Schlagwort-Archive: Leistungsschutzrecht

Digitale Agenda kw50 / 2018

 

Gesetz vs. New Economy

Die Geschäftsmodelle der Internet-Wirtschaft geraten immer häufiger in Konflikt mit geltenden Gesetzen. Die drei Beispiele dieser Woche: 

  • Airbnb muss Daten herausrücken, urteilte das Landgericht München. Die Stadt möchte wissen, wer seine Wohnung mehr als 8 Wochen im Jahr als Ferienwohnung vermietet, denn das ist meldepflichtig. Außerdem trägt diese Praxis zu Wohnungsknappheit und hohen Mieten bei. 
  • Der Fahrdienst-Vermittler Uber verstößt mit seiner Masche, Taxifahrten als „Mietwagen mit Fahrer“ zu vermarkten, gegen das Taxi-Gesetz. Ob das Urteil die Verbreitung von Uber ausbremsen wird, ist allerdings fraglich. 
  • Das deutsche Leistungsschutzrecht für Verlage, findet der EU-Generalanwalt. Das Gesetz, nach dem Google für Überschriften und Textfragmente von Nachrichten in seinen Ergebnislisten Lizenzgebühren an die Verlage zahlen soll, verstößt gegen EU-Recht.

 

Digitales Leben

Ein Drittel aller Android Apps schickt private Daten an Facebook. Möglich ist das durch die Nutzung von Facebooks App-Entwicklungsplattform (SDK). Davon betroffen sind auch Apps der CDU und SPD.  

Apple Pay startet in Deutschland. Noch macht nicht jede Bank in Deutschland beim Bezahldienst mit dem iPhone mit, aber das soll sich bald ändern. Alles wichtige zu Apple Pay in der Zeit, plus die interessante Frage: Zerstört das Smartphone die deutsche Liebe zu Bargeld?

Zahl der DSGVO-Anzeigen steigt schnell an. Von den 45.000 Beschwerden in der EU bis September 2018 geht etwa ein Viertel auf deutsche Nutzer zurück. Die Zahlen sind ein Indiz dafür, dass die Verordnung angenommen wird, sagt die Bundesbeauftragte für Datenschutz.

Gesichtserkennung gegen Stalking hat die US-Sängerin Taylor Swift in einem ihrer Konzerte eingesetzt. Die Besucher wurden heimlich gefilmt, um mutmaßliche Stalker der Sängerin zu identifizieren.

Wie weibliche Wikipedia-Redakteurinnen weggemobbt werden, beschreibt die taz-Autorin Carolina Schwarz auf Netzpolitik.org. Ein Kommentar wie „erst wenn diese Feministin verschwunden ist, kann Wikipedia wieder ein guter Ort sein“, gehört noch zu den harmloseren.  

Zu guter Letzt …

Personalisierte Werbung funktioniert nicht, wie der Fall einer US-Bürgerin zeigt. Als sie schwanger war, wurde sie mit Werbung für Schwangerschaftsartikel beworfen. Das blieb auch so nachdem sie ihr Kind verlor und ihr über verschiedene soziale Netzwerke tausendfach Beileid gewünscht wurde. In ihrer Verzweiflung brachte sie den Fall an die Öffentlichkeit. Trotz des berechtigten Ärgers über den Zynismus der Werbealgorithmen sollten wir aber froh sein, dass Tracking nicht gut funktioniert, findet der Spiegel. 

Digitale Agenda kw37

 

Blockchain

Die Basistechnologie hinter Bitcoin erobert immer mehr Branchen. Nachdem IT-Riesen wie IBM oder Microsoft Entwicklungsplattformen für Blockchain-Anwendungen lanciert haben, wird das Potenzial dieser Technologie deutlicher sichtbar.

Großbanken arbeiten fieberhaft an neuen Transaktionsmethoden, Geschäftsmodellen und sogar an eigenen Digitalwährungen (FAZ) – aber nicht nur sie. Auch in der Chemieindustrie, im Handel, in der Energieversorgung und im Gesundheitswesen wird damit experimentiert (ComputerwocheSüddeutsche).

Bereits im Einsatz sind Blockchain-Anwendungen rund um die Welt im Bereich öffentliche Verwaltung – und Estland scheint auch hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen (Medium.com).

Der Umgang mit Blockchain-Technologie ist noch lange nicht ausgereift und es gibt noch viele offene Fragen, die den Weg zum Mainstream noch versperren (FAZ). Doch als IT-ler wird man mittelfristig kaum drum herumkommen, sich damit zu beschäftigen.

    

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Business traut der IT nicht allzu viel zu, sagt eine neue Studie von Accenture (PDF). Genauer gesagt: Noch viel weniger als vor zwei Jahren. Damals sahen noch 71 Prozent der Befragten die IT als Motor für Innovationen, diesmal waren es nur 34 Prozent (CIO.de).

Digitalisierung sorgt für eine höhere Arbeitsbelastung, hat der Deutsche Gewerkschaftsbund herausgefunden. Bei einer Befragung sagte nur jeder zehnte, durch die Digitalisierung tatsächlich Entlastung zu erfahren, knapp die Hälfte dagegen klagte über mehr Stress (silicon.de).

Öffentliche WLANs sollten passwortgeschützt sein. Der Europäische Gerichtshof hat eine Klage von Sony wegen Piraterie an einem offenen WLAN zwar abschmettert, den Betreibern aber empfohlen, in ihren Netzen nicht jeden reinzulassen (FAZ).

Die EU will zwar schnelleres Internet für alle, erntet mit ihren Vorschlägen aber nur Buhrufe (Süddeutsche). Der Vorwurf: Zu sehr versucht Oettinger die Interessen von Verlagen und Inhalte-Anbietern auf Kosten von Google, Facebook und der Verbraucher durchzudrücken (SpiegelZeitBitkom).

Amazon will auch in deutschen Wohnzimmern mithörenEcho ist ein Lautsprecher, über den Amazon-Kunden ihr Smart Home steuern und natürlich bei Amazon einkaufen können – über eine Sprachsteuerung, die immer zuhört und dabei mit der Amazon-Zentrale verbunden ist (Zeit.de).

Ein kostenloses Anti-Ransomware-Tool bringt Kaspersky heraus. Es ist als Add-on zu vorhandenen Security-Lösungen verschiedener Hersteller gedacht, erkennt Angriffe auf Basis von Verhaltensmustern und nutzt die Cloud-Datenbank von Kaspersky Lab (silicon.de).

Einen neuen Debugger für JavaScript hat Mozilla angekündigt. Er wird den jetzigen Debugger ersetzen, mehr Plattformen als der bisherige abdecken und mittelfristig auch für Chrome verfügbar sein (Golem.de).

    

Zu guter Letzt …

Das Samsung Galaxy Note7 wird aus dem Verkehr gezogen. Peinlicher Weise nicht von Samsung selbst, sondern von der US-Verbraucherschutzbehörde. Es soll inzwischen 92 Fälle gegeben haben, bei denen der Akku des neuen Samsung-Flaggschiffs so heiß lief, dass das Gerät beschädigt wurde oder sogar Feuer fing (Spiegel). Zuvor hatte schon die US-Luftverkehrsaufsicht vor dem Smartphone gewarnt, einige Fluglinien es sogar verboten.