Schlagwort-Archive: 5G

Digitale Agenda kw33 / 2019

 

Digitaler Sexismus

Der Nutzer sagt an, die Assistentin macht. Wie die Kommunikation mit Siri, Alexa & Co. das Frauenbild der Dienstmagd erneut heraufbeschwört, erklärt der Kulturwissenschaftler Holger Schulze im ZEIT-Podcast. 

Das Frauenbild in Videospielen ist sogar Männern zu sexistisch, fand eine neue Umfrage des Bitkom heraus. Games würden Darstellungen verwenden, die manchmal bis zur Verharmlosung von sexuellem Missbrauch reichen.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt könnte immerhin dazu beitragen, Frauen einen besseren Stand auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen. Trends wie Homeoffice, New Work oder New Recruiting bringen weibliche Eigenschaften besser zur Geltung. 

 

Digitales Leben

Die meisten Cookie-Hinweise in der EU sind nicht regelkonform, fand die Untersuchung von 5.000 Websites heraus. Die Mehrzahl der Hinweise boten den Besuchern keine Wahlmöglichkeit, Cookies abzulehnen oder nur einen Teil zuzulassen.

Deliveroo macht in Deutschland dicht. Das britische Unternehmen will sich lieber auf Länder konzentrieren, wo Konkurrenz und Arbeitnehmerrechte schwächer sind – und kooperative Geschäftsmodelle nicht ganz so im Kommen. 

Der Widerstand gegen 5G formiert sich. Ausgerechnet die EU-Hauptstadt Brüssel hat die strengsten Gesetze für Handy-Strahlung und es mit dem Ausbau von 5G überhaupt nicht eilig – eine Inspiration für Strahlungsskeptiker. 

Die Vorratsspeicherung von Kfz-Kennzeichen ist illegal, sagt ein Gutachten des Bundesinnenministeriums, das in der Versenkung verschwand. Stattdessen läuft nach wie vor ein Pilotprojekt in Brandenburg, das täglich 55.000 Kennzeichen scannt.

Millionen biometrischer Daten offen im Netz haben israelische Security-Forscher entdeckt. Die Daten gehören einer koreanischen Firma, die in Europa führend bei biometrischen Zutrittskontrollsystemen ist.

Ein Touchscreen verursachte die Schiffskollision zwischen einem US-Kriegsschiff und einem Tanker vor zwei Jahren. Die Besatzung des Zerstörers steuerte das Schiff über ein Touchscreen – und griff daneben.

 

Zu guter Letzt …

Den Wettbewerb im Social Engineering gewann auf der diesjährigen Defcon eine junge Hackerin, die am Telefon innerhalb von 20 Minuten vom Mitarbeiter eines Tabakkonzerns alles erfuhr, was einen Hacker glücklich macht: alles über seinen Arbeitslaptop, dessen Betriebssystem und E-Mail-Programm, seinen VPN-Anbieter und die installierte Software. Phishing kann manchmal so einfach sein …

Digitale Agenda kw29 / 2019

 

Angst vor Libra

Die Finanzminister der G7-Staaten zeigten sich in ihrem Treffen diese Woche sehr beunruhigt ob der Macht, die Facebooks Kryptowährung „Libra“ entfalten könnte. Libra sei nicht demokratisch kontrolliert und könnte das Monopol der Notenbanken untergraben. 

Wenn 2,4 Milliarden Menschen mit Libra zahlen und Facebook als Bank nutzen, wer stellt sicher, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Die Dachorganisation von Libra ist in Genf gemeldet und will sich von der Schweiz beaufsichtigen lassen, doch reicht das?

Die Anfälligkeit von Libra für Missbrauch durch Geldwäscher oder Kriminelle dürfte geringer sein als die von Bargeld, glaubt hingegen der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Facebooks Weltwährung wird eine Revolution, prophezeit die Digitalexpertin Sarak Spiekermann, und Oliver Leistert sieht als nächsten logischen Schritt die Privatisierung des Geldes. 

 

Digitales Leben

Der Tesla-Gründer will in Ihren Kopf. Elon Musks neues Unternehmen Neuralink will durch den Einsatz von Elektronen das Hirn mit einem Computer verbinden. Das Verfahren soll Menschen mit Behinderungen helfen, aber auch neues Wissen und Fähigkeiten „ins Hirn laden“.

Breitband-Ausbau stockt. Die Fördergelder des Bundes werden oft von den Kommunen nicht abgerufen, weil Internet-Provider die Bandbreite ihres DSL-Angebots heraufsetzen (auch wenn sie die zugesagte Bandbreite nicht liefern). Fördermittel für Kommunen gibt es erst bei weniger als 30 Mbit/s. 

Vodafone nimmt 5G-Netz in Betrieb. Das erste kommerzielle 5G-Netz in Deutschland läuft in 25 Städten und kostet 5 Euro Aufpreis zum aktuellen Tarif, doch es gibt einige deutliche Einschränkungen. Unterdessen wurde Vodafones Übernahme von Unitymedia genehmigt. 

Bus- und Zugreisende sollen registriert werden. Die EU diskutiert über eine Ausweitung der umstrittenen Erfassung von Fluggastdaten auf Reisende in Bussen, Zügen und Schiffen. Die deutsche Justizministerin sieht darin „gravierende Einschränkungen der persönlichen Freiheit„.

„Zensursula“ is back. Als neue EU-Kommissionspräsidentin hat sich Ursula von der Leyen auch digital einiges vorgenommen. Partick Beuth analysiert die Pläne im Spiegel und sieht nach der Debatte über Upload-Filter nun eine über Internet-Filter heraufziehen.

 

Zu guter Letzt …

FaceApp lässt die Russland-Hysterie neu aufflammen. Die FaceApp zeigt Ihr Gesicht so, wie es in 20 Jahren aussehen könnte, und ihre Nutzer sind hellauf begeistert. Da die App aber aus Russland stammt, schießen die Befürchtungen über einen unerlaubten Datenzugriff ins Kraut, der freilich bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte. Dass die Daten in der Amazon Cloud verarbeitet werden, stört nicht weiter. 

Digitale Agenda kw27 / 2019

 

Erkannt und abgehört

Es regt sich weltweit Widerstand gegen den Einsatz von Gesichtserkennung und gegen allzu datenhungrige Smart-City-Projekte wie das von Google in Toronto (Projektseite, kurzer Abriss auf Deutsch, detaillierter Bericht auf Englisch). San Francisco hatte bereits im Mai Gesichtserkennung im öffentlichen Bereich verboten. Und es gibt noch viel zu tun:

Smart-Home-Geräte schmuggeln Mikrofone ein, ohne die Nutzer davon in Kenntnis zu setzen. Das trifft für No-Name-Geräte aus Fernost ebenso zu wie für intelligente Alarmanlagen aus dem Hause Google auch wenn die offizielle Linie völlig anders klingt. 

Spionage-Apps in die Smartphones von Touristen, die eine bestimmte Region besuchen wollen, installieren die chinesischen Grenzbehörden, hat die Süddeutsche herausgefunden. 

Jedem Bürger seine eigene digitale Akte? Im Überwachungskapitalismus gehört das zum Geschäftsmodell und deswegen löscht Amazon keine gespeicherten Alexa-Daten. 

 

Digitales Leben

Man kann jetzt schon mit 5G telefonieren, allerdings zu einem sehr hohen Preis. Die Telekom hat ihre ersten 5G-Tarife vorgestellt. Dafür stehen 3G-Kunden mit Billigverträgen bald ohne Netz da.

USA heben Blockade gegen Huawei auf. Donald Trump will das als Erfolg seiner Verhandlungen mit China verstanden wissen, doch wahrscheinlich ist er von dem Druck der US-Industrie eingeknickt. 

Ein zweiter Blick auf Facebooks Kryptowährung Libra wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. „Der Teufel steckt im Detail, und in diesem Fall ist der Teufel überall“, sagt ein Experte.  

Die Facebook-Störung vom Mittwoch hatte einige interessante Nebeneffekte. Mitunter wurde sichtbar, wie Facebook die Bilder der Nutzer mittels Künstlicher Intelligenz taggt. 

Die USA und Iran befinden sich im Cyberkrieg, und das schon seit vielen Jahren. Auch wenn der Iran den USA deutlich unterlegen ist, man sollte seine Fähigkeiten nicht unterschätzen, warnen Experten.  

 

Zu guter Letzt …

… und weg waren die eBooks. Das Geschäft mit elektronischen Büchern war für Microsoft nie rentabel, deswegen ist der Verkauf Anfang April eingestellt worden und diesen Monat wird der Server abgeschaltet.  Bedeutet: Heruntergeladene Bücher „funktionieren nicht mehr“, können also nicht mehr gelesen werden. Kunden erhalten eine volle Rückerstattung. 

Digitale Agenda kw24 / 2019

 

Der Wirtschaftskrieg der USA gegen Huawei eskaliert weiter, auch wenn nach Russland jetzt auch Spanien sein 5G-Netz mit Huawei aufbauen will. 

Huawei wird durch die US-Sanktionen dazu gezwungen, ein komplett eigenes Ökosystem aufzubauen. 

Riskieren die USA eine neue Wirtschaftskrise? Die ersten Großinvestoren bringen ihr Geld in Sicherheit. 

 

Digitales Leben

Innenminister Seehofer erntet einen Shitstorm für seine Vorstellung, Messenger-Dienste wie WhatsApp zur Herausgabe von Chat-Verläufen zu zwingen. Rund 100 Organisationen aus Industrie, Verbraucherschutz und Datenschutz haben die Pläne mit einem offenen Brief quittiert. 

Der Bund bekommt 6,6 Milliarden Euro aus der 5G-Auktion und diesmal gibt es neben der Telekom, Vodafone und Telefonica einen vierten Netzbetreiber, 1&1 Drillisch. Vodafone will jetzt schon seine Milliarden zurück – als Hilfe zum Aufbau der Infrastruktur. 

Die Polizei bekommt keinen Zugriff auf Gmail. Googles E-Mail-Dienst ist kein Kommunikationsdienst im Sinne des EU-Rechts, urteilte der Europäische Gerichtshof. Deswegen muss Google auch keine Schnittstelle für das Ausspähen der Kommunikation zur Verfügung stellen.

US-Grenzbehörde stellt auf Biometrie um. Der digitale Striptease für die Einreise wird immer umfangreicher, der Umgang mit den gewonnenen Daten immer fahrlässiger. Nun wurden einem Dienstleister zehntausende Gesichtsfotos und Kfz-Kennzeichen geklaut.  

Neue Regeln für Drohnen. Nachdem Anfang des Jahres der Londoner Flughafen Gatwick durch eine Drohne lahmgelegt wurde, beschloss die zuständige EU-Behörde jetzt verbindliche Regeln für Drohnen. 

 

Zu guter Letzt …

Mark Zuckerberg erklärt sich zum Weltherrscher. In einem Video auf Instagram sagt der Facebook-Chef, dass er die gestohlenen Daten von Milliarden von Menschen besitzt und erklärt, dass „wer die Daten beherrscht, beherrscht auch die Zukunft“. Natürlich ist das Video gefälscht, aber es ist ein äußerst gekonntes Deep Fake. Und Mark Zuckerberg besitzt offenbar genug Humor, um das Video nicht vom Netz nehmen zu lassen.