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Digitale Agenda kw47 / 2017

 

Aus für die Netzneutralität?

Die Netzneutralität soll abgeschafft werden. Der neue Chef der US-Regulierungsbehörde FCC hat seine Pläne vorgelegt, seine Behörde soll die Maßnahmen Mitte Dezember offiziell beschließen (Süddeutsche, Leserdebatte hier).

Telko- und Kabelkonzerne sollen nun bestimmen, wie schnell einzelne Inhalte-Anbieter wie YouTube oder Netflix gestreamt werden und zu welchem Preis für den Verbraucher. Die Maßnahmen betreffen zwar nur die USA, doch Europa ist längst auf ähnlichem Kurs (t3n.de, Zeit).

Die Folgen: Provider könnten nicht nur einzelne Anbieter drosseln, sondern auch Technologien und Protokolle wie BitTorrent komplett sperren (The Verge).

Als Konsequenz werden wohl Google, Facebook & Co. ihr derzeit begrenztes Engagement als Provider verstärken und eigene Netzwerke aufbauen – mit unabsehbaren Folgen für Meinungsfreiheit und Demokratie (Tagesspiegel, Spiegel).

 

Digitale Welt

Feindbild Russland: Google, Facebook und Twitter gehen systematisch gegen russische Medien sowie Nutzer und Kunden von sozialen Medien vor (Spiegel). Facebook will eine Software für Propaganda-Check anbieten (Zeit), Google News gibt russischen Medien weniger Reichweite (Netzpolitik.org).

Android-Smartphones übermitteln heimlich den Standort ihrer Nutzer an Google, auch bei deaktiviertem GPS und ohne SIM-Karte. Die Informationen werden über den Dienst für Push-Benachrichtigungen weitergeleitet (Zeit).

Sicherheitslücken in 31 Banking-Apps haben Security-Forscher entdeckt. Betroffen sind unter anderem die Apps von Commerzbank, die Stadtsparkassen und Comdirect (Süddeutsche).

Die digitalisierte Migrationskontrolle führt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) derzeit ein. Die Technik soll helfen, Flüchtlinge ohne Ausweispapiere zu identifizieren (Netzpolitik.org).

Wie das US-Militär soziale Netzwerke überwacht, hat ein Forscher der Security-Firma UpGuard herausgefunden, als er zufällig drei riesige Datencontainer auf Amazons Cloud-Speicher S3 entdeckte (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Facebook kennt jeden, den Sie jemals getroffen haben – sogar Menschen, mir denen Sie längst nichts mehr zu tun hatten. Sollten Sie sich manchmal wundern über die gespenstisch treffsicheren Vorschläge für Menschen, denen Sie auf Facebook eine Kontaktanfrage schicken sollten, liegt das an den erschreckenden Fähigkeiten der Datensammlung von Facebook, die alle möglichen und unmöglichen Quellen abgreift (Gizmodo, englisch).

Digitale Agenda kw38 / 2017

 

Digitale Bildung

Digitale Bildung findet an deutschen Schulen nicht statt, sagt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Es fehlt an Konzepten, Ausstattung und Fortbildung der Lehrer. Auch die Wahlprogramme der Parteien bleiben bei diesem Thema meistens vage (Netzpolitik.org).

‚Föderale Prinzipienreiterei auf dem Rücken der Schüler‘ ist laut Bitkom Ursache der Misere. Der IT-Verband unterstützt die Bundesratsinitiative zur Abschaffung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern in der Bildung, das Zuschüsse des Bundes verhindert (Zeit). Über die Initiative wird heute abgestimmt.

Braucht Deutschland ein Digitalministerium, um die Digitalisierung endlich voranzubringen? Ja, aber nicht nur eines, schreibt Christian Djeffal in der Süddeutschen. Der Wissenschaftler regt an, sich ein Beispiel an Japan zu nehmen. Dort hat jedes Ministerium ein Ressort für Digitalisierung.

 

Digitale Welt

Google will seine Hardware selbst bauen und kauft jetzt einen Teil von Handy-Hersteller HTC (FAZ). Damit will es – wie Apple – komplexere Anwendungen wie Künstliche Intelligenz oder Augmented Reality besser in Smartphones integrieren (Guardian).

Facebook will Wahlwerbung besser kennzeichnen. Facebook-Nutzer sollen erkennen können, wer für welche politische Werbung bezahlt hat und welche Werbung andere Nutzer sehen (Süddeutsche).

CCleaner war mit Spyware infiziert. Das beliebte Programm, das Datenmüll auf Windows-PCs entsorgt, war einen Monat lang Träger einer aufwändigen Überwachungssoftware und wurde während dieser Zeit über 2 Millionen Mal heruntergeladen (Zeit). Ziel der Hacker waren Technologiekonzerne (Spiegel).

Die neue Datenschutzrichtlinie wird verpennt, sagt der IT-Verband Bitkom. Die DSGVO tritt im Mai 2018 in Kraft, doch nur 13 Prozent der befragten Unternehmen haben bereits Maßnahmen eingeleitet, jedes dritte hat sich noch gar nicht damit beschäftigt.

Wer überwacht die Überwacher? Das fragt die „Sousveillance“-Bewegung angesichts der wachsenden Zahl an Überwachungskameras und Gesichtserkennung. Sie will den Spieß umdrehen und fordert eine öffentliche Kontrolle der Überwachungsbehörden (Süddeutsche).

 

Zu guter Letzt …

Wie man intelligente Lautsprecher hacken kann, zeigten jetzt die Macher der beliebten Comic-Serie „South Park“. Über die Dialoge der ersten Folge aktivierten sie die Geräte der Zuschauer, die ein Amazon Echo oder Google Home besitzen, und programmierten Weckrufe und Einkaufslisten ein (Zeit).

Wie man eine Rakete nicht landen sollte, zeigt ein Video von SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Tesla-Chef Elon Musk hat viele Versuche unternommen, Trägerraketen kontrolliert aufzufangen, um sie nochmals verwenden zu können. Inzwischen gelingt das immer öfter, doch das Video zeigt so ziemlich alle Versuche, die spektakulär misslangen.

Digitale Agenda kw26 / 2017

 

Googles Monopol 

Don’t be evil lautete Googles Erfolgsrezept, als es 1998 zu seinem Siegeszug ansetzte. Während Yahoo, Lycos & Co. die Platzierungen in ihren Ergebnislisten verkauften (evil), trennte Google Suchergebnisse und Anzeigen.

2,42 Milliarden Euro Strafe muss Google nun zahlen, weil es die eigenen Shopping-Ergebnisse gegenüber der Preisvergleiche der Konkurrenz in den Ergebnislisten bevorzugte (Süddeutsche). Und das ist nur der Anfang, zwei Verfahren sind noch offen.

Ein Urteil zum richtigen Zeitpunkt, kommentiert die Süddeutsche. Internet-Konzerne wie Facebook, Amazon oder Google dürfen nicht unwidersprochen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik ihre Regeln aufzwingen.

        

Digitale Welt

Petya ist die kleine Schwester von WannaCry und erwischte in Deutschland unter anderem die Metro AG und Nivea-Hersteller Beiersdorf (FAZ). Petya nutzte dieselbe Lücke wie WannaCry, ist aber weniger auf Erpressung denn auf Zerstörung aus (Zeit).

Die Vorratsdatenspeicherung wird ausgesetzt. Nachdem Spacenet erfolgreich dagegen geklagt hatte und auch Telekom, Vodafone und O2 nicht zum 1. Juli starten wollen, sieht die Netzagentur von Strafen ab, bis die Sache geklärt ist (Golem). Den Providern ist die Speicherung zu teuer.

Die Störerhaftung wird nochmal beerdigt, diesmal hoffentlich endgültig. Union und SPD haben sich darauf verständigt, Betreiber öffentlicher WLANs nicht mehr für illegales Nutzerverhalten haften zu lassen. (Zeit).

In Stuttgart soll ein ‚Cyber Valley‘ entstehen. Bosch, Daimler, Porsche & Co. wollen im Neckartal Künstliche Intelligenz und Robotik zusammenbringen – mit Facebook als Kooperationspartner (FAZ).

Aus für anonyme SIM-Karten. Ab 1. Juli müssen Käufer von Prepaid-Karten beim Kauf und bei der Aktivierung einen Ausweis vorlegen (Süddeutsche).

Wie funktioniert Überwachungskapitalismus? Das Wiener Institut Cracked Labs hat untersucht, wie kommerzielle Anbieter Informationen über Verbraucher sammeln und was genau sie aus unseren Klicks, Likes, Einkäufen und Suchanfragen über uns ablesen können (Zusammenfassung und komplette Studie).

   

Zu guter Letzt …

Die perfekte Maschine gibt es bereits. Oder haben Sie schon mal von einem Geldautomaten zu viel oder zu wenig Geld bekommen? Die „einzige nützliche Innovation der Finanzbranche“ wird dieses Jahr 50 und wir verdanken sie einem verärgerten Bankkunden. Die ganze Geschichte ihrer Entstehung auf heise.de.

Digitale Agenda kw10

 

Die CIA im Wohnzimmer

Das Frankfurter US-Konsulat ist eine Hacker-Werkstatt und die CIA steuert von dort aus Aktionen in Europa, im nahen Osten und Afrika, verraten neue Dokumente der Plattform Wikileaks (Zeit). Experten, darunter Edward Snowden, halten die Dokumente für echt.

Das Arsenal von Cyberwaffen ist beachtlich. Die CIA hortet Schwachstellen von allen populären Betriebssystemen und setzt sie gezielt ein (FAZ). Auch intelligente Fernseher und Autos gehören zu den CIA-Zielen – letztere mit dem Potenzial, Attentate zu verüben.

Die gute Nachricht: Firmen wie Google, Apple oder Microsoft werden in den Dokumenten als Ziele geführt, nicht als Kooperationspartner (FAZ).

Von den Enthüllungen profitieren zunächst die Gegner der USA, aber auch Cyber-Kriminelle. Sie erfahren von unbekannten Lücken, lernen neue Methoden kennen und können jetzt auf CIA-Niveau hacken – das ist die eigentliche Katastrophe (FAZ).

Welche Rolle spielt dabei Wikileaks? Zumindest keine besonders kluge, meint Sascha Lobo im Spiegel. Timing und Inhalt der letzten Veröffentlichungen legen den Verdacht nahe, dass sich die Plattform von Trump-Freunden instrumentalisieren lasse.

    

Digitale Welt

Google will KI und Cloud Computing verbinden. Auf seiner Cloud Next-Konferenz hat Google eine Allianz mit SAP angekündigt, neue Cloud-Großkunden wie Ebay und Verizon präsentiert und den Kauf der KI-Plattform Kaggle bestätigt. Googles Vision: Der Speicherort von Daten ist beliebig, die Google-Cloud weiß aber immer damit richtig umzugehen (Quartz).

Microsoft portiert Windows für ARM-Server. Die Version wird vorerst nur auf eigenen Servern auf der Azure-Cloud laufen, doch ARM-basierte Server sind generell stark im kommen (silicon.de).

Quantencomputer für alle. IBM hat letztes Jahr zunächst Wissenschaftlern den Zugriff auf sein neues Flaggschiff gewährt. Jetzt hat der Konzern eine Schnittstelle für interessierte Laien eröffnet (FAZ).

94-jähriger Erfinder des Li-Akkus entwickelt weiter. Mit seiner neuen Technologie könnten sich die Ladezeiten auch großer Akkus von Stunden auf Minuten reduzieren (Süddeutsche).

Uber trickste die Behörden per App aus. „Greyball“ nennt sich das Verfahren, nach dem staatliche Kontrolleure systematisch daran gehindert wurden, in Uber-Taxis zu steigen. Jetzt wird die Software selbst aus dem Verkehr gezogen (Zeit).

Facebook löscht übereifrig historische Fotos, weil sie nackte Menschen darstellen, andererseits halten sich Hasskommentare und neuerdings Werbung für Missbrauchsbilder von Kindern hartnäckig lange. Facebook scheitert immer wieder an der eigenen Ignoranz (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

Wie man mit heißer Luft Geld macht, hat mal wieder ein Startup vorgeführt. Cambridge Analytica hatte im November behauptet, durch seine Profiling-Technologie Trump zum Wahlsieg verholfen zu haben, und war damit in die Schlagzeilen gekommen. Vier Monate nach der Wahl steht fest, dass das Unternehmen weder eine nachweislich funktionierende Technologie noch Kunden hat. Dafür aber einen Gründer, der sich (ähnlich wie Donald Trump) gut in Szene zu setzen weiß (Zeit).