Schlagwort-Archive: DSGVO

Digitale Agenda kw37 / 2020

 

Digital Services Act

Ist das Internet, das wir kennen, am Ende? Zum Abschluss der Beratungsphase für das EU-Gesetz für Digitale Dienste, das die Macht großer Internet-Plattformen regulieren soll, melden sich mehrere Parteien besorgt zu Wort:

Ein Vorbote des Digital Services Act, das deutsche NetzDG (Netzdurchsetzungsgesetz) scheint zumindest zur Zufriedenheit der Justizministerin zu funktionieren. 

 

Digitales Leben

Huawei bringt eigenes Handy-Betriebssystem. Harmony 2.0 soll Googles Android ersetzen, das dem Wirtschaftskrieg der USA gegen China zum Opfer gefallen ist, und ab 2021 auf Smartphones und Tablets installiert werden. 

Kartellamt will sich besser gegen Techkonzerne aufstellen. Um gegen Amazon, Google & Co. eine Chance zu haben, soll die Fusionskontrolle überarbeitet und die Verfahren beschleunigt werden. 

Gesetz gegen Abmahn-Missbrauch. Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, nach dem Wettbewerber künftig keine Kosten mehr für Abmahnungen wegen Verstößen gegen Impressum- und die DSGVO-Verstößen durch kleinere Firmen erstattet bekommen.

Amazon verliert Milliarden-Auftrag gegen Microsoft. Das US-Verteidigungsministerium hat den Auftrag für sein Project Jedi, eine KI-gestützte Cloud-Infrastruktur, bestätigt. Amazon beruft im Gegenzug einen ehemaligen NSA-Chef in den Vorstand. 

Internet-Riesen geben Digitalsteuer an Kunden weiter. Die internationalen Verhandlungen über eine einheitliche Digitalsteuer laufen zwar noch, aber schon jetzt reagieren Apple, Google und Amazon mit erhöhten Preisen.

 

Zu guter Letzt …

Kriminelle Absichten am Gesicht erkennen will die Polizei im englischen Gainsborough und hat an verschiedenen Stellen der Stadt ein System zur Gesichtserkennung aufgestellt, das auch die Gesichtsausdrücke der Passanten auswertet. Die Verantwortlichen befürchten keine „Verletzung irgendwelcher Menschenrechte“.

Digitale Agenda kw26 / 2020

 

Intel Outside

Macs sollen künftig mit ARM-Prozessoren laufen. Nach 15 Jahren setzt der Hersteller auf eigene CPUs, will aber weiterhin Intel-Kunde bleiben.
→ Das neue Betriebssystem MacOS 11 Big Sur soll auf beiden Plattformen laufen.
→ Intel-basierte Anwendungen (außer Virtualisierungs-Software) sollen auf ARM-Macs dank Rosetta 2 laufen. 

Außerdem neu:
→ Face ID und Touch ID können zur Authentifizierung bei Websites verwendet werden.
→ Apple Pay funktioniert jetzt auch für Girokonten.

Für Missstimmung auf dem Entwicklerkongress WWDC sorgte der Streit um einen Sonderdeal zwischen Apple und Amazon, der Amazon Prime Video bevorzugt behandelt. 

 

Digitales Leben

Facebook muss seine Datensammlung einschränken, urteilte der Bundesgerichtshof im Eilverfahren. Die vom Bundeskartellamt verlangten strengeren Regeln seien sofort umzusetzen.

DSGVO: Gesetz super, Anwendung weniger. Zwei Jahre nach Einführung hat die EU-Kommission viel Lob für das Gesetz übrig, nicht aber für dessen Durchsetzung. Die Industrie hat eher Bauchschmerzen. 

Urheberrechtsreform bringt Uploadfilter Light. Der Entwurf des neuen Urheberrechtsgesetzes schließt Uploadfilter nicht aus, sorgt aber für Streit zwischen CDU- und SPD-Ministerien.

BKA und BND wollen Software-Lücken nutzen. Ein neues Schwachstellen-Management soll den Behörden das Recht einräumen, Software-Lücken zum Abhören zu nutzen, statt sie an die Hersteller zu melden. 

Israelische Spionage-Software gegen Dissidenten. Ein marokkanischer Journalist wurde mit der Software von NSO überwacht, fand Amnesty International heraus, und wandte sich an die Presse.  Nun wurde der Journalist zum Verhör vorgeladen.

 

Zu guter Letzt …

Haben Sie Ihre Hände auch wirklich gut gewaschen? Eine neue KI-Software von Fujitsu kann erkennen, ob Sie auch wirklich gründlich waren, indem Sie sie dabei filmt. Fujitsu kann sich einen Einsatz der Software in der Lebensmittelindustrie vorstellen, hat aber noch nicht endgültig entschieden, wie sie vermarktet werden soll.

Digitale Agenda kw08 / 2020

 

Regeln fürs Internet

Es war die Woche der Gesetze und Richtlinien in Berlin und Brüssel. 

Ein Gesetz zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Hasskriminalität soll Ermittlern die Arbeit erleichtern und soziale Netzwerke in die Pflicht nehmen. Damit wird aber ein Teil der Rechtsdurchsetzung privaten Unternehmen übertragen und Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür ermöglicht. 

Facebook legt eigene Pläne zur Regulierung vor. Mark Zuckerberg will einer künftigen EU-Richtlinie mit einem eigenen Vorschlag zuvorkommen, hat aber damit wenig Glück. Die Methode Zuckerberg wird inzwischen durchschaut.

Die EU hält an Gesichtserkennung fest. In der neuen EU-Datenstrategie ist von einem Verbot der Gesichtserkennung im öffentlichen Raum keine Rede mehr, und das heißt nichts Gutes. Trotz aller Warnungen halten immer mehr Überwachungskameras in öffentlichen Plätzen Einzug. 

 

Digitales Leben

Bürokratie verlangsamt den Breitbandausbau. Von den Zuschüssen, die die Bundesregierung zur Verfügung stellt, ist bislang nur ein sehr kleiner Teil abgerufen worden. Langwierige Auswahlverfahren für Dienstleister und Verhandlungen mit Netzbetreibern lähmen die Kommunen.

Google verabschiedet sich von der DSGVO in England. Nach dem Brexit will Google die britischen Nutzerkonten nicht mehr mit denen von EU-Bürgern in Irland verwalten, sondern nach US-Recht in den USA.

US-Finanzamt will 9 Milliarden von Facebook. Der Konzern soll im Vorfeld seines Börsengangs sein geistiges Eigentum viel zu niedrig angesetzt und nach Irland transferiert haben, um Steuern zu sparen. Facebook darf sich im März vor Gericht erklären.

Gefährliches SIM-Swapping. Kriminelle haben sich eine neue Methode ausgedacht, um die Zwei-Faktor-Identifizierung zu umgehen und Nutzerkonten zu knacken. 

Digitale Stromzähler bringen kaum Vorteile. Die Vernetzung der Haushalte mag vielleicht Anbietern neues Geschäft bescheren, dass sie auch Energiekosten senkt, ist momentan ein leeres Versprechen. 

 

Zu gute Letzt …

Lässt sch die Wahl zum US-Präsidenten kaufen? Der Milliardär Mike Bloomberg ist spät ins Rennen um die US-Präsidentschaft eingestiegen, hat aber bisher 400 Millionen für Werbung ausgegeben, sogar für Internet-Memes. Dumm nur, dass er vieles mit Trump gemeinsam hat. 

Digitale Agenda kw51 / 2019

 

Was kostet das Internet?

EU-Vizepräsidentin warnt vor Internet-Stromverbrauch. 200 Milliarden kWh verbrauchen allein Streaming-Dienste. Mit solchen Zahlen sind die EU-Klimaziele nicht zu erreichen, warnt Digital-Kommissarin Margarethe Vestager.

Auch das 5G-Netz ist ein Stromfresser. 3,8 Milliarden kWh werden allein in Deutschland zusätzlich nötig sein, hat E.on berechnet. So viel verbrauchen etwa Köln, Düsseldorf und Dortmund zusammen in einem Jahr.

Breitbandausbau verursacht Zweiklassen-Internet. Stadtgebiete werden immer besser mit Breitband versorgt, ländliche Gebiete fallen immer weiter zurück. Auch der Mobilfunk entwickelt sich zu einem Zweiklassen-Netz.

Minenarbeiter verklagen Tech-Konzerne. Microsoft, Google und Tesla sollen von den menschenverachtenden Zuständen in den Kobaltminen im Kongo gewusst haben, seien aber des Profits wegen tatenlos geblieben.

 

Digitales Leben

Die DSGVO soll nachgebessert werden. Datenschützer wollen den bürokratischen Aufwand verringern, einige bestehende Regelungen konkretisieren und verbessern, aber auch neue einführen.

Regierung will Internet-Überwachung verschärfen. Das neue Gesetz gegen Hasskriminalität könnte Online-Dienste dazu verpflichten, Passwörter im Klartext zu speichern und an Ermittler herauszugeben.

Quantenverschlüsselung für deutsche Ministerien. Der Bund arbeitet mit dem Fraunhofer-Institut an einem Pilotprojekt, das Staats- und Wirtschaftsgeheimnisse besser schützen soll. 

Datenaustausch mit USA ist rechtens. Der Datenschutz-Aktivist Max Schrems ist mit seiner zweiten Klage gegen Facebook gescheitert. Die Speicherung persönlicher Daten von EU-Bürgern in den USA ist legal, kann aber bei Verletzung des Datenschutzes gestoppt werden.

Der Vertrag zwischen Facebook und der TU München zur Finanzierung eines neuen Instituts über KI-Ethik ist nicht ganz das, was öffentlich kommuniziert wurde. Facebook hält die Forscher durch seine Bedingungen an der kurzen Leine. 

Das Geschäft mit gekauften Likes durchleuchtet eine Recherche von SZ, NDR und WDR. Rund 90.000 Social-Media-Seiten nahmen die dubiosen Dienste einer deutschen Firma in Anspruch. 

 

Zu guter Letzt …

Facebook verliert sogar Daten der eigenen Mitarbeiter. Mehrere Festplatten mit Personaldaten von 29.000 Angestellten wurden letztes Jahr aus dem parkenden Auto eines Mitarbeiters gestohlen. Weder waren die Daten verschlüsselt noch hätte der Mitarbeiter die Daten bei sich haben dürfen.