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Digitale Agenda kw49 / 2018

 

KI und Funklöcher

‚Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert‘, sagte die Kanzlerin auf dem diesjährigen Digitalgipfel in Nürnberg. Sie wollte dort vor allem über Künstliche Intelligenz sprechen, wurde aber von der Realität der Funklöcher und der analogen Verwaltung eingeholt. 

KI muss stärker als bisher gefördert werden, wenn Deutschland international mithalten will, glaubt nicht nur die Süddeutsche. Die Anwendungen, die bereits jetzt im Einsatz sind, werden von ausländischen Anbietern dominiert. 

Die Peinlichkeit und Wut über deutsche Funklöcher dürfte derweil ein Niveau erreicht haben, dass sich die Bundesregierung dazu veranlasst sieht, zu reagieren. Der Zeitplan der 5G-Versteigerung wackelt, die Netzagentur ist not amused.   

Digitales Leben

Krauss-Maffei wird nach einem Cyberangriff erpresst und musste einen Teil seiner Produktion drosseln, berichtet die FAZ. Seit einiger Zeit wütet der Trojaner „Emotet“, der sich durch sogenanntes Dynamit-Phishing verbreitet.  

Facebook wollte sensible Nutzerdaten weitergeben, sagt der Bericht eines Untersuchungsausschusses des britischen Parlaments, und zwar an Netflix und Airbnb. Vertrauliche E-Mails des Facebook-Chefs offenbaren eine Haltung, auf die man nur sagen kann: Du uns auch, Mark. 

Huawei-Finanzchefin in Kanada festgenommen. Der Konzern soll gegen die US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen haben. Der Tochter des Huawei-Gründers droht eine Auslieferung an die USA. Etwaige Spionage-Vorwürfe gegen den Konzern konnten nie nachgewiesen werden. 

Microsoft sattelt auf Chrome um. Die eigene neue Browser-Engine EdgeHTML wird zu Grabe getragen, der Edge Browser nutzt künftig Googles Chromium. Der Edge-Browser wird damit auch für Windows 7 und 8 sowie für MacOS verfügbar. 

Bitcoin ist klinisch tot, urteilt die Süddeutsche. Die Kryptowährung hat keines ihrer Versprechen eingelöst, dafür aber als undurchsichtiges Spekulationsobjekt, als Sicherheitsrisiko und als Umweltproblem Karriere gemacht.   

Zu guter Letzt …

Die Honeypot-Falle des Jahres hat das Zentrum für Politische Schönheit aufgestellt. Das Künstlerkollektiv, das inzwischen für seine Protestaktionen berüchtigt ist, lockte Neonazis auf seine Webseite Soko Chemnitz und brachte sie dazu, ihre Namen preiszugeben (Hintergrund auf Netzpolitik). Datenschutzrechtlich war die Aktion von vornherein umstritten, zugleich aber erfolgreich und technisch hochinteressant. 

Digitale Agenda kw20

 

 Im Internet bahnt sich ein Paradigmenwechsel an 

Das heutige Internet ist ein Netz der Vermittler. Händler nutzen Plattformen wie Ebay, Amazon oder Etsy, um ihre Kunden zu erreichen, und auch die neuen Schwergewichte wie Uber oder Airbnb tun nichts anderes, als Fahrten und Zimmer zu vermitteln.

Einigen Vermittlern droht jetzt der Untergang. Die Kryptowährung Bitcoin schickte sich an, beim Zahlungsverkehr die Banken zu umgehen, scheiterte aber bisher an den eigenen Schwächen. Nicht so ihre Basistechnologie, die Blockchain. Damit baut man Transaktionsregister, die auf Peer-to-Peer-Basis für jedermann zugänglich sind.

Eine halbe Milliarde an Venture Capital ist bis dato an Startups geflossen, deren Lösungen auf Blockchain-Technologie basieren, Tendenz steigend (Canadian Business). Firmen wie IBM basteln an eigenen Lösungen (Golem.de), Banken wie UBS erkunden ihr Potenzial (heise.de).

Die US-Börse Nasdaq hat das erste Pilotprojekt gestartet. MittelsBlockchain will sie die eigenen Mittelsmänner loswerden, die nichts anderes tun, als ein Transaktionsregister für Aktien zu führen – gegen anständige Gebühren, versteht sich. Über eine Blockchain-Lösung würde sich Nasdaq Millionenbeträge sparen (Wall Street Journal, deutsche Kurzfassung hier).

Apropos Peer-to-Peer: Darüber lässt sich seit dieser Woche auch wunderbar chatten. BitTorrent hat offiziell Bleep in Betrieb genommen – Instant Messaging auf allen PC- und mobilen Plattformen, voll verschlüsselt und ohne ein WhatsApp, Facebook oder Google als Mithörer (t3n.de).

 

IT-MANAGEMENT

Citrix bringt eigene Workspace Cloud. Die virtuellen Arbeitsräumekönnen vom Admin individuell zugeschnitten werden, beherbergen alle notwendigen Anwendungen, sind von jedem Endgerät aus verwendbar und können auch in einer Private Cloud betrieben werden (silicon.de).

Salesforce und Sage bauen gemeinsame Plattform. Die Cloud-Umgebung für Mittelständler ist für Social Media und mobile Geräte optimiert und integriert die Tools von Salesforce mit der Buchhaltung, Lohnabrechnung und Finanzverwaltung von Sage (Computerwoche).

 

TECHNIK

Microsoft beerdigt ActiveX, Active Documents und mehr. Gut 300 APIs werden in Edge, Microsofts neuem Web-Browser, nicht mehr dabei sein (heise.de). Der Schritt sei notwendig, um Edge sicherer und standardkonform zu kriegen, sagt Microsoft.

Selbstfahrende Autos sind sicher. Googles 20 Testwagen waren nach sechs Jahren und 2,7 Millionen gefahrenen Kilometern nur in 11 leichte Unfälle verwickelt, die überwiegend durch andere Autos verursacht wurden (Süddeutsche). Experten befürchten, dass autonomen Autos bald Millionen Jobs zum Opfer fallen werden (Quartz).

Skype Translator startet als Simultandolmetscher für Englisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch (Spiegel). Die Übersetzung wird sowohl als Stimme als auch als Text herausgegeben. Deutsch soll bald folgen.

 

Zu guter Letzt …

Facebook lockt Medien in die Falle. Nachrichten der New York Times und des Guardian können ab sofort vollständig innerhalb von Facebook gelesen werden, ab demnächst auch die von Spiegel Online und Bild.de. Die Verlage betrachten das als „Experiment“ – noch. Wahrscheinlicher ist, dass Facebook bald auch ihre Verbreitung besser kontrolliert als sie selbst.

Goodbye, AOL! Der ehemalige Internet-Pionier ist diese Woche vom Mobilfunk-Konzern Verizon gekauft worden – für 4,4 Milliarden Dollar (Golem.de). Dieselbe AOL, die von 15 Jahren fast 200 Milliarden wert war.
Wie heißt es so schön: Man kann jahrelang eine Firma zugrunde richten und trotzdem Milliarden verdienen …