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Digitale Agenda kw43 / 2020

 

Die USA gegen Google

US-Regierung leitet Kartellverfahren Google ein. Google soll seine Marktdominanz missbraucht und Firmen dazu gezwungen haben, seine Suchmaschine zum Standard auf Handys zu machen.

Ob die Klage Erfolg haben wird, ist offen. Zwar ist Googles Dominanz in viererlei Hinsicht gefährlich, aber die Alternativen momentan chancenlos und die letzte Konsequenz, eine Zerschlagung, eher unrealistisch und schwer durchzusetzen. 

Bekommen die USA Hilfe aus Europa? Auch die EU will die Marktmacht der digitalen Plattformen einschränken und arbeitet an einem Regelwerk, aber auf Geschäftspraktiken dürfte dies kaum Auswirkungen haben. 

 

Digitales Leben

Staatstrojaner für alle. Das Innenministerium hat sich im zweiten Anlauf mit seinem Plan durchgesetzt, allen 19 Geheimdienste des Bundes und der Länder eine Lizenz zum Schnüffeln zu erteilen. 

BND-Gesetz macht politische Überwachung möglich, glaubt ein Journalist, der das Gesetzt analysiert hat. Das könnte dramatische Einschnitte ins Recht auf Pressefreiheit nach sich ziehen.

Die Corona-Warn-App ist ein „zahnloser Tiger“ und hat kaum eine warnende Wirkung, sagt der bayrische Ministerpräsident Söder. Immerhin bekommt sie Montag neue Funktionen und läuft auch in Italien und Irland. 

EU-Kommission setzt auf Open Source. „Think Open“ heißt die neue Software-Strategie der EU. Die Kommission betrachtet sich selbst als Mitglied der Community, will aber die „Lebensfähigkeit des Ökosystems“ nicht unbedingt mit Geld fördern. 

Schweden will keine chinesische Anbieter im 5G-Netz. Huawei und ZTE sind vom Ausbau augeschlossen, die Skandinavier setzen lieber auf die einheimische Ericsson sowie auf Nokia und Samsung.

 

Zu guter Letzt …

Facebook Dating startet in Deutschland. Bei der Flirt-Funktion soll es möglichst sauber zugehen: Nur ab 18, keine Fotos, keine Videos und keine Facebook-Freunde, außer man hat einen unter ihnen als „heimlichen Schwarm“ gekennzeichnet. Und natürlich alles streng nach DSGVO.

Digitale Agenda kw25 / 2020

 

Die App ist da

Die Corona-Warn-App ist seit Dienstag verfügbar, wurde von mehr als 6 Millionen Bürgern heruntergeladen und hat einige davon verwirrt. 

 

Digitales Leben

Das neue Gesetz gegen Hassrede ist verabschiedet, hat aber viele Schwachstellen. Selbst die Industrie moniert, dass „private Unternehmen in die Rolle von Ermittlern und Richtern“ gehoben werden. 

Facebook wiederum will Hassrede durch KI bekämpfen, räumt sich aber das Recht auf Fehler ein oder die Technik einzusetzen, um bei Bedarf Gewerkschaften zu unterdrücken.

Großbritannien und USA tauschen unbegrenzt Daten aus. Ein neues Abkommen zwischen den beiden Staaten bringt EU-Datenschützer auf die Barrikaden und stellt den Datenaustausch mit der EU in Frage. 

Geheimdienste brauchen ein richtiges Kontrollgremium, sagt laut Spiegel eine noch unveröffentlichte Studie. Spätestens seit dem BND-Urteil sei klar, dass es heute nur einen „Flickenteppich“ der Kontrolle gibt.

Milliardenzuschuss für die Mobilfunkbranche. Telekom & Co. sollen mithilfe von 1,1 Milliarden vom Bund endlich die Funklöcher stopfen. 

 

Zu guter Letzt …

Korruption, Philipp Amthor und Massenüberwachung. Der junge CDU-Politiker soll sich für eine neue Firma namens Augustus Intelligence eingesetzt und dafür Aktienoptionen erhalten haben. Das Unternehmen hat noch keine Produkte und keine Umsätze, doch sein Profil erinnert stark an ein berüchtigtes Vorbild. 

Digitale Agenda kw22 / 2018

 

DSGVO Gewinner und Verlierer

Die ersten DSGVO-Abmahnungen wurden verschickt, die große Abmahnwelle blieb aber aus – zumindest in der ersten Woche (heise.de). Ob diese Abmahnungen durch Wettbewerber wegen fehlender oder fehlerhafter Datenschutzseiten überhaupt berechtigt sind, ist allerdings strittig.  

Die Rechtsunsicherheit macht kleinere Firmen zu schaffen. Mittelständler befürchten eine „Entdigitalisierung“ und verlangen eine Aussetzung von Sanktionen. Juristen fordern die Politik auf, das deutsche Geschäftsmodell der Abmahnungen zu verbieten (Netzpolitik). 

Auch Sammelklagen gegen die Großen sind in Vorbereitung. Facebook hatte die Umstellung genutzt, um an die Telefonnummern der WhatsApp-Kunden heranzukommen – in einer Friss-oder-stirb-Manier (Welt). 

Die Internet-Konzerne zeigen sich gelassen (Süddeutsche). Sie wissen, dass langfristig sie die Gewinner der DSGVO sind, wie der Internet-Veteran John Batelle analysiert.

 

Digitale Welt

BND darf weltgrößten Internet-Knoten weiter abhören. Die Betreiber des Frankfurter De-Cix hatten vor dem Bundesverwaltungsgericht geklagt, jedoch ohne Erfolg. Der BND sei zur Überwachung und Aufzeichnung von Telekommunikation berechtigt, wenn das Innenministerium es so anordnet (Zeit). 

KI-Experten wandern lieber in die USA ab. Wissenschaftler schlagen Alarm und fordern die Bundesregierung auf, endlich einen Plan für die Förderung Künstlicher Intelligenz vorzulegen. Nun sieht auch die Kanzlerin ein, dass man „mehr tun“ müsse (FAZ).

Botnetz kontrolliert 500.000 Router. Eine Malware namens VPNFilter kann sehr viel Schaden anrichten. Die Betreiber hatten es angeblich auf die Infrastruktur der Ukraine abgesehen (Spiegel). Das FBI konnte derweil den Steuerungs-Server neutralisieren.

Ein neues Sicherheitskonzept für die Energieversorgung muss in Deutschland her, fordert der IT-Verband Bitkom. Bei der Sicherheit des deutschen Energiesystems sollte die Priorität auf Widerstandsfähigkeit statt auf Robustheit gelegt werden. Das Netz könnte so Störungen selbsttätig beheben.

Die wichtigsten DSGVO-Tools von Microsoft hat Business User zusammengefasst. Der Hersteller hatte sich mitunter dazu verpflichtet, zum Start der Datenschutz-Grundverordnung alle Cloud-Dienste DSGVO-konform zu gestalten. 

 

Zu guter Letzt …

Software erklärt AGBs und Datenschutzbestimmungen. „Ich habe die AGB gelesen und verstanden“ dürfte nach wie vor die größte Lüge im Internet sein. Schweizer und US-Forscher haben nun eine Anwendung namens Polisis programmiert, die die Angaben zum Schutz der Privatsphäre auf beliebigen Webseiten scannt und analysiert (WiWo). Praktisch einzusetzen ist Polisis am besten als Add-on für Firefox und Chrome. Derzeit leider nur für englischsprachige Seiten freigegeben. 

Digitale Agenda kw19 / 2018

 

KI-Leitplanken

Einen Shitstorm erntete Google mit seiner neuesten Errungenschaft in Sachen Künstliche Intelligenz: Google Duplex kann so gut telefonieren, dass es von einem Menschen nicht zu unterscheiden ist – und weist sich nicht als Computer aus. An das Missbrauchspotenzial musste Google erst von der Presse erinnert werden. 

Leitlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz werden derzeit der Industrie überlassen. Die Deutsche Telekom hat heute immerhin ihre eigenen veröffentlicht. 

Mit Regeln wenig im Sinn hat hingegen das Weiße Haus in seiner Bilanz nach einer eigenen KI-Konferenz. Die deutsche Wissenschaftsministerin will einen „ethischen Rahmen“ entwickeln lassen, in der Zwischenzeit sind aber Investitionen angesagt (FAZ).

KI muss nachvollziehbar werden, fordern nicht nur Experten, sondern einer Umfrage des Bitkom nach auch die einfachen Nutzer. Explainable Artificial Intelligence (erklärbare KI) könnte ein erster Ansatz dafür sein. 

 

Digitale Welt

Deutschlands Breitband entwickelt sich im Schneckentempo. Noch immer werden drei von vier Internet-Anschlüssen mit Kupfer ausgeliefert, die Änderung zum letzten Jahr beträgt lediglich 1 Prozent, berichtet die Bundesnetzagentur (Netzpolitik). 

Das neue Android P soll weniger süchtig machen. Google fühlt sich für das „digitale Wohlbefinden“ seiner Nutzer verantwortlich und will sie davor bewahren, zu übertreiben. Die neue Android-Version hat viele neue Funktionen, die einem helfen sollen, das Smartphone einfach mal wegzulegen (Süddeutsche).

Europäische Behörden sind auf die DSGVO schlecht vorbereitet. Reuters fand heraus, dass 17 Staaten ihre Datenschutzbehörden noch nicht gut genug ausgestattet haben, um die neue Datenschutz-Grundverordnung durchzusetzen (Netzpolitik). 

Apple entfernt Apps, die Daten an Dritte weitergeben. In Vorbereitung auf die DSGVO werden im App Store alle Apps, die sich nicht an Apples AGBs halten, aus dem Verkehr gezogen, berichtet Macwelt.

Googles Plattform fürs Internet der Dinge ist da. Mit Android Things 1.0 versucht Google zunächst, Entwickler für sein IoT-Betriebssystem anzulocken und verspricht, sich selbst um Sicherheit und Bugfixes zu kümmern (heise.de). 

 

Zu guter Letzt …

Wenn Sie nicht möchten, dass der BND Ihre Metadaten speichert, können Sie ihn schriftlich dazu auffordern. Und damit das Ganze möglichst einfach geht, haben die Reporter ohne Grenzen das Prozedere automatisiert. Im Formular des BND-Generators braucht ein Nutzer nur seine Kontaktdaten einzugeben. Der Generator schreibt und verschickt daraufhin automatisch eine entsprechende Mail an den Bundesnachrichtendienst.