung dazu klingt genauso billig.

Facebook wirft britische rechtsextreme Gruppe raus. „Britain first“ hatte 2 Millionen Follower, auf seiner Seite waren aber immer wieder rassistische Parolen zu lesen und gefälschte Videos über „gewalttätige Muslime“ zu sehen (Zeit).

Augmented Reality soll hörbar werden – sagt Bose und zeigt jetzt eine Sonnenbrille, die ihrem Träger Infos über das, was er gerade betrachtet, zuflüstert (WiWo). Laut Bose sollen die Ansagen nur die Ohren des Trägers erreichen.

 

Zu guter Letzt …

Die interessantesten Technologien für 2018 hat die MIT Technology Review gekürt. Auch diesmal dominiert die Digitaltechnik die Top-10-Liste mit Technologien wie „sich duellierende neuronale Netzwerke“ oder einem Verfahren für  „perfekten Privatsphärenschutz im Internet“. Fast noch interessanter dürften aber Dinge wie „3D-Druck für Metall“ oder ein „Verbrennungsverfahren ohne Kohlenstoffemissionen“ sein. Auf Englisch, aber es lohnt sich.

Digitale Agenda kw26 / 2017

 

Googles Monopol 

Don’t be evil lautete Googles Erfolgsrezept, als es 1998 zu seinem Siegeszug ansetzte. Während Yahoo, Lycos & Co. die Platzierungen in ihren Ergebnislisten verkauften (evil), trennte Google Suchergebnisse und Anzeigen.

2,42 Milliarden Euro Strafe muss Google nun zahlen, weil es die eigenen Shopping-Ergebnisse gegenüber der Preisvergleiche der Konkurrenz in den Ergebnislisten bevorzugte (Süddeutsche). Und das ist nur der Anfang, zwei Verfahren sind noch offen.

Ein Urteil zum richtigen Zeitpunkt, kommentiert die Süddeutsche. Internet-Konzerne wie Facebook, Amazon oder Google dürfen nicht unwidersprochen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ihre Regeln aufzwingen.

        

Digitale Welt

Petya ist die kleine Schwester von WannaCry und erwischte in Deutschland unter anderem die Metro AG und Nivea-Hersteller Beiersdorf (FAZ). Petya nutzte dieselbe Lücke wie WannaCry, ist aber weniger auf Erpressung denn auf Zerstörung aus (Zeit).

Die Vorratsdatenspeicherung wird ausgesetzt. Nachdem Spacenet erfolgreich dagegen geklagt hatte und auch Telekom, Vodafone und O2 nicht zum 1. Juli starten wollen, sieht die Netzagentur von Strafen ab, bis die Sache geklärt ist (Golem). Den Providern ist die Speicherung zu teuer.

Die Störerhaftung wird nochmal beerdigt, diesmal hoffentlich endgültig. Union und SPD haben sich darauf verständigt, Betreiber öffentlicher WLANs nicht mehr für illegales Nutzerverhalten haften zu lassen. (Zeit).

In Stuttgart soll ein ‚Cyber Valley‘ entstehen. Bosch, Daimler, Porsche & Co. wollen im Neckartal Künstliche Intelligenz und Robotik zusammenbringen – mit Facebook als Kooperationspartner (FAZ).

Aus für anonyme SIM-Karten. Ab 1. Juli müssen Käufer von Prepaid-Karten beim Kauf und bei der Aktivierung einen Ausweis vorlegen (Süddeutsche).

Wie funktioniert Überwachungskapitalismus? Das Wiener Institut Cracked Labs hat untersucht, wie kommerzielle Anbieter Informationen über Verbraucher sammeln und was genau sie aus unseren Klicks, Likes, Einkäufen und Suchanfragen über uns ablesen können (Zusammenfassung und komplette Studie).

   

Zu guter Letzt …

Die perfekte Maschine gibt es bereits. Oder haben Sie schon mal von einem Geldautomaten zu viel oder zu wenig Geld bekommen? Die „einzige nützliche Innovation der Finanzbranche“ wird dieses Jahr 50 und wir verdanken sie einem verärgerten Bankkunden. Die ganze Geschichte ihrer Entstehung auf heise.de.

Digitale Agenda kw14

 

Ein Gesetz gegen Hasskommantare

Das „Netzdurchsuchungsgesetz“ (NetzDG), nach dem Hasskommentare und die Verbreitung von Fake News in Zukunft geahndet werden sollen, ist mit kleinen Änderungen zur ursprünglichen Fassung vom Bundeskabinett verabschiedet worden (Details auf Süddeutsche, Netzpolitik.org).

„Ein handwerklich schlechtes Gesetz“ urteilt der IT-Verband Bitkom und kritisiert zusammen mit anderen Verbänden wie eco oder dem Deutschen Journalistenverband, dass es sehr viele Punkte im unklaren lässt, von Facebook & Co. unmögliches verlangt und gleichzeitig die Meinungsfreiheit gefährdet (Handelsblatt, Tagesspiegel).

Es ist mehr ein Signal als eine Waffe. Ein Warnschuss für die sozialen Netzwerke, Verantwortung für die Inhalte auf ihren Seiten zu übernehmen und endlich mehr zu tun. Angst davor brauchen sie zumindest jetzt noch nicht zu haben. „Facebook kann sich entspannen„, urteilt die Zeit.

        

Digitale Welt

IBM macht Schluss mit Home Office. Der einstige Pionier in Sachen Heimarbeit verlangt jetzt von seinen Mitarbeitern Präsenz im Büro – oder sie können sich einen anderen Job suchen (FAZ). Doch IBM könnte auch damit ein Pionier sein. Die Argumente gegen Heimarbeit mehren sich (FAZ, Zeit),

Der Erfinder des WWW liest selbigem die Leviten. Tim Berners-Lee hat den Turing Award, die höchste Auszeichnung im Bereich der Informationstechnologie, bekommen und hat die Gelegenheit genutzt, in Interviews mit dem Guardian und der MIT Technology Review seine Enttäuschung über den Umgang mit der Privatsphäre im Web auszudrücken. Er selbst arbeitet jetzt an Solid, einem Projekt, das genau diesem Thema gewidmet ist.

Die Störerhaftung wird endgültig begraben. Die Bundesregierung will das Gesetz dazu so ändern, dass Betreiber offener WLANs nicht mehr verpflichtet sind, Passwörter zu vergeben (FAZ). Stattdessen haben sie die Möglichkeit, einzelne Seiten oder Ports zu sperren (Zeit).

Hacker wollen nicht zum BND – und zur Bundeswehr genauso wenig. Beide suchen händeringend nach Experten, gelten aber als uncool und zahlen schlecht (Süddeutsche). Der Job selbst hingegen ist alles andere als langweilig (Zeit).

Tesla ist der wertvollste Autohersteller der USA, laut Börsenwert hat er jetzt auch General Motors überholt (Handelsblatt). Trotzdem ist GM, wie auch Ford, Daimler und Volkswagen, laut einer neuen Studie in Sachen selbstfahrende Autos viel besser aufgestellt (Wired).

Facebook gibt Nachhilfe gegen Fake News. Jeder Facebook-Nutzer wird ab heute mindestens drei Mal mit einem Aufklärungskurs konfrontiert, der ihm Hinweise liefert, wie er Falschmeldungen erkennen kann (Spiegel).

   

Zu guter Letzt …

Schweizer landet wegen Facebook-Like vor Gericht. Der Staatsanwalt bezichtigt ihn und weitere acht Personen, Facebook-Beiträge geliked und weiterverbreitet zu haben, die dem Präsidenten eines Tierschutzvereins Antisemitismus und Rassismus vorwerfen. Und das obwohl der Mann, um den es geht, schon einmal rechtskräftig wegen Rassendiskriminierung verurteilt worden ist (Tagesanzeiger).