Schlagwort-Archive: 5G

Digitale Agenda kw29 / 2020

 

Privacy Shield

Datenabkommen zwischen EU und USA ist ungültig. Nach Safe Harbor kippte der Europäische Gerichtshof jetzt auch dessen Nachfolger, Privacy Shield. Den Schutz persönlicher Daten von EU-Bürgern in den USA sah das Gericht vor US-Geheimdiensten wie der NSA als nicht gewährleistet. 

Was ist die Alternative? Das Urteilt stellt auch die Wirksamkeit der Standardvertragsklauseln in Frage, die von vielen Unternehmen genutzt werden. Diese müssen dringend überarbeitet werden, fordert der Bitkom. 

Vielleicht hilft das ‚Plattformgrundgesetz‘, das nächstes Jahr kommen soll. Das Vorzeige-Projekt der EU-Kommission soll Netzwerke wie Facebook und Twitter regulieren und die Marktmacht von Konzernen wie Google und Amazon beschränken. 

 

Digitales Leben

Twitter über Admin-Konten gehackt. Ein Twitter-Mitarbeiter mit mächtigen Rechten fiel auf einen gezielten Phishing-Angriff herein, und schon gab es Bitcoin-Werbung über die Konten von Barack Obama und Donald Trump. Ein Paradebeispiel für Social Engineering. 

Apple muss keine Steuern in Europa nachzahlen. Die EU-Kommission hatte von Apple 13 Milliarden Euro nachgefordert, weil sie Apples Steuer-Deal mit Irland in Zweifel stellte. Das Gericht der Europaischen Union erklärte nun die Forderung für nichtig.   

5G-Netz ohne Huawei? Die britische Regierung hat Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes ausgeschlossen. Deutschland will dem Beispiel nicht folgen, die SPD schlägt einen geheimen Ausschuss zur Überprüfung der Vertrauenswürdigkeit von IT-Zulieferern vor.

Europa braucht eine eigene digitale Infrastruktur, damit es nicht ewig von USA und China abhängig ist, fordert ein Expertenbündnis von Wissenschaftlern, IT-Experten und Medienmanagern.

Open-Source-Produkte haben sich in der Krise bewährt. Die Stadt Bühl betreibt jetzt eine eigene Videokonferenz-Plattform, Open-Source-Bildungsplattformen wollen eine nachhaltige Finanzierung.

 

Zu guter Letzt …

Heute ist Welt-Emoji-Tag. Mehr als 3.300 Emojis stehen aktuell zur Wahl, am Anfang waren es nur 176. Zur Feier des Tages hat Google weitere 117 angekündigt und ein Sprachwissenschaftler erklärt den Emoji-Gebrauch unter Jugendlichen.

Digitale Agenda kw17 / 2020

 

Corona-App

Pandemie-Prävention oder Totalüberwachung? Beim Streit um die Corona-App geht es um eine Grundsatzentscheidung über das technische Konzept – zentrale Speicherung mit anonymisierten Daten oder Datenspeicherung ausschließlich auf dem Smartphone des Nutzers.

Jens Spahn scheint sich entschieden zu habenfür das Modell mit zentraler Datenhaltung, auch wenn offiziell noch drei verschiedene Modelle evaluiert werden und die EU-Kommission sich nicht festlegen will. 

Die Corona-App droht zu scheitern, bevor sie überhaupt fertig wird. Den App-Entwicklern laufen die Partner davon, Wissenschaftler warnen vor beispielloser Überwachung, Digitalvereine distanzieren sich und die Sache mit der Freiwilligkeit ist fragwürdig. 

Der Staat rüstet trotzdem digital auf. Jens Spahn will die Einhaltung der Quarantäne überwachen, Hessen kauft Überwachungssoftware, das RKI greift persönliche Daten ab und Frankreich verlangt von Apple, seine Bluetooth-Einschränkungen fallen zu lassen.  

 

Digitales Leben

Bundesbürger gespalten beim Thema 5G. Laut einer Bitkom-Umfrage ist jeder zweite gegen neue Funkmasten, auch wenn Telekom und Vodafone ehrgeizige Pläne haben. Derweil machen sich Experten Sorgen um die Sicherheit von 5G. 

Sicherheitslücken in der iOS Mail-App. Forscher behaupten, über die App könnte Schadcode auf iPhones und iPads eingeschleust werden. Das BSI rät zur Deinstallation, Apple widerspricht. 

Facebook blockiert Demo-Aufrufe. Weltweit finden Demonstrationen gegen den Lockdown statt, in den USA reagiert Facebook mit einer Löschung der Aufrufe. 

Corona-Krise zeigt Wirkung in der IT-Branche. IBM berichtet darüber, dass sein Software-Geschäft im März über Nacht zum Erliegen kam. Ähnliches berichtete der IT-Fachhandel Ende März. 

Australien will seine Presse mit Google-Steuer retten. Die Regierung hat Facebook, Google & Co. dazu verdonnert, für die Übernahme journalistischer Inhalte zu zahlen.

 

Zu guter Letzt …

Liechtenstein will Corona per Armband bekämpfen. Etwa 5 Prozent der Bürger sollen Armbänder tragen, die Puls und Körpertemperatur überwachen. Damit soll ein Wiederaufflammen der Epidemie im Herbst rechtzeitig erkannt werden. 

Digitale Agenda kw09 / 2020

 

Politische Werbung

Im Wahlkampf wird das meiste Geld immer noch für Werbung im TV ausgegeben, aber Online-Plattformen werden immer wichtiger.

Donald Trump hat sich den begehrtesten digitalen Werbeplatz gesichert. Auf der Startseite von YouTube soll in den Tagen vor der Präsidentschaftswahl nur Trump-Werbung laufen. 

Der Milliardär Mike Bloomberg unterhält eine ganze Social-Media-Maschinerie, die in seinem Sinne postet, die Posts aber nicht als Werbung kennzeichnet (Englisch).

Sogar Deep Fakes werden in Indien im Wahlkampf eingesetzt. Ein Politiker nutzte gefälschte Videos, um Wähler in verschiedenen Dialekten anzusprechen (Englisch). 

Personalisierte politische Werbung ist unerwünscht, sagen deutsche Verbraucher. Wie sie ihr entkommen können, wissen die meisten aber nicht. 

 

Digitales Leben

Eine Milliarde Geräte von WLAN-Lücke betroffen. Ein Fehler in weit verbreiteten WLAN-Chips macht zahlreiche Smartphones und PCs sowie Amazons Echo und Kindle angreifbar. Erste Updates sind verfügbar. 

Die geheime Kundenliste von Clearview wurde gehackt. Hunderte Polizeibehörden nehmen die Dienste des Betreibers einer Datenbank mit 3 Milliarden Gesichtern in Anspruch, um Verdächtige zu identifizieren. Auch die Gesichtserkennungs-App von Clearview wurde jetzt entdeckt. 

5G kommt ohne Huawei momentan nicht aus. Trotz aller Boykottaufrufe aus den USA haben 47 europäische Provider Lieferverträge für 5G-Infrastruktur mit Huawei abgeschlossen. Dessen Umsatz stieg um 18 Prozent. 

WhatsApp ist für EU-Diplomaten nicht sicher genug. Die zu Facebook gehörende Messenger-App ist zwar verschlüsselt, doch US-Behörden haben Zugriff auf ihre Metadaten. Der Auswärtige Dienst der EU nutzt jetzt lieber eine eigene App. 

NSA-Telefonüberwachung bringt gar nichts. 100 Millionen Dollar hat die NSA in den letzten vier Jahren ausgegeben, um US-Amerikaner abzuhören. Herausgekommen ist nur eine einzige wichtige Ermittlung. 

 

Zu guter Letzt …

Airbnb will Nachbarn vor Partylärm schützen. Der Vermittlungsdienst empfiehlt Vermietern, kleine, mit dem Internet verbundene Lärm-Messgeräte in ihre Räumlichkeiten zu installieren, die den Lärmpegel messen und sie benachrichtigen, wenn das Treiben in den vermieteten Wohnungen allzu bunt wird.

Digitale Agenda kw06 / 2020

 

Coronavirus

Das Panikpotenzial sozialer Netzwerke wird durch den Fall des Coronavirus besonders gut illustriert – und treibt häufig wilde Blüten, bis hin zu Diskriminierung chinesischer Bürger. Inzwischen gehen Facebook & Co. systematisch gegen Falschmeldungen vor. 

Wie kann man sich schützen? In China markieren Apps infizierte Gebiete auf der Landkarte, die Regierung versucht es mit Info-Drohnen, ein Startup aus Singapur entwickelt einen Schnelltest. 

Das Virus hat auch die Tech-Industrie erreicht. US-Hersteller wie Apple schließen vorübergehend ihre Büros in China, Firmen wie LG oder ZTE sagen ihre Teilnahme beim Mobile World Congress ab.

 

Digitales Leben

Gesetz zum Schutz von Patientendaten. Das Gesundheitsministerium hat als Ergänzung zur elektronischen Patientenakte einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Nutzung und Schutz von Patientendaten regeln soll.

Die EU arbeitet an einer eigenen Datenstrategie. Um technologisch nicht von den USA und China abgehängt zu werden, will die EU einen grenzenlosen Markt für Daten schaffen.

Häufiger Passwortwechsel ist out. In seinen aktuellen Empfehlungen zum IT-Grundschutz rückt das BSI vom Grundsatz ab, Passwörter häufig zu ändern. Es gibt gute Argumente, die dagegen sprechen. 

Huawei will 5G-Fabriken in Europa bauen. Mit europäischen Produktionsstätten würde man „5G für Europa, made in Europe“ anbieten können, sagt der Hersteller, der nicht vom Ausbau des 5G-Netzes ausgeschlossen werden will. 

Twitter und Google gehen gegen Deepfakes vor. Google will mit seiner Assembler-Plattform gleich ganze Desinformationskampagnen stoppen. Twitter will nach eher schwammigen Kriterien Tweets, Fotos und Videos blockieren oder löschen.  

Israel gönnt sich einen Cybernotruf. Unter der Nummer 119 können Bürger Hilfe bekommen, falls ihnen etwas auf ihrem Rechner nicht ganz koscher vorkommt. Der Dienst soll der Verbreitung von Malware entgegenwirken. 

 

Zu guter Letzt …

Goodbye, Blackberry. Selten war die Fallhöhe eines Tech-Unternehmens größer als bei Blackberry. Der einstige Smartphone-Marktführer war einmal 83 Milliarden Dollar wert, aktuell nur noch 3. Und er hat endlich eingesehen, dass die Produktion eigener Handys keinen Sinn mehr hat. Ende August ist endgültiger Produktionsstopp, Blackberry macht dann nur noch Software.