Schlagwort-Archive: Gesichtserkennung

Digitale Agenda kw36 / 2021

 

Apples Rückzieher

Apple legt sein umstrittenes Foto-Scanning auf Eis. Nach einem weltweiten Proteststurm hat der Konzern seine Pläne, die Geräte seiner Kunden nach Kinderpornos zu scannen, erstmal verschoben. Edward Snowden hatte zuvor Apples Technik eine Kriegserklärung gegen die Privatsphäre genannt. 

In den USA entsteht dennoch der gläserne Bürger. Viele US-Behörden planen den verstärkten Einsatz von Gesichtserkennung, in Los Angeles müssen Verdächtigte den Zugang zu ihren Social-Media-Accounts herausrücken.

In Deutschland würde Apples Technik gegen geltendes Recht verstoßen, sagt ein Staatsanwalt, der auf Cybercrime spezialisiert ist. Zugleich würden die Grenzen zwischen Industrie und Staat verwischt.

 

Digitales Leben

Regierung beschließt neue Cybersicherheitsstrategie. Das Kaufen und Horten von Sicherheitslücken seitens des Staates ist damit legalisiert. Die Grünen neuen das eine Unsicherheitsstrategie, die FDP lässt auch kein gutes Haar dran. 

Umstrittene Online-Pranger. In Baden-Württemberg können Bürger anonym Steuersünder melden, in Texas Abtreibungshelfer. Das Texanische Portal wurde derweil von Aktivistinnen zum Absturz gebracht. 

Bitcoin in El Salvador als Zahlungsmittel zugelassen. Der Wechselkurs zum US-Dollar bleibt dem Markt überlassen, Zahlungen werden nicht mit Kapitalertragssteuer belastet. Die Einführung war allerdings recht holprig. 

In Singapur patrouillieren schon die Polizei-Roboter. Die ersten zwei Robocops des Pilotprojekts sollen „schlechtes Sozialverhalten“ wie Rauchen, Falschparken oder Verstöße gegen Corona-Auflagen anmahnen.

Die Welt durch die Facebook-Brille. Sie wird von Ray-Ban hergestellt, ist von einer normalen Sonnenbrille kaum zu unterscheiden, nennt sich Ray-Ban Stories, hört auf „Hey, Facebook“  und kann auf Facebook posten.

 

Zu guter Letzt …

Googles Klingel weiß, wer bei Ihnen vor der Tür steht. Die Google Nest Doorbell ist mit maschinellem Lernen ausgestattet, kann Tiere von Menschen unterscheiden und Freunde erkennen, wenn sie deren Gesicht vorher scannen durfte. Außerdem kann sie Falschparker vertreiben. 

Digitale Agenda kw07 / 2021

 

Australien vs. Facebook

Facebook dreht Australien den Hahn ab. Die Facebook-Seiten australischer Medien sind leer und es können keine News mehr geteilt werden. Das australische Parlament hatte kurz zuvor ein Gesetz verabschiedet, das Tech-Konzerne dazu verpflichtet, für Nachrichten zu zahlen. 

Australische Politiker betrachten das als Kriegserklärung, Länder wie Kanada gehen selbst in die Offensive und die Diskussion um kartellrechtliche Konsequenzen flammt wieder auf.

Tech-Konzerne erschaffen derweil ihre eigene Welt. In Nevada werden sie demnächst autonome Städte mit eigenen Gesetzen gründen dürfen, Venture-Capitalisten bauen ihre eigenen Medienkanäle. 

 

Digitale Welt

Wieder rote Ampeln für Zoom, Teams und WebEx. Die Berliner Datenschutzbehörde hat erneut viele Videokonferenz-Anbieter geprüft und für die Großen reichte es nicht mal für eine gelbe Ampel (hier der Bericht als PDF).

Microsoft macht sich in der Autobranche breit. Zusammen mit VW will Microsoft Assistenzsysteme bauen, eine Kooperation mit Bosch sieht den Aufbau einer Software-Plattform vor.

5G und 6G  verursachen eine Antenneninvasion. Höhere Frequenzen bedeuten niedrigere Reichweiten, was wiederum mehr Funkmasten nach sich zieht. 

CDU will schärfere Upload-Filter. Axel Voss gehen die im aktuellen Gesetzentwurf formulierten Regelungen nicht weit genug. 

Bürgerrechtler wollen Gesichtserkennung stoppen. Eine Initiative des Chaos Computer Club und anderer Verbände will ein europäisches Verbot biometrischer Massenüberwachung erreichen. Gründe dafür gäbe es genug. 

Der Smartphone-Perso soll kommen. Bundesbürger sollen sich künftig gegenüber Behörden auch mit ihrem Smartphone ausweisen können.

Jens Spahn muss seine Allianz mit Google canceln. Ein Münchner Gericht untersagte dem Gesundheitsminister, Google Infos über bestimmte Krankheiten in Infoboxen anzeigen zu lassen.

 

Zu guter Letzt …

Die Milliardäre haben Bitcoin entdeckt. Nachdem Tesla 1,5 Milliarden Dollar in den Kauf von Bitcoins investiert hat, eilt der Kurs von Hoch zu Hoch. Der Einstieg von Großinvestoren führt nun zu einer Verknappung der Bitcoin-Reserven.

Digitale Agenda kw39 / 2020

 

Digitale Kanonenboot-Politik

Sieht so eine feindliche Übernahme im 21. Jahrhundert aus? 

Diese Woche der Showdown: 

 

Digitales Leben

Corona-Warn-App goes Europe. Ab Oktober soll ein neues europaweites Warnsystem in Betrieb gehen, an dem sich bislang elf europäische Länder beteiligen. Zugleich finden Ärzteverbände die App wenig hilfreich und der Ethikrat rät von Immunitätsausweise ab. 

Samsung startet eigenen Bezahldienst. Die Pay-App für Smartphones des koreanischen Konzerns kommt Ende Oktober nach Deutschland, unterscheidet sich von der Konkurrenz und verhindert die Überweisung hoher Summen.

Tesla-Chef verspricht Batterierevolution. Durch technische Veränderungen und Massenproduktion sollen die Batteriekosten um 56 Prozent gekürzt und damit Elektroautos kostengünstiger als Verbrenner werden. Tesla bekam unterdessen den Big Brother Award verliehen. 

Spioniert Instagram über die Smartphone-Kamera? Eine US-Nutzerin hat Facebook verklagt und will genau wissen, ob Instagram die Kamera bewusst einschaltet, „um lukrative und wertvolle Daten über die Nutzer zu erhalten“.

Kampagne für europaweites Verbot von Gesichtserkennung. Angeführt von zahlreichen Verbänden läuft seit Dienstag eine paneuropäische Petition, die die biometrische Gesichtserkennung stoppen will. 

 

Zu guter Letzt …

20.000 Fritzboxen müssen verschrottet werden. Der Versuch des Onlinehändlers Woog Media, ausgemusterte Router von Unity Media zu kaufen und sie mit einem Update des Betriebssystems weiterzuverkaufen, scheiterte vor Gericht. 

Digitale Agenda kw37 / 2020

 

Digital Services Act

Ist das Internet, das wir kennen, am Ende? Zum Abschluss der Beratungsphase für das EU-Gesetz für Digitale Dienste, das die Macht großer Internet-Plattformen regulieren soll, melden sich mehrere Parteien besorgt zu Wort:

Ein Vorbote des Digital Services Act, das deutsche NetzDG (Netzdurchsetzungsgesetz) scheint zumindest zur Zufriedenheit der Justizministerin zu funktionieren. 

 

Digitales Leben

Huawei bringt eigenes Handy-Betriebssystem. Harmony 2.0 soll Googles Android ersetzen, das dem Wirtschaftskrieg der USA gegen China zum Opfer gefallen ist, und ab 2021 auf Smartphones und Tablets installiert werden. 

Kartellamt will sich besser gegen Techkonzerne aufstellen. Um gegen Amazon, Google & Co. eine Chance zu haben, soll die Fusionskontrolle überarbeitet und die Verfahren beschleunigt werden. 

Gesetz gegen Abmahn-Missbrauch. Der Bundestag hat ein Gesetz beschlossen, nach dem Wettbewerber künftig keine Kosten mehr für Abmahnungen wegen Verstößen gegen Impressum- und die DSGVO-Verstößen durch kleinere Firmen erstattet bekommen.

Amazon verliert Milliarden-Auftrag gegen Microsoft. Das US-Verteidigungsministerium hat den Auftrag für sein Project Jedi, eine KI-gestützte Cloud-Infrastruktur, bestätigt. Amazon beruft im Gegenzug einen ehemaligen NSA-Chef in den Vorstand. 

Internet-Riesen geben Digitalsteuer an Kunden weiter. Die internationalen Verhandlungen über eine einheitliche Digitalsteuer laufen zwar noch, aber schon jetzt reagieren Apple, Google und Amazon mit erhöhten Preisen.

 

Zu guter Letzt …

Kriminelle Absichten am Gesicht erkennen will die Polizei im englischen Gainsborough und hat an verschiedenen Stellen der Stadt ein System zur Gesichtserkennung aufgestellt, das auch die Gesichtsausdrücke der Passanten auswertet. Die Verantwortlichen befürchten keine „Verletzung irgendwelcher Menschenrechte“.