Schlagwort-Archive: Künstliche Intelligenz

Digitale Agenda kw39 / 2018

 

Digitale Infrastruktur

Die digitale Bilanz der Ära Merkel fällt ziemlich katastrophal aus, wenn es nach einer Abrechnung des Spiegel geht: Eine Glasfaser-Abdeckung wie in Angola, weiße Flecken im Mobilfunknetz und jede Menge gescheiterte Projekte wie die elektronische Gesundheitskarte oder der digitale Polizeifunk.  Der Start des 5G-Mobilfunktnetzes läuft unterdessen so holprig, dass Unionsabgeordnete Alarm schlagen und die Presse ein Machtwort der Kanzlerin fordert – sofern diese Macht noch vorhanden ist.  Die digitale Verwaltung hinkt hinter den Bürgerwünschen hinterher, stellte neulich der Branchenverband Bitkom fest. Einen allzu überraschten Eindruck machte er dabei nicht.   

Digitales Leben

Nur ein Viertel aller Unternehmen ist DSGVO-konform, fand der Bitkom heraus. Immerhin 40 Prozent haben die Richtline „größtenteils“ umgesetzt. Doch die DSGVO macht Schule: Amerikas Tech-Konzerne drängen den US-Kongress, ein neues Datenschutzgesetz zu entwerfen.  Facebook nutzt Telefonnummern für Werbung, auch wenn die Nummer nur aus Sicherheitsgründen für die Zwei-Faktor-Identifizierung angegeben wurde. Der Trick dabei: Facebook erwähnt bei der Erhebung nicht, dass die Nummer nicht ausschließlich dafür erhoben wird. Warum subventioniert Google die Medien? Der Konzern betreibt ein 150-Millionen-Förderprogramm für „Innovation im Journalismus“. Netzpolitik.org hat untersucht, was Googles Motive sind und wohin genau das Geld in Deutschland und in Europa fließt. Europa verliert den Anschluss bei Künstlicher Intelligenz, schreibt ein Autor in der Zeit und zeigt auf, was in China derzeit alles passiert. In den Kommentaren kommt vielen das „Lied vom verpassten Anschluss“ ziemlich bekannt vor. Werden Europas/Deutschlands Stärken verkannt? Wie die Internet-Riesen unsere Meinung steuern wollen, schildert die Harvard-Professorin Shoshanna Zuboff in der FAZ. Passend dazu: Google und Facebook wollen bei der Europa-Wahl gegen Fake News vorgehen – nur bleibt das „wie genau“ sehr im Ungefähren.   

Zu guter Letzt …

Das Handy ist die neue Kamera – diese Binsenweisheit ist auf der aktuellen Photokina mit Zahlen zu belegen. Die Umsätze für Digitalkameras sind rückläufig, interessante Neuerungen gibt es eher bei spiegellosen Systemkameras und in Sachen Künstliche Intelligenz. Letztere steht auch bei der Kamera des neuen iPhone im Mittelpunkt, zum Beispiel wenn sie für eine höhere Bilddynamik bei schwierigen Lichtverhältnissen sorgt. 

Digitale Agenda kw29 / 2018

 

Ein Masterplan für KI

Die Eckpunkte einer Strategie für Künstliche Intelligenz hat die Bundesregierung diese Woche vorgestellt (PDF). Die wesentlichen Punkte: Ausbildung fördern, die eigenen Experten im Land halten und ausländische anlocken, die Datenverfügbarkeit sicherstellen (Spiegel).

Eine Strategie ist das noch nicht, eher eine Absichtserklärung. Viele wichtigen Details fehlen, vieles ist widersprüchlich. Der eigentliche Masterplan soll im Dezember zusammen mit konkreten Zahlen nachkommen. 

Deutschland ist etwas spät dran. Die USA haben einen solchen Plan 2016 formuliert, China investiert massiv und hat sich als Ziel gesetzt, bis 2025 die USA einzuholen – und KI ist längst in unserem Leben angekommen. 

 

Digitales Leben

Google muss Rekordstrafe zahlen. 4,3 Milliarden Euro verlangt die EU-Kommission, weil Google die Hersteller von Android-Smartphones dazu gezwungen haben soll, seine Apps darauf zu installieren. Die Strafe entspricht etwa die Hälfte des Gewinns, den Google im letzten Quartal erwirtschaftet hat. 

Wie Telekom und Vodafone die Netzneutralität untergraben, schildert Netzpolitik.org. Einige ihrer Angebote, die bestimmte Streaming-Dienste bevorzugt behandeln, verstoßen gegen Gesetze. Doch die Konzerne ziehen Gerichtsverfahren in die Länge und verdienen erst mal weiter.

Microsoft-Präsident warnt vor Gesichtserkennung. In In einem Blog-Beitrag ruft Brad Smitz den US-Kongress dazu auf, den Einsatz von Gesichtserkennung zu regulieren (FAZ). In Deutschland läuft derweil eine Klage gegen den automatischen Zugriff der Polizei auf Biometriedaten.

Für den Facebook-Chef sind Holocaust-Leugner kein Problem. Die Meinungsfreiheit sei viel wichtiger und die Leute, die den Holocaust leugnen, wüssten es meist einfach nicht besser – sagt Mark Zuckerberg, selbst Jude. 

Fuchsia soll Android bald ablösen. Google bezeichnete das mobile Betriebssystem bisher als Experiment, doch der Finanzdienst Bloomberg will inzwischen mit Menschen aus dem Google-Umfeld gesprochen haben, die mehr darüber wissen (Zeit). 

 

Zu guter Letzt …

Eine Filterblase für ihren Parteivorsitzenden hat die britische Labour Party während des letzten Wahlkampfs in Facebook aufgebaut. Die Funktionäre der Parteizentrale wollten Jeremy Corbyn glauben lassen, dass sie das Geld für Facebook-Anzeigen tatsächlich so ausgeben, wie der Vorsitzende es wollte. In Wirklichkeit sahen die gewünschten Anzeigen nur Corbyn und sein Umfeld, der Rest der Wählerschaft hingegen bekam Botschaften mit anderen Inhalten zu sehen (Netzpolitik).  

Digitale Agenda kw26 / 2018

 

Menschliche Maschinen

Die Bundeskanzlerin plaudert mit einem Roboter, der Gefühle zeigen und ironische Bemerkungen machen kann. Künstliche Intelligenz versucht dem Menschen immer ähnlicher zu werden und die Süddeutsche fragt sich, ob das sinnvoll und zielführend ist. Sehr zurecht, denn:

Künstliche Intelligenz greift in die Meinungsbildung ein. IBM stellte mit dem Project Debater einen Computer vor, der rational argumentieren und seine (menschlichen) Zuhörer überzeugen kann. 

Wie gut so etwas funktioniert und wohin es führen kann, zeigt Google in einem internen Video, das diese Woche der Presse in die Hände fiel. Der Mensch wird darin von der Maschine so gut verstanden, dass er von ihr immer überzeugt werden kann, was als nächstes zu tun ist.

Immerhin: Googles neuester Sprachcomputer Duplex will sich künftig vor einem Gespräch mit dem Nutzer als Maschine ausweisen (Spiegel).

 

Digitales Leben

Google Pay ist in Deutschland gestartet. Um mit dem Smartphone einzukaufen brauchen Nutzer ein Android-Smartphone (ab Version 5.0) mit NFC-Funktionalität, eine Kreditkarte und die dazugehörige Google-App (Zeit). 

Die geheimen Überwachungszentren der NSA haben zwei Journalisten ausfindig gemacht und beschreiben sie in einem detailreichen Artikel auf The Intercept (Zusammenfassung im Spiegel). Die Zentren werden vom Telekom-Riesen AT&T betrieben und deren Gebäude sind weder klein noch unauffällig. 

Autonome Lkw-Konvois starten Testbetrieb. Das vordere Fahrzeug wird nach wie vor von einem Menschen gesteuert, die Lkw dahinter aber nicht mehr. Die Konvois sollen sicherer sein und außerdem Sprit und Platz auf der Autobahn sparen (WiWo).

Der schnellste Computer steht jetzt wieder in den USA. Der von IBM gebaute Superrechner ist um 25 Prozent leistungsfähiger als der bisherige Spitzenreiter aus China (FAZ).

Der effizienteste Computer arbeitet im Weltall. Der neue Rechner der Raumstation ISS soll mitunter herausfinden, wie er resistenter sein kann als die mehr als 100 Laptops, die bisher von der Strahlung der Sonnenstürme zerstört wurden (Süddeutsche). 

 

Zu guter Letzt …

Facebook meldet Patent zum Abhören seiner Nutzer an. Der Patentantrag beschreibt ein Verfahren, nach dem die Facebook-App mithilfe eines Audio-Signals das Mikrofon des Smartphones aktivieren kann, um Geräusche aus der Umgebung aufzunehmen. Die Erkennung der Umgebung soll Facebook helfen, die passende Werbung einzuspielen. Facebook beteuert, dass das Verfahren nie zum Einsatz kommen soll (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw19 / 2018

 

KI-Leitplanken

Einen Shitstorm erntete Google mit seiner neuesten Errungenschaft in Sachen Künstliche Intelligenz: Google Duplex kann so gut telefonieren, dass es von einem Menschen nicht zu unterscheiden ist – und weist sich nicht als Computer aus. An das Missbrauchspotenzial musste Google erst von der Presse erinnert werden. 

Leitlinien für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz werden derzeit der Industrie überlassen. Die Deutsche Telekom hat heute immerhin ihre eigenen veröffentlicht. 

Mit Regeln wenig im Sinn hat hingegen das Weiße Haus in seiner Bilanz nach einer eigenen KI-Konferenz. Die deutsche Wissenschaftsministerin will einen „ethischen Rahmen“ entwickeln lassen, in der Zwischenzeit sind aber Investitionen angesagt (FAZ).

KI muss nachvollziehbar werden, fordern nicht nur Experten, sondern einer Umfrage des Bitkom nach auch die einfachen Nutzer. Explainable Artificial Intelligence (erklärbare KI) könnte ein erster Ansatz dafür sein. 

 

Digitale Welt

Deutschlands Breitband entwickelt sich im Schneckentempo. Noch immer werden drei von vier Internet-Anschlüssen mit Kupfer ausgeliefert, die Änderung zum letzten Jahr beträgt lediglich 1 Prozent, berichtet die Bundesnetzagentur (Netzpolitik). 

Das neue Android P soll weniger süchtig machen. Google fühlt sich für das „digitale Wohlbefinden“ seiner Nutzer verantwortlich und will sie davor bewahren, zu übertreiben. Die neue Android-Version hat viele neue Funktionen, die einem helfen sollen, das Smartphone einfach mal wegzulegen (Süddeutsche).

Europäische Behörden sind auf die DSGVO schlecht vorbereitet. Reuters fand heraus, dass 17 Staaten ihre Datenschutzbehörden noch nicht gut genug ausgestattet haben, um die neue Datenschutz-Grundverordnung durchzusetzen (Netzpolitik). 

Apple entfernt Apps, die Daten an Dritte weitergeben. In Vorbereitung auf die DSGVO werden im App Store alle Apps, die sich nicht an Apples AGBs halten, aus dem Verkehr gezogen, berichtet Macwelt.

Googles Plattform fürs Internet der Dinge ist da. Mit Android Things 1.0 versucht Google zunächst, Entwickler für sein IoT-Betriebssystem anzulocken und verspricht, sich selbst um Sicherheit und Bugfixes zu kümmern (heise.de). 

 

Zu guter Letzt …

Wenn Sie nicht möchten, dass der BND Ihre Metadaten speichert, können Sie ihn schriftlich dazu auffordern. Und damit das Ganze möglichst einfach geht, haben die Reporter ohne Grenzen das Prozedere automatisiert. Im Formular des BND-Generators braucht ein Nutzer nur seine Kontaktdaten einzugeben. Der Generator schreibt und verschickt daraufhin automatisch eine entsprechende Mail an den Bundesnachrichtendienst.