Schlagwort-Archive: Kobalt

Digitale Agenda kw27 / 2018

 

Urheberrechtsreform

Die umstrittenen Upload-Filter sind vorerst gescheitert. Das EU-Parlament hat einen Entwurf für die Reform des Urheberrechts abgelehnt. Das Gesetz hätte Plattformen wie YouTube oder Facebook dazu gezwungen, alle Inhalte beim Hochladen automatisch zu filtern und alles zu blockieren, was urheberrechtlich geschützt sein könnte (Süddeutsche). 

Wie schlecht solche Filter funktionieren, kann man bei der automatischen Löschung von Hasskommentaren und diskriminierenden Inhalten beobachten: Facebook löschte neulich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, weil darin von „wilden Indianern“ die Rede ist (heise.de). 

Wie geht es weiter? Die Lobby aus Verlegern, Film- und Musikindustrie hat noch lange nicht aufgegeben. Und sie bekommt Verstärkung aus der Ecke der zensurwütigen Innenpolitiker. Im September wird neu abgestimmt.

 

Digitales Leben

Der Datenaustausch mit den USA steht wieder auf der Kippe. Das EU-Parlament hat erhebliche Mängel am jetzigen Verfahren festgestellt und verlangt von den Amerikanern Nachbesserungen. Andernfalls würde das Privacy Shield-Abkommen am 1. September ausgesetzt (Netzpolitik). 

Der Breitband-Ausbau soll umgekrempelt werden. Nach massiver Kritik am derzeitigen Förderverfahren will das Verkehrsministerium Bürokratie abbauen und die Zuschüsse für Kommunen verdoppeln (Süddeutsche).

Wer bei Gmail alles mitlesen darf, ist eben nicht jeder x-beliebige Entwickler, wie es teilweise diese Woche in den Medien hieß. Google scannt Mails seit 2017 nicht mehr, Drittfirmen brauchen die Erlaubnis des Nutzers. Im Spiegel steht, wie man das nachprüfen kann. 

Das Kobalt für Akkus wird knapp. Der Preis hat sich vervierfacht, das Aufkommen ist begrenzt und der Abbau passiert unter brutalen Bedingungen. Und noch haben die Autohersteller nicht mit der Massenproduktion von Elektroautos begonnen (Süddeutsche).

Eine Hausdurchsuchung aus heiterem Himmel mussten die Vorstände des Vereins ‚Zwiebelfreunde‚, der sich mit IT-Sicherheit und Privatsphäre beschäftigt, über sich ergehen lassen. Ihr Vergehen: Sie unterstützen einen E-Mail-Dienst, der ins Visier von Ermittlern geriet (Netzpolitik). 

 

Zu guter Letzt …

Einen Airbag fürs iPhone hat ein junger Absolvent der Hochschule Aachen entwickelt, der so gar nicht nach einem Airbag aussieht, aber mindestens genauso gut funktioniert. Demnächst soll die Produktion von ADcase über Crowdfunding finanziert werden (t3n).

Digitale Agenda kw03

 

Smartphones aus Kinderarbeit

Apple, Samsung und Sony stehen wieder am Pranger, weil sie in ihren Akkus Kobalt aus Minen im Kongo verarbeiten, in denen massiv Kinderarbeit betrieben wird. Der Vorwurf stammt aus einem neuen Bericht von Amnesty International zu diesem Thema (Artikel auf Zeit.de).

Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts stammt aus dem Kongo. Der strittige Anteil, rund 20 Prozent der Gesamtproduktion, stammt aus kleineren Minen im Süden des vom Bürgerkrieg gezeichneten Landes. Laut Unicef sollen dort 40.000 Minderjährige unter prekären Bedingungen in den Minen arbeiten.

Das Kobalt gelangt in die Akku-Produktion meist über chinesische Firmen. Letztere wollen von Kinderarbeit nichts gewusst haben, trotz angeblicher Kontrollen. Auch die Hersteller weisen die Vorwürfe zurück und auf eigene Programme hin, um ihre Lieferanten zu prüfen (im Original auf TechCrunch). Wenn die Vorwürfe stimmen, haben die Proramme wohl nicht viel genützt.

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie grenzen sich CIO und CDO voneinander ab? Viele Unternehmen denken daran, einen Chief Digital Officer zu bestellen, doch sein Ressort sollte nicht mit dem des IT-Chefs in Konflikt stehen. Jan Appl und Oliver Oswald von der Porsche-Tochter MHP liefern in der Computerwocheeine Übersicht der beiden Aufgabengebiete.

Windows-Support für neue CPUs wird eingeschränkt. Für ältere Windows-Versionen (7, 8 oder 8.1), die auf Rechnern mit aktuellen Prozessoren laufen, will Microsoft künftig keinen Support mehr bieten. Für neuere Maschinen gibt’s Support nur mit Windows 10 (heise.de).

Wie der Vogel Verlag alle Web-Services in die Cloud ausgelagert hat, schildert ein Bericht auf CloudComputing-Insider.de (einer Vogel-Publikation). Implementationspartner und Cloud-Provider ist die Berliner ProfitBricks GmbH. 

Digitalisierung ist nur mit Hybriden Clouds zu bewältigen, ergab eine Studie von IDC. Während sich die Sicherheitsbedenken gegen sie langsam relativieren, mache IT-Managern die Komplexität solcher IT-Landschaften noch schwer zu schaffen (speicherguide.de).

Safe Harbor: Politiker sollen endlich handeln! Mit einem Brandbrief wandten sich IT-Verbände an die EU-Kommission und Präsident Obama und forderten eine schnelle Lösung. Ende Januar läuft die Schonfrist des Europäischen Gerichtshofs ab, danach dürften zwischen der EU und den USA keine Daten mehr ausgetauscht werden (Spiegel.de).

Dedizierte Storage-Systeme gibt es in zehn Jahren nicht mehr, glaubt André Braun, Sales Director Storage bei Dell. Klassische Systeme würden mehr und mehr durch konvergente Rechenzentrums-Lösungen ersetzt (Storage-Insider.de).

Eine Sicherheitslücke im Linux-Kernel bedroht Millionen Server und Android-Smartphones. Über die Lücke kann ein Angreifer Root-Rechte erlangen. Für Linux-Distributionen sind Patches bereits vorhanden oder in Arbeit, die meisten Android-Nutzer müssen noch eine Weile warten (Golem.de).

  

Zu guter Letzt …

EU-Bürger stehen Big Data skeptisch gegenüber, ihre persönlichen Daten geben sie dennoch an Google, Facebook & Co. bereitwillig weiter, ergab jetzt eine Studie von Vodafone (Zusammenfassung auf Politik-digital.de). Die Anwender sehe zwar den Nutzen durch bestimmte Dienste und Apps, das Potenzial für Missbrauch aber auch.