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Digitale Agenda kw49 / 2017

 

Bitcoin-Wahn

Bitcoin ist von Spekulanten entdeckt worden und scheint derzeit das Lieblingsspielzeug von Glücksrittern und Hackern zu sein. Der Kurs der digitalen Währung ist seit Anfang des Jahres um Faktor 15 gestiegen. Die aktuellen Schwankungen lassen aber vermuten, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht (Manager Magazin).

Diese Art Hysterie hat man zuletzt während der Dotcom-Blase erlebt:

  • Immer mehr Startups versuchen sich an neuen digitalen Währungen, mit teilweise dubiosen Methoden (Süddeutsche).
  • Zum Schürfen neuer Bitcoins wird so viel Strom gebraucht, dass die globale Energiewende in Gefahr ist (Spiegel).
  • Sogar Tesla-Autos werden werden fürs Schürfen von Bitcoins missbraucht (t3n.de).
  • In der Schweiz gibt es neuerdings einen bombensicheren Bitcoin-Bunker (Quartz, t3n.de).

Wie geht es weiter? IT-Professor Roman Beck in der Süddeutschen und Sascha Lobo im Spiegel helfen, den Bitcoin-Wahn einzuordnen.

 

Digitale Welt

Innenminister dementiert digitalen Lauschangriff – ein bisschen. Das Dementi lässt noch viele Fragen offen und Netzpolitik.org-Gründer Markus Beckedahl erklärt im Interview mit der Süddeutschen, warum das Thema Hintertüren in technischen Geräten und Autos so riskant ist.

Algorithmen sollten dringend kontrolliert werden, fordern immer mehr Experten. Algorithmen können diskriminieren und entscheiden künftig oft über Leben und Tod – doch nach welchen Kriterien genau? Mit AlgorithmWatch nimmt die Bewegung Gestalt an (Zeit).

Einige Tastatur-Apps sind verkappte Keylogger. Die App „Ai.Type“ beispielsweise ist auf über 30 Millionen Geräten im Einsatz und hat inzwischen 577 GB an Daten gesammelt. Sie ist nicht die erste, der Ausspähen vorgeworfen wird (Spiegel).

Google und Amazon streiten sich auf dem Rücken der Verbraucher. Amazon hat vor einiger Zeit alle Google-Produkte aus seinem Sortiment verbannt, ab Januar soll YouTube nicht mehr auf Amazon-Produkten wie FireTV verfügbar sein (Zeit).

YouTube soll sauberer werden, verspricht Google. Das Unternehmen habe Algorithmen für das Herausfiltern von Gewaltvideos entwickelt, die die Arbeit von 180.000 Prüfern leisten können. Das Prüfpersonal soll dennoch auf 10.000 aufgestockt werden (Zeit).

Mercedes ersetzt Betriebsanleitung durch Chatbot. Während die ersten Gehversuche deutscher Firmen mit Chatbots auf Facebook eher peinlich wirken (Zeit), bringt Mercedes eine Smartphone-App, die auf natürliche Sprache reagiert und Augmented Reality nutzt, um Orientierung in einem Mercedes-Cockpit zu geben (IBM-Blog).

 

Zu guter Letzt …

Das erste smarte Kondom kommt im Januar auf dem Markt. Hersteller ist die britische Firma British Condoms und i.Con analysiert so ziemlich alles, was Männer über ihre Leistungen im Bett wissen wollen – buchstäblich, denn die Betonung liegt auf „Leistung“: Anzahl der Stöße, Ausdauer, Kalorienverbrauch, etc.. Spätere Updates sollen sogar helfen, Geschlechtskrankheiten zu erkennen (Chip).

Digitale Agenda kw48 / 2017

 

Daten-Deals

Was lässt sich mit Gesichtsdaten verdienen? Offenbar so viel, dass die australische Regierung jetzt darüber nachdenkt, die Identität eingescannter Gesichter über ihre Passfoto-Datenbank zu verifizieren. Bisher hat sich die Verifizierung aller anderen persönlichen Daten als lukratives Geschäft für sie erwiesen (Zeit).

Bayer ließ Gesichter von Apothekenkunden scannen, um ihnen die zu ihrem Geschlecht und Alter passende Werbung an der Kasse anzuzeigen (Spiegel). Nach Protesten wurde das österreichische Pilotprojekt abgebrochen.

Einen Daten-Deal der besonderen Art macht gerade die chinesische Regierung mit ihren Bürgern. Über ein Punktesystem sollen Chinesen, die gesund leben, mit günstigen Krediten und Krankenversicherungen belohnt werden. Wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder Pornos schaut, bekommt Punktabzüge (Zeit).

 

Digitale Welt

Steuergeschenke für Amazon: Während in Europa die Steuerschlupflöcher langsam geschlossen werden, wird Amazon in den USA das Steuergeld hinterhergeworfen. Bei der Ausschreibung für eine neue Konzernzentrale überbieten sich US-Metropolen bis zur Lächerlichkeit mit Steuergeschenken – auf Kosten ihrer Bürger (Welt).

Extrem einfach zu hacken war bis vorgestern Apples aktuelles MacOS. Das Einloggen als Root-Nutzer war ohne Passwort möglich. Inzwischen gibt’s ein Sicherheitsupdate (Süddeutsche).

None of your Business: Der österreichische Facebook-Schreck Max Schrems hat eine Organisation gegründet, die systematisch Konzerne verklagen will, wenn diese gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Das dafür nötige Geld will noyb.eu über Spenden eintreiben (Zeit).

Wie Startups vom Bitcoin-Hype profitieren, schildert ein Artikel in der Süddeutschen. Statt Businesspläne zu schreiben, erfinden sie einfach neue Digitalwährungen und locken Zocker auf ihre „Initial Coin Offerings“.

Einen Orwellschen Albtraum nennen die Grünen Pläne von Innenminister de Maizière, das Ausspionieren von Wohnungen, Autos und Heimgeräten zu erleichtern (Spiegel). Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland soll der Lauschangriff durch den „Einsatz technischer Mittel gegen Einzelne“ drastisch erweitert werden.

 

Zu guter Letzt …

Gelbe Fahrräder werden zum Hassobjekt. Die Mieträder des asiatischen Verleihers O-Bike stehen weltweit in großen Mengen in immer mehr Städten herum und ziehen den teilweise heftigen Zorn ihrer Bewohner an. Der vom Bayerischen Rundfunk aufgedeckte Datenskandal, nach dem Nutzerdaten von O-Bike frei verfügbar im Netz zu finden waren, hat auch hierzulande sein Übrigens getan. Auf Instagram überbieten sich die Nutzer jetzt mit kreativen Zerstörungsfotos (SZ-Magazin).

Digitale Agenda kw50

 

Das europäische Internet nimmt Gestalt an

Es wurde auch langsam Zeit. Offensichtlich haben die Urteile des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung und zu Safe Harbor die EU-Kommission dazu bewogen, etwas Ordnung ins europäische Politiker-Neuland Internet zu bringen.

Ein neues europäisches Sicherheitsgesetz wurde am Dienstag von EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament beschlossen. Die Richtlinie soll den Schutz der Daten-Infrastruktur in den 28 Mitgliedstaaten vereinheitlichen (Süddeutsche).

Die einheitliche Nutzung von Online-Inhalten quer durch alle EU-Länder soll eine Verordnung regeln, die Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach sollen Online-Inhalte, die in einem Land gekauft wurden, ab 2017 in allen EU-Ländern abspielbar sein. Heute ist das oft nicht möglich (Spiegel).

Europäische Nutzerdaten sollen vor US-Zugriff besser geschützt werden – zumindest will sich EU-Justizkommissarin Věra Jourová dafür stark machen. Für das Nachfolgeabkommen von Safe Harbor fordert sie ein „System von Vertrauen und Kontrolle“ (FAZ).

Eine Charta der digitalen Grundrechte forderte unlängst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Einen ersten Entwurf dafür lieferte ihm gestern sein Parteikollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, in der Zeit.

Das Thema Vorratsdatenspeicherung ist allerdings trotz entsprechendem Urteil des EuGH noch lange nicht gegessen. Einer Reihe interner Dokumente des EU-Ministerrats zufolge wollen die Innenminister die Massenspeicherung von Nutzerdaten auch ohne konkreten Anlass durchsetzen (Zeit).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT 

In einer neuen Gehaltsstudie für Projektmanager in Deutschland und Österreich (PDF) ermittelte der GPM-Verband Einstiegsgehälter von 60.000 Euro und Spitzengehälter jenseits der 100.000 Euro.

Cloud Computing funktioniert gut, solange es keine Probleme mit Verträgen, ISO-Normen und der rechtlichen Absicherung gibt, schreibt Stephan Krische vom Bundesverband der IT-Sachverständigen im Cloud-Computing Insider. Sobald jedoch Sturm aufzieht, kann es schnell teure Schäden geben.

Die Kommerzialisierung des Cybercrime ist auch hierzulande weit fortgeschritten, schreibt Jürgen Hill in der Computerwoche. Die deutsche Crimeware-Szene zählt inzwischen rund 70.000 registrierte Mitglieder.

Mozilla sucht noch seine Rolle im mobilen Zeitalter. Die Organisation hinter Firefox scheint derzeit ihre Prioritäten neu zu setzen (Zeit) und hat angekündigt, das Smartphone-Betriebssystem Firefox OS ad acta zu legen (Zeit). Auch der E-Mail-Client Thunderbird soll lieber woanders weiterentwickelt werden (heise.de). Neu hinzugekommen ist Focus für iOS, ein Ad-Blocker, der auch Tracking wirksam abstellen kann (heise.de).

Google stellt seinen ersten Quanten-Computer vor. Er steht im Nasa-Forschungszentrum und hat schon mal ein erstes Benchmark gesetzt: Er rechnet bis zu 100 Millionen Mal schneller als konventionelle Binär-Computer. Als nächstes soll er lernen, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten (Spiegel).

Ein Android-Tablet, das versucht, ein Notebook zu sein, ist Googles Pixel C. Allerdings ohne viel Glück. Die Hardware mag eindrucksvoll sein (Spiegel), doch die Kollegen von Ars Technica bringen es auf den Punkt: Hardware war nie Androids Problem. Es ist die Software, die nicht wirklich für produktive Arbeit geschaffen ist. Deswegen ziehen deutsche Profi-Nutzer vorerst das Notebook dem Tablet vor (Computerwoche).

 

Zu guter Letzt …

Der Erfinder des Bitcoin wurde enttarnt – mal wieder. Niemand weiß wirklich, wer sich hinter dem Namen Satoshi Nakamoto verbirgt. Jetzt wollen die US-Medien Gizmodo und Wired herausgefunden haben, dass es der australische Entrepreneur Craig Wright ist. Es bleiben Zweifel, doch die Geschichte liest sich spannend wie ein Agententhriller (Zeit).

Digitale Agenda kw35

 

Bitcoin rettet die Banken

Ausgerechnet die Technologie, die Banken als Transaktionsinstanzen den Garaus machen sollte, soll Banken nun eine neue Zukunft weisen. Die Rede ist von Blockchain, der Basistechnologie der berüchtigten Kryptowährung Bitcoin. Rein technisch gesehen ist die Blockchain nichts anderes als ein Register, das alle Transaktionen eines Nutzers festhält.

Als „Wunderwaffe der Finanzwirtschaft“ wird Blockchain inzwischen gehandelt (heise.de). Das Fachblatt Börse Online hält sie für die „Zukunft des Global Bankings“, die Bank BNP vergleicht sie mit der Erfindung der Dampfmaschine (Wallstreet Online). Banken können damit ihre Transaktionen mit einem Bruchteil der Kosten verwalten, die momentan nötig sind.

Inzwischen sind fast alle Großbanken auf den Zug aufgesprungen: UBS betreibt hierfür eine eigene Forschungseinheit, ebenso Visa, NASDAQ ein Pilotprojekt, Citi bastelt gar an einer eigenen Währung. Silicon-Valley-Finanziers wie Netscape-Erfinder Marc Andreessen investieren hunderte Millionen Dollar in Firmen, die sich damit beschäftigen (NYT).

Bitcoin versucht derweil, Selbstmord zu begehen. Weil die ursprüngliche Implementation der Blockchain kaum Wachstum zulässt, hat sich ein Teil der führenden Entwickler abgespalten, eine erweiterte Blockchain entwickelt und ruft derzeit alle Bitcoin-Halter dazu auf, „upzugraden„. Die Spaltung könnte ein vorläufiges Ende von Bitcoin bedeuten (Süddeutsche).

 

IT-MANAGEMENT

11 vermeidbare Fehler im Projektmanagement beschreibt der Coach Michael Reichl auf CIO.de. Dinge wie das Negieren von Konflikten oder das Unterschätzen von Widerständen sollten vor allem bei Projekten gemieden werden, bei denen das Wort „Change“ ganz groß im Pflichtenheft steht.

Wie DevOps HP dabei hilft, die eigene IT-Organisation zu transformieren, erklären im Interview CIO Ralph Loura und Operations-Chef Rich Gilbert im Discover Blog. Ein Peer-To-Peer-Modell erlaubt es jetzt, in kleineren Teams mit den Fachabteilungen zusammenzuarbeiten und schneller zu liefern.

 

TECHNIK

Ein iPhone mit Brennstoffzelle statt Lithium-Akku hat das britische Unternehmen Intelligent Energy gezeigt (Spiegel). Eine Tankfüllung reicht für eine ganze Woche. Der Umbau war allerdings so aufwändig, dass sofort Fragen nach einer Kooperation mit Apple dazu aufkamen. Beide Unternehmen schweigen.

Einen Durchbruch bei selbstlernenden Systemen meldet das US-Startup Maxima. Es hat den Kern eines generischen Systems künstlicher Intelligenz gebaut, das auf allen möglichen Gebieten lernfähig ist. Im Demo-Video wird ein einfaches Beispiel aus der Mathematik gezeigt, das Erlernen von Spielen sowie Spracherkennung. Das beste sind die Systemvoraussetzungen: Es reicht ein Raspberry Pi mit 0,5 GB Arbeitsspeicher.

Facebook bekommt einen digitalen Assistenten. Er heißt M (genau wie James Bonds Vorgesetzter) und soll Nutzern bei einfachen aber zeitaufwändigen Tätigkeiten helfen, über Fragen wie „Kannst du mir helfen, Blumen für den Geburtstag meiner Mutter zu bestellen?“ (Spiegel).

 

Zu guter Letzt …

Den Vertrag zwischen NSA, BND und Verfassungsschutz hat jetzt die Zeit veröffentlicht. Der Deal: BND und BfV dürfen XKeyscore nutzen, eines der mächtigsten Tools der NSA, teilen aber im Gegenzug die so gewonnenen Informationen so weit wie möglich mit der NSA.