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Digitale Agenda kw48 / 2017

 

Daten-Deals

Was lässt sich mit Gesichtsdaten verdienen? Offenbar so viel, dass die australische Regierung jetzt darüber nachdenkt, die Identität eingescannter Gesichter über ihre Passfoto-Datenbank zu verifizieren. Bisher hat sich die Verifizierung aller anderen persönlichen Daten als lukratives Geschäft für sie erwiesen (Zeit).

Bayer ließ Gesichter von Apothekenkunden scannen, um ihnen die zu ihrem Geschlecht und Alter passende Werbung an der Kasse anzuzeigen (Spiegel). Nach Protesten wurde das österreichische Pilotprojekt abgebrochen.

Einen Daten-Deal der besonderen Art macht gerade die chinesische Regierung mit ihren Bürgern. Über ein Punktesystem sollen Chinesen, die gesund leben, mit günstigen Krediten und Krankenversicherungen belohnt werden. Wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder Pornos schaut, bekommt Punktabzüge (Zeit).

 

Digitale Welt

Steuergeschenke für Amazon: Während in Europa die Steuerschlupflöcher langsam geschlossen werden, wird Amazon in den USA das Steuergeld hinterhergeworfen. Bei der Ausschreibung für eine neue Konzernzentrale überbieten sich US-Metropolen bis zur Lächerlichkeit mit Steuergeschenken – auf Kosten ihrer Bürger (Welt).

Extrem einfach zu hacken war bis vorgestern Apples aktuelles MacOS. Das Einloggen als Root-Nutzer war ohne Passwort möglich. Inzwischen gibt’s ein Sicherheitsupdate (Süddeutsche).

None of your Business: Der österreichische Facebook-Schreck Max Schrems hat eine Organisation gegründet, die systematisch Konzerne verklagen will, wenn diese gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Das dafür nötige Geld will noyb.eu über Spenden eintreiben (Zeit).

Wie Startups vom Bitcoin-Hype profitieren, schildert ein Artikel in der Süddeutschen. Statt Businesspläne zu schreiben, erfinden sie einfach neue Digitalwährungen und locken Zocker auf ihre „Initial Coin Offerings“.

Einen Orwellschen Albtraum nennen die Grünen Pläne von Innenminister de Maizière, das Ausspionieren von Wohnungen, Autos und Heimgeräten zu erleichtern (Spiegel). Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland soll der Lauschangriff durch den „Einsatz technischer Mittel gegen Einzelne“ drastisch erweitert werden.

 

Zu guter Letzt …

Gelbe Fahrräder werden zum Hassobjekt. Die Mieträder des asiatischen Verleihers O-Bike stehen weltweit in großen Mengen in immer mehr Städten herum und ziehen den teilweise heftigen Zorn ihrer Bewohner an. Der vom Bayerischen Rundfunk aufgedeckte Datenskandal, nach dem Nutzerdaten von O-Bike frei verfügbar im Netz zu finden waren, hat auch hierzulande sein Übrigens getan. Auf Instagram überbieten sich die Nutzer jetzt mit kreativen Zerstörungsfotos (SZ-Magazin).

Digitale Agenda kw27 / 2017

 

Digitale Diskriminierung

‚Wir brauchen einen Algorithmen-TÜV‘, hatte Justizminister Maas schon vor zwei Jahren gefordert. Jetzt macht er ernst. Er schlug diese Woche die Gründung einer Digitalagentur vor, die sicherstellen soll, dass Firmen nicht über ihre Algorithmen diskriminieren können (Zeit).

Algorithmen können in der Tat diskriminieren. Die Bertelsmann-Stiftung hat hierzu Studien verfasst (hier und hier), die zeigen, dass vom Informationsangebot über die Kreditvergabe bis hin zur Kriminalitätsbekämpfung ihre Entscheidungen weitreichende Folgen für Menschen haben können (siehe auch Süddeutsche und ein Radiofeature der ARD).

Den Algorithmus von Google zu knacken versucht unterdessen ein Projekt von AlgorithmWatch. Über eine Firefox- oder Chrome-Erweiterung soll erkundet werden, wie Google seine Suchergebnisse personalisiert und so auch Wahlen beeinflussen kann (Zeit).

 

Digitale Welt

Schluss mit EU-Steueroasen für Apple, Amazon & Co. Das EU-Parlament plant eine neue Richtlinie, um multinationale Konzerne besser besteuern zu können (Zeit).

Warum Apple in der EU so wenig Steuern zahlt, erklärt ein Artikel in der FAZ. Unterdessen will Donald Trump Apple helfen, der Nachzahlung von 13 Milliarden Euro zu entgehen (ZDnet).

Das deutsche Facebook-Gesetz macht Schule. Das neue Gesetz gegen Hasskommentare mag umstritten sein, Staaten wie Italien und Israel wollen es jedoch als Vorbild für eigene Gesetze nutzen (Spiegel). Und es könnte der Anfang für weitere Maßnahmen zur Regulierung von Internet-Konzernen werden.

Die Sexismus-Affären im Silicon-Valley (Handelsblatt) haben die Diskussion um die Behandlung von Frauen in der Technologiebranche auch hierzulande neu entfacht. Eine Studie der KfW-Bank zeigt, dass es Frauen bei den Banken wesentlich schwerer haben, neue Projekte finanziert zu bekommen – zu unrecht (Süddeutsche).

Wie weist man zu langsame DSL-Anschlüsse nach? Die Bundesnetzagentur hat jetzt hierzu ein Regelwerk veröffentlicht, Netzpolitik.org fasst das wichtigste zusammen.

Mit Patientendaten sollte man nicht so umgehen, wie es die britische Gesundheitsbehörde vor einem Jahr tat.1,6 Millionen nicht anonymisierte Krankenakten wurden der Google-Tochter Deep Mind ohne Einverständnis der Patienten zur Verfügung gestellt. Jetzt kam die Rüge der Datenschutzbehörde (FAZ).

 

Zu guter Letzt …

Die Tür wird neu erfunden. Warum sitzen Lichtschalter immer neben der Tür? Wieso sind Zimmertüren auch in der Wohnung absperrbar? Und warum fehlt dann trotzdem meist der Schlüssel? Architekturstudenten der TU München stellten durch solche Fragen die gesamte Logik einer Tür in Frage und kamen zum Schluss, dass man durch Smart-Home-Technologien die Funktion einer Tür komplett neu definieren kann (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw25 / 2017

 

Der Trojaner im Grundgesetz 

Der Staatstrojaner ist jetzt gesetzlich beschlossen. Im Eiltempo durch den Bundestag gemogelt, ohne echte Debatte, an der Datenschutzbeauftragten des Bundes vorbei – und wahrscheinlich direkt in den Papierkorb des Bundesverfassungsgerichts.

Eine Analyse des neuen Gesetzes in der Zeit bringt folgendes zu Tage:

  • Der Trojaner nutzt nicht bekannte (Zero-Day-) Sicherheitslücken, die die Geheimdienste auf dem grauen Markt kaufen.
  • Was der Trojaner darf oder nicht, ist Auslegungssache. Im Zweifelsfall darf er alles.
  • Es gibt keine technische Kontrolle über seine Auswirkungen auf dem Zielsystem.
  • Es gibt keine öffentliche Kontrolle über die Einhaltung der gesetzlichen Einschränkungen.

Der Staatstrojaner ist ein Einbruch ins Grundgesetz, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen. Der große Lauschangriff, über den so lange gestritten wurde, sei verglichen damit ein lächerliches Unterfangen. Viele Experten teilen diese Meinung.

        

Digitale Welt

Amazon übernimmt weltgrößte Biomarktkette. Für 13,7 Milliarden Dollar gönnt sich der Online-Händler 430 Ladengeschäfte und will damit eine neue Art Lebensmittelhandel erfinden (Süddeutsche). US-Kommentatoren fordern schon Amazons Zerschlagung.

Die Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen EU-Recht, urteilte das Oberverwaltungsgericht Münster. Das Urteil gilt jedoch vorerst nur für den Kläger, den Münchner Internet-Provider Spacenet (Zeit).

Wie sich Lügen im Netz verbreiten, erklärt die Publizistin Ingrid Brodnig in der Süddeutschen. Unseriöse, emotionalisierende Berichte sind oft beeindruckend erfolgreich – und der Erfolg hat System.

Wie verschleiert man sein Konsumverhalten? Als Verbraucher wird man ständig durch Tracking, Scoring und andere Techniken auf sein Verhalten hin analysiert. Umgehen lässt sich die Analyse kaum, verfälschen schon (Zeit).

Wofür sind Digitale Assistenten wirklich gut? Alexa, Cortana, Siri & Co. sind im Kommen weil Sprache der bequemste Weg ist, einen Computer zu bedienen und eine riesige Wissensdatenbank anzuzapfen (FAZ).

Wie Apple, Google & Co. ihre Geheimnisse hüten, schildert ein Artikel in der Zeit, der natürlich auf geleakten Informationen basiert. Ehemalige Geheimdienstler sind im Silicon Valley derzeit sehr gefragte Leute.

   

Zu guter Letzt …

Die Blockchain soll die Meinungsfreiheit retten. Publisicm ist ein niederländisches Projekt, das die Bitcoin-Basistechnologie Blockchain nutzen will, um Journalisten in repressiven Staaten zu schützen. Die Idee dahinter ist eine unabhängige Content-Plattform, die keinerlei zentrale Steuerung besitzt. Journalisten können dort ihre Inhalte hochladen und sich entlohnen lassen – anonym und manipulationssicher (Politik Digital).

Digitale Agenda kw18

 

Facebook und die Politik

Wie wird auf Facebook Politik gemacht? Antworten auf diese komplexe Frage versucht diese Woche ein ebenso brillantes wie aufwändig produziertes Special der Süddeutschen Zeitung zu geben.

Facebooks Newsfeed ist viel mehr als eine digitale Wand, an der Wahlplakate hängen, so viel steht fest. Es ist auch Ort politischer Auseinandersetzungen, auf dem um Wählerstimmen geworben wird. Ein lesenswerter Artikel beleuchtet, wie die einzelnen Parteien auf Facebook Politik machen.

Wie Facebook die politische Diskussion verändert hat, was es für das Machtverhältnis zwischen Politikern und Bürgern inzwischen bedeutet und warum es eine Erschütterung der Demokratie, wie wir sie kennen ist, analysiert ein weiterer Artikel.

Welche Rolle spielt das Phänomen “Filterblase”? Gibt es diese Filterblase überhaupt? Und wenn ja, ist das Phänomen wirklich so neu? Die Erkenntnisse des Artikels “Filterblase? Selbst schuld!” sind ebenso interessant wie widersprüchlich.

“Die Filterblase sind wir selbst”, schreibt Sascha Lobo im Spiegel und versucht, einige Dinge zurecht zu rücken. Soziale Medien sind nicht Motor, sondern Indikator einer gesellschaftlichen Veränderung. Unsere eigene Vorstellung von dieser Welt platzt gerade dank Facebook & Co. wie eine Filterblase.

        

Digitale Welt

Windows 10 “S” steht für Schule. Mit einem neuen schicken, leistungsfähigen, aber nicht ganz billigen Notebook will Microsoft Schüler begeistern – und ihre Eltern. Das Betriebssystem lässt nur Software aus dem Windows Store zu und bietet auch sonst viele Kontrollmöglichkeiten für Eltern (Spiegel, silicon.de).

Digitalisierung bedeutet Stress. Laut einer neuen Studie des DGB klagt jeder zweite über eine größere Arbeitsbelastung, zwei von drei über die ständigen Unterbrechungen (FAZ). Laut einer Studie der Barmer Krankenkasse sehen aber die meisten Berufstätigen die Digitalisierung als Chance.

Die fünf größten Passwort-Mythen entlarvt ein Artikel in der Süddeutschen, darunter den häufigen Passwortwechsel und die Nutzung von Sonderzeichen. Und auch die Biometrie bekommt ihr Fett weg.

Betrüger tricksen das mTAN-Verfahren aus. Über eine seit zwei Jahren bekannte Schwachstelle konnten Kriminelle mit einem Trick mTAN-SMSs abfangen und zahlreiche deutsche Konten leer räumen (Süddeutsche).

Amazon verkauft jetzt auch Lebensmittel. “Amazon Fresh” startet als Pilotprojekt zunächst nur in Berlin und Potsdam (FAZ). Das könnte kleineren lokalen Lebensmittelhändlern, die ihre Waren über Amazon verkaufen, eine Chance gegen die dominierenden Supermärkte geben, glaubt die Verbraucherzentrale Bundesverband (Handelsblatt).

Wie Organisationen beweglich werden, schildert der Unternehmensberater Klaus Kissel in der Computerwoche anhand von fünf Fragen, die sich Unternehmen hinsichtlich ihrer Organisation und Struktur stellen sollten.

Vier USB-Sticks mit einer Kapazität von 256 GB und einen mit 2 TB hat das c’t-Magazin unter die Lupe genommen und kommt zum Fazit, dass Sticks sich in der Praxis eher für die Speicherung weniger aber großer Dateien eignen als für viele kleine (Spiegel).

   

Zu guter Letzt …

Illegales Filsharing interessiert nur noch wenige. Als Hacker eine neue, noch nicht veröffentlichte Staffel einer populären Netflix-Serie raubten, versuchten sie Lösegeld zu erpressen, doch Netflix gab nicht nach. Daraufhin veröffentlichten sie die Staffel online – und scheiterten auch damit. Das Interesse auf den einschlägigen Seiten war eher übersichtlich. Legale Angebote machen inzwischen für die meisten Nutzer viel mehr Sinn (Zeit).