Schlagwort-Archive: Huawei

Digitale Agenda kw23 / 2019

 

Freies Schnüffeln

Privatsphäre – das war einmal.  Die Innenminister der Länder wollen nächste Woche den Zugriff auf Daten von digitalen Assistenten wie Alexa oder Siri sowie auf Smart-Home-Geräte wie Fernseher, Kühlschränke, etc. beschließen. Das Justizministerium sträubt sich noch dagegen. 

Auch ausländische Ermittlungsbehörden hätten Zugriff auf diese Daten, wenn die E-Evidence-Verordnung der EU in der vorliegenden Form durchgeht. EU-Staaten und US-Behörden könnten dann auf Daten deutscher Einwohner zugreifen – an deutschen Gerichten vorbei. 

Mobilfunk-Überwachung bei 5G soll technisch möglich gemacht werden. Der Justizminister der Länder wollen sich für eine Daten-Beschaffungspflicht für die Provider aussprechen.

Die Vorratsdatenspeicherung ist ebenfalls nicht totzukriegen. Der Europäische Gerichtshof urteilte 2016, dass anlasslose Datenspeicherung nicht mit europäischem Recht vereinbar ist, (auch wenn die Realität anders ausssieht). Die EU-Justizminister wollen jetzt die Vorratsdatenspeicherung legalisieren. 

 

Digitales Leben

Razzien gegen Netz-Hetzer haben BKA und Polizei im Rahmen eines Aktionstages bundesweit durchgeführt. Bei den 38 Wohnungsdurchsuchungen handelte es sich in drei von vier Fällen um Rechtsextremisten. 

Sie lesen Zeitung? Facebook liest mit. Der Konzern es geschafft, auf 75 Prozent aller deutschen Medienseiten präsent zu sein und kann meist artikelgenau und personenbezogen den deutschen Medienkonsum auswerten.

Internationale Konzerne richtig besteuern will die OECD und mehr als 100 Länder von einem gemeinsamen Abkommen überzeugen. Den Finanzämtern gehen jedes Jahr mehr als 240 Milliarden Dollar durch Steuertricks durch die Lappen. 

Russland setzt auf Huawei und lässt den chinesischen Konzern das 5G-Netz seines Mobilfunkbetreibers MTS aufbauen. Unterdessen boykottieren jetzt auch europäische Spitzenpolitiker den Dialog mit Russland.  

Facebook und Google sind nicht etwa Monopolisten? Um das festzustellen, will der US-Kongress die Macht „einer kleinen Zahl von marktbeherrschenden, unregulierten Plattformen über Onlinehandel, -kommunikation und -informationen“ unter die Lupe nehmen.

 

Zu guter Letzt …

Tschüss, iTunes! Apples Programm für die Verwaltung von Musik und Filmen ist in die Jahre gekommen und hat besonders in der zweiten Hälfte seines 18jährigen Bestehens seine Nutzer mehr als nur manchmal mit seiner Komplexität und Schwerfälligkeit geärgert. Nun wird es auch auf dem Mac durch drei verschiedene Apps ersetzt, wie zuvor schon in iOS. Alle Neuigkeiten der Apple-Entwicklerkonferenz hier.

Digitale Agenda kw21 / 2019

 

Online-Wahlkampf

Wo bleiben sie denn, die Fake News? Im Vorfeld der Europawahl gibt es auf den sozialen Netzwerken kaum Falschmeldungen. Lediglich die Rechtsradikalen scheinen weiterhin Hass gegen Migranten auf Facebook & Co. zu verbreiten.

War die Panik um Fake News unberechtigt? Auch nach Cambridge Analytica ist Einflussnahme in Wahlen ein Riesengeschäft. Doch die Maßnahmen der sozialen Netzwerke, Transparenz über Geldgeber der Kampagnen sowie Aufklärung geholfen haben.

Auch die Parteien lernen dazu, wenn auch nicht immer das richtige. 

Wie Online-Wahlkampf wirklich geht, zeigte der YouTuber Rezo mit seiner Zerstörung der CDU. Wobei sich in diesem Fall die CDU durch ihre herablassende Reaktion sich eher selbst zerstört hat. 

 

Digitales Leben

Der Wirtschaftskrieg gegen Huawei eskaliert weiter. 

EU will keine starke 5G-Verschlüsselung. Der Anti-Terror-Koordinator der EU forderte die Mitgliedstaaten auf, in die laufende 5G-Standardisierung einzugreifen und den Einsatz von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu verhindern. 

Bilanz nach einem Jahr DSGVO: EU-weit gab es 150.000 Beschwerden, die Bußgelder halten sich in Grenzen. Die große Abmahnwelle blieb aus – und wird es wohl auch in Zukunft, dank eines neuen Gesetzes. Dafür blüht das Geschäft der DSGVO-Berater richtig auf. 

Die Zerschlagung von Facebook wird von US-Politikern lautstark gefordert, doch sie würde nicht viel ändern, befürchten Experten. Facebook versucht mit der Bitte um Regulierung seinen Monopolstatus zu retten sowie mit dem Argument, dass es wegen China groß bleiben muss. 

 

Zu guter Letzt …

Alexa und Siri sind des Machos Liebling. Die UNESCO hat untersucht, ob digitale Assistenten wie Siri, Cortana oder Alexa dazu beitragen, Geschlechterklischees zu fördern. Das Ergebnis: Ja, sehr. Die weiblichen Stimmen und Sprachmuster könnten suggerieren, dass Frauen gefügige oder gefallsüchtige Helfer seien, „verfügbar auf Knopfdruck oder mit einem stumpfen Sprachbefehl wie ‚Hey‘ oder ‚OK'“, heißt es in dem Bericht.

Digitale Agenda kw20 / 2019

 

Geschäftsmodell Überwachung

Die Kriminalitätsraten in Deutschland sinken, dennoch werden die Polizeigesetze immer schärfer und sind auf Überwachung ausgerichtet. Zugleich mischt die Industrie bei deren Formulierung immer häufiger mit. 

Überwachung ist ein Geschäft. Das zeigte sich auch diese Woche mit der Sicherheitslücke in WhatsApp, die ein Produkt der israelischen Firma NSO nutzte, um darüber Spionage zu betreiben. 

Der Bundesdatenschutzbeauftragte fordert eine Denkpause bei den Sicherheitsgesetzen, Bürgerrechtler klagen gegen die Fluggastdatenspeicherung und San Francisco verbietet die Gesichtserkennung in der Stadt. 

Das Problem: Die Überwachung steckt bereits zu tief im Kern der Geschäftsmodelle von Internet-Giganten wie Google und Facebook und der Rest der Industrie zieht einfach mit. 

 

Digitales Leben

Neue Sicherheitslücken in Intel-Prozessoren. ZombieLoad lässt Daten anderer Prozesse auslesen, selbst wenn diese in einer anderen virtuellen Maschinen laufen. Eine Übersicht der Artikel, Advisories und Patches nach Betriebssystem gibt es hier. 

Kein Google-Zugriff auf Schülerdaten. Länder und Schulträger wollen die Hoheit über die digitalen Identitäten ihrer Schüler behalten und haben für den Digitalpakt Schule die Einrichtung eines ID-Vermittlungsdienstes vorgeschlagen, der sicherstellen soll, dass keine Privatfirmen an diese Daten kommen.

USA eskalieren Handelskrieg gegen Huawei. Per Dekret erklärte Donald Trump den nationalen Notstand „zum Schutz der heimischen Telekommunikation“ und setzte Huawei und weitere 70 Firmen und ihre Produkte auf eine schwarze Liste. Die EU will diesmal nicht mitmachen. 

Wie soll man sich gegen Terror-Videos schützen? Nach dem Anschlag von Christchurch haben Regierungen und Internet-Firmen eine Erklärung unterzeichnet, der konkrete Maßnahmen folgen sollen. Ein richtiger Schritt, auch wenn er allein nicht viel bewirken kann.

Die CO2-Bilanz der Digitalisierung bietet nicht unbedingt Anlass zur Freude. Ersten Berechnungen zufolge ist allein das Treibhauspotenzial des digitalen Musikkonsums (Spotify & Co.) um 30 bis 100 Prozent höher als im Jahr 2000. Das Ausspielen von Youtube-Videos verbraucht jährlich etwa so viel Strom wie Glasgow.

 

Zu guter Letzt … 

Einen digitalen Rosenkrieg können sich Eheleute während der Scheidungsphase liefern, wenn sie bis dahin ein Smart Home bewohnt haben. Ums Digitale kümmern sich meistens die Männer – und das kann zum Problem werden. Ob Überwachung, aufgeblasene Heizkostenrechnungen oder Musik- und Lichtterror: Das alles kommt immer häufiger vor. 

Digitale Agenda kw18 / 2019

 

Spaltpilz Huawei

Die USA machen Druck: Nachdem Großbritannien beschlossen hatte, Huawei für den Aufbau seines 5G-Netzes zuzulassen, drohen die USA ihrem engsten Verbündeten mit einer Kündigung der Zusammenarbeit ihrer Geheimdienste, so wie das auch mit Deutschland der Fall war. 

Auch der britische Verteidigungsminister musste gehen. Gavin Williamson wurde von Theresa May entlassen, weil er Dienstgeheimnisse an Huawei weitergegeben haben soll. 

Was ist an den Befürchtungen dran, dass über die Huawei-Infrastruktur spioniert werden könnte? Vodafone berichtet von Hintertüren, die 2011/12 in Huawei-Geräten entdeckt wurden. Und wie eng der Hersteller mit der chinesischen Regierung verbandelt ist, ist immer noch unklar.

 

Digitales Leben

Kein Witz: Facebook setzt auf Privatsphäre. „Die Zukunft ist privat“ hieß es der Entwicklerkonferenz dieses Jahr und Facebook stellte eine Reihe neue Maßnahmen vor, die Nutzern mehr Privatsphäre geben sollen. Nebenbei steigern sie auch die Aussagekraft der erhobenen Daten. 

Welche Daten Google und Apple über ihre Nutzer sammeln, haben zwei WiWo-Redakteure im Selbstversuch ermittelt. Google will demnächst eine Funktion in Betrieb nehmen, nach der persönliche Daten automatisch nach einer bestimmten Zeit gelöscht werden. 

Apple wirft Kinderüberwachungs-Apps aus dem App Store. Die Apps schossen offensichtlich weit übers Ziel hinaus und sammelten sensible Informationen wie Standort, die Nutzung der Apps, E-Mail-Konten und den Browser-Verlauf. Auch die Verwendung der Kamera konnten sie kontrollieren.

Wikileaks-Gründer verurteilt. Julian Assange muss wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen für 50 Wochen ins Gefängnis, was als Abschiebehaft vor seiner Auslieferung an die USA gedeutet wird. Derweil hat sich Edward Snowden mit Assange solidarisiert. 

Wem gehört diese Datenbank? Sicherheitsforscher entdeckten in der Microsoft Cloud eine offen zugängliche Datenbank mit sensiblen Daten von 80 Millionen US-Haushalten (65 Prozent des gesamten Landes). Eine Goldgrube für Identitätsdiebe. 

 

Zu guter Letzt …

Drohnen über dem eigenen Garten abschießen ist legal. Das Amtsgericht Riesa sprach einen Mann frei, der mit einem Luftgewehr die Kamera-Drohne seines Nachbarn abgeschossen hatte, als sie über seinem Garten schwebte. Der Mann sah die Privatsphäre seiner beiden Töchter verletzt, die sich zu dieser Zeit im Garten aufhielten.