Schlagwort-Archive: Gesichtserkennung

Digitale Agenda kw39 / 2020

 

Digitale Kanonenboot-Politik

Sieht so eine feindliche Übernahme im 21. Jahrhundert aus? 

Diese Woche der Showdown: 

 

Digitales Leben

Corona-Warn-App goes Europe. Ab Oktober soll ein neues europaweites Warnsystem in Betrieb gehen, an dem sich bislang elf europäische Länder beteiligen. Zugleich finden Ärzteverbände die App wenig hilfreich und der Ethikrat rät von Immunitätsausweise ab. 

Samsung startet eigenen Bezahldienst. Die Pay-App für Smartphones des koreanischen Konzerns kommt Ende Oktober nach Deutschland, unterscheidet sich von der Konkurrenz und verhindert die Überweisung hoher Summen.

Tesla-Chef verspricht Batterierevolution. Durch technische Veränderungen und Massenproduktion sollen die Batteriekosten um 56 Prozent gekürzt und damit Elektroautos kostengünstiger als Verbrenner werden. Tesla bekam unterdessen den Big Brother Award verliehen. 

Spioniert Instagram über die Smartphone-Kamera? Eine US-Nutzerin hat Facebook verklagt und will genau wissen, ob Instagram die Kamera bewusst einschaltet, „um lukrative und wertvolle Daten über die Nutzer zu erhalten“.

Kampagne für europaweites Verbot von Gesichtserkennung. Angeführt von zahlreichen Verbänden läuft seit Dienstag eine paneuropäische Petition, die die biometrische Gesichtserkennung stoppen will. 

 

Zu guter Letzt …

20.000 Fritzboxen müssen verschrottet werden. Der Versuch des Onlinehändlers Woog Media, ausgemusterte Router von Unity Media zu kaufen und sie mit einem Update des Betriebssystems weiterzuverkaufen, scheiterte vor Gericht. 

Digitale Agenda kw37 / 2020

 

Digital Services Act

Ist das Internet, das wir kennen, am Ende? Zum Abschluss der Beratungsphase für das EU-Gesetz für Digitale Dienste, das die Macht großer Internet-Plattformen regulieren soll, melden sich mehrere Parteien besorgt zu Wort:

Ein Vorbote des Digital Services Act, das deutsche NetzDG (Netzdurchsetzungsgesetz) scheint zumindest zur Zufriedenheit der Justizministerin zu funktionieren. 

 

Digitales Leben

Huawei bringt eigenes Handy-Betriebssystem. Harmony 2.0 soll Googles Android ersetzen, das dem Wirtschaftskrieg der USA gegen China zum Opfer gefallen ist, und ab 2021 auf Smartphones und Tablets installiert werden. 

Kartellamt will sich besser gegen Techkonzerne aufstellen. Um gegen Amazon, Google & Co. eine Chance zu haben, soll die Fusionskontrolle überarbeitet und die Verfahren beschleunigt werden. 

Gesetz gegen Abmahn-Missbrauch. Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, nach dem Wettbewerber künftig keine Kosten mehr für Abmahnungen wegen Verstößen gegen Impressum- und die DSGVO-Verstößen durch kleinere Firmen erstattet bekommen.

Amazon verliert Milliarden-Auftrag gegen Microsoft. Das US-Verteidigungsministerium hat den Auftrag für sein Project Jedi, eine KI-gestützte Cloud-Infrastruktur, bestätigt. Amazon beruft im Gegenzug einen ehemaligen NSA-Chef in den Vorstand. 

Internet-Riesen geben Digitalsteuer an Kunden weiter. Die internationalen Verhandlungen über eine einheitliche Digitalsteuer laufen zwar noch, aber schon jetzt reagieren Apple, Google und Amazon mit erhöhten Preisen.

 

Zu guter Letzt …

Kriminelle Absichten am Gesicht erkennen will die Polizei im englischen Gainsborough und hat an verschiedenen Stellen der Stadt ein System zur Gesichtserkennung aufgestellt, das auch die Gesichtsausdrücke der Passanten auswertet. Die Verantwortlichen befürchten keine „Verletzung irgendwelcher Menschenrechte“.

Digitale Agenda kw33 / 2020

 

Geschäftsmodell Gesichtserkennung

Sammelklage gegen Instagram in den USA. Das zu Facebook gehörende soziale Netzwerk soll rechtswidrig die biometrischen Daten seiner über 100 Millionen US-Nutzer:innen gesammelt, ausgewertet und damit Geld verdient haben.

Millionen Fahrgäste unbemerkt in Madrid überwacht. Ein Hersteller von Software zur Gesichtserkennung hat vor vier Jahren den Betreiber des Madrider Busbahnhofs zu „mehr Sicherheit“ überredet. Seitdem wird ausgewertet. 

Die Gesichtserkennung in Südwales ist illegal, urteilte ein britisches Gericht. Für den Einsatz des Systems von NEC gebe es seitens der Polizei keinerlei Regelungen und der Datenschutz sei nicht ebensowenig gewährleistet.

 

Digitales Leben

Deutsche Start-ups mit Kartellbeschwerde gegen Google. Der Konzern missbrauche seine Marktmacht, um „ohne Eigeninvestitionen Konkurrenzprodukte aufzubauen“ und vor allem Konkurrenten aus der Reisebranche auszubremsen.

Von wegen keine Upload-Filter. Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung widerspricht den Beteuerungen von Justizministerin Lambrecht, dass die Umsetzung des neuen Urheberrechts ohne Upload-Filter möglich ist. 

Fortnite fliegt von den App Stores und verklagt Apple. Google und Apple bestehen darauf, dass alle In-App-Käufe provisionspflichtig sind, und haben das Online-Spiel von ihren App Stores verbannt. Man sieht sich vor Gericht. 

Auch Twitter soll an TikTok interessiert sein. Angeblich sieht Twitter TikTok als gute Ergänzung seines Geschäfts. Eine TikTok-Übernahme seitens Microsoft betrachtet Gründer Bill Gates derweil als „vergifteten Kelch„.

Microsoft bringt Smartphone mit Doppel-Display. Das Surface Duo hat kein faltbares, sondern einfach nur zwei Displays, die nebeneinander ein Mini-Tablet ergeben. Damit lasse sich besser arbeiten.

Facebook ist jetzt „systemrelevant“. Das Netzwerk sei „too big to fail„, sagen britische Wissenschaftler und befürchten bei einem Ausfall „katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen“.

 

Zu guter Letzt …

Die NSA gibt Tipps für Smartphone-Nutzer. Jedes Smartphone ist ein potenzieller Peilsender, der Standortdaten abgibt, sagt die US-Spionageagentur. Die Ratschläge richten sich an Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, sind aber öffentlich (PDF).

Digitale Agenda kw28 / 2020

 

Public Private Surveillance

Ein polnisches Startup schafft die Anonymität ab. PimEyes betreibt eine Suchmaschine für Gesichter, in der jeder ein Foto hochladen und nach ähnlichen Bildern suchen kann. Das birgt ein enormes Missbrauchspotenzial.

Gesichtserkennung auch im Supermarkt. Eine spanische Supermarktkette testet in 40 Filialen ein System, das Menschen aufspüren soll, die ein gerichtliches Zutrittsverbot haben.

Provider sollen Staatstrojaner installieren helfen. Die Regierung will Telekommunikationsanbieter dazu verpflichten, Überwachungssoftware auf die Geräte Verdächtiger aufzuspielen.

Polizei betreibt Überwachungs-Outcourcing. Die Übertragung von Polizeidiensten an Privatfirmen verschärft die staatlichen Eingriffe und untergräbt unsere Grundrechte, warnt Privacy International. 

Wie das in der Praxis aussieht, demonstriert die US-Polizei im Nachgang der Black Lives Matter-Proteste.  

 

Digitales Leben

Westen auf Isolationskurs gegen China. Großbritannien will Huawei vom 5G-Netz ausschließen, die USA prüfen ein Verbot chinesischer Apps, Twitter und Facebook stoppen Datenweitergabe an Hongkonger Behörden.

Zoom, Teams & Co. fallen beim Datenschutz durch. Einem Kurztest der Berliner Datenschutzbehörde hielten lediglich die Open-Source-Plattform Jitsi sowie kleinere Anbieter wie Wire stand.

Apple liefert Originalteile an Reparaturbetriebe. Nach der massiven Kritik kam die Kehrtwende. Künftig werden auch freie Werkstätten Akkus oder Bildschirme von Apple verwenden können.

Smart-TVs sind Wanzen im Wohnzimmer, sagt ein neuer Bericht des Bundeskartellamts. Die meisten Hersteller meinen es mit dem Datenschutz überhaupt nicht ernst.

Die Deutsche Bank will auf die Google-Cloud. Deutschlands größte Bank will zusammen mit Google seine IT-Systeme erneuern und gemeinsame Finanzprodukte entwickeln. 

 

Zu guter Letzt

Wenn die Corona-App aufs Gesundheitsamt trifft, gibt’s erstmal Kommunikationsprobleme. Allzu viele Gedanken über dieses Zusammenspiel scheint man sich bei der sonst vorbildlich entwickelten App nicht gemacht haben, sagt ein Erfahrungsbericht in der Zeit.