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Digitale Agenda kw26 / 2019

 

Leitplanken für Social Media

Facebook bettelt förmlich darum, reguliert zu werden. Je lauter die Rufe nach einer Zerschlagung von Riesen wie Facebook und Twitter werden, desto hektischer deren Bemühungen um eine staatliche Kontrolle, die ihren marktbeherrschenden Status zementieren würde.

Bis es soweit ist, versuchen sie es mit eigenen Regeln.

Auch die Zusammenarbeit mit Regierungen soll gestärkt werden. Facebook will in Frankreich Strafverfolger bei Ermittlungen wegen krimineller „Hassrede“ unterstützen – eine Forderung, die auch hierzulande immer stärker wird. 

 

Digitales Leben

Die DSGVO soll entschärft werden. Der Bundestag hat Änderungen in 154 einzelnen Gesetzen beschlossen, die kleine Unternehmen entlasten aber auch Betroffenenrechte einschränken sollen. Nun brauchen Firmen ab 20 Mitarbeitern einen Datenschutzbeauftragten. Das Paket muss noch durch den Bundesrat. 

Noch weniger Geld für KI. Das Förderungsbudget für Künstliche Intelligenz war im Vergleich zu anderen Ländern ohnehin nicht üppig, im aktuellen Haushaltsplan sind die vorgesehenen Ausgaben noch weiter geschrumpft. 

US-Sanktionen gegen Huawei laufen ins Leere. Kaum ein Land außer den USA schließt Huawei beim Aufbau seines 5G-Netzes aus, nun umgehen US-Chiphersteller das Embargo und der Paketdienstleister Fedex verklagt die US-Regierung. 

UN will Regeln für Überwachungswerkzeuge. Der aktuelle Bericht an den UN-Menschenrechtsrat moniert die Tatsache, dass Überwachungstechnologie privater Firmen zur Verfolgung von Dissidenten und der Verletzung von Menschenrechten eingesetzt wird.   

Wikipedia wird systematisch manipuliert. Firmen betrachten Wikipedia zunehmend als Werbeplattform und heuern reihenweise PR-Schreiber an, die kritische Textstellen entfernen oder Marken- und Produktwerbung reinschmuggeln. 

 

Zu guter Letzt…

Apple verliert seinen Chefdesigner. Jony Ive gilt inzwischen als Design-Guru und hat großen Anteil an Apples Wiederauferstehung Ende der Neunziger und den Erfolg vieler Apple-Produkte. Nun gründet er seine eigene Design-Agentur, die natürlich mit Apple als wichtigsten Kunden startet. 

Digitale Agenda kw14 / 2019

 

Sicherheit und Überwachung

Den Staatstrojaner für den Verfassungsschutz will Innenminister Seehofer freigeben und hat dies in einem Gesetzentwurf zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts gepackt – sehr zum Ärger der SPD. 

Auch der BND soll den Staatstrojaner einsetzen und seine Dienste allen deutschen Behörden anbieten dürfen. Das würde den Staatstrojaner für alle verfügbar machen und seinen Einsatz der öffentlichen Kontrolle entziehen.  

Außerdem soll das BSI in Zukunft hacken dürfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll nicht nur Cyber-Gefahren abwehren, sondern Sicherheitslücken auch selbst ausnutzen dürfen. 

Das alles macht Massenüberwachung à la NSA möglich. Letztere hortet inzwischen so viele Daten, dass sie  Künstliche Intelligenz für die Sicherheitsüberprüfung von Geheimnisträgern einsetzen will.  

 

Digitales Leben

Barley will Korrekturen bei Upload-Filtern. Die Justizministerin will zwar der EU-Urheberrechtsreform im EU-Rat zustimmen, aber in einem Zusatzprotokoll festhalten, dass Upload-Filter nur für „marktmächtige“ Plattformen wie Facebook in Frage kommen sollen. 

Der Facebook-Chef fordert weltweit einheitliche Regeln für die Sperrung von Inhalten, Wahlmanipulation, die Portierbarkeit persönlicher Daten und für den Datenschutz. Seine „Gedanken“ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach einer Zerschlagung von Facebook immer lauter werden, sind nicht sehr glaubwürdig und die Absicht dahinter mehr als offensichtlich.                    

Unterdessen gibt es noch zwei Facebook-Skandale. Die Algorithmen für das Anzeigen von Werbung betreiben Diskriminierung im großen Stil und der Konzern speichert Nutzerdaten auf öffentlichen Servern. 

Hackerangriff auf Bayer. Der Konzern soll von der vermutlich aus China stammenden Hackergruppe Winnti ausspioniert worden sein. Die Hacker sollen vor allem „Systeme an der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sowie Autorisierungssysteme“ im Auge gehabt haben. 

Häftlinge trainieren Algorithmen. Das finnische Start-Up Vainu, das Arbeitskräfte und Dienstleister weltweit vermittelt, lasst seine Unternehmensdatenbank mitunter durch Häftlinge auf den neuesten Stand halten und dabei auch die eigenen Algorithmen mit Erkenntnissen füttern.

 

Zu guter Letzt…

Apple hat vor den Grenzen der Physik kapituliert und die Entwicklung seiner 2017 angekündigten Ladematte eingestellt. Auf der Matte sollten bis zu drei Geräte gleichzeitig drahtlos aufgeladen werden können, doch Apple hat nach der Ankündigung offenbar so große Probleme mit unangenehmen Nebeneffekten beim Laden gehabt, dass das Gerät nun komplett eingestampft wird. 

Digitale Agenda kw13 / 2019

 

EU-Urheberrechtsreform

Alles Demonstrieren half nichts. Fast 200.000 Menschen gingen auf die Straße letzten Samstag, um gegen die EU-Urheberrechtsreform und ihre Upload-Filter zu demonstrieren – echte Menschen, keine Bots und schon gar nicht gekaufte Demonstranten. 

Das Ergebnis im EU-Parlament hätte anders ausfallen können. Es war sehr knapp und hinterher stellte sich heraus, dass einige Abgeordnete versehentlich falsch abstimmten. 

Die Wortführerin der Gegner, die Piratin Julia Reda, ist aus ihrer Partei ausgetreten und wirft ihrem Büroleiter vor, die Wahl verbockt zu haben. 

Bei dieser Reform gibt es nur Verlierer. Die Wut auf die Politiker und deren Verunglimpfungen ist groß kurz vor der Europawahl, die Reform hat schlimmere Auswirkungen als wir ahnen und geistiges Eigentum wird damit alles andere als gut geschützt. 

 

Digitales Leben

Apple versucht eine Services Company zu werden. Neue Streaming-Dienste, Zeitschriften- und Games-Abos, eigene TV-Serien und eine Apple-Kreditkarte sollen alternative Geschäftsmodelle zur Hardware aufbauen. Die Apple Watch kann jetzt auch Herzprobleme erkennen. 

Die Versteigerung der 5G-Frequenzen läuft auf vollen Touren, inzwischen ist die Milliardenmarke geknackt.

Die Kooperation zwischen der deutschen Polizei und Amazon ist dem obersten Datenschützer ein Dorn im Auge. Die Aufnahmen der Bodycams der Beamten werden teilweise in der Amazon-Cloud gespeichert, aber der Innenminister sagt „passt scho“.

Facebook reagiert endlich gegen rechtsradikalen Rassismus. Nach dem Attentat von Christchurch hat die Plattform „Lob, Unterstützung und Präsentation“ von „weißem Nationalismus“ und „weißem Separatismus“ verboten. Zur Europawahl will Facebook die Wahlwerbung strenger kontrollieren.  

BMW baut eine Datenplattform für 230 Petabyte auf. Bis Ende des Jahres sollen darauf die Aufzeichnungen aus 5 Millionen Kilometern Fahrdaten von 140 autonomen Testfahrzeugen darauf gespeichert werden, und das ist erst der Anfang. 

 

Zu guter Letzt…

Eine Peep-Show der besonderen Art haben vier Südkoreaner übers Internet im Live-Abonnement angeboten. Dazu hatten sie 42 Zimmer in 30 kleineren Hotels in Seoul mit versteckten Kameras verwanzt und mehr als 1600 Hotelgäste heimlich gefilmt. Es ist kein Einzelfall: Die illegale Verbreitung von den Intimbereich Dritter betreffenden Videoaufnahmen ist ein ernsthaftes Problem in Südkorea. 

Digitale Agenda kw14 / 2018

 

Facebook: Ein Datenfass ohne Boden

Je mehr in Facebooks Daten gestochert wird, desto diffuser wird es. Erst waren es 50 Millionen persönliche Datensätze, die an Cambridge Analytica weitergegeben wurden, dann 87 Millionen, und jetzt weiß es nicht einmal Facebook so genau (Zeit). 

Cambridge Analytica war kein Einzelfall. Facebook ermöglichte den Entwicklern von Apps über Jahre Zugriff auf Nutzerprofile. Das hat Facebook nun geändert, doch weder das Geschäftsmodell noch die Haltung von Facebook wird intern in Frage gestellt. Damit sollten Facebook-Nutzer abfinden. 

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Nur Europa kann das Silicon Valley zähmen, glaubt der Experte Evgeny Morozov (Süddeutsche). Ex-Justizminister Gerhart Baum ruft zum Widerstand auf, seine aktuelle Kollegin Barley leitet erste Schritte ein. 

 

Digitale Welt

Auch die Deutsche Post ist ein Datenhändler. CDU und FDP nutzten Datenanalysen der Firma Post Direkt, um gezielt Wahlwerbung zu versenden (Süddeutsche). Die Daten, die die Post verkauft hat, sind im Vergleich zu Facebook allerdings harmlos (Zeit).

Frankreich ist nicht ganz so planlos wie Deutschland, wenn es um digitale Entwicklung geht. Während wir hier über die Gründe für die schleppende Breitbandversorgung grübeln (WiWo), artikuliert Macron seine Strategie für Künstliche Intelligenz (Spiegel). 

Systematische Abmahnungen gegen Internet-Shops bringen kleinere Firmen in Existenznöte. Rechtsanwälte und Abmahnvereine haben daraus ein lukratives Geschäft gemacht (Süddeutsche). 

Apple verlässt ab 2020 die Intel-Welt. Laut einem Bericht von Bloomberg will Apple ab 2020 auch in Macs nur noch eigene, ARM-basierte Prozessoren verbauen (Spiegel). Der letzte Prozessor-Umstieg, von Motorola auf Intel im Jahr 2005, hatte Apple alles andere als geschadet. 

Deep Learning wird erschwinglich. Die neuen Komplettsysteme der DGX-Serie von Nvidia bringen 15 Server-Racks in ein kompaktes Gehäuse zusammen, leisten bis zu 2 Petaflops und integrieren einen umfassenden Software-Stack für Deep Learning (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Wird Ihr Job wegdigitalisiert? Die Zukunft von fast jeder Tätigkeit hängt von der Entwicklung in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung ab. Ein einfacher Fragebogen gibt Orientierung darüber, wie diese drei Faktoren einzelne Tätigkeiten beeinflussen (Business User).