Schlagwort-Archive: Libra

Digitale Agenda kw37 / 2019

 

Digitale Investitionen 

Der neue Bundeshaushalt hat nicht unbedingt Begeisterung ausgelöst, am allerwenigsten in der ITK-Branche. Das DIW fordert mehr Investitionen, der Digitalverband Bitkom moniert das Gießkannenprinzip ohne klare Prioritäten und schlägt einen 5-Punkte-Plan für den Mobilfunk vor. 

Geld für digitale Projekte gibt’s trotzdem. Neben dem Breitbandausbau (bei dem der Bund das Geld einfach nicht loswerden kann) und dem Digitalpakt Schule werden eine Rehe von KI-Projekten gefördert. 

650 Millionen für Quantencomputer gibt es vom Bund obendrauf für die nächsten zwei Jahre. Das Geld soll eine Kooperation zwischen Fraunhofer und IBM bezuschussen, die als Ziel hat, Deutschland als Standort für Quantencomputing zu etablieren.

 

Digitales Leben

EuGH kippt Leistungsschutzrecht. Der Europäische Gerichtshof hat die 2013 von deutschen Presseverlagen durchgesetzte Schutzmaßnahme gegen Google wegen Formfehlern für nicht anwendbar erklärt. Gebracht hat sie bisher eh nichts.

Deepfakes werden langsam teuer. Mit der synthetisch imitierten Stimme des Geschäftsführers ergaunerte ein Betrüger 220.000 Euro von einer britischen Firma. Audio- und Video-Deepfakes werden mächtige Werkzeuge für Desinformation und Betrug. 

Facebooks Libra bekommt Konkurrenz aus China. Wenn schon weltweite Kryptowährung, dann will Chinas Zentralbank das Feld nicht allein einem US-Konzern überlassen. Facebook möchte derweil die Lizenz zum Kryptogelddrucken in der Schweiz beantragen.

Tech-Konzerne im Visier der US-Kartellwächter. Mehrere Bundesstaaten kündigten Ermittlungen wegen möglicher Wettbewerbsverletzungen an. In Frankreich hat sich Google mit den Steuerbehörden geeinigt und zahlt fast 1 Milliarde Euro nach. 

Anbandeln mit Facebook. Das Netzwerk will Dating-Plattformen wie Tinder den Rang ablaufen und startet in 19 Ländern mit einer entsprechenden Funktion. In Europa wird sie nächstes Jahr verfügbar sein. 

Apples neues iPhone ist ein Toaster, findet die Zeit. Natürlich besser und schneller als das letzte, aber ebenso vorhersehbar in seiner Funktionalität wie ein Gerät, das Brotscheiben grillt.

 

Zu guter Letzt…

KI ist nicht immer KI. Hinter Googles künstlich intelligenten Assistenten Duplex stecken häufig Menschen, deckte der New York Times neulich auf. Wie ein Artikel in der aktuellen deutschen Ausgabe der Technology Review schildert, ist Google wohl nicht das einzige Tech-Unternehmen, das diese Art von „Diensten“ über schlecht bezahlte Tagelöhner ausliefert. Wie der absurde Alltag eines solchen „falschen Roboters“ aussehen könnte, stellt sich die britische Autorin Laurie Penny in einer witzigen Kurzgeschichte auf Wired vor (Englisch).

Digitale Agenda kw34 / 2019

 

Verlauf löschen

Etwas mehr Privatsphäre will Facebook seinen Nutzern gönnen und nimmt mit „Clear History“ eine Funktion in Betrieb, mit der Nutzer die Daten, die Facebook über ihre Aktivität außerhalb des Facebook-Portals sammelt, von ihrem persönlichen Profil entkoppeln können.

Wirklich gelöscht wir allerdings gar nichts. Die Daten bleiben weiterhin auf Facebooks Servern und sind nur vom Nutzerprofil abgekoppelt. Persönliche Daten stehen zu sehr im Mittelpunkt von Facebooks Geschäftsmodell, um ganz darauf zu verzichten.

Außerdem gibt es da noch Libra. Facebooks Kryptowährung schickt sich an, eines Tages das weltgrößte ID-System zu werden, wie es in deren Gründungsmanifest steht (Abschnitt 5, gegen Ende, über die „Entwicklung eines offenen Identitätsstandards“).  

Die Bedenken gegenüber Libra wachsen derweil. Die EU-Kommission wittert potentiell wettbewerbswidriges Verhalten und US-Kongressabgeordnete sprechen mit Schweizer Behörden, da der Sitz der Libra Association in Genf sein soll.

 

Digitales Leben

Zehntausende MasterCard-Kundendaten in Umlauf. Der Anfang der Woche bekannt gewordene Datenverlust hat sich inzwischen als größer erwiesen als anfangs befürchtet. Eine zweite, neu aufgetauchte Datei zeigt rund 84.000 vollständige Kartennummern.

Gesichtserkennung soll in der EU streng reguliert werden. Die Technologe soll als Teil des Regelwerks für die Nutzung Künstlicher Intelligenz berücksichtigt und nur in streng festgelegten Ausnahmen erlaubt werden. 

Google, Intel und Microsoft gründen Datenschutzkonsortium. Unterstützt von vielen anderen IT-Firmen und geführt von der Linux Foundation wollen sie auf Basis von Open-Source-Software Technologien entwickeln, die einen sicheren privaten Datenzugriff ermöglichen.

Staatstrojaner-Gesetz legalisiert Wohnungseinbruch. Der Entwurf für ein „Gesetz zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts“ würde Verfassungsschützern erlauben, ohne richterlichen Beschluss in Wohnungen einzudringen, um die Abhörsoftware zu installieren.

Google, Mozilla und Apple wehren sich gegen staatliche Wanze. Kasachstan verpflichtet seine Bürger dazu, ein Root-Zertifikat auf ihrem PC zu installieren, wenn sie ins Internet wollen – und hat damit Zugriff auf all ihre vertraulichen Daten. Die drei Browser-Hersteller wollen das Zertifikat blockieren.

 

Zu guter Letzt …

Digitale Ängste nennt sich eine lesenswerte Artikelserie der ZEIT, die sich mit dem drohenden Kontrollverlust der Internet-Nutzer und den damit verbundenen Befürchtungen beschäftigt. Einige Leser schildern darin auch ihre gruseligsten Internet-Situationen. 

Digitale Agenda kw29 / 2019

 

Angst vor Libra

Die Finanzminister der G7-Staaten zeigten sich in ihrem Treffen diese Woche sehr beunruhigt ob der Macht, die Facebooks Kryptowährung „Libra“ entfalten könnte. Libra sei nicht demokratisch kontrolliert und könnte das Monopol der Notenbanken untergraben. 

Wenn 2,4 Milliarden Menschen mit Libra zahlen und Facebook als Bank nutzen, wer stellt sicher, dass alles mit rechten Dingen zugeht? Die Dachorganisation von Libra ist in Genf gemeldet und will sich von der Schweiz beaufsichtigen lassen, doch reicht das?

Die Anfälligkeit von Libra für Missbrauch durch Geldwäscher oder Kriminelle dürfte geringer sein als die von Bargeld, glaubt hingegen der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Facebooks Weltwährung wird eine Revolution, prophezeit die Digitalexpertin Sarak Spiekermann, und Oliver Leistert sieht als nächsten logischen Schritt die Privatisierung des Geldes. 

 

Digitales Leben

Der Tesla-Gründer will in Ihren Kopf. Elon Musks neues Unternehmen Neuralink will durch den Einsatz von Elektronen das Hirn mit einem Computer verbinden. Das Verfahren soll Menschen mit Behinderungen helfen, aber auch neues Wissen und Fähigkeiten „ins Hirn laden“.

Breitband-Ausbau stockt. Die Fördergelder des Bundes werden oft von den Kommunen nicht abgerufen, weil Internet-Provider die Bandbreite ihres DSL-Angebots heraufsetzen (auch wenn sie die zugesagte Bandbreite nicht liefern). Fördermittel für Kommunen gibt es erst bei weniger als 30 Mbit/s. 

Vodafone nimmt 5G-Netz in Betrieb. Das erste kommerzielle 5G-Netz in Deutschland läuft in 25 Städten und kostet 5 Euro Aufpreis zum aktuellen Tarif, doch es gibt einige deutliche Einschränkungen. Unterdessen wurde Vodafones Übernahme von Unitymedia genehmigt. 

Bus- und Zugreisende sollen registriert werden. Die EU diskutiert über eine Ausweitung der umstrittenen Erfassung von Fluggastdaten auf Reisende in Bussen, Zügen und Schiffen. Die deutsche Justizministerin sieht darin „gravierende Einschränkungen der persönlichen Freiheit„.

„Zensursula“ is back. Als neue EU-Kommissionspräsidentin hat sich Ursula von der Leyen auch digital einiges vorgenommen. Partick Beuth analysiert die Pläne im Spiegel und sieht nach der Debatte über Upload-Filter nun eine über Internet-Filter heraufziehen.

 

Zu guter Letzt …

FaceApp lässt die Russland-Hysterie neu aufflammen. Die FaceApp zeigt Ihr Gesicht so, wie es in 20 Jahren aussehen könnte, und ihre Nutzer sind hellauf begeistert. Da die App aber aus Russland stammt, schießen die Befürchtungen über einen unerlaubten Datenzugriff ins Kraut, der freilich bis jetzt nicht nachgewiesen werden konnte. Dass die Daten in der Amazon Cloud verarbeitet werden, stört nicht weiter. 

Digitale Agenda kw25 / 2019

 

Libra

Facebook hat seine eigene Kryptowährung vorgestellt. Das Digitalgeld namens Libra soll bereits 2020 den Betrieb aufnehmen und basiert (wie Bitcoin) auf Blockchain-Technologie, soll aber frei von Kursschwankungen sein und ohne Mining auskommen (Übersicht). 

Schon jetzt regt sich Widerstand gegen die Pläne von Facebook, nicht nur weil dem Unternehmen kaum jemand zutraut, mit den Daten seiner Nutzer verantwortungsvoll umzugehen. Facebook baut durch Libra seine Macht aus – fernab jeglicher Kontrolle. 

Eine Weltwährung in der Hand eines Firmenkonsortiums ist genau das Gegenteil der ursprünglichen Idee von Bitcoin und anderen Kryptowährungen, die Banken als Vermittler abschaffen wollten, wie dieser Blockchain-Experte in einem Vortrag erklärt (Englisch).

 

Digitales Leben

Der Handelskrieg gegen China könnte Apple dazu bewegen, Teile seiner iPhone-Produktion in andere Länder zu verlagern. Unterdessen trifft sich Wirtschaftsminister Altmaier mit der Huawei-Führung, die inzwischen mit starken Umsatzeinbußen rechnet, und auch US-Unternehmen versuchen, Trump von seinem aggressiven Kurs abzubringen.  

Einen Cyberangriff auf russische Energieversorger sollen die USA einem Bericht der New York Times zufolge vorbereitet haben. Der ‚Cyber Command‘ soll Schadsoftware in die Netze der Versorger untergebracht haben, die letztere lahmlegen könnten.

Die Überwachung am Berliner Südkreuz wird weiter ausgebaut. Beim Pilotprojekt für Videoüberwachung und Gesichtserkennung wird seit Dienstag auch „das automatisierte Erkennen von Situationen“ geprobt. Viele US-Städte wehren sich unterdessen gegen Gesichtserkennung. 

Wie schlecht Facebook-Dienstleister behandelt werden, wurde diese Woche durch einen Artikel in der US-Presse bekannt. Die Moderatoren, die den ganzen Tag grausame Videos löschen müssen, arbeiten teilweise unter unzumutbaren Bedingungen. 

Rückruf für Apple Macbook Pros. Die Aktion betrifft 15-Zoll-Modelle, die „überwiegend“ zwischen 2015 und 2017 verkauft wurden, weil deren Akku Feuer fangen könnte. Ob ein Gerät betroffen ist, lässt sich durch die Eingabe der Seriennummer ermitteln. 

 

Zu guter Letzt … 

Google beim Klauen erwischt. Die Songtext-Datenbank Genius wirft Google vor, unerlaubt Songtexte zu kopieren und in den Infoboxen seiner Suche anzuzeigen. Den Nachweis erbracht haben Fehler, die Genius in die Texte eingeschmuggelt und Google einfach übernommen haben soll. Dafür versucht sich Google durch die Investition von einer Milliarde Dollar für Wohnungen im Silicon Valley wieder beliebt zu machen.