Schlagwort-Archive: Datenschutz

Digitale Agenda kw34 / 2019

 

Verlauf löschen

Etwas mehr Privatsphäre will Facebook seinen Nutzern gönnen und nimmt mit „Clear History“ eine Funktion in Betrieb, mit der Nutzer die Daten, die Facebook über ihre Aktivität außerhalb des Facebook-Portals sammelt, von ihrem persönlichen Profil entkoppeln können.

Wirklich gelöscht wir allerdings gar nichts. Die Daten bleiben weiterhin auf Facebooks Servern und sind nur vom Nutzerprofil abgekoppelt. Persönliche Daten stehen zu sehr im Mittelpunkt von Facebooks Geschäftsmodell, um ganz darauf zu verzichten.

Außerdem gibt es da noch Libra. Facebooks Kryptowährung schickt sich an, eines Tages das weltgrößte ID-System zu werden, wie es in deren Gründungsmanifest steht (Abschnitt 5, gegen Ende, über die „Entwicklung eines offenen Identitätsstandards“).  

Die Bedenken gegenüber Libra wachsen derweil. Die EU-Kommission wittert potentiell wettbewerbswidriges Verhalten und US-Kongressabgeordnete sprechen mit Schweizer Behörden, da der Sitz der Libra Association in Genf sein soll.

 

Digitales Leben

Zehntausende MasterCard-Kundendaten in Umlauf. Der Anfang der Woche bekannt gewordene Datenverlust hat sich inzwischen als größer erwiesen als anfangs befürchtet. Eine zweite, neu aufgetauchte Datei zeigt rund 84.000 vollständige Kartennummern.

Gesichtserkennung soll in der EU streng reguliert werden. Die Technologe soll als Teil des Regelwerks für die Nutzung Künstlicher Intelligenz berücksichtigt und nur in streng festgelegten Ausnahmen erlaubt werden. 

Google, Intel und Microsoft gründen Datenschutzkonsortium. Unterstützt von vielen anderen IT-Firmen und geführt von der Linux Foundation wollen sie auf Basis von Open-Source-Software Technologien entwickeln, die einen sicheren privaten Datenzugriff ermöglichen.

Staatstrojaner-Gesetz legalisiert Wohnungseinbruch. Der Entwurf für ein „Gesetz zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“ würde Verfassungsschützern erlauben, ohne richterlichen Beschluss in Wohnungen einzudringen, um die Abhörsoftware zu installieren.

Google, Mozilla und Apple wehren sich gegen staatliche Wanze. Kasachstan verpflichtet seine Bürger dazu, ein Root-Zertifikat auf ihrem PC zu installieren, wenn sie ins Internet wollen – und hat damit Zugriff auf all ihre vertraulichen Daten. Die drei Browser-Hersteller wollen das Zertifikat blockieren.

 

Zu guter Letzt …

Digitale Ängste nennt sich eine lesenswerte Artikelserie der ZEIT, die sich mit dem drohenden Kontrollverlust der Internet-Nutzer und den damit verbundenen Befürchtungen beschäftigt. Einige Leser schildern darin auch ihre gruseligsten Internet-Situationen. 

Digitale Agenda kw14 / 2018

 

Facebook: Ein Datenfass ohne Boden

Je mehr in Facebooks Daten gestochert wird, desto diffuser wird es. Erst waren es 50 Millionen persönliche Datensätze, die an Cambridge Analytica weitergegeben wurden, dann 87 Millionen, und jetzt weiß es nicht einmal Facebook so genau (Zeit). 

Cambridge Analytica war kein Einzelfall. Facebook ermöglichte den Entwicklern von Apps über Jahre Zugriff auf Nutzerprofile. Das hat Facebook nun geändert, doch weder das Geschäftsmodell noch die Haltung von Facebook wird intern in Frage gestellt. Damit sollten Facebook-Nutzer abfinden. 

Welche Konsequenzen sind zu ziehen? Nur Europa kann das Silicon Valley zähmen, glaubt der Experte Evgeny Morozov (Süddeutsche). Ex-Justizminister Gerhart Baum ruft zum Widerstand auf, seine aktuelle Kollegin Barley leitet erste Schritte ein. 

 

Digitale Welt

Auch die Deutsche Post ist ein Datenhändler. CDU und FDP nutzten Datenanalysen der Firma Post Direkt, um gezielt Wahlwerbung zu versenden (Süddeutsche). Die Daten, die die Post verkauft hat, sind im Vergleich zu Facebook allerdings harmlos (Zeit).

Frankreich ist nicht ganz so planlos wie Deutschland, wenn es um digitale Entwicklung geht. Während wir hier über die Gründe für die schleppende Breitbandversorgung grübeln (WiWo), artikuliert Macron seine Strategie für Künstliche Intelligenz (Spiegel). 

Systematische Abmahnungen gegen Internet-Shops bringen kleinere Firmen in Existenznöte. Rechtsanwälte und Abmahnvereine haben daraus ein lukratives Geschäft gemacht (Süddeutsche). 

Apple verlässt ab 2020 die Intel-Welt. Laut einem Bericht von Bloomberg will Apple ab 2020 auch in Macs nur noch eigene, ARM-basierte Prozessoren verbauen (Spiegel). Der letzte Prozessor-Umstieg, von Motorola auf Intel im Jahr 2005, hatte Apple alles andere als geschadet. 

Deep Learning wird erschwinglich. Die neuen Komplettsysteme der DGX-Serie von Nvidia bringen 15 Server-Racks in ein kompaktes Gehäuse zusammen, leisten bis zu 2 Petaflops und integrieren einen umfassenden Software-Stack für Deep Learning (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Wird Ihr Job wegdigitalisiert? Die Zukunft von fast jeder Tätigkeit hängt von der Entwicklung in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung und Robotisierung ab. Ein einfacher Fragebogen gibt Orientierung darüber, wie diese drei Faktoren einzelne Tätigkeiten beeinflussen (Business User). 

Digitale Agenda kw48 / 2017

 

Daten-Deals

Was lässt sich mit Gesichtsdaten verdienen? Offenbar so viel, dass die australische Regierung jetzt darüber nachdenkt, die Identität eingescannter Gesichter über ihre Passfoto-Datenbank zu verifizieren. Bisher hat sich die Verifizierung aller anderen persönlichen Daten als lukratives Geschäft für sie erwiesen (Zeit).

Bayer ließ Gesichter von Apothekenkunden scannen, um ihnen die zu ihrem Geschlecht und Alter passende Werbung an der Kasse anzuzeigen (Spiegel). Nach Protesten wurde das österreichische Pilotprojekt abgebrochen.

Einen Daten-Deal der besonderen Art macht gerade die chinesische Regierung mit ihren Bürgern. Über ein Punktesystem sollen Chinesen, die gesund leben, mit günstigen Krediten und Krankenversicherungen belohnt werden. Wer zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt oder Pornos schaut, bekommt Punktabzüge (Zeit).

 

Digitale Welt

Steuergeschenke für Amazon: Während in Europa die Steuerschlupflöcher langsam geschlossen werden, wird Amazon in den USA das Steuergeld hinterhergeworfen. Bei der Ausschreibung für eine neue Konzernzentrale überbieten sich US-Metropolen bis zur Lächerlichkeit mit Steuergeschenken – auf Kosten ihrer Bürger (Welt).

Extrem einfach zu hacken war bis vorgestern Apples aktuelles MacOS. Das Einloggen als Root-Nutzer war ohne Passwort möglich. Inzwischen gibt’s ein Sicherheitsupdate (Süddeutsche).

None of your Business: Der österreichische Facebook-Schreck Max Schrems hat eine Organisation gegründet, die systematisch Konzerne verklagen will, wenn diese gegen Datenschutzgesetze verstoßen. Das dafür nötige Geld will noyb.eu über Spenden eintreiben (Zeit).

Wie Startups vom Bitcoin-Hype profitieren, schildert ein Artikel in der Süddeutschen. Statt Businesspläne zu schreiben, erfinden sie einfach neue Digitalwährungen und locken Zocker auf ihre „Initial Coin Offerings“.

Einen Orwellschen Albtraum nennen die Grünen Pläne von Innenminister de Maizière, das Ausspionieren von Wohnungen, Autos und Heimgeräten zu erleichtern (Spiegel). Laut Redaktionsnetzwerk Deutschland soll der Lauschangriff durch den „Einsatz technischer Mittel gegen Einzelne“ drastisch erweitert werden.

 

Zu guter Letzt …

Gelbe Fahrräder werden zum Hassobjekt. Die Mieträder des asiatischen Verleihers O-Bike stehen weltweit in großen Mengen in immer mehr Städten herum und ziehen den teilweise heftigen Zorn ihrer Bewohner an. Der vom Bayerischen Rundfunk aufgedeckte Datenskandal, nach dem Nutzerdaten von O-Bike frei verfügbar im Netz zu finden waren, hat auch hierzulande sein Übrigens getan. Auf Instagram überbieten sich die Nutzer jetzt mit kreativen Zerstörungsfotos (SZ-Magazin).

Digitale Agenda kw02

 

Neue ePrivacy-Verordnung 

Einen strengeren Umgang mit Cookies will die EU-Kommission laut ihrem neuen Entwurf der ePrivacy-Verordnung ab 2018 durchsetzen (Zeit).

  • Cookies von Drittanbietern (z.B. Werbenetzwerken) sollen dann vom Browser standardmäßig geblockt und nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Nutzers aktiviert werden können.
  • Das Tracking bei Mail-Diensten wie Gmail zu Werbezwecken muss ab 2018 explizit vom Nutzer genehmigt werden.
  • „Harmlose“ Cookies, die das Surfvehalten des Nutzers auf der jeweiligen Website festhalten, sollen hingegen nicht mehr zustimmungspflichtig sein.

Wird der Datenschutz für Nutzer dadurch besser? Ein genauerer Blick auf den Entwurf lässt nur bedingt darauf schließen. Zwar ist er eine Verbesserung im Vergleich zum letzten, doch ‚Do-not-track‘ als Voreinstellung ist für Internet-Software auch künftig nicht Pflicht (Netzpolitik.org).

    

Digitale Welt

Verfassungsschutz will Cyber-Gegenangriffe starten. „Angriff ist die beste Verteidigung“ scheint sich BfV-Chef Maaßen gedacht zu haben und ist für eine „aktive Bekämpfung“ von Cyberangriffen (Spiegel). Ob er wohl weiß, worauf er sich da einlassen will, fragen sich Netzpolitik.org und die Süddeutsche.

Energiebilanz: Apple hui, Amazon pfui. In ihrem neuen Energy Reportschlüsselt Greenpeace die Energiequellen auf, aus denen Internet-Firmen ihren Strom beziehen. Bei Spitzenreiter Apple liegt der Anteil der Erneuerbaren inzwischen bei 83 Prozent, Amazon stagniert bei 17.

Endlich einfachere Privacy-Einstellungen bei Windows 10. Mit dem nächsten Update werden die Express-Einstellungen durch ein Datenschutz-Setup ersetzt und Nutzer bekommen mit dem Privacy Dashboard eine Übersicht über die von Windows-10-Geräten gespeicherten Daten (silicon.de).

Eine Prognose der Arbeitswelt im neuen Jahr aus der Brille der Personalverantwortlichen bei SAP, Dell, Microsoft, Accenture und anderen Unternehmen liefert eine Umfrage der Computerwoche. Dazu fünf Tipps von IDC für den Arbeitsplatz der Zukunft.

Samsung-Chef droht Haftbefehl. Bei den Ermittlungen in der Korruptionsaffäre gegen Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye wird jetzt auch der Samsung-Erbe und Vizechef Lee Jae Yong verdächtigt, Regierungsmitglieder bestochen und einen Meineid geleistet zu haben (FAZ).

Wie der Drohnenkrieg der Zukunft aussehen wird, hat das Pentagon jetzt in einem Feldversuch demonstriert (Video). Ein von Jagdbombern abgesetzter Drohnenschwarm zerstört mehrere Ziele und verhält sich dabei wie ein „intelligenter kollektiver Organismus mit verteiltem Hirn“ (Spiegel).

Facebook startet Projekt gegen Fake News. Das „Facebook Journalism Project“ sieht eine stärkere Kooperation mit Journalisten und Medienhäusern vor und erinnert damit an die Digital News Initiative von Google, die ähnliche Ziele verfolgt.

Auf der CES gab es nicht nur unsinnige Gadgets. Mit Sensoren aufgewertete Geräte können auch echten Nutzen bringen, wie z.B. Körper-Airbags für Motorrad-, Ski- oder Fahrradfahrer (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

„Frau zu sein kostet eine Viertelmillion mehr“, sagt die Unternehmerin Vivienne Ming im Interview mit der FAZ über die Kosten der Qualifikationen, die ein Frau haben muss, um an Gründungskapital zu kommen. Und selbst dann bekommt sie nur 60 Prozent des Kapitals, das ein männlicher Hightech-Gründer bekommen würde.
Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der Karriere von 100.000 Unternehmerinnen und Unternehmern über 10 Jahre hinweg, aber auch auf der eigenen Erfahrung: Ming war bis zum dreißigsten Lebensjahr ein Mann.