Schlagwort-Archive: Überwachung

Digitale Agenda kw20 / 2019

 

Geschäftsmodell Überwachung

Die Kriminalitätsraten in Deutschland sinken, dennoch werden die Polizeigesetze immer schärfer und sind auf Überwachung ausgerichtet. Zugleich mischt die Industrie bei deren Formulierung immer häufiger mit. 

Überwachung ist ein Geschäft. Das zeigte sich auch diese Woche mit der Sicherheitslücke in WhatsApp, die ein Produkt der israelischen Firma NSO nutzte, um darüber Spionage zu betreiben. 

Der Bundesdatenschutzbeauftragte fordert eine Denkpause bei den Sicherheitsgesetzen, Bürgerrechtler klagen gegen die Fluggastdatenspeicherung und San Francisco verbietet die Gesichtserkennung in der Stadt. 

Das Problem: Die Überwachung steckt bereits zu tief im Kern der Geschäftsmodelle von Internet-Giganten wie Google und Facebook und der Rest der Industrie zieht einfach mit. 

 

Digitales Leben

Neue Sicherheitslücken in Intel-Prozessoren. ZombieLoad lässt Daten anderer Prozesse auslesen, selbst wenn diese in einer anderen virtuellen Maschinen laufen. Eine Übersicht der Artikel, Advisories und Patches nach Betriebssystem gibt es hier. 

Kein Google-Zugriff auf Schülerdaten. Länder und Schulträger wollen die Hoheit über die digitalen Identitäten ihrer Schüler behalten und haben für den Digitalpakt Schule die Einrichtung eines ID-Vermittlungsdienstes vorgeschlagen, der sicherstellen soll, dass keine Privatfirmen an diese Daten kommen.

USA eskalieren Handelskrieg gegen Huawei. Per Dekret erklärte Donald Trump den nationalen Notstand „zum Schutz der heimischen Telekommunikation“ und setzte Huawei und weitere 70 Firmen und ihre Produkte auf eine schwarze Liste. Die EU will diesmal nicht mitmachen. 

Wie soll man sich gegen Terror-Videos schützen? Nach dem Anschlag von Christchurch haben Regierungen und Internet-Firmen eine Erklärung unterzeichnet, der konkrete Maßnahmen folgen sollen. Ein richtiger Schritt, auch wenn er allein nicht viel bewirken kann.

Die CO2-Bilanz der Digitalisierung bietet nicht unbedingt Anlass zur Freude. Ersten Berechnungen zufolge ist allein das Treibhauspotenzial des digitalen Musikkonsums (Spotify & Co.) um 30 bis 100 Prozent höher als im Jahr 2000. Das Ausspielen von Youtube-Videos verbraucht jährlich etwa so viel Strom wie Glasgow.

 

Zu guter Letzt … 

Einen digitalen Rosenkrieg können sich Eheleute während der Scheidungsphase liefern, wenn sie bis dahin ein Smart Home bewohnt haben. Ums Digitale kümmern sich meistens die Männer – und das kann zum Problem werden. Ob Überwachung, aufgeblasene Heizkostenrechnungen oder Musik- und Lichtterror: Das alles kommt immer häufiger vor. 

Digitale Agenda kw37 / 2018

 

Die Upload-Filter kommen

Versteckt hinter einer Reform des Urheberrechts kommt eine Maßnahme, die sich fürs Internet als ultimatives Zensurmittel erweisen könnte. Das EU-Parlament hat Mittwoch das neue Urheberrecht mitsamt Upload-Filter durchgewunken.  Vorausgegangen war eine Lobby-Schlacht, bei der sich schließlich die Verleger durchgesetzt haben, gegen alle Proteste und Warnungen von Experten, Bürgerrechtlern und Industrieverbänden und angetrieben von einem Politiker, der den Gesetzentwurf im Detail nicht genau kennt. Blockiert werden soll künftig das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte auf kommerzielle Plattformen wie Facebook, Instagram oder YouTube. Außerdem sollen Upload-Filter gegen „terroristische Inhalte“ Anwendung finden, wobei noch völlig offen ist, wie diese genau definiert werden.  

Digitales Leben

Keine Panik bei DSGVO-Abmahnungen, empfiehlt die TÜV Nord Akademie und liefert einige Empfehlungen, falls es doch dazu kommen sollte. Unterdessen hat Justizministerin Barley einen Gesetzentwurf vorgelegt, um die Abmahnindustrie an die Kette zu legen.  Massenüberwachung verstößt gegen Menschenrechte, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, besonders wenn sie so betrieben wird wie vom britischen Geheimdienst. Dieser und weitere Geheimdienste wollen trotzdem die Massenüberwachung noch weiter ausbauen.  Eine Smart City im Dienste ihrer Bürger will Barcelona werden. Ihr Chief Technology Officer, Francesca Bria, setzt auf freie Software, offene Standards und digitale Souveränität, statt sich von einzelnen Herstellern abhängig  zu machen. Bei EU-Bürgern rennt sie damit offene Türen ein.  Der Tesla Model S ließ sich in 2 Sekunden knacken. Schuld war eine zu schwache Verschlüsselung im drahtlosen Schließsystem, die belgische Forscher leicht überwinden konnten. Tesla hat inzwischen mit einem Sicherheitsupdate reagiert.  

Zu guter Letzt …

Apple bringt ein noch teureres iPhone. Zugegeben, es ist technisch erste Sahne, hat ein riesengroßes Display, mehr Speicher als so manches Notebook (512 GB) – und kostet auch mehr, nämlich 1.649 Euro in der Vollausstattung. Dazu gab’s auf dem Apple Event eine neue Apple Watch, die EKGs machen kann und einen Notruf absetzt, wenn ihr Träger gestürzt ist. Alle Neuheiten im Überblick und in der Analyse. 

Digitale Agenda kw23 / 2018

 

Union will Schonfrist für DSGVO-Verstöße. Die Unionsfraktion im Bundestag will noch vor der Sommerpause ein Gesetz auf den Weg bringen, das das Geschäft mit Abmahnungen vorübergehend unterbinden soll. Die SPD will lieber, dass der erste Hinweis auf einen Verstoß generell nicht gebührenpflichtig ist (Spiegel).  

Weniger Überwachung, mehr Selbstkontrolle standen im Vordergrund des neuen iPhone-Betriebssystems, das Apple diese Woche auf seiner Entwicklerkonferenz vorstellte. Damit sollen auch ältere iPhones wieder schneller laufen (Spiegel). Zudem schränkt der hauseigene Browser Safari das Verfolgen von Nutzeraktivitäten weiter ein. Alle Neuheiten kompakt in der Süddeutschen.  

EU-Rechnungshof moniert deutschen Breitband-Ausbau. Die Controller werfen Deutschland eine verfehlte Ausbaustrategie, mangelhafte Planung, eine Fixierung auf Kupferleitungen und Vectoring sowie die Dominanz der Deutschen Telekom vor. Die letzte Regierung sei zu sehr um deren Wohl bemüht gewesen (Netzpolitik). 

Die Überwachung aus dem All wird Realität. Mehr als 1700 Satelliten umrunden heute die Erde, in zehn Jahren sollen es mehr als 10.000 werden. Die meisten haben den Auftrag, das Geschehen auf der Erde immer genauer zu beobachten (Zeit). 

Die EU will Zugriff auf alle Kommunikationsdaten. Internet-Provider sollen künftig auf Weisung der Behörden Daten speichern und vorhalten, die Ermittlern zur Beweisführung zur Verfügung gestellt werden. Das würde auch ausländische Firmen betreffen, die in Europa Rechenzentren betreiben (Netzpolitik). 

Google will nicht mehr fürs Militär arbeiten. Nach Kündigungen und einer Petition mit 4.000 Unterschriften hat Google angekündigt, keine Künstliche Intelligenz für Drohnen mehr zu entwickeln. „Das wird die Pläne der Militärs nicht sonderlich aufhalten“, glaubt ein US-Rüstungsexperte im Interview mit der Zeit. 

Pleiten, Pech und Datenpannen bei Facebook. Das soziale Netzwerk musste diese Woche wieder zwei Datenlecks bekanntgeben. Im Mai waren private Nachrichten für 14 Millionen Nutzer eine Woche lang nicht mehr privat, zuvor wurden jahrelang Nutzerdaten an Smartphone-Hersteller weitergegeben.

Tesla 3 bremst jetzt besser – dank eines Software-Updates, das per Funk übermittelt wurde. Zuvor hatte die Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports das inkonsistente Bremsverhalten moniert. Es war ein Software-Bug (Golem). 

 

Zu guter Letzt …

Microsoft versenkt Rechenzentrum ins Meer. Der Konzern entwickelt schon seit einiger Zeit Unterwasser-Rechenzentren, die in Küstennähe platziert werden sollen. Nun wurde das erste vor der Küste Irlands versenkt. Microsoft verspricht sich davon eine kostengünstige Kühlung, die Nutzung umweltfreundlicher Energiequellen und eine längere Laufzeit, da durch den fehlenden Sauerstoff keine Korrosion eintritt (t3n).

Digitale Agenda kw04 / 2018

 

Überwachung & Zensur

Die Freiheit im Internet schrumpft weiter. Die Meldungen zum Thema Überwachung und Zensur allein diese Woche:

  • Die EU-Kommission will große Online-Plattformen verpflichten, alle Inhalte zu scannen, die Nutzer hochladen (Süddeutsche)
  • Heimliche Handy-Überwachung durch Sicherheitsbehörden nimmt zu (Zeit)
  • Ein Pilotprojekt für Peilsender in den Schulranzen von Schülern wurde gestoppt (Spiegel)
  • Intelligente Lautsprecher wie Amazon Echo sind der Geheimdienste bester Freund (The Verge)
  • US-Geheimdienste wollen Zugriff auf Daten in europäischen Rechenzentren (Zeit)
  • Eine Sammelklage gegen Facebook wegen seiner Tracking-Praktiken wird nicht zugelassen (Süddeutsche)
  • Künstliche Intelligenz wird Überwachungssysteme revolutionieren (Futurezone)

 

Digitale Welt

Google-Mutter startet Security-Unternehmen. „Chronicle“ soll Firmenkunden zehnmal sicherer machen als heute – mit Datenanalyse, Maschinenlernen und einem besseren Verständnis der eigenen Daten (Golem).

Ein Gesetz zur Kontrolle von Algorithmen bereitet die Stadt New York vor. Algorithmus-basierte Systeme sind unter anderem in der Kriminalitätsbekämpfung und in der Justiz im Einsatz, doch die Kriterien der Algorithmen kennen nur die Hersteller (Netzpolitik).

Vorstellungsgespräch bei einem Chatbot – undenkbar? Ganz im Gegenteil, die Industrie arbeitet schon daran. Algorithmen sortieren bereits Bewerbungen vor, die Telekom experimentiert mit einem Facebook-Bot (Zeit).

IoT-Botnetz spioniert seine Opfer aus. „Hide’n Seek“ befällt intelligente Geräte wie Webcams oder Fernseher und beinhaltet Funktionen, die auf Spionage und Erpressung hindeuten, fand Bit Defender heraus (heise.de).

Blockchain und P2P werden das Internet radikal verändern, glauben Experten. Alternative Modelle für Cloud-Storage sind bereits Realität (Computerworld), Peer-to-Peer-Technologien werden Nutzer unabhängiger von Mega-Plattformen machen (Hackernoon).

 

Zu guter Letzt …

Wenn Milliardäre über das Establishment schimpfen, wird es skurril. Internet-Giganten wie Facebook und Google seien „Hemmnisse für Innovation“ und entwickelten ein „Netz der totalitären Kontrolle“, sagte George Soros, der inzwischen 87jährige legendäre Investor, auf dem World Economic Forum in Davos. Donald Trump warf er vor, die USA in einen „Mafiastaat“ wie China und Russland verwandeln zu wollen. Und die bayerische CSU sei maßgeblich für den Aufstieg der AfD verantwortlich (Welt).