Schlagwort-Archive: BND-Gesetz

Digitale Agenda kw40 / 2020

 

Die Facebook-Wahlen

Die US-Wahlen werden in den sozialen Netzwerken entschieden, in Corona-Zeiten dürfte diese Aussage besonders wahr sein. Vor allem Facebook bereitet sich auf einen turbulenten Monat vor. Es soll nicht dieselbe Manipulation durch Microtargeting stattfinden wie vor vier Jahren.

Die Schlammschlacht hat längst begonnen. Auf Facebook liefen bisher hunderte Anzeigen mit irreführenden Aussagen über Trump-Konkurrent Joe Biden. Eine neue Anzeige, die behauptet, Biden würde bei einem Wahlsieg die Grenzen für Terroristen aufmachen, wurde von Facebook gelöscht. 

Auch auf den Tag nach der Wahl bereitet sich Facebook vor, um zu verhindern, dass der falsche Gewinner ausgerufen oder die Legitimität der Wahl in Frage gestellt wird.

 

Digitales Leben

Die Bundes-IT ist ein Fass ohne Boden. Erst lief das Projekt kostentechnisch völlig aus dem Ruder, dann übernahm das Kanzleramt die Regie, aber offensichtlich läuft es da auch nich viel besser, sagt der Rechnungshof. 

Neues BND-Gesetz vergibt „Lizenz zum Hacken“. Mit genau dieser Floskel ist eine Geschichte auf der Website des BND betitelt, mit der die Agentur um Nachwuchs wirbt. Mehr zum Gesetz auf Netzpolitik.org. 

Handyverträge sollen auf ein Jahr begrenzt werden. Ein neues Gesetz für faire Verbraucherverträge soll festschreiben, dass Energieversorger, Fitnessstudios und Telko-Anbieter nur noch Neuverträge mit maximal zwölf Monaten Laufzeit abschließen dürfen.

Die mysteriöse Datenfirma Palantir ist an der Börse. Das Rätselraten darüber, was Palantir genau für Geheimdienste und Polizeibehörden macht, wird auch nach dem Börsengang weitergehen. Die Zeit versucht, etwas Licht ins Dunkle zu bringen. 

Samsung macht Fernseher zu Werbeflächen. Bannerwerbung im Fernsehmenü und das Logging ihrer Sehgewohnheiten empört Kunden. Jetzt schaltet sich das Bundeskartellamt gegen die“unzumutbare Belästigung“ ein.

 

Zu guter Letzt …

Alter Fernseher legte die DSL-Leitung eines Dorfes lahm, und zwar pünktlich jeden Morgen um 7:00. Die Bewohner der walisischen Gemeinde Aberhosan hatten sich schon fast damit abgefunden bis ein Spezialistenteam den Grund für die täglichen Ausfälle ausfindig machte. 

Digitale Agenda kw46

 

Der letzte IT-Gipfel

Digitale Bildung, E-Government und Datenschutz waren die Schwerpunkte des diesjährigen IT-Gipfels in Saarbrücken (ab nächstes Jahr heißt er ‚Digitalgipfel‘). Hinter der harmonischen Fassade brodelte es zwischen Wirtschaft und Politik, weil letztere zu langsam agiert (Handelsblatt).

Deutschland droht die digitale Spaltung, weil es an digitaler Bildung fehlt (Netzpolitik.org). Jetzt will die Bundesregierung in den nächsten fünf Jahren 5 Milliarden Euro für die Ausstattung der Schulen locker machen, zudem eine bundesweite Bildungs-Cloud aufbauen (Zeit.deFAZ).

Auch mit E-Government ist es nicht weit her – es fehlt an zentraler Koordination, Know-how und mal wieder an Investitionen (Süddeutsche). Nun sollen sogenannte ‚Digital Hubs‘ Konzerne, Startups, Mittelstand und Behörden miteinander vernetzen (heise.de).

Aus Datenschutz soll Datensouveränität werden, wenn es nach Kanzlerin Merkel geht. Allzu restriktiver Datenschutz verhindere neue Geschäftsmodelle von vornherein, sagte sie unter dem Beifall des Google-Chefs Sundar Pichai (FAZ).

    

Facebook-Falschmeldungen, Teil 2

Mark Zuckerberg wollte den Vorwurf nicht wahr haben. Dass Facebook Falschmeldungen verbreitete, die den Ausgang der US-Wahl beeinflussten, bezeichnete der Facebook-Chef letzte Woche als eine „verrückte Idee“. Inzwischen gibt es Beweise fürs Gegenteil (SüddeutscheZeit.de).

Seine eigenen Mitarbeiter widersprachen ihm. Nach Informationen von Buzzfeed ist das Problem längst bekannt und einige Dutzend von ihnen haben eine eigene Taskforce gegründet, um das Problem zu bekämpfen – gegen die explizite Weisung der Geschäftsleitung (FAZ).

Auch Google kam nicht ungeschoren davon. Nachdem am Wochenende ein ultrarechter Blog es geschafft hatte, mit einer Falschmeldung auf die Spitzenposition in Googles Suchergebnissen über die US-Wahl zu kommen, hat das Unternehmen Maßnahmen angekündigt (New York Times).

Sehr lesenswert (wenn auch auf Englisch): This Is How Facebook Is Radicalizing You(Buzzfeed).

 

Nachrichten

Gegen das neue BND-Gesetz geklagt hat Amnesty International. Die Verfassungsbeschwerde zielt vor allem gegen die Überwachung internationaler Telefonate, E-Mails und Chats auch ohne konkrete Verdachtsmomente (Spiegel).

WhatsApp kann jetzt auch Videotelefonie. Der populäre Messaging-Dienst zieht jetzt mit Skype, Google und Apples FaceTime gleich (Süddeutsche).

Russland sperrt LinkedIn. Das Business-Netzwerk ist nicht mehr erreichbar, weil es Daten russischer Bürger in den USA speichere, so der Vorwurf (t3n.de).

EU will Datenbank für Einreisende einrichtenETIAS hat als Vorbild das ESTA-Verfahren der USA, nach dem Wochen vor Antritt der Reise ein ausführliches Online-Formular ausgefüllt werden muss (Tagesschau.de)

Apple bastelt an Augmented-Reality-Brille. Im Gegensatz zu Google Glass soll die Intelligenz im iPhone sitzen, nicht in der Brille selbst, sie soll lediglich Informationen projizieren. Als Basis könnte die Technologie des Münchner Startups Metaio dienen, das Apple letztes Jahr gekauft hatte (Golem).

   

Zu guter Letzt …

Joe Biden will Donald Trump nicht ins Weiße Haus lassen, ihm das WiFi-Passwort nicht verraten, ihn ins Klo sperren oder in Leuchtfarben „Michelle Obama 2020“ an der Decke über seinem Bett malen – die Liste von Twitter-Witzen, in denen der US-Vizepräsident dem neugewählten Präsidenten den Einzug ins Weiße Haus vermiesen will, ist lang und die Gemeinheiten amüsant und einfallsreich. Eine Auswahl davon im Spiegel.