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Digitale Agenda kw43 / 2019

 

Quantum Supremacy

Google demonstriert Quantenüberlegenheit. Googles Prozessor löste innerhalb von 200 Sekunden ein mathematisches Problem, für das ein heutiger Supercomputer 10.000 Jahre brauchen würde. Für Google-Chef Sundar Pichai ist das ein Durchbruch wie einst der Erstflug der Gebrüder Wright.  

Wie ist dieser Durchbruch einzuordnen? IBM widersprach dem Vergleich mit dem Supercomputer, erkannte aber die Leistung an. Wissenschaftler sehen darin ein Experiment ohne praktischen Nutzen, das aber sehr wohl die Wissenschaft weiterbringt. 

Was genau mit „Quantenüberlegenheit“ gemeint ist, erklärt Prof. Frank Wilhelm-Mauch im Heise-Podcast. Adrian Kreye mahnt in der SZ, Potenzial und Gefahren der Quantentechnologie früh genug öffentlich zu diskutieren.

 

Digitales Leben

Strengere Regeln für Daten und Algorithmen fordert die Datenethikkommission der Bundesregierung in ihrer ersten Stellungnahme. Die Reaktionen fallen gemischt aus. Zivilgesellschaftliche Organisationen begrüßen den Bericht, die Industrie warnt vor „Regulierungswut“ und einem „analogen Inselstaat“.

Wie Phishing über Alexa & Co. geht, demonstrierten Berliner Sicherheitsforscher über Apps, die sie in Amazon Echo und Google Home installierten. Einen Ruf als Wohnzimmerwanzen haben Smart Speaker bereits. 

Ein sehr eigenes Verständnis von Wahrheit demonstrierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg im US-Kongress.  Auch die Verteidigung seiner Kryptowährung Libra kam nicht besonders überzeugend rüber.

Firefox will Nutzern ihre Privatsphäre zurückgeben. In der Gunst der Nutzer Kann der Open-Source-Browser längst nicht mit Google Chrome mithalten, dafür ließ sich Mozilla einiges gegen Tracking einfallen. 

Wie deutsche Firmen ihre Mitarbeiter überwachen, schildert ein Bericht auf Netzpolitik. Beschäftigte sind rechtlich nicht grundsätzlich vor Videoüberwachung geschützt und Strafen gegen Firmen sind selten.

 

Zu guter Letzt …

In München entsteht eine Fabrik für Flugtaxis. Hersteller Lilium stellt gerade hunderte Fachkräfte ein und will 2025 in die Massenproduktion gehen. Konkurrent Volocopter aus Bruchsal demonstrierte sein Flugtaxi neulich in Singapur und will dort bereits 2021 mit kommerziellen Flügen starten.

Digitale Agenda kw46 / 2017

 

Netzsperren

Um die Freiheit im Internet steht es nicht gut. Neue Berichte der Unesco (PDF in Englisch) und des Freedom House zeigen, dass der Zugang zum Internet, Meinungs- und Pressefreiheit immer schlechter werden. Nur noch 23 Prozent aller Internet-Nutzer leben in Ländern mit freiem Zugang (Netzpolitik.org).

Das Internet ist aus drei Seiten in Gefahr:

  • Legale Netzsperren: Das EU-Parlament hat jetzt Verbraucherschützern das Recht erteilt, Netzsperren zu verhängen – ein erster Schritt zum Aufbau einer Zensur-Infrastruktur (Netzpolitik.org).
  • Kommerz-orientierte Politik: Die Netzneutralität ist in der EU bereits verwässert und schafft Raum für fragwürdige Geschäftsmodelle (Süddeutsche), in den USA will sie Donald Trump im Dezember ganz abschaffen (Reuters, Zeit).
  • Goldene Käfige und Filterblasen. Konzerne wie Facebook und Google bestimmen immer mehr, wie wir informiert werden (Netzpolitik).

 

Digitale Welt

Der neue Firefox ist jetzt richtig schnell. Mit dem ‚Quantum‚-Update schließt Firefox zu Google Chrome auf, bietet viel Privatsphäre und verspricht bald noch mehr Verbesserungen (Zeit, Süddeutsche, heise.de).

Killer-Roboter sollen verboten werden. In Genf verhandeln Regierungsvertreter und Rüstungsexperten um die Zukunft von „tödlichen autonomen Waffensystemen“, die durch Künstliche Intelligenz gesteuert werden (Süddeutsche).

Digitale Technologien können CO2-Emissionen halbieren und damit Deutschland helfen, seine Klimaziele bis 2030 doch noch zu erreichen, glaubt der IT-Branchenverband Bitkom.

YouTube wird immer mehr unterwandert. Betrüger schaffen es immer wieder, ihre Videos auf die ‚Trending‘-Liste zu bringen (Spiegel), auf YouTube Kids tauchen immer wieder unangemessene und sogar gefährliche Inhalte auf (Zeit).

Die erste Kirche der Künstlichen Intelligenz heißt Way of the Future und wurde von Googles ehemaligem Entwicklungschef für autonome Fahrzeuge gegründet. Sie will „einen friedlichen und respektvollen Übergang der Führung dieses Planeten von den Menschen zu den Menschen+Maschinen schaffen“ (Wired, englisch).

 

Zu guter Letzt …

Vernetzte Dildos sind manchmal zu neugierig, mussten die Kunden des Sexspielzeug-Herstellers Lovense neulich feststellen. Mehrere Nutzer der über eine App gesteuerten Spielzeuge entdeckten nach ihrem Spiel eine Audioaufnahme von sich auf ihrem Handy. Laut Hersteller handelte es sich nur um einen „kleinen Bug“ (Zeit).

Digitale Agenda kw50

 

Das europäische Internet nimmt Gestalt an

Es wurde auch langsam Zeit. Offensichtlich haben die Urteile des Europäischen Gerichtshofs zur Vorratsdatenspeicherung und zu Safe Harbor die EU-Kommission dazu bewogen, etwas Ordnung ins europäische Politiker-Neuland Internet zu bringen.

Ein neues europäisches Sicherheitsgesetz wurde am Dienstag von EU-Rat, EU-Kommission und EU-Parlament beschlossen. Die Richtlinie soll den Schutz der Daten-Infrastruktur in den 28 Mitgliedstaaten vereinheitlichen (Süddeutsche).

Die einheitliche Nutzung von Online-Inhalten quer durch alle EU-Länder soll eine Verordnung regeln, die Mittwoch vorgestellt wurde. Demnach sollen Online-Inhalte, die in einem Land gekauft wurden, ab 2017 in allen EU-Ländern abspielbar sein. Heute ist das oft nicht möglich (Spiegel).

Europäische Nutzerdaten sollen vor US-Zugriff besser geschützt werden – zumindest will sich EU-Justizkommissarin Věra Jourová dafür stark machen. Für das Nachfolgeabkommen von Safe Harbor fordert sie ein „System von Vertrauen und Kontrolle“ (FAZ).

Eine Charta der digitalen Grundrechte forderte unlängst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Einen ersten Entwurf dafür lieferte ihm gestern sein Parteikollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, in der Zeit.

Das Thema Vorratsdatenspeicherung ist allerdings trotz entsprechendem Urteil des EuGH noch lange nicht gegessen. Einer Reihe interner Dokumente des EU-Ministerrats zufolge wollen die Innenminister die Massenspeicherung von Nutzerdaten auch ohne konkreten Anlass durchsetzen (Zeit).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT 

In einer neuen Gehaltsstudie für Projektmanager in Deutschland und Österreich (PDF) ermittelte der GPM-Verband Einstiegsgehälter von 60.000 Euro und Spitzengehälter jenseits der 100.000 Euro.

Cloud Computing funktioniert gut, solange es keine Probleme mit Verträgen, ISO-Normen und der rechtlichen Absicherung gibt, schreibt Stephan Krische vom Bundesverband der IT-Sachverständigen im Cloud-Computing Insider. Sobald jedoch Sturm aufzieht, kann es schnell teure Schäden geben.

Die Kommerzialisierung des Cybercrime ist auch hierzulande weit fortgeschritten, schreibt Jürgen Hill in der Computerwoche. Die deutsche Crimeware-Szene zählt inzwischen rund 70.000 registrierte Mitglieder.

Mozilla sucht noch seine Rolle im mobilen Zeitalter. Die Organisation hinter Firefox scheint derzeit ihre Prioritäten neu zu setzen (Zeit) und hat angekündigt, das Smartphone-Betriebssystem Firefox OS ad acta zu legen (Zeit). Auch der E-Mail-Client Thunderbird soll lieber woanders weiterentwickelt werden (heise.de). Neu hinzugekommen ist Focus für iOS, ein Ad-Blocker, der auch Tracking wirksam abstellen kann (heise.de).

Google stellt seinen ersten Quanten-Computer vor. Er steht im Nasa-Forschungszentrum und hat schon mal ein erstes Benchmark gesetzt: Er rechnet bis zu 100 Millionen Mal schneller als konventionelle Binär-Computer. Als nächstes soll er lernen, mit Künstlicher Intelligenz zu arbeiten (Spiegel).

Ein Android-Tablet, das versucht, ein Notebook zu sein, ist Googles Pixel C. Allerdings ohne viel Glück. Die Hardware mag eindrucksvoll sein (Spiegel), doch die Kollegen von Ars Technica bringen es auf den Punkt: Hardware war nie Androids Problem. Es ist die Software, die nicht wirklich für produktive Arbeit geschaffen ist. Deswegen ziehen deutsche Profi-Nutzer vorerst das Notebook dem Tablet vor (Computerwoche).

 

Zu guter Letzt …

Der Erfinder des Bitcoin wurde enttarnt – mal wieder. Niemand weiß wirklich, wer sich hinter dem Namen Satoshi Nakamoto verbirgt. Jetzt wollen die US-Medien Gizmodo und Wired herausgefunden haben, dass es der australische Entrepreneur Craig Wright ist. Es bleiben Zweifel, doch die Geschichte liest sich spannend wie ein Agententhriller (Zeit).