Schlagwort-Archive: Überwachung

Digitale Agenda kw37 / 2018

 

Die Upload-Filter kommen

Versteckt hinter einer Reform des Urheberrechts kommt eine Maßnahme, die sich fürs Internet als ultimatives Zensurmittel erweisen könnte. Das EU-Parlament hat Mittwoch das neue Urheberrecht mitsamt Upload-Filter durchgewunken.  Vorausgegangen war eine Lobby-Schlacht, bei der sich schließlich die Verleger durchgesetzt haben, gegen alle Proteste und Warnungen von Experten, Bürgerrechtlern und Industrieverbänden und angetrieben von einem Politiker, der den Gesetzentwurf im Detail nicht genau kennt. Blockiert werden soll künftig das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte auf kommerzielle Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube. Außerdem sollen Upload-Filter gegen „terroristische Inhalte“ Anwendung finden, wobei noch völlig offen ist, wie diese genau definiert werden.  

Digitales Leben

Keine Panik bei DSGVO-Abmahnungen, empfiehlt die TÜV Nord Akademie und liefert einige Empfehlungen, falls es doch dazu kommen sollte. Unterdessen hat Justizministerin Barley einen Gesetzentwurf vorgelegt, um die Abmahnindustrie an die Kette zu legen.  Massenüberwachung verstößt gegen Menschenrechte, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, besonders wenn sie so betrieben wird wie vom britischen Geheimdienst. Dieser und weitere Geheimdienste wollen trotzdem die Massenüberwachung noch weiter ausbauen.  Eine Smart City im Dienste ihrer Bürger will Barcelona werden. Ihr Chief Technology Officer, Francesca Bria, setzt auf freie Software, offene Standards und digitale Souveränität, statt sich von einzelnen Herstellern abhängig  zu machen. Bei EU-Bürgern rennt sie damit offene Türen ein.  Der Tesla Model S ließ sich in 2 Sekunden knacken. Schuld war eine zu schwache Verschlüsselung im drahtlosen Schließsystem, die belgische Forscher leicht überwinden konnten. Tesla hat inzwischen mit einem Sicherheitsupdate reagiert.  

Zu guter Letzt …

Apple bringt ein noch teureres iPhone. Zugegeben, es ist technisch erste Sahne, hat ein riesengroßes Display, mehr Speicher als so manches Notebook (512 GB) – und kostet auch mehr, nämlich 1.649 Euro in der Vollausstattung. Dazu gab’s auf dem Apple Event eine neue Apple Watch, die EKGs machen kann und einen Notruf absetzt, wenn ihr Träger gestürzt ist. Alle Neuheiten im Überblick und in der Analyse. 

Digitale Agenda kw23 / 2018

 

Union will Schonfrist für DSGVO-Verstöße. Die Unionsfraktion im Bundestag will noch vor der Sommerpause ein Gesetz auf den Weg bringen, das das Geschäft mit Abmahnungen vorübergehend unterbinden soll. Die SPD will lieber, dass der erste Hinweis auf einen Verstoß generell nicht gebührenpflichtig ist (Spiegel).  

Weniger Überwachung, mehr Selbstkontrolle standen im Vordergrund des neuen iPhone-Betriebssystems, das Apple diese Woche auf seiner Entwicklerkonferenz vorstellte. Damit sollen auch ältere iPhones wieder schneller laufen (Spiegel). Zudem schränkt der hauseigene Browser Safari das Verfolgen von Nutzeraktivitäten weiter ein. Alle Neuheiten kompakt in der Süddeutschen.  

EU-Rechnungshof moniert deutschen Breitband-Ausbau. Die Controller werfen Deutschland eine verfehlte Ausbaustrategie, mangelhafte Planung, eine Fixierung auf Kupferleitungen und Vectoring sowie die Dominanz der Deutschen Telekom vor. Die letzte Regierung sei zu sehr um deren Wohl bemüht gewesen (Netzpolitik). 

Die Überwachung aus dem All wird Realität. Mehr als 1700 Satelliten umrunden heute die Erde, in zehn Jahren sollen es mehr als 10.000 werden. Die meisten haben den Auftrag, das Geschehen auf der Erde immer genauer zu beobachten (Zeit). 

Die EU will Zugriff auf alle Kommunikationsdaten. Internet-Provider sollen künftig auf Weisung der Behörden Daten speichern und vorhalten, die Ermittlern zur Beweisführung zur Verfügung gestellt werden. Das würde auch ausländische Firmen betreffen, die in Europa Rechenzentren betreiben (Netzpolitik). 

Google will nicht mehr fürs Militär arbeiten. Nach Kündigungen und einer Petition mit 4.000 Unterschriften hat Google angekündigt, keine Künstliche Intelligenz für Drohnen mehr zu entwickeln. „Das wird die Pläne der Militärs nicht sonderlich aufhalten“, glaubt ein US-Rüstungsexperte im Interview mit der Zeit. 

Pleiten, Pech und Datenpannen bei Facebook. Das soziale Netzwerk musste diese Woche wieder zwei Datenlecks bekanntgeben. Im Mai waren private Nachrichten für 14 Millionen Nutzer eine Woche lang nicht mehr privat, zuvor wurden jahrelang Nutzerdaten an Smartphone-Hersteller weitergegeben.

Tesla 3 bremst jetzt besser – dank eines Software-Updates, das per Funk übermittelt wurde. Zuvor hatte die Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports das inkonsistente Bremsverhalten moniert. Es war ein Software-Bug (Golem). 

 

Zu guter Letzt …

Microsoft versenkt Rechenzentrum ins Meer. Der Konzern entwickelt schon seit einiger Zeit Unterwasser-Rechenzentren, die in Küstennähe platziert werden sollen. Nun wurde das erste vor der Küste Irlands versenkt. Microsoft verspricht sich davon eine kostengünstige Kühlung, die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen und eine längere Laufzeit, da durch den fehlenden Sauerstoff keine Korrosion eintritt (t3n).

Digitale Agenda kw04 / 2018

 

Überwachung & Zensur

Die Freiheit im Internet schrumpft weiter. Die Meldungen zum Thema Überwachung und Zensur allein diese Woche:

  • Die EU-Kommission will große Online-Plattformen verpflichten, alle Inhalte zu scannen, die Nutzer hochladen (Süddeutsche)
  • Heimliche Handy-Überwachung durch Sicherheitsbehörden nimmt zu (Zeit)
  • Ein Pilotprojekt für Peilsender in den Schulranzen von Schülern wurde gestoppt (Spiegel)
  • Intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo sind der Geheimdienste bester Freund (The Verge)
  • US-Geheimdienste wollen Zugriff auf Daten in europäischen Rechenzentren (Zeit)
  • Eine Sammelklage gegen Facebook wegen seiner Tracking-Praktiken wird nicht zugelassen (Süddeutsche)
  • Künstliche Intelligenz wird Überwachungssysteme revolutionieren (Futurezone)

 

Digitale Welt

Google-Mutter startet Security-Unternehmen. „Chronicle“ soll Firmenkunden zehnmal sicherer machen als heute – mit Datenanalyse, Maschinenlernen und einem besseren Verständnis der eigenen Daten (Golem).

Ein Gesetz zur Kontrolle von Algorithmen bereitet die Stadt New York vor. Algorithmus-basierte Systeme sind unter anderem in der Kriminalitätsbekämpfung und in der Justiz im Einsatz, doch die Kriterien der Algorithmen kennen nur die Hersteller (Netzpolitik).

Vorstellungsgespräch bei einem Chatbot – undenkbar? Ganz im Gegenteil, die Industrie arbeitet schon daran. Algorithmen sortieren bereits Bewerbungen vor, die Telekom experimentiert mit einem Facebook-Bot (Zeit).

IoT-Botnetz spioniert seine Opfer aus. „Hide’n Seek“ befällt intelligente Geräte wie Webcams oder Fernseher und beinhaltet Funktionen, die auf Spionage und Erpressung hindeuten, fand Bit Defender heraus (heise.de).

Blockchain und P2P werden das Internet radikal verändern, glauben Experten. Alternative Modelle für Cloud-Storage sind bereits Realität (Computerworld), Peer-to-Peer-Technologien werden Nutzer unabhängiger von Mega-Plattformen machen (Hackernoon).

 

Zu guter Letzt …

Wenn Milliardäre über das Establishment schimpfen, wird es skurril. Internet-Giganten wie Facebook und Google seien „Hemmnisse für Innovation“ und entwickelten ein „Netz der totalitären Kontrolle“, sagte George Soros, der inzwischen 87jährige legendäre Investor, auf dem World Economic Forum in Davos. Donald Trump warf er vor, die USA in einen „Mafiastaat“ wie China und Russland verwandeln zu wollen. Und die bayerische CSU sei maßgeblich für den Aufstieg der AfD verantwortlich (Welt).

Digitale Agenda kw01

 

Überwachung / staatlich

Unterschiedslose Vorratsspeicherung ist illegal, urteilte kurz vor Weihnachten der Europäische Gerichtshof. Es ist schon das zweite Mal, dass der EuGH diese Art von Massenüberwachung kippt und das könnte auch das Aus für die deutsche Vorratsdatenspeicherung sein (Zeit).

Also muss der Staat zum Hacker werden, wenn er überwachen will. Und das tut er auch nach Kräften, wie auf dem letzten CCC-Kongress von vielen Insidern aufgezeigt wurde (Süddeutsche, Spiegel).

Die Gefahr dabei: Wenn Geheimdienste das Heft in die Hand nehmen, kommen Bürgerrechte schnell unter die Räder. Investigative Journalisten und Whistleblower sind dann auch in westlichen Demokratien nicht mehr sicher, wie eine neue Studie zeigt (Netzpolitik.org).

    

Überwachung / kommerziell

Im Wynn Hotel Las Vegas hört Amazon alles mit. Das Luxushotel will in jedes Zimmer Amazons hörenden Lautsprecher Echo installieren. Die virtuelle Assistentin Alexa hört dann alles mit und soll den Gästen alle Wünsche von den Lippen ablesen (Saturn Magazin).

Kann Alexa auch einen Mord aufklären? Die Polizei im US-Bundesstaat Arkansas hofft das. Der Besitzer des Geräts soll in seinem Haus einen Mann umgebracht haben und die Polizei geht davon aus, dass Amazon alles aufgezeichnet hat (Zeit).

Ein Tablet mit einer aufs Bett gerichteten Kamera hat das Starwood Hotel in London in jedem Zimmer installiert. Es soll den Gästen helfen, London zu erkunden. Hinweise darüber, was es sonst so treibt und wie es vernetzt ist, sucht man vergeblich (Pando, englisch).

  

Nachrichten

Die Highlights aus der Consumer Electronics Show in Las Vegas, von der intelligenten Haarbürste über die strahlungssicheren Boxershorts bis zum papierdünnen Fernseher, haben die Zeit, die FAZ und der Spiegel zusammengefasst.

Für die ‚russischen Hacks‘ gibt’s nur Indizien, aber kaum Beweise. Obama schickte 35 Diplomaten mit dem Vorwurf der Spionage nach Hause (Tagesspiegel), doch Experten halten die Beweisführung als „absolut nicht abgedeckt“ (Süddeutsche).

Twitter fällt auseinander. Seit Gründer Jack Dorsey das Ruder übernommen hat, folgt einer Krise die nächste. Kurz vor Jahreswechsel gab es einen richtigen Manager-Exodus (FAZ), zu Jahresbeginn suchte auch die China-Chefin das Weite. Ideen zur Rettung gäbe es eigentlich genug.

WhatsApp-Übernahme hat ein Nachspiel. Die EU-Kommission wirft Facebook vor, beim Kauf von WhatsApp vorsätzlich falsche Angaben zum Datenabgleich zwischen den beiden Diensten gemacht zu haben und droht jetzt mit Strafen (Zeit).

Künstliche Intelligenz ersetzt Sachbearbeiter. 34 der rund 100 Mitarbeiter werden beim Japanischen Versicherer Fukoku entlassen. Ihren Job macht künftig IBMs KI-System Watson (FAZ).

Lässt sich eine kaputte SSD noch auslesen? Im Prinzip ja, sagt Doc Storage, doch die Datenrettung geht bei Flash-Speichern nur mit Spezial-Tools und ist deswegen komplizierter und teurer. Dafür sind SSDs robuster und langlebiger als Festplatten.

   

Zu guter Letzt …

Franzosen haben jetzt das Recht auf Unerreichbarkeit. Seit 1. Januar dürfen französische Arbeitnehmer die Bearbeitung beruflicher E-Mails außerhalb der Arbeitszeit verweigern. Das Gesetz soll vor Burnout schützen und das Familienleben bewahren (silicon.de).

Erpressungssoftware blockiert Fernseher. Ein Android-basiertes Smart-TV wurde von Ransomware gekapert, der Erpresser wollte von seinem Opfer 500 Dollar Lösegeld. Die Malware war durch die Installation einer neuen App ins System gelangt (Zeit).