Schlagwort-Archive: Donald Trump

Digitale Agenda kw23 / 2020

 

Digitale Macht

Der Streit zwischen Trump und Twitter eskaliert. Angesichts der Unruhen in den USA wagt Twitter die Konfrontation mit dem US-Präsidenten, kennzeichnet Tweets von ihm als gewaltverherrlichend und sperrt Videos. 

Facebook-Chef Mark Mark Zuckerberg bleibt lieber untätig und erntet einen Shitstorm und Kündigungen der eigenen Mitarbeiter, ignoriert aber den Kern des Problems.

Welche Rolle spielt Silicon Valley für die Demokratie? Tech-Konzerne werden durch die Krise noch stärker, entscheiden Wahlen, betreiben digitalen Kolonialismus und führen Wirtschaftskriege. Sogar Tesla-Gründer Elon Musk fordert jetzt die Zerschlagung von Amazon. 

 

Digitales Leben

Code der deutschen Corona-App ist veröffentlicht. Software-Entwickler können die Funktionen unter die Lupe nehmen und Verbesserungen vorschlagen. Grüne Justizminister fordern derweil ein Gesetz, das deren Einsatz strikt regelt.

EU-Cloud-Projekt Gaia-X geht an den Start. Deutschland und Frankreich haben den Startschuss für die Entwicklung einer europäischen Cloud gegeben, die Europas Unabhängigkeit von Amazon AWS und Microsoft Azure begründen soll.

Verfassungsschutz soll Staatstrojaner bekommen. Innen- und Justizministerium sollen sich darauf geeinigt haben, dass der Inlandsgeheimdienst in bestimmten Fällen den Trojaner einsetzen darf.

Milliardenklage gegen Google wg. Schnüffeln. Weil Google über seinen Chrome-Browser trotz Inkognito-Modus Daten sammelte, muss es sich in den USA einer Sammelklage stellen. 

Deutsche Verlage ziehen Klage gegen Google zurück. Im Rahmen des neuen Leistungsschutzrechts sollte Google für die Übernahme von Nachrichtentexten zahlen, doch die Aussichten auf Erfolg waren schlecht.

 

Zu guter Letzt …

Ein Hintergrundbild lässt Android-Smartphones crashen. Es ist ein wunderschönes Wallpaper mit einem See vor einer Bergkulisse, doch einmal auf einem Android-Handy installiert, ist das Gerät nicht mehr bedienbar. Betroffen sind viele Samsung- und Google-Handys, nicht aber Huawei und OnePlus.

Digitale Agenda kw05

 

Silicon Valley rebelliert gegen Trump

Das Schweigen der Tech-Bosse in der Zeit nach den US-Wahlen war unüberhörbar. Außer einem PR-wirksamen Meeting mit Trump im Dezember vermieden sie jegliche Kritik an seiner Politik – bis letztes Wochenende, als er sein Einreiseverbot für Muslime aussprach (FAZZeit).

Jetzt stehen die Zeichen auf Konfrontation.
– Die Firmenbosse lehnen das Einreiseverbot öffentlich ab (t3n.de).
– Mehrere Silicon-Valley-Firmen erwägen Klage gegen die Verordnung (FAZZeit).
– Der Bundesstaat Kalifornien will Trumps Politik generell mit eigenen Maßnahmen aushebeln (Zeit).
– Amazon und Expedia unterstützen eine Klage des Bundesstaats Washington (Golem).
– Uber-Chef Travis Kalanick steigt aus Trumps Technologiebeirat aus (heise.de).

Es ist ein Aufstand der Angestellten. Die Mitarbeiter von Firmen wie Google demonstrierten und streikten gegen das Dekret (Netzpolitik.org), und das im besten Interesse ihrer Arbeitgeber. Keine andere Branche hat von einer freizügigen Migrationspolitik so profitiert (QuartzBusiness Insider).

  

Datenschutz-Fail

Diffus und voller Gummiparagrafen ist auch der zweite Gesetzentwurf der deutschen Fassung der EU-Datenschutzgrundverordnung. Außerdem steht er an so vielen Stellen in Konflikt mit EU-Recht, dass er „in null Komma nix vor dem Europäischen Gerichtshof landen“ würde (Zeit).

Der Entwurf wird von allen Seiten abgelehnt – auch von der Industrie. Der IT-Verband Bitkom warnt davor, „die mühsam errungene europaweite Regelung wieder zum Flickenteppich zu machen“, die Bundesdatenschutzbeauftragte Voßhof hält ihn gar für verfassungswidrig (Netzpolitik.org).

Ein Wettbewerbsvorteil ist in Gefahr. „Die Bundesregierung bemüht sich nach Kräften, die Legende vom „hohen deutschen Datenschutzniveau“ zu entkräften, schreibt der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar.

 

Digitale Welt

Keine Roaming-Gebühren mehr in der EU. Ab Mitte Juni kosten Handy-Telefonate, SMS-Versand und Internet im EU-Ausland nicht mehr als zuhause. Die Telkos rechnen von da an untereinander ab (FAZ).

Verbraucherschützer verklagen WhatsApp. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat wegen der Weitergabe der Telefonnummern an den Mutterkonzern Facebook beim Landgericht Berlin Klage eingereicht. (Spiegel).

Siegeszug des Home Office. Derzeit bieten in Deutschland rund 30 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit an, von zu Hause aus zu Arbeiten. Laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom ist allerdings das Homeoffice nicht für jeden geeignet (silicon.de).

Neue Dropbox-Funktionen für Firmen und TeamsSmart Syncverknüpft das lokale Dateisystem mit Ordnern und Dateien in der Dropbox-Cloud; Paper erlaubt das gemeinsame Bearbeiten von Textdokumenten, Bildern und Tabellen (Golem).

Computer sind die besseren Poker-Spieler. Vier der weltbesten Poker-Profis sind gegen eine neue Poker-Software namens Libratus angetreten. Sie zogen den Kürzeren. Libratus kann inzwischen sogar perfekt bluffen (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

Siri bittet um eine kleine Datenspende. Mit dem nächsten Update (iOS 10.3) werden iPhone-Nutzer um die Erlaubnis gebeten, ihre iCloud-Daten – darunter Fotos, E-Mails, Notizen, Kontakte und Termine – analysieren zu dürfen. Diejenigen, die das gestatten wollen, müssen aktiv einwilligen, standardmäßig ist die Option deaktiviert. Ihrem Datensatz werden Hash- und Zufallswerte hinzugefügt, die zwar eine statistische Auswertung zulassen, aber den Nutzer anonym bleiben lassen (Zeit).

Digitale Agenda kw04

 

Digitaler Wahlkampf

Meinungsbildung sollte man nicht Social Bots überlassen. Der deutschen Politik graust es vor einem Wahlkampf à la Trump und Innenminister De Maizière überlegt, den Betrieb von Social Bots unter Strafe zu stellen (Zeit).

Ist die Angst vor Social Bots überhaupt berechtigt? Empirische Beweise für deren Gefahr gibt es kaum (Netzpolitik.org). Und selbst wenn es sie gäbe, ist es fraglich, ob Verbote etwas bewirken würden (Süddeutsche).

Außerdem benutzen Politiker selbst Social Bots. Eine Analyse der Twitter-Follower zahlreicher Politiker hat ergeben, dass ihre Gefolgschaft bis zu drei Vierteln aus Bots oder falschen, inaktiven und längst aufgegebenen Accounts besteht (Mitteldeutsche Zeitung).

Viel wirksamer könnte ein Werbe-Boykott von Medien sein, die bewusst Fake News verarbeiten. Vor dem Start der deutschen Ausgabe von Breitbart haben mehr als 700 internationale Firmen die ultrarechte Lügenschleuder auf eine Blacklist gesetzt (Süddeutsche).

  

Trumps alternatives Internet

Mit der Netzneutralität könnte es bald vorbei sein. Donald Trump hat mit Ajit Pai einen neuen Chef der Telekommunikations-Aufsichtsbehörde FCC ernannt, der es lieber den Telko-Konzernen recht machen und das Neutralitätsgesetz kassieren will (SpiegelNetzpolitik.org).

Das Thema Klimawandel ist im Internet tabu. Trump hat der Umweltbehörde, der NASA und der Verwaltung der Nationalparks einen Maulkorb verhängt, sie dürfen nichts mehr dazu tweeten. Die Reaktion: Zahlreiche Guerilla-Accounts und ein Wissenschaftler-Marsch auf Washington (Zeit).

Trump erschafft seine eigene Faktenwelt – mit „alternativen Fakten“, versteht sich. Lügen sind Teil einer Methode, die von Diktatoren hinlänglich bekannt ist (ZeitBloomberg). George Orwells „1984“ ist derzeit in den USA das meistgekaufte Buch auf Amazon (Süddeutsche).

 

Digitale Welt

Microsoft muss keine Daten rausrücken. Der Konzern hat im Streit mit der US-Regierung ein weiteres Mal gesiegt: In Irland gespeicherte Daten dürfen nicht nach Amerika wandern – zumindest nicht nach aktueller Gesetzeslage (FAZ).

Samsung weiß jetzt, warum Note7 brannte. Schuld an den Bränden seines Flaggschiffs der Galaxy-Serie sollen fehlerhafte Batterien gewesen sein. Samsung will jetzt die Produktionsprozesse ändern (Zeit).

Das digitale Leben erzeugt Stress. Der Zwang zur permanenten Erreichbarkeit und das ständige Multitasking können auf Dauer Depression und Burnout verursachen, sagt eine Studie der Uni Mainz (Politik Digital).

… und soziale Netzwerke können deprimieren, sagt eine Studie von Kaspersky. Der extensive Gebrauch der sozialen Netzwerke und die Jagd nach ‚Gefällt mir‘-Klicks erzeugt Druck und kann Neid, Stress und Depression auslösen (Computerwoche).

   

Zu guter Letzt …

‚Satan‘, der Trojaner zum Selbermachen. Erpresserviren gibt es jetzt auch im Leasing-Modell. Die Gruppe hinter der Ransomware „Satan“ bietet einen Service an, bei dem ihre „Kunden“ die schädliche Software über eine webbasierte Oberfläche gemäß ihren Bedürfnissen anpassen können. Die Satan-Hersteller kassieren dann 30 Prozent des Lösegelds (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw49

 

Datendemokratie I 

‚Ich habe Trump zum Wahlsieg verholfen‘ behauptete am Wochenende der Wissenschaftler Michal Kosinski im Magazin des Schweizer Tagesanzeigers. Er hat ein Verfahren entwickelt, das Facebook-Nutzer so minutiös analysiert, dass sie gezielt beeinflusst werden können.

Big Data allein entscheidet keine Wahlglaubt die Zeit. Solche Tools können aber sehr wohl Wahlen beeinflussen, stellt der Spiegel fest – wenn auch mit der Einschränkung, dass momentan jeder verzweifelt nach einer schlüssigen Erklärung für das Wahlergebnis sucht.

Wie Google die öffentliche Wahrnehmung beeinflusst, schildert Carole Cadwalladr in einem vieldiskutierten Artikel im Guardian. Allein die Vorschläge zur automatischen Vervollständigung der Suchanfragen transportieren ganze Weltbilder (z.B. ‚Juden sind … böse‘).

Die Wirksamkeit von Falschmeldungen demonstrierte diese Woche schließlich eine Fake-News, die ausgerechnet von Trump-Beratern gestreut wurde. Ein Mann mit einem Sturmgewehr tauchte in einer Pizzeria in Washington auf, um angebliche Pädophile zu erschießen.

    

Datendemokratie II

Das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz kommt langsam in Fahrt.
– IBM investiert 200 Millionen Dollar in sein Münchner Watson-Entwicklungszentrum für IoT.
– Google demonstriert Anwendungen, die Sprachen erfinden oder Lippen lesen können.
– Microsoft probiert es wieder mit einem Chatbot, der diesmal aber nicht über Politik diskutieren darf.

Künstliche Intelligenz braucht aber Offenheit. Diese Wissenschaft ist viel zu groß für die F&E-Abteilung eines einzelnen Herstellers. Weswegen alle IT-Schwergewichte, von Google bis Amazon, auf Open Source setzen und ihre Entwicklungsumgebungen offnen. Das scheint inzwischen sogar Apple kapiert zu haben.

Und wem gehören die Daten, die KI-Algorithmen verwenden? Die Nutzer sollten nicht für die eigenen Daten zur Kasse gebeten werden, warnt Evgeny Morozov in der Süddeutschen. Er steht damit nicht allein.

Persönliche Daten machen nur Unternehmen reich, Nutzer aber nicht, schreibt der Unternehmer Stefan Fritz in der Computerwoche.
Und die Professoren Leupold und Wiebe fragen: Wem gehören die Daten im Internet of Things?

  

Nachrichten

Riesen-Hack bei ThyssenKrupp. Der Konzern war monatelang mit der Abwehr von Cyberspionen beschäftigt. Sie hatten es auf das technologische Know-how der Industrial Solutions abgesehen, einer Tochterfirma für Anlagenbau (WiWo).

Big Data für die Kleinen. Das EU-Projekt Fortissimo will Kleinunternehmen und Mittelständlern den Zugang zu Supercomputern verschaffen. Es bietet nicht nur Rechenleistung, sondern auch Beratung und Schulung an (Süddeutsche).

Google 2017 nur noch mir erneuerbarer Energie. Der Konzern ist schon jetzt der größte Abnehmer von Windenergie und will nächstes Jahr weltweit komplett auf Erneuerbare umsteigen (Ankündigung, Artikel auf Wired).

Vorsicht vor infizierten Bewerbungen. Der Verschlüsselungstrojaner GoldenEye ist an Personalverantwortliche persönlich adressiert, die Mails beziehen auf echte Stellenausschreibungen in der jeweiligen Firma (Heise.de).

Windows 10 kommt auf ARM-Prozessoren. Eine x86-Emulation soll es möglich machen, dass neben Win32-Anwendungen auch alle Enterprise-Funktionen von Windows 10 laufen. 2017 soll das neue Betriebssystem auf den Markt kommen (silicon.de).

Amazon eröffnet ersten Supermarkt ohne Kasse. Bei Amazon Goregistrieren Sensoren, welche Waren Kunden aus den Regalen nehmen, und buchen das automatisch vom Amazon-Konto ab (FAZ).

   

Zu guter Letzt …

Die Silicon Valley-Front gegen Trump bröckelt. Trump lädt IT-Größen zu seinem Trump Tower ein, Twitter-Chef Dorsey relativiert seine ablehnende Haltung gegenüber Trump und mehrere Startup-Manager bekommen einen Posten in Trumps Transition Team.
Silicon Valley erlebt gerade seinen ‚Komm-zu-Satan‘-Moment, schreibt Pando – und die Website ComeToSatan.com hat nicht lange auf sich warten lassen.