Schlagwort-Archive: Apple Watch

Digitale Agenda kw16

 

Googles Suchmaschine ist nicht mehr neutral

Zumindest ist das die Ansicht der EU-Kommission und sie hat jetzt nach fünf Jahren Untersuchung offiziell ein Kartellverfahren eröffnet. Google wird vorgeworfen, den eigenen Preisvergleichsdienst in den Suchergebnissen systematisch zu bevorzugen. Die Suchmaschine müsse aber die Ergebnisse anzeigen, die am besten für die Verbraucher seien, nicht fürs Unternehmen (ausführlicher Bericht im Handelsblatt).

Untersucht wird auch Googles Haltung zu Android. Das mobile Betriebssystem hat weltweit einen Marktanteil von über 80 Prozent und ist eigentlich Open Source, doch Google lizenziert Apps wie die Suche und seine Kartendienste an die Handy-Hersteller nur über weitreichende Knebelverträge.

Das Problem ist, dass Google keine Suchmaschine mehr ist, sondern viel, viel mehr, erklärt der Google-Kenner und SEO-Experte Danny Sullivan in seinem Blog. Vor allem ist Google inzwischen selbst zum Anbieter von Inhalten geworden – von Fluginformationen über Restaurant-Tipps bis hin zu Reiseführern und eBooks. Ein Interessenkonflikt ist hier schon vorprogrammiert.

Google sieht die Sache natürlich ganz anders. Google Shopping sei verglichen mit Amazon oder Ebay nur ein ganz kleiner Fisch, schrieb das Unternehmen im eigenen Blog(Zusammenfassung im Handelsblatt). Außerdem wurde niemand geschädigt. Alle Wettbewerber, auch die kleinen, seien gewachsen.

Nun droht ein Kartellverfahren auch in den USA. US-Behörden hatten 2013 gegen Google ermittelt, eröffneten jedoch kein Verfahren, obwohl sie herausfanden, dass Google Algorithmen betrieb, die die Konkurrenz in den Suchergebnissen aktiv benachteiligte. Die Entscheidung, keine Kartellklage zu erheben, war damals äußerst umstritten (Süddeutsche).

 

IT-MANAGEMENT

Warum 60 Prozent aller Big-Data-Projekte scheitern, erklärt Harald Weiss in der Computerwoche. Hadoop ist die mit Abstand meistbenutzte Plattform für Big-Data-Projekte, doch Experten halten sie für „ein komplexes Biest“. Security-Probleme, eine primitive Ressourcenverwaltung, fehlende Backup-Features und eine Programmiersprache, die an Assembler erinnert, machen Hadoop für die meisten Firmen bestenfalls für Pilotprojekte tauglich.

Die fünf größten Fehler beim Cloud-Einstieg zählt Christian Vogl von Fortinet im DataCenter Insider. Der erste und grundlegende Fehler passiert schon bei der Wahl des Cloud-Modells – Public, Private, Hybrid oder Community? Nicht zu Ende gedachte Security- und Compliance-Konzepte tun ihr Übriges.

 

TECHNIK

Skype for Business ersetzt ab sofort Microsoft Lync. Mit dem April-Update von Office 2013 steht für Chat, Audio- und Videoanrufe sowie für Online-Besprechungen Skype for Business zur Verfügung. Anwender werden trotzdem vorerst die Möglichkeit haben, auf die alte Lync-Oberfläche zurück zu wechseln. Details auf silicon.de.

Netzwerkspeicher erweitern: Scale-up oder Scale-out? Den Unterschied zwischen vertikaler und horizontaler Erweiterung und welches der beiden Verfahren sich für welchen Anwendungsfall eignet, erklärt Doc Storage auf Speicherguide.de.

Linux 4.0 ist fertig – und es patcht sich selbst. Bei der neuen Version des Linux-Kernels handelt es sich nicht um ein Major Release, man wollte nur endlich die Nummerierung vereinfachen. Trotzdem ist Linux 4.0 an 9.000 Stellen verändert worden, ist sicherer und kann jetzt im laufenden Betrieb gepatcht werden. Details auf Golem.de.

 

Zu guter Letzt …

Nokia und Alcatel-Lucent werden fusionieren. Der Plan sieht vor, dass aus dem Zusammenschluss der Netzwerkausrüster Nokia Corporation mit Sitz in Finnland entsteht und etwa so groß ist wie der schwedische Rivale Ericsson. Die Masse ist notwendig, um künftig gegen Cisco und die chinesische Huawei bestehen zu können. Details auf CIO.de.

Apple hat an einem Tag mehr Uhren verkauft als Android in ganz 2014, haben die Marktforscher von Slice hochgerechnet (Meedia.de). Knapp eine Million Apple Watches sollen bereits am ersten Tag der Vorbestellungen geordert worden sein. Im Jahr 2014 wurden insgesamt 720.000 Smartwatches mit dem Betriebssystem Android Wear verkauft.

Digitale Agenda kw11

 

Die Uhr

Irgendwo zwischen „überflüssig“ und „Luxus-Gadget“ verortet die deutsche Presse die Apple Watch (Übersicht auf Spiegel.de), die auf großer Bühne am Montag vorgestellt wurde. Wie viele wirklich dafür Geld ausgeben werden, um damit im Laden zu zahlen, in ein Flugzeug einzuchecken oder die Tür von ihrem Hotelzimmer oder Auto zu öffnen, bleibt abzuwarten.

Hat man das aber nicht seinerzeit auch übers iPhone gesagt? Man sollte ein solches Produkt nicht mit den Augen der heutigen Welt betrachten, sondern der morgigen, gibt der Analyst Ben Thompson zu bedenken. Technik, die man direkt auf der Haut trägt, wird nach Regeln genutzt, die man heute noch nicht wirklich kennt. Genau so wenig wie man 2007 die Nutzungsszenarien und Spielregeln des mobilen Web kannte.

„Das bisher persönlichste Produkt“ von Apple lässt zumindest Bernd Graff auf süddeutsche.deerschaudern bei dem Gedanken, dass dieses Gerät den Körper seines Trägers so genau vermisst, dass es womöglich auch seinen emotionalen Zustand erkennen kann (mehr zum Thema hier). Graff befürchtet, dass Apple seine Kunden jetzt auch noch körperlich an sich bindet.

Biometrische Daten für einen guten Zweck macht zumindest Apples Research Kit verfügbar. Über dem neuen App Framework können Watch- und iPhone-Nutzer ihre biometrischen Daten anonym der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen (Golem.de). Die Idee scheint zu gefallen: Laut Bloomberg hatten sich in den ersten 24 Stunden nach der Ankündigung schon 11.000 Freiwillige für die Herzforschung der Uni Stanford gemeldet.

Ein Alibi, die Apple Watch auf Firmenkosten zu kaufenlieferte Salesforce unterdessen schon am Montag. Über die Salesforce Watch App können Salesforce-Nutzer alle möglichen Daten und Statistiken aufrufen, mit Kollegen kommunizieren oder Rabatte genehmigen. Und ein „Wear Developer Pack“ gibt es auch. Spätestens dafür muss doch auch eine Uhr her.

 

IT-MANAGEMENT

Wie eine IT-Personalplanung mit Weitblick zu bewerkstelligen ist, erklärt Kienbaum-Berater Frédéric Cuny in der Computerwoche. Der Bebauungsplan für die IT sei in vielen Unternehmen schon längst Standard, jetzt könnten sie durch den Faktor Mensch auch die IT-Transformation gestalten. Cuny erklärt anhand eines Fünf-Stufen-Plans, wie das gehen soll.

Die Firmen-IT braucht neue Strukturen, wenn sie die digitale Transformation meistern will, finden Experten wie der ehemalige CIO der Deutschen Post in einem Artikel auf Business User. Neben dem Tanker Legacy IT, der zuverlässig den Laden am Laufen hält, brauche es einige Schnellboote, die mit neuen Technologien experimentieren dürfen – idealerweise eingebettet in den Fachbereichen.

 

TECHNIK

Facebooks RZ-Technik gibt’s bald zu kaufen. Seine Server- und Netzwerk-Designs hat Facebook ja bereits unter dem Open Compute Project veröffentlicht, jetzt kommt die Hardware von der Stange. Auf der OCP-Konferenz diese Woche wurde Sixpack vorgestellt, ein 100 Gibt/s Switch, der bald vom US-Hersteller Edge-Core vertrieben werden soll (Berichte in Datacenter Insider und silicon.de).

Das Märchen vom sicheren iOS versucht der Security-Spezialist Lookout mit Fakten zu widerlegen. Die Tatsache allein, dass Apps im Apple App Store vorher geprüft werden, bedeute nicht viel, wenn es Sicherheitslücken im Betriebssystem gibt. Die Prognose: 2015 wird für iOS ein ähnlich schwieriges Jahr wie es 2011 für Android war, die Hacker schießen sich gerade warm.

De-Mail bekommt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Als sichere Alternative für rechtsverbindliche Korrespondenz wurde De-Mail von der Deutschen Telekom gepriesen, Experten hatten berechtigte Zweifel am Verfahren. Jetzt bekommt es eine für den Nutzer einfach zu handhabende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf PGP-Basis (Spiegel). Ob’s hilft?

 

Zu guter Letzt

Ein sehr guter Kunde von SAP ist auch der US-Geheimdienst NSA, wie deutsche Journalisten jetzt herausgefunden haben (Zeit.de). Um die Wünsche der NSA zu erfüllen, soll SAP sogar Firmen übernommen haben. Die SAP Anwendervereinigung DSAG stellt jetzt die Frage, wie sicher denn die Daten in der SAP-Cloud sind (silicon.de).