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Digitale Agenda kw45 / 2020

 

US-Wahlen

Es kam wie befürchtet. Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft war so heftig und das Ergebnis der US-Wahl ist so knapp, dass Facebook und Twitter zugleich das Schlachtfeld bereitstellen und den Schiedsrichter spielen müssen. 

Ein knappes Ergebnis ist genau das, was die Plattformen vermeiden wollten, denn dadurch sind sie dazu gezwungen, Anzeigen abzulehnen, Tweets zu brandmarken und Gruppen zu löschen. 

Demokratische Prozesse auf privaten Plattformen, geführt mit sehr viel Geld und mit jungen Milliardären wie Mark Zuckerberg und Jack Dorsey als Schlichter – was soll da schon schiefgehen?

 

Digitales Leben

So wird die Corona-Warn-App weiterentwickelt. Laut einem internen Dokument soll ein Update Ende Februar es leichter machen, nachzuvollziehen, wo man sich angesteckt haben könnte, und ein QR-Code die lästigen Restaurant-Listen ersetzen. Die Grünen fordern eine Cluster-Nachverfolgung. 

Altmaier hat kein Problem mit Upload-Filtern. Der Wirtschaftsminister liegt immer noch im Clinch mit dem SPD-geführten Justizministerium und will das neue Urheberrechtsgesetz eher restriktiv gestalten, inklusive Upload-Filter. 

Office 365 in Schulen ist problematisch. Die Verletzung gleich mehrerer datenschutzrechtlicher Vorschriften werde durch ein Wirrwar an Klauseln möglich, erklärt ausführlich ein Rechtswissenschaftler.

Oberster Datenschützer kritisiert Staatstrojaner. „Das Ausmaß der staatlichen Überwachung übersteigt mittlerweile das für eine Demokratie erträgliche Maß“, sagt Ulrich Kelber im Spiegel-Interview.

Aus fürs Datensammeln aus „berechtigtem Interesse“? Ein deutscher Entwurf der neuen E-Privacy-Verordnung der EU sieht vor, dass die Platzierung entsprechender Cookies nicht mehr möglich ist.

 

Zu guter Letzt …

Die Kamera als offenes Scheunentor des Smart Home. Ein Professor für IT-Sicherheit ließ seine Studenten auf die Überwachungskamera eines vernetzten Hauses los – und sie konnten erschreckend schnell und problemlos liefern.

Digitale Agenda kw41 / 2020

 

Vorratsdatenspeicherung

EuGH erlaubt Vorratsdatenspeicherung in Ausnahmefällen. In seinem dritten Urteil in dieser Angelegenheit erklärte der Europäische Gerichtshof die generelle Speicherung zwar erneut als verboten, erlaubt sie aber unter Auflagen, wenn es um Terror und Schwerverbrechen geht.  

Das Urteil ist sehr im Sinne von Justizministerin Lambrecht, die zuvor die Vorratsdatenspeicherung für den Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder gefordert hatte. Das deutsche Gesetz verstößt wahrscheinlich gegen europäisches Recht und muss wohl überarbeitet werden.

Wird nun die Tür zur Überwachung ganz aufgestoßen? Man muss darauf achten, dass neue Gesetze nicht maßlos werden, kommentiert die Süddeutsche, und die European Digital Rights Initiative (EDRi) bewertet das Urteil eher pessimistisch. 

 

Digitales Leben

Die Upload-Filter kommen. Das zeigt ein aktueller Entwurf der Urheberrechtsreform des Justizministeriums, den Netzpolitik.org veröffenlicht hat.  Die deutsche Regierung drängt auch die EU zu kurzen Löschfristen bei gefährlichen Inhalten.

Die Macht von Tech-Giganten soll beschnitten werden. Ein Ausschuss des US-Kongresses fordert, die Konzerne der „digitalen Räuberbarone“ in die Schranken zu weisen. Auch die EU feilt bereits an ähnliche Plänen. Facebook bereitet derweil seine Abwehr auf eine Zerschlagung vor. 

EU-Parlament will Recht auf Unerreichbarkeit. EU-Abgeordnete setzen sich dafür ein, dass Arbeitnehmer auch mal offline sein dürfen. Durch den Aufschwung von Homeoffice seien Auszeiten wichtiger denn je. 

IBM trennt sich vom Hardware-Geschäft. Mit einem prall gefüllten Auftragsbuch soll die Sparte, die Server und Mainframes herstellt, nächstes Jahr an die Börse gebracht werden. Cloud-Dienste sind viel profitabler als Hardware. 

Wie Accenture KI in der Personalbeschaffung einsetzt. Im Rahmen eines sechsmonatigen Pilotprojekts hat die Beratung die Grenzen von KI-gestützten Einstellungsprozessen erprobt – mit gemischten Ergebnissen.

 

Zu guter Letzt …

Kann man smartes Sex-Spielzeug hacken? Und wie! Die britische Firma Pen Test Partners praktiziert das schon seit Jahren – natürlich um die Hersteller auf Gefahren hinzuweisen. Zum Beispiel wie sich ein Mann, der einen vernetzten Keuschheitsgürtel trägt, erpressbar machen kann.

Digitale Agenda kw40 / 2020

 

Die Facebook-Wahlen

Die US-Wahlen werden in den sozialen Netzwerken entschieden, in Corona-Zeiten dürfte diese Aussage besonders wahr sein. Vor allem Facebook bereitet sich auf einen turbulenten Monat vor. Es soll nicht dieselbe Manipulation durch Microtargeting stattfinden wie vor vier Jahren.

Die Schlammschlacht hat längst begonnen. Auf Facebook liefen bisher hunderte Anzeigen mit irreführenden Aussagen über Trump-Konkurrent Joe Biden. Eine neue Anzeige, die behauptet, Biden würde bei einem Wahlsieg die Grenzen für Terroristen aufmachen, wurde von Facebook gelöscht. 

Auch auf den Tag nach der Wahl bereitet sich Facebook vor, um zu verhindern, dass der falsche Gewinner ausgerufen oder die Legitimität der Wahl in Frage gestellt wird.

 

Digitales Leben

Die Bundes-IT ist ein Fass ohne Boden. Erst lief das Projekt kostentechnisch völlig aus dem Ruder, dann übernahm das Kanzleramt die Regie, aber offensichtlich läuft es da auch nich viel besser, sagt der Rechnungshof. 

Neues BND-Gesetz vergibt „Lizenz zum Hacken“. Mit genau dieser Floskel ist eine Geschichte auf der Website des BND betitelt, mit der die Agentur um Nachwuchs wirbt. Mehr zum Gesetz auf Netzpolitik.org. 

Handyverträge sollen auf ein Jahr begrenzt werden. Ein neues Gesetz für faire Verbraucherverträge soll festschreiben, dass Energieversorger, Fitnessstudios und Telko-Anbieter nur noch Neuverträge mit maximal zwölf Monaten Laufzeit abschließen dürfen.

Die mysteriöse Datenfirma Palantir ist an der Börse. Das Rätselraten darüber, was Palantir genau für Geheimdienste und Polizeibehörden macht, wird auch nach dem Börsengang weitergehen. Die Zeit versucht, etwas Licht ins Dunkle zu bringen. 

Samsung macht Fernseher zu Werbeflächen. Bannerwerbung im Fernsehmenü und das Logging ihrer Sehgewohnheiten empört Kunden. Jetzt schaltet sich das Bundeskartellamt gegen die“unzumutbare Belästigung“ ein.

 

Zu guter Letzt …

Alter Fernseher legte die DSL-Leitung eines Dorfes lahm, und zwar pünktlich jeden Morgen um 7:00. Die Bewohner der walisischen Gemeinde Aberhosan hatten sich schon fast damit abgefunden bis ein Spezialistenteam den Grund für die täglichen Ausfälle ausfindig machte. 

Digitale Agenda kw36 / 2020

 

Amazon

Amazon-Chef Jeff Bezos ist jetzt 200 Milliarden schwer. Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für seine US-Mitarbeiter verweigert er aber nach wie vor. Nun haben Aktivisten eine Guillotine vor seinem Wohnhaus platziert.  

Wie Amazon seine Mitarbeiter überwacht, schildert eine neue Studie des Open Markets Institutes. Der Internationale Gewerkschaftsbund hat Amazon zum schlechtesten Arbeitgeber der Welt gekürt – und entwickelt sich langsam zu einem der größten.

Technologisch bleibt Amazon ein Pionier. In den USA startet demnächst der Testbetrieb für die Auslieferung per Drohne. Und das neue Amazon-Armband ‚Halo‘ soll die Gefühle des Trägers erkennen können. Fragt sich nur: wozu?

 

Digitales Leben

Bastelt Apple an einer Suchmaschine? Der Hersteller hat die Aktivität seines Web-Crawlers Applebot, der Siri mit Informationen versorgt, intensiviert. Das sorgt für Spekulationen. 

US-Gericht bestätigt, dass Snowden recht hatte. Die vom Whistleblower aufgedeckte Telefonüberwachung der NSA war illegal, in die USA zurückkehren darf Edward Snowden trotzdem nicht.

Contact-Tracing bringt nur mehr Überwachung. Die Kontaktverfolgung soll in iOS und Android in Zukunft auch ohne Corona-App möglich sein, doch Algorithmwatch bezweifelt den tatsächlichen Nutzen und warnt vor den Nebenwirkungen. 

Thunderbird unterstützt jetzt E-Mail-Verschlüsselung. In Mozillas E-Mail-Programm ist OpenPGP schon seit einiger Zeit eingebaut, nun ist die Verschlüsselung eingeschaltet und funktionsfähig.

Corona-Listen der Restaurants sind unsicher. Mitglieder des Chaos Computer Clubs testeten die Cloud-Software, mit der 180 Restaurants Reservierungen und andere Daten verwalten – mit negativem Ergebnis. 

Apple knickt vor Facebook ein. Das radikale Ausbremsen des Trackings der iPhone-Apps im neuen iOS fällt zunächst nicht ganz so radikal aus. Apple will offiziell den Entwicklern mehr Zeit geben. 

 

Zu guter Letzt …

Elon Musk hat einen Chip für Ihr Gehirn. Sein Neuralink überträgt Gehirnimpulse per Bluetooth an externe Computer, zunächst um z.B. Behinderten zu helfen, einen Sinnesverlust zu kompensieren. Langfristig stellt er sich vor, dass sein System die nonverbale Kommunikation zwischen Menschen übernehmen könnte.