Archiv der Kategorie: Newsletter

Digitale Agenda kw09 / 2021

 

Staatlicher Datenhunger

Kennt sich da noch jemand aus? Die Zahl der Gesetze, über die sich der Staat Zutritt in die Privatsphäre der Bürger verschaffen will, steigt ständig. Diese Woche:

Eine Überwachungsgesamtrechnung, wie sie das Bundesverfassungsgericht seit 2005 fordert, wird ebenso systematisch ausgebremst wie Bürgerinitiativen für mehr Transparenz in der Politik.

 

Digitales Leben

Google bekräftigt Ende von Cookie-Tracking. Third-Party-Cookies werden bald auch in Chrome abgeschaltet werden können (wie längst in Firefox und Safari), weil Google ein neues Verfahren für zielgruppengenaue Werbung hat.

Microsoft Mesh: Zusammenarbeit via Avatar. Microsoft hat auf seiner Hausmesse eine neue Collaboration-Software gezeigt, die Gesprächspartner als Hologramme darstellen kann. 

Facebook startet Plattform für Medieninhalte. Facebook News soll im Mai in Deutschland an den Start gehen und Inhalte von Verlagen bringen, die als Medienpartner geführt werden.

Erster Amazon-Supermarkt in Europa. In London hat der Händler seinen ersten kassenlosen „Fresh“-Laden eröffnet. Kritiker sprechen von einem „dystopischen Einkaufserlebnis mit vollständiger Überwachung“.

EU will Facebooks Kryptowährung regulieren. Die EU-Kommission sieht eine Gefahr für die Stabilität von Finanzmärkten, wenn Kryptowährungen weiterhin keinem rechtlichen Rahmen unterworfen sind.

 

Zu guter Letzt …

Amazons App-Icon – ein „lächelnder Hitler“? Es ist hellbraun, trägt das Logo mit dem gekrümmten Pfeil und oben sieht man das Ende von einem blauen Klebeband. Natürlich soll es nur ein Amazon-Paket darstellen. Doch die Phantasie einiger US-Medien zwang den Online-Händler dazu, das Icon schon kurz nach der Einführung zu modifizieren. 

Digitale Agenda kw08 / 2021

 

Australien vs. Facebook II

Die Kraftprobe zwischen Australien und Facebook eskalierte zunächst weiter, bevor sie mit einem Kompromiss endete. Das neue Mediengesetz wurde etwas modifiziert, Facebook schaltete wieder die Seiten der Medienhäuser frei und will Journalismus mit 1 Milliarde Dollar fördern.

War die Eskalation nötig? Nicht unbedingt, meint die ZEIT, und schlägt eine Digitalsteuer vor. Bedarf für eine umfassende Regulierung der sozialen Netzwerke gibt es dennoch.

Das Thema wird uns noch eine Weile begleiten. Mächtige Plattformen wie WhatsApp nutzen ihre Marktstellung immer wieder aus, um Steuern zu vermeiden oder noch mehr Daten abzugreifen.

 

Digitales Leben

Datenschutzskandal bei Amazon. Die Online-Handelsplattform habe seinen Datenbestand nicht im Griff und könne die DSGVO-Richtlinien nicht einhalten, sagten drei Whistleblower gegenüber der US-Presse. 

Mobilfunkausbau verläuft chaotisch. Andreas Scheuers „Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft“ hat zwei Jahre nach der Ankündigung immer noch keine gültige Steuernummer, bekommt aber regelmäßig Post vom Bundesrechnungshof.

Uber-Fahrer sind Angestellte, nicht Selbständige, urteilte das Londoner Supreme Court. Damit wackelt das Geschäftsmodell von Uber und anderen Plattformen wie Deliveroo. Auch die EU bereitet eine Regelung für Plattformarbeiter vor. 

Google entlässt noch eine KI-Forscherin. Ebenso wie Timnit Gebru arbeitete Margaret Mitchell an einem Paper, das sich mit ethischen Richtlinien beim Einsatz Künstlicher Intelligenz beschäftigt. 

Firefox bietet neue Methode gegen Tracking. Cookies werden jetzt getrennt nach Anbieter gespeichert, jeder Anbieter kann nur noch auf die eigenen Cookies zugreifen. 

DSGVO-Hilfe für Vereine bietet die Datenschutzbehörde von Baden-Württemberg über einen Textgenerator, der über das Ausfüllen eines Formulars den passenden Datenschutztext generiert. 

 

Zu guter Letzt …

Chrome auf dem Mac ist ein Speicherfresser mit einem bis zu 24-fachen Datenverbrauch im Vergleich zu Safari. Dafür hat Googles Betriebssystem ChromeOS inzwischen Apples MacOS im Markt überflügelt.

Digitale Agenda kw07 / 2021

 

Australien vs. Facebook

Facebook dreht Australien den Hahn ab. Die Facebook-Seiten australischer Medien sind leer und es können keine News mehr geteilt werden. Das australische Parlament hatte kurz zuvor ein Gesetz verabschiedet, das Tech-Konzerne dazu verpflichtet, für Nachrichten zu zahlen. 

Australische Politiker betrachten das als Kriegserklärung, Länder wie Kanada gehen selbst in die Offensive und die Diskussion um kartellrechtliche Konsequenzen flammt wieder auf.

Tech-Konzerne erschaffen derweil ihre eigene Welt. In Nevada werden sie demnächst autonome Städte mit eigenen Gesetzen gründen dürfen, Venture-Capitalisten bauen ihre eigenen Medienkanäle. 

 

Digitale Welt

Wieder rote Ampeln für Zoom, Teams und WebEx. Die Berliner Datenschutzbehörde hat erneut viele Videokonferenz-Anbieter geprüft und für die Großen reichte es nicht mal für eine gelbe Ampel (hier der Bericht als PDF).

Microsoft macht sich in der Autobranche breit. Zusammen mit VW will Microsoft Assistenzsysteme bauen, eine Kooperation mit Bosch sieht den Aufbau einer Software-Plattform vor.

5G und 6G  verursachen eine Antenneninvasion. Höhere Frequenzen bedeuten niedrigere Reichweiten, was wiederum mehr Funkmasten nach sich zieht. 

CDU will schärfere Upload-Filter. Axel Voss gehen die im aktuellen Gesetzentwurf formulierten Regelungen nicht weit genug. 

Bürgerrechtler wollen Gesichtserkennung stoppen. Eine Initiative des Chaos Computer Club und anderer Verbände will ein europäisches Verbot biometrischer Massenüberwachung erreichen. Gründe dafür gäbe es genug. 

Der Smartphone-Perso soll kommen. Bundesbürger sollen sich künftig gegenüber Behörden auch mit ihrem Smartphone ausweisen können.

Jens Spahn muss seine Allianz mit Google canceln. Ein Münchner Gericht untersagte dem Gesundheitsminister, Google Infos über bestimmte Krankheiten in Infoboxen anzeigen zu lassen.

 

Zu guter Letzt …

Die Milliardäre haben Bitcoin entdeckt. Nachdem Tesla 1,5 Milliarden Dollar in den Kauf von Bitcoins investiert hat, eilt der Kurs von Hoch zu Hoch. Der Einstieg von Großinvestoren führt nun zu einer Verknappung der Bitcoin-Reserven.

Digitale Agenda kw05 / 2021

 

Urheberrecht

Die Bundesregierung legt neues Urheberrecht vor – und es wird nicht ohne Upload-Filter auskommen. Letztere werden zwar darin nicht explizit erwähnt, doch den Plattformen bleibt keine andere Wahl, wenn sie Strafen vermeiden wollen.

Das Gesetz ist voller guter Absichten, die sich in der Praxis kaum umsetzen lassen. Die Rechte der Kreativen sollen mit dem Gesetz gestärkt werden, doch die Umsetzung wird so teuer, dass zum Schluss noch weniger Geld bei ihnen ankommt.

Vorläufiger Gewinner ist die Verlagsbranche. Durch ihren kurzen Draht zur Politik konnte sie die Lobby-Schlacht für sich entscheiden mit einem Gesetzentwurf, der Gerichten viel Arbeit bescheren dürfte. 

 

Digitales Leben

Amazon-Gründer Jeff Bezos zieht sich zurück und will sich künftig der Philanthropie widmen. Ja, es ist derselbe „Menschenfreund“, der seine Fahrer künftig den ganzen Tag filmen will. 

Android-Apps sind Standort-Schnüffler. Eine Untersuchung von 450 populären Android-Apps ergab, dass ausnahmslos alle Standort-Tacking betrieben, fast die Hälfte sogar nach einer verbotenen Methode. Standort-Tracking lässt sich auch abschalten. 

Die Gerüchte um Apples Auto werden konkreter. Ein Deal mit Hyundai und Kia soll laut Medienberichten unmittelbar bevorstehen. 

Das DSGVO-Musterland lässt es schleifen. Der Gesetzgeber kommt seiner Pflicht nicht nach, auch die EU-Richtlinie zum Einzuhalten des Datenschutzes bei der Ermittlung und Verfolgung von Straftaten umzusetzen, moniert der Bundesdatenschutzbeauftragte. 

Wikipedia-Autor wegen übler Nachrede verurteilt. Er soll einem Komponisten 8000 Euro Entschädigung zahlen, weil er ihn als Verschwörungstheoretiker darstellte. Der Autor ist den Gerichten inzwischen kein Unbekannter.

 

Zu guter Letzt …

Joggerin filmt ‚aus Versehen‘ Militärputsch. In Myanmar haben die Generäle in der Nacht zum Montag mal wieder die Macht an sich gerissen – mit einem großen Aufgebot an Militärfahrzeugen und Straßensperren. Eine Joggerin nutze es als Kulisse, um ihren täglichen Workout zu filmen.