Schlagwort-Archive: Vorratsdatenspeicherung

Digitale Agenda kw24 / 2018

 

Staatliche Datensammlung

Die FDP will die Vorratsdatenspeicherung kippen. Gegen die Mehrheit von Union und SPD schafft sie das wohl nicht, doch sie ist mit ihrer Absicht nicht alleine. Auch der Europäische Gerichtshof hat Zweifel geäußert und beim Bundesverfassungsgericht laufen mehrere Verfahren (Netzpolitik). 

Die Wirksamkeit der Vorratsdatenspeicherung ist nicht nur umstritten, sie ist nicht einmal nachgewiesen – auch wenn das BKA seine Zahlen gerne schönredet. 

Auch der Datenaustausch mit den USA steht auf wackeligen Beinen. Das Europäische Parlament will der EU-Kommission empfehlen, den Austausch zum 1. September auszusetzen, falls bis dahin keine Nachbesserungen beschlossen werden.

 

Digitales Leben

Das Geschäft mit Abmahnungen und wie es Online-Händler in den Ruin treibt, schildern ein Artikel und ein Kommentar in der Süddeutschen. Eine Petition, die von Bürgerrechtlern und Industrieverbänden unterstützt wird, soll jetzt Änderungen in den Gesetzen erzwingen. 

Breitband-Ausbau im Schneckentempo. Von den 3,5 Milliarden Euro an Fördergeldern sind nur 26,6 Millionen ausgezahlt, in konkrete Bauprojekte flossen nur bisher 3,1 Millionen. In Sachen Glasfaser steht auf Platz 28 – von 32 Ländern im OECD-Vergleich. 

Das Knacken von iPhones soll noch schwieriger werden. Dass bestimmte Firmen es immer noch schaffen und daraus ein Geschäft machen, will Apple nicht auf sich sitzen lassen und hat sich für die nächste Version von iOS was neues einfallen lassen (WiWo). 

USA verabschieden sich von der Netzneutralität. Seit Montag dürfen Netzbetreiber bestimmte Webseiten oder Dienste bevorzugt behandeln, den Zugang zu anderen drosseln oder gleich ganz sperren und sich von Diensteanbietern oder Nutzern für Überholspuren bezahlen lassen (Netzpolitik). 

Bundesweite Razzien gegen notorische Hass-Trolle. Die Polizei hat in zehn Bundesländern Wohnungen von Verdächtigen durchsucht, die Hasskommentare gepostet haben sollen. Ihnen drohen bis zu fünf Jahre Haft (Süddeutsche).

 

Zu guter Letzt …

Das erste prominente Opfer der DSGVO ist die spanische Fußballliga. Ihre offizielle Smartphone-App nutzt die Mikrofone und die Standortdaten ihrer Nutzer auf der Suche nach unlizensierten Fernsehübertragungen. Registriert die App Fußballgeräusche, kann sie herausfinden, ob der Nutzer sich in einer Gaststätte befindet, die eine Lizenz für Fußballübertragungen hat. Die App läuft auf etwa zehn Millionen Handys (Zeit).

Digitale Agenda kw26 / 2017

 

Googles Monopol 

Don’t be evil lautete Googles Erfolgsrezept, als es 1998 zu seinem Siegeszug ansetzte. Während Yahoo, Lycos & Co. die Platzierungen in ihren Ergebnislisten verkauften (evil), trennte Google Suchergebnisse und Anzeigen.

2,42 Milliarden Euro Strafe muss Google nun zahlen, weil es die eigenen Shopping-Ergebnisse gegenüber der Preisvergleiche der Konkurrenz in den Ergebnislisten bevorzugte (Süddeutsche). Und das ist nur der Anfang, zwei Verfahren sind noch offen.

Ein Urteil zum richtigen Zeitpunkt, kommentiert die Süddeutsche. Internet-Konzerne wie Facebook, Amazon oder Google dürfen nicht unwidersprochen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ihre Regeln aufzwingen.

        

Digitale Welt

Petya ist die kleine Schwester von WannaCry und erwischte in Deutschland unter anderem die Metro AG und Nivea-Hersteller Beiersdorf (FAZ). Petya nutzte dieselbe Lücke wie WannaCry, ist aber weniger auf Erpressung denn auf Zerstörung aus (Zeit).

Die Vorratsdatenspeicherung wird ausgesetzt. Nachdem Spacenet erfolgreich dagegen geklagt hatte und auch Telekom, Vodafone und O2 nicht zum 1. Juli starten wollen, sieht die Netzagentur von Strafen ab, bis die Sache geklärt ist (Golem). Den Providern ist die Speicherung zu teuer.

Die Störerhaftung wird nochmal beerdigt, diesmal hoffentlich endgültig. Union und SPD haben sich darauf verständigt, Betreiber öffentlicher WLANs nicht mehr für illegales Nutzerverhalten haften zu lassen. (Zeit).

In Stuttgart soll ein ‚Cyber Valley‘ entstehen. Bosch, Daimler, Porsche & Co. wollen im Neckartal Künstliche Intelligenz und Robotik zusammenbringen – mit Facebook als Kooperationspartner (FAZ).

Aus für anonyme SIM-Karten. Ab 1. Juli müssen Käufer von Prepaid-Karten beim Kauf und bei der Aktivierung einen Ausweis vorlegen (Süddeutsche).

Wie funktioniert Überwachungskapitalismus? Das Wiener Institut Cracked Labs hat untersucht, wie kommerzielle Anbieter Informationen über Verbraucher sammeln und was genau sie aus unseren Klicks, Likes, Einkäufen und Suchanfragen über uns ablesen können (Zusammenfassung und komplette Studie).

   

Zu guter Letzt …

Die perfekte Maschine gibt es bereits. Oder haben Sie schon mal von einem Geldautomaten zu viel oder zu wenig Geld bekommen? Die „einzige nützliche Innovation der Finanzbranche“ wird dieses Jahr 50 und wir verdanken sie einem verärgerten Bankkunden. Die ganze Geschichte ihrer Entstehung auf heise.de.

Digitale Agenda kw25 / 2017

 

Der Trojaner im Grundgesetz 

Der Staatstrojaner ist jetzt gesetzlich beschlossen. Im Eiltempo durch den Bundestag gemogelt, ohne echte Debatte, an der Datenschutzbeauftragten des Bundes vorbei – und wahrscheinlich direkt in den Papierkorb des Bundesverfassungsgerichts.

Eine Analyse des neuen Gesetzes in der Zeit bringt folgendes zu Tage:

  • Der Trojaner nutzt nicht bekannte (Zero-Day-) Sicherheitslücken, die die Geheimdienste auf dem grauen Markt kaufen.
  • Was der Trojaner darf oder nicht, ist Auslegungssache. Im Zweifelsfall darf er alles.
  • Es gibt keine technische Kontrolle über seine Auswirkungen auf dem Zielsystem.
  • Es gibt keine öffentliche Kontrolle über die Einhaltung der gesetzlichen Einschränkungen.

Der Staatstrojaner ist ein Einbruch ins Grundgesetz, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen. Der große Lauschangriff, über den so lange gestritten wurde, sei verglichen damit ein lächerliches Unterfangen. Viele Experten teilen diese Meinung.

        

Digitale Welt

Amazon übernimmt weltgrößte Biomarktkette. Für 13,7 Milliarden Dollar gönnt sich der Online-Händler 430 Ladengeschäfte und will damit eine neue Art Lebensmittelhandel erfinden (Süddeutsche). US-Kommentatoren fordern schon Amazons Zerschlagung.

Die Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen EU-Recht, urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster. Das Urteil gilt jedoch vorerst nur für den Kläger, den Münchner Internet-Provider Spacenet (Zeit).

Wie sich Lügen im Netz verbreiten, erklärt die Publizistin Ingrid Brodnig in der Süddeutschen. Unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich – und der Erfolg hat System.

Wie verschleiert man sein Konsumverhalten? Als Verbraucher wird man ständig durch Tracking, Scoring und andere Techniken auf sein Verhalten hin analysiert. Umgehen lässt sich die Analyse kaum, verfälschen schon (Zeit).

Wofür sind Digitale Assistenten wirklich gut? Alexa, Cortana, Siri & Co. sind im Kommen weil Sprache der bequemste Weg ist, einen Computer zu bedienen und eine riesige Wissensdatenbank anzuzapfen (FAZ).

Wie Apple, Google & Co. ihre Geheimnisse hüten, schildert ein Artikel in der Zeit, der natürlich auf geleakten Informationen basiert. Ehemalige Geheimdienstler sind im Silicon Valley derzeit sehr gefragte Leute.

   

Zu guter Letzt …

Die Blockchain soll die Meinungsfreiheit retten. Publisicm ist ein niederländisches Projekt, das die Bitcoin-Basistechnologie Blockchain nutzen will, um Journalisten in repressiven Staaten zu schützen. Die Idee dahinter ist eine unabhängige Content-Plattform, die keinerlei zentrale Steuerung besitzt. Journalisten können dort ihre Inhalte hochladen und sich entlohnen lassen – anonym und manipulationssicher (Politik Digital).

Digitale Agenda kw04

 

Vorratsdatenspeicherung vor dem Abschuss

„Wir werden sie kippen“, versprechen die drei ehemaligen Minister Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in einem gemeinsamen Artikel in der Zeit. „Es muss möglich bleiben, vertraulich zu kommunizieren“ – und das sei durch das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) nicht mehr möglich.

Es ist nicht die einzige Verfassungsbeschwerde gegen das neue VDS-Gesetz, wohl aber die gewichtigste und aussichtsreichste. Weitere Beschwerden kommen unter anderem von den Grünen, dem SPD-nahen Verein D24 und dem Deutschen Journalistenverband (Spiegel).

Warum die Kläger gute Chancen auf Erfolg haben, erklärt Heribert Prantl auf Süddeutsche.de. Nicht nur wurde inzwischen die umstrittene EU-Richtlinie, auf der das erste VDS-Gesetz basierte, gekippt; die neue Version der VDS verstoße auch gegen geltendes EU-Recht weil sie schärfer formuliert ist. Sogar Berufsgruppen wie Ärzte, Juristen und Journalisten, denen das Grundgesetz Vertraulichkeit garantiert, dürfen damit wahl- und grundlos ausgehorcht werden.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Die fünf häufigsten Irrtümer bei SharePoint-Projekten beschreibt Michael Bark auf DataCenter-Insider.de. Der größte vorneweg: Mit SharePoint wird eben nicht alles einfacher.

IT-Security ist in deutschen Firmen oft veraltet, findet eine neue Studie von Dell, für die 175 Unternehmen mit 100 bis 1000 Mittarbeitern befragt wurden (computerwoche.de). Ursachen sind meist die Firmenstrukturen und die knappen IT-Budgets.

Java im Browser ist bald Geschichte. Oracle hat angekündigt, ab 2017 keine Browser-Plugins mehr auszuliefern (silicon.de). Wie auch Flash und Silverlight ist Java eine endlose Quelle von Bugs und Sicherheitslücken.

Ein längst fälliges Security Update für Android – und auch für eigene Bugs – hat Samsung diese Woche ausgerollt (silicon.de). Laut den Spezialisten von Duo Security laufen 90 Prozent aller Android-Smartphones weltweit mit unsicherer Software.

Garantiert die deutsche Microsoft-Cloud wirklich Vertraulichkeit? Die Juristen Michael Rath und Simone Bach kommen in der Computerwoche zum Urteil: „Im Prinzip, ja“. Allerdings hänge es im Einzelfall auch vom Vertrag zwischen Microsoft und seinem Provider T-Systems ab.

Eine Alternative zu OpenStack für Private Clouds will Microsoft mit seiner Azure Stack anbieten. Eine Preview soll demnächst erscheinen. Was es damit auf sich hat, erklärt SearchDataCenter.de.

Googles Künstliche Intelligenz ist so weit fortgeschritten, dass sie sogar Profis des chinesischen Brettspiels Go schlagen kann. Go ist vielfach komplexer als Schach und das Ziel, gegen Profi-Spieler zu gewinnen, galt bis vor kurzem als ein gutes Jahrzehnt entfernt (Spiegel.de).

  

Zu guter Letzt …

Die Suchmaschine Shodan findet ungesicherte Webcams und ermöglicht so den Blick in fremde Zimmer. Auch auf die jüngst von Aldi angebotenen Überwachungskameras lässt sich unbefugt zugreifen (Zeit.de).