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Digitale Agenda kw49

 

Datendemokratie I 

‚Ich habe Trump zum Wahlsieg verholfen‘ behauptete am Wochenende der Wissenschaftler Michal Kosinski im Magazin des Schweizer Tagesanzeigers. Er hat ein Verfahren entwickelt, das Facebook-Nutzer so minutiös analysiert, dass sie gezielt beeinflusst werden können.

Big Data allein entscheidet keine Wahlglaubt die Zeit. Solche Tools können aber sehr wohl Wahlen beeinflussen, stellt der Spiegel fest – wenn auch mit der Einschränkung, dass momentan jeder verzweifelt nach einer schlüssigen Erklärung für das Wahlergebnis sucht.

Wie Google die öffentliche Wahrnehmung beeinflusst, schildert Carole Cadwalladr in einem vieldiskutierten Artikel im Guardian. Allein die Vorschläge zur automatischen Vervollständigung der Suchanfragen transportieren ganze Weltbilder (z.B. ‚Juden sind … böse‘).

Die Wirksamkeit von Falschmeldungen demonstrierte diese Woche schließlich eine Fake-News, die ausgerechnet von Trump-Beratern gestreut wurde. Ein Mann mit einem Sturmgewehr tauchte in einer Pizzeria in Washington auf, um angebliche Pädophile zu erschießen.

    

Datendemokratie II

Das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommt langsam in Fahrt.
– IBM investiert 200 Millionen Dollar in sein Münchner Watson-Entwicklungszentrum für IoT.
– Google demonstriert Anwendungen, die Sprachen erfinden oder Lippen lesen können.
– Microsoft probiert es wieder mit einem Chatbot, der diesmal aber nicht über Politik diskutieren darf.

Künstliche Intelligenz braucht aber Offenheit. Diese Wissenschaft ist viel zu groß für die F&E-Abteilung eines einzelnen Herstellers. Weswegen alle IT-Schwergewichte, von Google bis Amazon, auf Open Source setzen und ihre Entwicklungsumgebungen offnen. Das scheint inzwischen sogar Apple kapiert zu haben.

Und wem gehören die Daten, die KI-Algorithmen verwenden? Die Nutzer sollten nicht für die eigenen Daten zur Kasse gebeten werden, warnt Evgeny Morozov in der Süddeutschen. Er steht damit nicht allein.

Persönliche Daten machen nur Unternehmen reich, Nutzer aber nicht, schreibt der Unternehmer Stefan Fritz in der Computerwoche.
Und die Professoren Leupold und Wiebe fragen: Wem gehören die Daten im Internet of Things?

  

Nachrichten

Riesen-Hack bei ThyssenKrupp. Der Konzern war monatelang mit der Abwehr von Cyberspionen beschäftigt. Sie hatten es auf das technologische Know-how der Industrial Solutions abgesehen, einer Tochterfirma für Anlagenbau (WiWo).

Big Data für die Kleinen. Das EU-Projekt Fortissimo will Kleinunternehmen und Mittelständlern den Zugang zu Supercomputern verschaffen. Es bietet nicht nur Rechenleistung, sondern auch Beratung und Schulung an (Süddeutsche).

Google 2017 nur noch mir erneuerbarer Energie. Der Konzern ist schon jetzt der größte Abnehmer von Windenergie und will nächstes Jahr weltweit komplett auf Erneuerbare umsteigen (Ankündigung, Artikel auf Wired).

Vorsicht vor infizierten Bewerbungen. Der Verschlüsselungstrojaner GoldenEye ist an Personalverantwortliche persönlich adressiert, die Mails beziehen auf echte Stellenausschreibungen in der jeweiligen Firma (Heise.de).

Windows 10 kommt auf ARM-Prozessoren. Eine x86-Emulation soll es möglich machen, dass neben Win32-Anwendungen auch alle Enterprise-Funktionen von Windows 10 laufen. 2017 soll das neue Betriebssystem auf den Markt kommen (silicon.de).

Amazon eröffnet ersten Supermarkt ohne Kasse. Bei Amazon Goregistrieren Sensoren, welche Waren Kunden aus den Regalen nehmen, und buchen das automatisch vom Amazon-Konto ab (FAZ).

   

Zu guter Letzt …

Die Silicon Valley-Front gegen Trump bröckelt. Trump lädt IT-Größen zu seinem Trump Tower ein, Twitter-Chef Dorsey relativiert seine ablehnende Haltung gegenüber Trump und mehrere Startup-Manager bekommen einen Posten in Trumps Transition Team.
Silicon Valley erlebt gerade seinen ‚Komm-zu-Satan‘-Moment, schreibt Pando – und die Website ComeToSatan.com hat nicht lange auf sich warten lassen.