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Digitale Agenda kw11 / 2018

 

Digitale Bilanz

Wohin geht’s mit dem Internet? Die „South by Southwest“-Konferenz (SXSW) in Austin, Texas, hielt dem Web den Spiegel vor – und bot ein ernüchterndes Bild.

  • Die Freiheit weicht einer immer stärker werdenden Zensur.
  • Soziale Netzwerke manipulieren das Verhalten ihrer Nutzer.
  • Künstliche Intelligenz läuft Gefahr, aus dem Ruder zu geraten.

Auch der Erfinder des WWW ist alles andere als glücklich. Am 29. Geburtstag des Web plädiert Tim Berners Lee für mehr Offenheit, Chancengleichheit und Vielfalt statt immer mehr Monopole und Kommerz.

 

Digitale Welt

Zombie Störerhaftung: Betreiber offener WLANs haften zwar weiterhin nicht für Urheberrechtsverletzungen, entschied das Münchner Oberlandesgericht. Abmahnungen, die vor dem 12. Oktober 2017 verschickt wurden, sind aber weiterhin rechtens (Netzpolitik).

Regierung will nicht für digitale Geräte in Schulen bezahlen. Stattdessen sollen Kinder ihre eigenen Geräte in den digitalen Unterricht mitbringen. Bring Your Own Device macht Digitalisierung vom elterlichen Geldbeutel abhängig, kritisiert die Opposition (Tagesspiegel).

Mit Wikipedia  gegen Verschwörungstheorien: YouTube will jetzt neben allzu abstrusen Videos harte Fakten aus Wikipedia-Einträgen setzen – und sich damit eine eigene Prüfinstanz sparen, die Menschen beschäftigt (Spiegel). Die Begründung dazu klingt genauso billig.

Facebook wirft britische rechtsextreme Gruppe raus. „Britain first“ hatte 2 Millionen Follower, auf seiner Seite waren aber immer wieder rassistische Parolen zu lesen und gefälschte Videos über „gewalttätige Muslime“ zu sehen (Zeit).

Augmented Reality soll hörbar werden – sagt Bose und zeigt jetzt eine Sonnenbrille, die ihrem Träger Infos über das, was er gerade betrachtet, zuflüstert (WiWo). Laut Bose sollen die Ansagen nur die Ohren des Trägers erreichen.

 

Zu guter Letzt …

Die interessantesten Technologien für 2018 hat die MIT Technology Review gekürt. Auch diesmal dominiert die Digitaltechnik die Top-10-Liste mit Technologien wie „sich duellierende neuronale Netzwerke“ oder einem Verfahren für  „perfekten Privatsphärenschutz im Internet“. Fast noch interessanter dürften aber Dinge wie „3D-Druck für Metall“ oder ein „Verbrennungsverfahren ohne Kohlenstoffemissionen“ sein. Auf Englisch, aber es lohnt sich.

Digitale Agenda kw16

 

Facebooks erweiterte Realität

Text war gestern. Schon jetzt ist der Facebook-Feed voller Bilder und Videos, bald sollen die (Bewegt-)Bilder durch Augmented Realityangereichert werden, kündigte Facebook-Chef Zuckerberg auf seiner Hausmesse an (Süddeutsche).

Das Einblenden digitaler Zusatzinformationen ist nützlich und macht Spaß, doch Facebook hat sein Geschäft im Sinn: Bilder verraten mehr über das Umfeld und die Vorlieben der Nutzer – und je mehr Facebook über sie weiß, desto gezielter kann es Werbung platzieren (Zeit, mehr übers AR-Geschäft bei Ben Evans).

Und bald kann Facebook auch Gedanken lesen. 60 Forscher arbeiten bei Facebook an der Auswertung von Gehirnströmen. Acht Worte pro Minute sind heute schon möglich, das Ziel sind 100 und möglichst einfach (FAZ).

Das wäre alles nicht problematisch, wenn Facebook nicht so mächtig wäre. Doch Facebook entwickelt sich zu einem Monopolisten, den höchstens die eigene Zurückhaltung stoppen kann. Und davon ist wenig vorhanden, vor allem beim Abkupfern von Technik (Stratechery).

        

Digitale Welt

Bundesregierung will zurückhacken dürfen. Werden kritische Infrastrukturen wie beispielsweise das Stromnetz angegriffen, soll sich Deutschland durch die Zerstörung der angreifenden Server wehren können, empfiehlt der Sicherheitsrat (Süddeutsche).

Drohnen müssen ab jetzt gekennzeichnet sein. Seit letzten Freitag gilt eine neue Drohnenverordnung, die ab Oktober nochmal verschärft wird. Mitunter müssen Drohnen ab 250 Gramm Gewicht ein feuerfestes Schild mit den Kontaktdaten des Besitzers tragen (Zeit).

Amazon-Mitarbeiter bekommen erst dann einen Bonus
, wenn ihre Teamkollegen nicht krank werden. Der Versandhändler hat eine Anwesenheitsprämie eingeführt, die Gruppendynamik als Druckmittel nutzt. Die Gewerkschaft läuft Sturm (Süddeutsche).

Die NSA soll Banken ausspioniert haben. Swift organisiert den Zahlungsverkehr zwischen den Banken und war schon in den Snowden-Enthüllungen als Ziel der NSA identifiziert. Neue Dokumente einer Hackergruppe liefern Hinweise, dass auch Banken Spionageziele waren (Zeit).

Steve Ballmer will Transparenz in die US-Finanzen bringen. Das neue Projekt des Microsoft-Mitgründers soll detaillierte Antworten auf die Frage liefern, was die US-Regierung mit all den Steuergeldern macht (Golem).

Google plant angeblich Adblocker für Chrome, Klingt aberwitzig, denn Google lebt selbst von Werbung. Der Browser soll jedoch nur Anzeigen ausblenden, die besonders nervig sind (Spiegel). Inzwischen hört man, dass die ganze Werbewirtschaft auf diese Weise ihr Überleben retten will (Advertising Age).

Für Intel ist die PC-Ära vorbei
. Eines der wichtigsten Events der PC-Welt, das Intel Developer Forum, wird nicht wieder stattfinden. Intel markiert damit auch die eigene Neuorientierung in Richtung Daten, Künstliche Intelligenz und dem Internet der Dinge (Golem).

   

Zu guter Letzt …

Dem Paradebeispiel einer Fake News sind auch zahlreiche “seriöse Medien” weltweit aufgesessen, darunter auch die Online-Ausgabe des Focus. Bei der Meldung ging es um ein Ehepaar in den USA, das angeblich über einen DNA-Test herausfand, dass sie Geschwister sind. Nicht nur die Geschichte selbst ist frei erfunden; auch die Primärquelle, die Zeitung Mississippi Herald, ist einfach nur fake.