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Digitale Agenda kw15 / 2019

 

Digitale Ethik

Ethik-Leitlinien für den Einsatz Künstlicher Intelligenz hat ein Gremium der EU erarbeitet, das zur Hälfte mit Vertretern der Industrie besetzt war. Es ist das erste umfassende Dokument dieser Art und soll als Grundlage für die Regulierung von KI-Anwendungen dienen.  

Das Thema Datenschutz wurde im EU-Papier eher oberflächlich behandelt, obwohl es gerade hier einige rote Linien gebraucht hätte. Im Gremium saß kein Datenschützer und das Thema wird momentan allein den Firmen überlassen.

Unternehmen tun sich mit KI-Ethik noch schwer. Ein Ethikrat bei Google wurde nach nur einer Woche wieder aufgelöst. Bei anderen dienen solche Gremien eher als Feigenblatt, während sie mit dem Militär oder mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten. 

 

Digitales Leben

Wikileaks-Gründer festgenommen. Die Regierung von Ecuador hatte zuvor das politische Asyl von Julian Assange aufgehoben. Seine Auslieferung an die USA wird als Einschüchterungsversuch gegenüber kritischen Journalisten und Whistleblowern gewertet.

Passwort oder Beugehaft. Innenminister Seehofer will es der Polizei ermöglichen, Accounts von Verdächtigen zwangsweise zu übernehmen und mit falscher Identität zu ermitteln. Bei Verweigerung der Herausgabe von Passwörtern würde Beugehaft angeordnet.

Österreich will digitales Vermummungsverbot. Nutzer von Nachrichtenseiten, Foren und sozialen Medien sollen künftig Namen und Adresse beim jeweiligen Anbieter hinterlegen. Damit sollen Hass und Hetze im Netz eingedämmt werden. 

USA verlieren technologische Führerschaft. Einer neuen Studie zufolge ist China dabei, in einigen digitalen Technologien an den USA vorbeizuziehen. Letztes Jahr hatte China mehr als doppelt so viele Patente für Künstliche Intelligenz angemeldet.

China will Bitcoin-Mining verbieten. Wegen des hohen Energieverbrauchs erwägt die zuständige staatliche Kommission, dem Schürfen von Kryptogeld einen Riegel vorzuschieben. 

 

Zu guter Letzt…

Amazon-Mitarbeiter hören bei Alexa mit. Um die Spracherkennung der digitalen Assistentin zu verbessern, hören Beschäftigte des Konzerns die aufgezeichnete Befehle an und schreiben mit. Der Konzern betonte, dass nur eine geringe Zahl der Sprachaufnahmen analysiert würden und dass die Beschäftigten angewiesen seien, bei sensiblen Daten die Auswertung zu stoppen.  

Digitale Agenda kw14 / 2019

 

Sicherheit und Überwachung

Den Staatstrojaner für den Verfassungsschutz will Innenminister Seehofer freigeben und hat dies in einem Gesetzentwurf zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts gepackt – sehr zum Ärger der SPD. 

Auch der BND soll den Staatstrojaner einsetzen und seine Dienste allen deutschen Behörden anbieten dürfen. Das würde den Staatstrojaner für alle verfügbar machen und seinen Einsatz der öffentlichen Kontrolle entziehen.  

Außerdem soll das BSI in Zukunft hacken dürfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll nicht nur Cyber-Gefahren abwehren, sondern Sicherheitslücken auch selbst ausnutzen dürfen. 

Das alles macht Massenüberwachung à la NSA möglich. Letztere hortet inzwischen so viele Daten, dass sie  Künstliche Intelligenz für die Sicherheitsüberprüfung von Geheimnisträgern einsetzen will.  

 

Digitales Leben

Barley will Korrekturen bei Upload-Filtern. Die Justizministerin will zwar der EU-Urheberrechtsreform im EU-Rat zustimmen, aber in einem Zusatzprotokoll festhalten, dass Upload-Filter nur für „marktmächtige“ Plattformen wie Facebook in Frage kommen sollen. 

Der Facebook-Chef fordert weltweit einheitliche Regeln für die Sperrung von Inhalten, Wahlmanipulation, die Portierbarkeit persönlicher Daten und für den Datenschutz. Seine „Gedanken“ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach einer Zerschlagung von Facebook immer lauter werden, sind nicht sehr glaubwürdig und die Absicht dahinter mehr als offensichtlich.                    

Unterdessen gibt es noch zwei Facebook-Skandale. Die Algorithmen für das Anzeigen von Werbung betreiben Diskriminierung im großen Stil und der Konzern speichert Nutzerdaten auf öffentlichen Servern. 

Hackerangriff auf Bayer. Der Konzern soll von der vermutlich aus China stammenden Hackergruppe Winnti ausspioniert worden sein. Die Hacker sollen vor allem „Systeme an der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sowie Autorisierungssysteme“ im Auge gehabt haben. 

Häftlinge trainieren Algorithmen. Das finnische Start-Up Vainu, das Arbeitskräfte und Dienstleister weltweit vermittelt, lasst seine Unternehmensdatenbank mitunter durch Häftlinge auf den neuesten Stand halten und dabei auch die eigenen Algorithmen mit Erkenntnissen füttern.

 

Zu guter Letzt…

Apple hat vor den Grenzen der Physik kapituliert und die Entwicklung seiner 2017 angekündigten Ladematte eingestellt. Auf der Matte sollten bis zu drei Geräte gleichzeitig drahtlos aufgeladen werden können, doch Apple hat nach der Ankündigung offenbar so große Probleme mit unangenehmen Nebeneffekten beim Laden gehabt, dass das Gerät nun komplett eingestampft wird. 

Digitale Agenda kw13 / 2019

 

EU-Urheberrechtsreform

Alles Demonstrieren half nichts. Fast 200.000 Menschen gingen auf die Straße letzten Samstag, um gegen die EU-Urheberrechtsreform und ihre Upload-Filter zu demonstrieren – echte Menschen, keine Bots und schon gar nicht gekaufte Demonstranten. 

Das Ergebnis im EU-Parlament hätte anders ausfallen können. Es war sehr knapp und hinterher stellte sich heraus, dass einige Abgeordnete versehentlich falsch abstimmten. 

Die Wortführerin der Gegner, die Piratin Julia Reda, ist aus ihrer Partei ausgetreten und wirft ihrem Büroleiter vor, die Wahl verbockt zu haben. 

Bei dieser Reform gibt es nur Verlierer. Die Wut auf die Politiker und deren Verunglimpfungen ist groß kurz vor der Europawahl, die Reform hat schlimmere Auswirkungen als wir ahnen und geistiges Eigentum wird damit alles andere als gut geschützt. 

 

Digitales Leben

Apple versucht eine Services Company zu werden. Neue Streaming-Dienste, Zeitschriften- und Games-Abos, eigene TV-Serien und eine Apple-Kreditkarte sollen alternative Geschäftsmodelle zur Hardware aufbauen. Die Apple Watch kann jetzt auch Herzprobleme erkennen. 

Die Versteigerung der 5G-Frequenzen läuft auf vollen Touren, inzwischen ist die Milliardenmarke geknackt.

Die Kooperation zwischen der deutschen Polizei und Amazon ist dem obersten Datenschützer ein Dorn im Auge. Die Aufnahmen der Bodycams der Beamten werden teilweise in der Amazon-Cloud gespeichert, aber der Innenminister sagt „passt scho“.

Facebook reagiert endlich gegen rechtsradikalen Rassismus. Nach dem Attentat von Christchurch hat die Plattform „Lob, Unterstützung und Präsentation“ von „weißem Nationalismus“ und „weißem Separatismus“ verboten. Zur Europawahl will Facebook die Wahlwerbung strenger kontrollieren.  

BMW baut eine Datenplattform für 230 Petabyte auf. Bis Ende des Jahres sollen darauf die Aufzeichnungen aus 5 Millionen Kilometern Fahrdaten von 140 autonomen Testfahrzeugen darauf gespeichert werden, und das ist erst der Anfang. 

 

Zu guter Letzt…

Eine Peep-Show der besonderen Art haben vier Südkoreaner übers Internet im Live-Abonnement angeboten. Dazu hatten sie 42 Zimmer in 30 kleineren Hotels in Seoul mit versteckten Kameras verwanzt und mehr als 1600 Hotelgäste heimlich gefilmt. Es ist kein Einzelfall: Die illegale Verbreitung von den Intimbereich Dritter betreffenden Videoaufnahmen ist ein ernsthaftes Problem in Südkorea. 

Digitale Agenda kw12 / 2019

 

Showdown um Upload-Filter

Vor der Abstimmung im EU-Parlament über die neue EU-Urheberrechtsreform nächsten Dienstag und vor dem Aktionstag am 23. März hat sich der Widerstand gegen Upload-Filter eindrucksvoll artikuliert.

Die Kanzlerin will sie trotzdem durchdrücken, angetrieben von einem Kompromiss mit Frankreich.

 

Digitales Leben

Die 5G-Auktion hat begonnen. Ein letzter Versuch der Netzbetreiber, die Versteigerung zu verschieben, ist gescheitert. Unterdessen nähert sich die EU einer europäischen Lösung mit China, um Huawei als Ausrüster zuzulassen. Im Gegenzug soll China seinen Markt öffnen.

Hunderte Millionen Facebook-Passwörter lagerten unverschlüsselt und für Tausende Mitarbeiter zugänglich jahrelang auf internen Servern des Unternehmens. Facebook bestätigte gestern einen entsprechenden Bericht des Security-Forschers Brian Krebs. Die EU-Justizkommissarin hat Nutzer zum Facebook-Boykott aufgerufen.

Den Anfang vom Ende der Spielkonsolen haben Microsoft und Google eingeläutet. Microsoft hat neulich im eigenen Campus einen Streaming-Dienst demonstriert, diese Woche hat Google seine Streaming-Plattform Stadia vorgestellt. Gamer brauchen ab Ende 2019 nur noch Internet und einen Controller.

Weitere Milliardenstrafe für Google. Knapp 1,5 Milliarden Euro muss der Konzern an die EU zahlen, weil er seine Vormachtstellung bei Online-Werbung missbraucht haben soll. Es ist bereits die dritte Strafe in zwei Jahren, nach den 2,42 Milliarden in 2017 und 4,37 Milliarden letztes Jahr. 

Facebook will eigene Kryptowährung einführen. Die Nutzer sollen sie für grenzüberschreitende Zahlungen untereinander verwenden können und sie soll im gesamten Facebook-Imperium gültig sein, also auch für WhatsApp und Instagram.

 

Zu guter Letzt…

Die Startup-Pitches von Facebook, Airbnb, LinkedIn und anderen Internet-Schwergewichten hat Piktochart zusammengestellt. Die insgesamt 30 Präsentationen geben tiefe Einblicke in Argumentation, Schwerpunkte und angepeilte Ausrichtungen der Firmen. Pikant: Facebook hatte 2004 keine richtige Präsentation, weil es sich als Medium verstanden hat (heute ist es eine Plattform). Seinen ersten Investor hat es mit Mediadaten überzeugt.