Archiv der Kategorie: Newsletter

Digitale Agenda kw38 /2020

 

Gesetz vs. Grundgesetz

Bedenken gegen das Gesetz gegen Hasskriminalität äußerte Bundespräsident Steinmeier, nachdem das Bundesverfassungsgericht den Zugriff des Bundeskriminalamts auf Social Media-Daten von Nutzern als verfassungswidrig erklärt hatte. Genau dasselbe sieht aber auch das Hassrede-Gesetz vor. Bedenken gibt es auch seitens der IT-Branche.

Legislative und Grundgesetzt geraten immer wieder aneinander – was aber Politiker nicht davon abhält, weiterhin schärfere Gesetze zu fordern und zu verabschieden. Mecklenburgs Ministerpräsidentin Schwesig fordert wieder die jüngst gekippte Vorratsdatenspeicherung.

Ermittlungsbehörden rüsten derweil weiter auf, besonders auf EU-Ebene. Europäische Polizeibehörden bauen ihre Informationssysteme aus, die E-Evidence-Verordnung fordert ihnen gegenüber blindes Vertrauen.

 

Digitales Leben

Nvidia kauft ARM. 40 Milliarden Dollar zahlt der US-Konzern für die Prozessorschmiede, deren CPU-Architektur die Smartphone-Branche dominiert. Während Nvidia damit Intel ins Visier nimmt, befürchtet der ARM-Gründer eine totale US-Dominanz auf dem Chipmarkt. 

TikTok geht an Oracle – aber nicht ganz. TikToks chinesische Muttergesellschaft Bytedance soll ihr internationales Geschäft in eine US-basierte Holding mit Oracle übertragen, aber Mehrheitsaktionärin bleiben. Trump ist damit nicht ganz zufrieden.

Datenschutzbedenken gegen Office 365. Eine Arbeitsgruppe der Datenschutzkonferenz ist zum Schluss gekommen, dass speziell im Behördeneinsatz „kein datenschutzgerechter Einsatz von Microsoft 365 möglich“ ist.

Kartellklage gegen Facebook. Laut Wall Street Journal will die US-Kartellbehörde bis Ende des Jahres den Konzern wegen Behinderung des Wettbewerbs anklagen. Auch an Google soll die Behörde dran sein.

Apple bringt neue iPads und Uhren, aber keine neuen iPhones. Die neue Watch kann die Sauerstoffkonzentration im Blut messen, die neuen iPads sind erschwingliche Alternativen zur Pro-Serie. Apple gab außerdem mehr Details über die neuen Betriebssysteme bekannt. 

 

Zu guter Letzt …

Grüne Tech-Konzerne. Google ist das erste Unternehmen, das seine gesamte CO2-Schuld seit seiner Gründung durch den Kauf von Zertifikaten für erneuerbare Energie ausgeglichen hat. Seit 2007 arbeitet der Konzern klimaneutral, ab 2030 will Google seinen CO2-Ausstoß auf Null zurückgefahren haben. Facebook will bis dahin zumindest klimaneutral sein.

Digitale Agenda kw37 / 2020

 

Digital Services Act

Ist das Internet, das wir kennen, am Ende? Zum Abschluss der Beratungsphase für das EU-Gesetz für Digitale Dienste, das die Macht großer Internet-Plattformen regulieren soll, melden sich mehrere Parteien besorgt zu Wort:

Ein Vorbote des Digital Services Act, das deutsche NetzDG (Netzdurchsetzungsgesetz) scheint zumindest zur Zufriedenheit der Justizministerin zu funktionieren. 

 

Digitales Leben

Huawei bringt eigenes Handy-Betriebssystem. Harmony 2.0 soll Googles Android ersetzen, das dem Wirtschaftskrieg der USA gegen China zum Opfer gefallen ist, und ab 2021 auf Smartphones und Tablets installiert werden. 

Kartellamt will sich besser gegen Techkonzerne aufstellen. Um gegen Amazon, Google & Co. eine Chance zu haben, soll die Fusionskontrolle überarbeitet und die Verfahren beschleunigt werden. 

Gesetz gegen Abmahn-Missbrauch. Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, nach dem Wettbewerber künftig keine Kosten mehr für Abmahnungen wegen Verstößen gegen Impressum- und die DSGVO-Verstößen durch kleinere Firmen erstattet bekommen.

Amazon verliert Milliarden-Auftrag gegen Microsoft. Das US-Verteidigungsministerium hat den Auftrag für sein Project Jedi, eine KI-gestützte Cloud-Infrastruktur, bestätigt. Amazon beruft im Gegenzug einen ehemaligen NSA-Chef in den Vorstand. 

Internet-Riesen geben Digitalsteuer an Kunden weiter. Die internationalen Verhandlungen über eine einheitliche Digitalsteuer laufen zwar noch, aber schon jetzt reagieren Apple, Google und Amazon mit erhöhten Preisen.

 

Zu guter Letzt …

Kriminelle Absichten am Gesicht erkennen will die Polizei im englischen Gainsborough und hat an verschiedenen Stellen der Stadt ein System zur Gesichtserkennung aufgestellt, das auch die Gesichtsausdrücke der Passanten auswertet. Die Verantwortlichen befürchten keine „Verletzung irgendwelcher Menschenrechte“.

Digitale Agenda kw36 / 2020

 

Amazon

Amazon-Chef Jeff Bezos ist jetzt 200 Milliarden schwer. Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für seine US-Mitarbeiter verweigert er aber nach wie vor. Nun haben Aktivisten eine Guillotine vor seinem Wohnhaus platziert.  

Wie Amazon seine Mitarbeiter überwacht, schildert eine neue Studie des Open Markets Institutes. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat Amazon zum schlechtesten Arbeitgeber der Welt gekürt – und entwickelt sich langsam zu einem der größten.

Technologisch bleibt Amazon ein Pionier. In den USA startet demnächst der Testbetrieb für die Auslieferung per Drohne. Und das neue Amazon-Armband ‚Halo‘ soll die Gefühle des Trägers erkennen können. Fragt sich nur: wozu?

 

Digitales Leben

Bastelt Apple an einer Suchmaschine? Der Hersteller hat die Aktivität seines Web-Crawlers Applebot, der Siri mit Informationen versorgt, intensiviert. Das sorgt für Spekulationen. 

US-Gericht bestätigt, dass Snowden recht hatte. Die vom Whistleblower aufgedeckte Telefonüberwachung der NSA war illegal, in die USA zurückkehren darf Edward Snowden trotzdem nicht.

Contact-Tracing bringt nur mehr Überwachung. Die Kontaktverfolgung soll in iOS und Android in Zukunft auch ohne Corona-App möglich sein, doch Algorithmwatch bezweifelt den tatsächlichen Nutzen und warnt vor den Nebenwirkungen. 

Thunderbird unterstützt jetzt E-Mail-Verschlüsselung. In Mozillas E-Mail-Programm ist OpenPGP schon seit einiger Zeit eingebaut, nun ist die Verschlüsselung eingeschaltet und funktionsfähig.

Corona-Listen der Restaurants sind unsicher. Mitglieder des Chaos Computer Clubs testeten die Cloud-Software, mit der 180 Restaurants Reservierungen und andere Daten verwalten – mit negativem Ergebnis. 

Apple knickt vor Facebook ein. Das radikale Ausbremsen des Trackings der iPhone-Apps im neuen iOS fällt zunächst nicht ganz so radikal aus. Apple will offiziell den Entwicklern mehr Zeit geben. 

 

Zu guter Letzt …

Elon Musk hat einen Chip für Ihr Gehirn. Sein Neuralink überträgt Gehirnimpulse per Bluetooth an externe Computer, zunächst um z.B. Behinderten zu helfen, einen Sinnesverlust zu kompensieren. Langfristig stellt er sich vor, dass sein System die nonverbale Kommunikation zwischen Menschen übernehmen könnte. 

Digitale Agenda kw35 / 2020

 

Hauen und Stechen

Das Schicksal von TikTok in den USA ist weiterhin ungewiss.
→ Trump will die Video-App per Dekret verbieten
(angeblich auf Anraten von Facebook-Chef Zuckerberg),
→ TikTok reicht dagegen Klage ein,
→ TikToks US-Chef Kevin Meyer kündigt und
→ Microsoft will TikTok gemeinsam mit Walmart kaufen.

Fortnite und Apple sehen sich vor Gericht und es steht 1:1. Apple darf nicht pauschal die Grafiktechnologie „Unreal Engine“ aus dem App Store werfen, der Raufwurf von Fortnite aus den App Stores von Apple und Google bleibt aber bestehen. Das betrifft auch die neue Fortnite-Version.

Facebook jammert über das Blockieren seines Trackings in den Grundeinstellungen von Apples neuem Betriebssystem iOS 14, denn ohne Tracking ist keine gezielte Werbung möglich. 

 

Digitales Leben

Zum Schulbeginn bringt heise.de eine Artikelserie über die Digitalisierung des Schulunterrichts. Schule digital deckt Themen wie Ausstattung, Planung Homeschooling, Software und mehr ab. 

Wie Online-Klausuren überwacht werden können, macht derzeit die Fresenius-Hochschule vor. Die Überwachungsfunktion ging einem Studenten und er beschwerte sich bei der Datenschutzbehörde, doch das Thema ist knifflig. 

Fingerabdrücke statt Stechuhr – geht das? Nur in Ausnahmefällen und mit Einwilligung der Betroffenen, urteilte das Arbeitsgericht in Berlin, ansonsten ist das eine Verletzung der DSGVO.

Contact-Tracing bald ohne Corona-App möglich. Apple hat eine entsprechende Funktion in seinem nächsten iOS 13.7 vorgesehen, die aber abgeschaltet werden kann. Für Corona-App-Nutzer ändert sich nichts.

Die Steuer-ID wird zur universellen Personenkennziffer. Entsprechende Pläne gibt es im Innenministerium. Bei Einführung der Steuer-ID hatte die Kanzlerin genau das Gegenteil versprochen.

 

Zu guter Letzt …

Software-Fehler macht Bankautomaten spendabel. Wie lässt sich ein Bankautomat austricksen, dass er mehr Geld ausgibt, als auf dem Konto ist, obwohl der Dispo-Rahmen gleich null ist? Einige Kunden der Bank Santander fanden es heraus und „melkten“ den Automaten, bis die Polizei kam.