Schlagwort-Archive: 5G

Digitale Agenda kw36 / 2019

 

Werbetracking

Persönliche Informationen von Kindern hat Google-Tochter YouTube jahrelang ohne dem Einverständnis ihrer Eltern gesammelt und die Einsichten daraus für das Ausspielen von Werbung genutzt. Die Strafe von 170 Millionen Dollar fiel eher milde aus. 

Werbetracking kann viel Schaden anrichten, besonders wenn es auf Minderjährige angewendet wird. Schon länger fordern deshalb Bürgerrechtsorganisationen, die Privatsphäre von Kindern besser zu schützen.

Auch depressive Hilfesuchende sind Werbetracking ausgesetzt. Ihr Surf-Verhalten, aus dem ersichtlich wird, dass sie z.B. Depressionstests gemacht haben, wird häufig an Werbenetzwerke weitergereicht. 

 

Digitales Leben

420 Millionen Telefonnummern von Facebook-Nutzern fand ein Sicherheitsforscher frei zugänglich auf einem Server, alle mit Facebook-ID, viele mit Klarnamen. Damit lässt sich jede Menge Unsinn anstellen.

Über seine ersten Erfahrungen mit 5G berichtet Spiegel-Redakteur Matthias Kremp. Dafür musste er auf das Parkdeck der Vodafone-Zentrale in Düsseldorf. Sein Fazit: Auf dieser Datenautobahn gibt es keine Wartezeiten.

Das Smart Home kommt nicht in die Gänge, und dafür gibt es sehr gute Gründe. Auch wenn die Industrie das intelligente Zuhause schönredet und schönrechnet, es fehlt noch an echten Anwendungsfällen und Sicherheit.

Bundesregierung will mehr digitale Transparenz. Durch Open Government sollen Bürger künftig mehr Einblick in Gesetzgebungs- und Verwaltungsverfahren bekommen und sich auch daran beteiligen können.

Die neue Bundes-IT wird zum Milliardenfiasko, berichtet der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe. Statt der veranschlagten 1 Milliarde Euro soll die Renovierung mehr als 3 Milliarden kosten.

Zurückhacken bringt gar nichts, schreibt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags in einem vertraulichen Gutachten und widerspricht dem Innenministerium, das seit einiger Zeit an einem Hackback-Gesetz arbeitet. 

 

Zu guter Letzt …

Twitter-Account von Twitter-Chef gehackt. Die 4,2 Millionen Follower von Jack Dorsey durften sich letzte Woche über etliche rassistische Äußerungen wundern, das i-Tüpfelchen war eine Bombendrohung. „Wenn ihr Jack nicht schützen könnt, könnt ihr gar niemanden schützen“, twitterte ein entsetzter Nutzer.

Digitale Agenda kw35 / 2019

 

Im Clinch mit den Großen

Bundeskartellamt verliert gegen Facebook. Das Kartellamt wollte dem Netzwerk per einstweiliger Anordnung verbieten, die eigenen Daten mit denen von Instagram und WhatsApp zusammenzulegen. Das Kartellgericht konnte keinen Nachteil für die Nutzer erkennen.

Für Satire hat Twitter kein Verständnis – zumindest nicht, wenn es um Wahlen geht. Ironische Tweets darüber,  wie Wähler mit ihren Wahlzetteln umgehen sollten, wurden mit einer Sperrung von Konten auf unbestimmte Zeit quittiert.

Google kann sich tatsächlich irren. Die im Suchdienst angegeben Wartezeiten für einen Platz im Wirtshaus oder im Biergarten des Bräustüberls Tegernsee waren geschäftsschädigend hoch angesetzt. Das Bräustüberl hat geklagt und gewonnen. 

 

Digitales Leben

Wie gefährlich für die Gesundheit ist 5G? Überhaupt nicht, sagt die Stiftung Warentest (Zusammenfassung in der SZ), nachdem sie eine Reihe aktueller Studien zum Thema ausgewertet hat. Die Diskussionen darüber und die Forderungen nach einem Moratorium werden dennoch kaum verstummen. 

Das Bayerische Rote Kreuz übermittelte heikle Daten an Facebook. Die Daten der Blutspender waren zwar anonym, konnten aber dennoch Personen zugeordnet werden, fand die SZ heraus. Die Datenschutzaufsicht prüft jetzt, ob ein Verstoß gegen die DSGVO vorliegt.

Ukrainisches Atomkraftwerk schürft Bitcoins. Die Mitarbeiter des Kraftwerks schlossen das interne Netzwerk ans Internet an und nutzten seine Rechenpower, um die Kryptowährung zu generieren.

Das neue Fairphone 3 bewegt sich erwartungsgemäß technologisch nicht auf dem allerhöchsten Niveau, doch es ist zumindest umweltverträglich produziert und viel leichter zu reparieren als so manches Markengerät.

Wie totale Überwachung aussehen kann, schildert ein Artikel auf The Intercept (Englisch). Mit der Technologie einer israelischen Firma überwacht die US-Grenzbehörde einen Grenzabschnitt zu Mexiko, der sich in einem Indianer-Reservat befindet  – und damit auch die Einwohner des Reservats. 

 

Zu guter Letzt …

Die erste Straftat im Weltraum könnte eine Astronautin der Raumstation ISS begangen haben. Anne McClain soll von einem Computer der Raumstation auf das Onlinekonto ihrer Ex-Frau zugegriffen und deren Finanzen kontrolliert haben. Sollte es zu einer Verhandlung kommen, wird sie wohl mangels eines Gerichts im Weltraum in den USA stattfinden. 

Digitale Agenda kw33 / 2019

 

Digitaler Sexismus

Der Nutzer sagt an, die Assistentin macht. Wie die Kommunikation mit Siri, Alexa & Co. das Frauenbild der Dienstmagd erneut heraufbeschwört, erklärt der Kulturwissenschaftler Holger Schulze im ZEIT-Podcast. 

Das Frauenbild in Videospielen ist sogar Männern zu sexistisch, fand eine neue Umfrage des Bitkom heraus. Games würden Darstellungen verwenden, die manchmal bis zur Verharmlosung von sexuellem Missbrauch reichen.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt könnte immerhin dazu beitragen, Frauen einen besseren Stand auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen. Trends wie Homeoffice, New Work oder New Recruiting bringen weibliche Eigenschaften besser zur Geltung. 

 

Digitales Leben

Die meisten Cookie-Hinweise in der EU sind nicht regelkonform, fand die Untersuchung von 5.000 Websites heraus. Die Mehrzahl der Hinweise boten den Besuchern keine Wahlmöglichkeit, Cookies abzulehnen oder nur einen Teil zuzulassen.

Deliveroo macht in Deutschland dicht. Das britische Unternehmen will sich lieber auf Länder konzentrieren, wo Konkurrenz und Arbeitnehmerrechte schwächer sind – und kooperative Geschäftsmodelle nicht ganz so im Kommen. 

Der Widerstand gegen 5G formiert sich. Ausgerechnet die EU-Hauptstadt Brüssel hat die strengsten Gesetze für Handy-Strahlung und es mit dem Ausbau von 5G überhaupt nicht eilig – eine Inspiration für Strahlungsskeptiker. 

Die Vorratsspeicherung von Kfz-Kennzeichen ist illegal, sagt ein Gutachten des Bundesinnenministeriums, das in der Versenkung verschwand. Stattdessen läuft nach wie vor ein Pilotprojekt in Brandenburg, das täglich 55.000 Kennzeichen scannt.

Millionen biometrischer Daten offen im Netz haben israelische Security-Forscher entdeckt. Die Daten gehören einer koreanischen Firma, die in Europa führend bei biometrischen Zutrittskontrollsystemen ist.

Ein Touchscreen verursachte die Schiffskollision zwischen einem US-Kriegsschiff und einem Tanker vor zwei Jahren. Die Besatzung des Zerstörers steuerte das Schiff über ein Touchscreen – und griff daneben.

 

Zu guter Letzt …

Den Wettbewerb im Social Engineering gewann auf der diesjährigen Defcon eine junge Hackerin, die am Telefon innerhalb von 20 Minuten vom Mitarbeiter eines Tabakkonzerns alles erfuhr, was einen Hacker glücklich macht: alles über seinen Arbeitslaptop, dessen Betriebssystem und E-Mail-Programm, seinen VPN-Anbieter und die installierte Software. Phishing kann manchmal so einfach sein …

Digitale Agenda kw29 / 2019

 

Angst vor Libra

Die Finanzminister der G7-Staaten zeigten sich in ihrem Treffen diese Woche sehr beunruhigt ob der Macht, die Facebooks Kryptowährung „Libra“ entfalten könnte. Libra sei nicht demokratisch kontrolliert und könnte das Monopol der Notenbanken untergraben. 

Wenn 2,4 Milliarden Menschen mit Libra zahlen und Facebook als Bank nutzen, wer stellt sicher, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Die Dachorganisation von Libra ist in Genf gemeldet und will sich von der Schweiz beaufsichtigen lassen, doch reicht das?

Die Anfälligkeit von Libra für Missbrauch durch Geldwäscher oder Kriminelle dürfte geringer sein als die von Bargeld, glaubt hingegen der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Facebooks Weltwährung wird eine Revolution, prophezeit die Digitalexpertin Sarak Spiekermann, und Oliver Leistert sieht als nächsten logischen Schritt die Privatisierung des Geldes. 

 

Digitales Leben

Der Tesla-Gründer will in Ihren Kopf. Elon Musks neues Unternehmen Neuralink will durch den Einsatz von Elektronen das Hirn mit einem Computer verbinden. Das Verfahren soll Menschen mit Behinderungen helfen, aber auch neues Wissen und Fähigkeiten „ins Hirn laden“.

Breitband-Ausbau stockt. Die Fördergelder des Bundes werden oft von den Kommunen nicht abgerufen, weil Internet-Provider die Bandbreite ihres DSL-Angebots heraufsetzen (auch wenn sie die zugesagte Bandbreite nicht liefern). Fördermittel für Kommunen gibt es erst bei weniger als 30 Mbit/s. 

Vodafone nimmt 5G-Netz in Betrieb. Das erste kommerzielle 5G-Netz in Deutschland läuft in 25 Städten und kostet 5 Euro Aufpreis zum aktuellen Tarif, doch es gibt einige deutliche Einschränkungen. Unterdessen wurde Vodafones Übernahme von Unitymedia genehmigt. 

Bus- und Zugreisende sollen registriert werden. Die EU diskutiert über eine Ausweitung der umstrittenen Erfassung von Fluggastdaten auf Reisende in Bussen, Zügen und Schiffen. Die deutsche Justizministerin sieht darin „gravierende Einschränkungen der persönlichen Freiheit„.

„Zensursula“ is back. Als neue EU-Kommissionspräsidentin hat sich Ursula von der Leyen auch digital einiges vorgenommen. Partick Beuth analysiert die Pläne im Spiegel und sieht nach der Debatte über Upload-Filter nun eine über Internet-Filter heraufziehen.

 

Zu guter Letzt …

FaceApp lässt die Russland-Hysterie neu aufflammen. Die FaceApp zeigt Ihr Gesicht so, wie es in 20 Jahren aussehen könnte, und ihre Nutzer sind hellauf begeistert. Da die App aber aus Russland stammt, schießen die Befürchtungen über einen unerlaubten Datenzugriff ins Kraut, der freilich bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte. Dass die Daten in der Amazon Cloud verarbeitet werden, stört nicht weiter.