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Digitale Agenda kw26

Brexit und die Folgen

Außenhandel, IT-Experten, Verträge, Datenschutz— das sind nur einige der Baustellen, die das “Nein” der Briten zur EU für die IT-Branche aufgemacht hat. Die Folgen sind schwer abzuschätzen, die Branche bereitet sich auf das Schlimmste vor (ausführlicher Bericht in der Computerwoche).

Für deutsche ITK-Hersteller ist Großbritannien der zweitwichtigste Handelspartner und macht mit einem Volumen von 2,9 Milliarden Euro rund 8 Prozent ihres Außenhandels aus. Schwer wird es künftig besonders für Dienstleister und Startups, glaubt der Branchenverband Bitkom.

Der digitale Binnenmarkt der EU, bei dem Großbritannien eine wichtige Rolle als Drehkreuz zu den USA spielt, liefert ohne UK ein völlig neues Bild ab. Betreiber von Rechenzentren müssen für die Einhaltung von Datenschutz und Compliance neu vorsorgen, Verträge müssen geprüft werden, auch neue Gesetze geraten ins Stocken (Netzpolitik.org).

Gewinner des Brexit könnte Berlin werden, und zwar als attraktivster Standort für IT-Startups in Europa. Ohne Freizügigkeit im Personenverkehr verlieren London und andere Städte in UK ihre Attraktivität (Gründerszene), einige Londoner Startups denken schon an einen Umzug nach Berlin.

TECHNIK UND IT-MANAGEMENT

Die Autoindustrie lockt IT-Experten mit viel Geld, hat die Vergütungsberatung Compensation Partner herausgefunden. Das Gehaltsniveau sei hoch, weil gefragte Profile wie Data Scientist noch rar gestreut sind und die Unis mit der Ausbildung nicht nachkommen (silicon.de).

Beim Datenaustausch zwischen EU und USA sollen sich die EU-Kommission und die US-Behörden geeinigt haben, berichtet die BBC. Demnach wollen die USA weiterhin Daten sammeln, aber nur noch reinschauen, wenn sie einen Grund haben. “Schrödingers Massenüberwachung” nennt das die Zeit.

Die “Volksverschlüsselung” von Telekom und Fraunhofer soll den E-Mail-Verkehr sicher machen und leicht zu verwenden sein. Der Spiegelhat drei Haare in der Buchstabensuppe gefunden.

Google bittet um einen Freibrief fürs Tracking, und zwar auch außerhalb der eigenen Seiten und YouTube. Stimmt ein Nutzer zu, kennt Google sein Surfverhalten zu mehr als 60 Prozent (FAZ.net).

BMW und Intel basteln an selbstfahrenden Autos. Die Bayern wollen in fünf Jahren serienreife autonome Fahrzeuge anbieten können, die Spezialprozessoren dazu baut Intel. Der wesentliche Teil der Software kommt von Mobileye (FAZ.net).

Den ersten tödlichen Unfall mit dem Autopiloten muss Elektroauto-Pionier Tesla untersuchen — nach 200 Millionen unfallfreien Kilometern. Fahrer und Autopilot übersahen einen Sattelschlepper (Süddeutsche).

Facebook degradiert die Nachrichten in seinem Feed und will in Zukunft mehr Beiträge zeigen, die die Freunde des jeweiligen Nutzers teilen. Zeitungen, die ihre Nachrichten auf Facebook promoten, schauen in die Röhre (Zeit.de).

Zu guter Letzt …

Die Aufforderung zum Windows-10-Upgrade soll in Zukunft weniger nerven, verspricht Microsoft. Beim neuen Popur-Fenster, sollen Nutzer ihre Optionen besser erkennen können, statt aus Versehen upzugraden. In den USA musste Microsoft neulich eine Geschäftsfrau 10.000 Dollar Schmerzensgeld für ein ungewolltes Upgrade zahlen (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw25

 

Verschlüsselung? Kein Problem!

Die Bundesregierung will Verschlüsselung systematisch knacken und stellt hierfür eine eigene Behörde auf die Beine. In der „Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich“ (Zitis), sollen einige Hundert Spezialisten die Codes von Herstellern wie Apple oder Microsoft knacken, damit Polizei und Verfassungsschutz weiterhin mitlesen können (Süddeutsche).

Die Behörde soll explizit unabhängig von Polizei und den Geheimdiensten agieren und lediglich technische Lösungen liefern, die sie selbst entwickelt oder (wo auch immer) einkauft.

Massenüberwachung soll legalisiert und ausgeweitet, dafür aber besser kontrolliert werden, so die Bundesregierung in einem neuen Gesetzentwurf zur Geheimdienstkontrolle. Allerdings wird die Kontrolle, so wie sie im Gesetzentwurf definiert ist, schon jetzt als „zahnloser Tiger“ gesehen (Netzpolitik.org).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie man am besten Software-Entwickler rekrutiert, erklärt Daniel Weuthen in der Computerwoche. Der Autor konzentriert sich dabei auf den Einstellungsprozess für Entwickler, die in bestehenden agilen Teams integriert werden sollen.

MS SQL Server läuft demnächst auf Linux und Docker-Container, zum Ausprobieren liegt jetzt eine Preview auf Ubuntu in einem Docker-Image vor (silicon.de). Übrigens läuft inzwischen rund ein Drittel aller Installationen auf Azure, Microsofts Cloud-Plattform, mit Linux, Tendenz steigend (ZDnet.com).

Wie es sich in der neuen Siemens-Zentrale arbeiten lässt, schildert vorab ein Artikel in der FAZ. Die Mitarbeiter sollen ihr Arbeitsumfeld selbst bestimmen können und „jedes Team hat Möglichkeiten zur Gestaltung seiner Area“, sagt Siemens. Das neue „Headquarter“ wird heute offiziell eröffnet.

Haben Bots die Brexit-Wahl entschieden? Sie haben zumindest die Meinungsbildung in den sozialen Medien massiv beeinflusst, glauben Wissenschaftler. Sie haben Twitter-Accounts beobachtet und dabei festgestellt, dass automatisierte Nutzerkonten die Diskussion dominiert haben – pro Brexit (Spiegel).

Bald gibt es kostenloses WLAN im ICE, und zwar jetzt auch in der 2. Klasse. Kleiner Wermutstropfen: Ab einer bestimmten Datenmenge wird es kostenpflichtig, oder langsamer (Zeit.de).

LibreOffice gibt’s jetzt auch in der Cloud. Das kostenlose Office-Paket steht jetzt unter dem Namen Collabora Online für ownCloud Enterprisezur Nutzung bereit und bietet Kollaborationsfunktionen, die deutlich über die bereits in owncloud integrierten Collaboration-Funktionen hinausgehen (silicon.de).

Ein iPhone ohne Kopfhörer-Buchse? Genau das wird über das neue iPhone kolportiert, das nächsten Herbst auf dem Markt kommen soll (Süddeutsche). Die US-Fachpresse nannte die Idee“Idiotisch„. Aber vielleicht war alles doch nur ein Missverständnis (Computerwoche).

    

Zu guter Letzt …

Die coolste Frau im Silicon Valley ist weder weiß noch ein verkopfter Nerd, bringt aber Entwickler zum Rappen. Bozoma Saint John, genannt „Boz“, ist Marketing-Chefin von Apple Music (Süddeutsche).

Mark Zuckerberg klebt sein Webcam ab, ebenso das Mikrofon an seinem Laptop. Das hat neulich ein Foto vom Schreibtisch des Facebook-Chefs verraten. Offensichtlich weiß er nur zu gut, dass ein nicht leuchtendes grünes Lämpchen neben der Webcam nicht unbedingt heißen muss, dass die Kamera tatsächlich aus ist (Zeit.de).