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Digitale Agenda kw33 / 2020

 

Geschäftsmodell Gesichtserkennung

Sammelklage gegen Instagram in den USA. Das zu Facebook gehörende soziale Netzwerk soll rechtswidrig die biometrischen Daten seiner über 100 Millionen US-Nutzer:innen gesammelt, ausgewertet und damit Geld verdient haben.

Millionen Fahrgäste unbemerkt in Madrid überwacht. Ein Hersteller von Software zur Gesichtserkennung hat vor vier Jahren den Betreiber des Madrider Busbahnhofs zu „mehr Sicherheit“ überredet. Seitdem wird ausgewertet. 

Die Gesichtserkennung in Südwales ist illegal, urteilte ein britisches Gericht. Für den Einsatz des Systems von NEC gebe es seitens der Polizei keinerlei Regelungen und der Datenschutz sei nicht ebensowenig gewährleistet.

 

Digitales Leben

Deutsche Start-ups mit Kartellbeschwerde gegen Google. Der Konzern missbrauche seine Marktmacht, um „ohne Eigeninvestitionen Konkurrenzprodukte aufzubauen“ und vor allem Konkurrenten aus der Reisebranche auszubremsen.

Von wegen keine Upload-Filter. Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung widerspricht den Beteuerungen von Justizministerin Lambrecht, dass die Umsetzung des neuen Urheberrechts ohne Upload-Filter möglich ist. 

Fortnite fliegt von den App Stores und verklagt Apple. Google und Apple bestehen darauf, dass alle In-App-Käufe provisionspflichtig sind, und haben das Online-Spiel von ihren App Stores verbannt. Man sieht sich vor Gericht. 

Auch Twitter soll an TikTok interessiert sein. Angeblich sieht Twitter TikTok als gute Ergänzung seines Geschäfts. Eine TikTok-Übernahme seitens Microsoft betrachtet Gründer Bill Gates derweil als „vergifteten Kelch„.

Microsoft bringt Smartphone mit Doppel-Display. Das Surface Duo hat kein faltbares, sondern einfach nur zwei Displays, die nebeneinander ein Mini-Tablet ergeben. Damit lasse sich besser arbeiten.

Facebook ist jetzt „systemrelevant“. Das Netzwerk sei „too big to fail„, sagen britische Wissenschaftler und befürchten bei einem Ausfall „katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen“.

 

Zu guter Letzt …

Die NSA gibt Tipps für Smartphone-Nutzer. Jedes Smartphone ist ein potenzieller Peilsender, der Standortdaten abgibt, sagt die US-Spionageagentur. Die Ratschläge richten sich an Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, sind aber öffentlich (PDF).

Digitale Agenda kw27 / 2020

 

Facebook und der digitale Wahlkampf

Facebook wird von Werbekunden boykottiert, weil es sich von Hasspredigern und Rassisten (darunter auch Donald Trump) missbrauchen lässt, lautet der Vorwurf. Mehrere Hundert Konzerne (auch deutsche) sind Teil der Kampagne. 

Die Folgen: Ein Einbruch des Aktienkurses, ein Gelöbnis auf Besserung, Durchhalteparolen nach innen und die Sperrung vieler Konten. 

Im Vorfeld der US-Wahlen wächst der Druck auf Social Media und es gibt immer mehr Löschungen und Deplatforming auch auf Twitter, YouTube, Reddit und anderen. 

Debatte: Ist das noch Schutz der Demokratie oder Zensur im Auftrag von Konzernen?

Auch international wird versucht, Social Media unter Kontrolle zu bekommen, z.B. in der Türkei, Brasilien oder Indien. 

 

Digitales Leben

Grüne wollen Grundrecht auf schnelles Internet. Die Corona-Krise hat die Unmöglichkeit von Homeoffice in vielen Regionen aufgezeigt, jetzt soll Breitband staatsrechtlich garantiert werden. 

Informatikerverband warnt vor Folgen der Corona-App. Das FIfF lobt den Entwicklungsprozess der App, weist aber auf die Folgen für den Datenschutz hin, die noch diskutiert werden sollten. 

Google will Fitbit übernehmen. Der Anbieter von Fitness-Armbändern ist eine Schatztruhe voller Gesundheitsdaten, und die werden immer wertvoller. Mehrere Verbände wollen den Deal verhindern.

Microsoft und Google starten Qualifizierungsprogramme. Die Tech-Konzerne wollen die aktuellen Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt für sich nutzen und neue Fachkräfte für sich gewinnen. 

Falsche Server-Konfiguration gefährdet Webseiten. Eine seit Jahren bekannte Lücke macht auch sensible Kundendaten von außen zugänglich. Zehntausende Unternehmen sind betroffen. 

 

Zu guter Letzt …

Corona-App geht auf vielen Ministeriums-Handys nicht. In mehreren Bundesministerien sind offenbar Diensthandys im Einsatz, auf denen die Corona-Warn-App nicht installiert werden kann, oder weil viele Funktionen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet sind. Da hilft auch kein Update.

Digitale Agenda kw46 / 2019

 

Tech-Konzerne übernehmen

Technologiekonzerne drängen die Banken zurück. Ihren technologischen Vorsprung und die Tatsache, dass sie den direkten Zugang zum Verbraucher haben, nutzen sie, um jetzt auch im Finanzwesen die erste Geige zu spielen. Diese Woche wurde Facebook Pay offiziell vorgestellt. 

Google hat schon 50 Millionen Patientenakten – und das ist erst der Anfang. Google will mit seinem Project Nightingale die Gesundheitsbranche aufmischen, indem es auf Basis der Daten und künstlicher Intelligenz die richtige Therapie vorschlägt.

Apples Kreditkarte unter Beschuss. In den USA gibt es Beschwerden darüber, dass Apple-Partner Goldman Sachs den Kreditrahmen für Frauen viel niedriger setzt als für Männer. Die Bundesregierung verlangt derweil eine Öffnung von Apple Pay.

 

Digitales Leben

Künstliche Intelligenz bekommt einen TÜV. Das Arbeitsministerium will noch dieses Jahr ein KI-Observatorium einrichten, das KI-Produkte, die in Unternehmen zum Einsatz kommen, unter die Lupe nimmt.

Mobilfunkbetreiber wollen gemeinsam Funkmasten bauen. „Funklöcher schließen“, heißt es offiziell, doch fest steht auch: Der 5G-Ausbau braucht viel mehr Masten als heute vorhanden. Die Rede ist von 6.000 neuen Masten.

Tesla will eine neue Fabrik in Brandenburg bauen. Der europäische Markt, deutsche Ingenieurskunst, Hilfe vom deutschen Staat und die Nähe zum neuen Berliner Flughafen waren für Elon Musk die entscheidenden Argumente.

GitHub-Entwickler rebellieren gegen Microsoft wegen seiner Entscheidung, mit der umstrittenen Einwanderungsbehörde ICE zu kooperieren. Der kürzlich gewonnene Milliardenauftrag vom Pentagon wird inzwischen von Amazon gerichtlich beanstandet. 

Fotografieren unter den Rock ist jetzt strafbar. Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der heimliches Fotografieren unter den Rock härter bestraft. Bisher waren Betroffene rechtlich wehrlos.

 

Zu guter Letzt …

Das legendäre Motorola Razr kehrt zurück – als Falt-Handy mit großem Display. Für Nostalgiker hat Motorola im neuen Razr einen Retro-Modus versteckt, mit dem die alte Tastatur sichtbar wird. 

Digitale Agenda kw39 / 2019

 

Politik vs. Justiz

Die Vorratsdatenspeicherung bleibt in Deutschland ausgesetzt, urteilte das Bundesverwaltungsgericht am Mittwoch. Da einzelne Staaten trotz eines EuGH-Urteils immer noch speichern, muss der EuGH jetzt auch über die nationalen Gesetze verhandeln. Derweil überlegt die Politik, wie sie solche Urteile umgehen kann. 

Hamburg will automatisierte Datenanalyse durchsetzen. Ein neues Gesetz soll den Einsatz von Software ermöglichen, die ohne konkreten Anlass Beziehungen zwischen Personen, Organisationen oder Ins­titutionen herausfindet. Jurist*innen sehen Potential für Konflikte mit dem Grundgesetz.

Weiterhin Gesichtserkennung trotz Löschungsanordnung betreibt derweil die Hamburger Polizei und pfeift damit auf den dortigen Datenschutzbeauftragten. Der Einsatz einer einschlägigen Software wurde nach dem G20-Gipfel erlaubt, wird nun aber einfach weiterhin genutzt.

 

Digitales Leben

Google muss nur innerhalb der EU vergessen. Wenn Betroffene Suchmaschinen-Links wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte löschen lassen, müssen Google & Co. die Links nur für ihre EU-Domains löschen, nicht aber für ihre .com-Domains, urteilte der EuGH.

Beim Bundes-IT-Projekt fliegen die Fetzen. Jetzt will ein bundeseigener IT-Dienstleister das Innenministerium verklagen, weil letzteres sich weigert, Rechnungen in Höhe von fast 40 Millionen Euro zu begleichen. 

Googles Quantensprung im Quantencomputing sollte eigentlich noch eine Weile geheim bleiben. Ein neuer Prozessor war erstmals schneller als ein klassischer Supercomputer – und zwar um einige Größenordnungen.

Die Bank soll in der Schweiz den Staat ersetzen. Ein neues Gesetz soll Banken und privaten Unternehmen erlauben, elektronische Pässe auszustellen. Bürgerrechtler laufen dagegen Sturm, ebenso wie gegen neue 5G-Sendemasten.  

Facebook will auch die Gedanken seiner Nutzer lesen und übernahm deswegen eine Firma mit dem ominösen Namen CTRL-Labs. Letztere hat mitunter ein Armband entwickelt, das angeblich Hirnströme auslesen kann. 

 

Zu guter Letzt …

Alexa spricht jetzt wie Samuel L. Jackson. Der aus dem Film ‚Pulp Fiction‘ bekannte Schauspieler ist der erste Prominente, der Amazons elektronischem Assistenten seine Stimme verleiht, zunächst nur in den USA und UK.  Damit er möglichst authentisch klingt, übernahm Alexa teilweise auch Jacksons Sprechweise und Vokabular, inklusive seiner Vorliebe für Flüche.