Schlagwort-Archive: Microsoft

Digitale Agenda kw41

 

Safe Harbor ist ungültig

„Safe Harbor war ein Witz, den niemand verstanden hat“, schreibt Sascha Lobo im Spiegel. Der Europäische Gerichtshof hat den Witz wohl auch nicht verstanden. Oder er hat genau verstanden, wie er gemeint war, und das Abkommen über den Austausch persönlicher Daten zwischen der EU und den USA daraufhin letzten Dienstag gekippt (Zeit.de).

Safe Harbor war eigentlich nur ein bequemer Weg, den laxen Umgang der USA mit dem Thema Datenschutz einfach auszublenden. Wollten US-Firmen persönliche Daten von EU-Bürgern verarbeiten, mussten sie nur schriftlich erklären, dass sie damit sorgsam umgehen. Kontrollieren durften EU-Behörden das nicht, und die dafür zuständige US-Handelsbehörde FTC zeigte sowieso keinen allzu großen Eifer (Süddeutsche).

Die Auswirkungen auf Unternehmen sind gravierend. International aufgestellte Firmen müssten jetzt sogar für den internen Datenaustausch neue Vereinbarungen einführen. Entsprechend „not amused“ waren die Reaktionen von Industrie und Verbänden wie dem Bitkom oder dem Eco (Computerwoche). Sie alle fordern eine neue Regelung, schnell, und diesmal bitte wasserdicht.

Eine neue Regelung wird nur dann funktionieren, wenn sie die Interessen der einfachen Nutzer respektiert, glaubt die Safe-Harbor-Expertin Eve Maler im Interview mit der Computerwoche. „Wenn es Safe Harbor nicht tut, wird es das Einverständnis der Nutzer tun müssen.“ Unternehmen rät sie, sich schon mal eine robustere Zustimmung der Nutzer für die Verarbeitung ihrer Daten einzuholen.

 

IT-MANAGEMENT

Wie man Schatten-IT verhindern kann, verrät Dr. Klaus Manhart auf CIO.de. Das Maßnahmenpaket reicht vom Sensibilisieren und der Schulung von Mitarbeitern bis hin zur Bereitstellung von Alternativen – was wohl der schwierigste und teuerste Teil sein dürfte.

Auf die Kunden von IBM, Oracle und Microsoft abgesehen hat es Amazon mit einer Reihe neuer Web Services, die eine Konvertierung der Daten von Legacy-Anwendungen im großen Stil vorsehen (heise.de). Zudem gibt es eine Reihe neuer Services für Business Intelligence (silicon.de).

 

TECHNIK

Die Top 10 Technologie-Trends für 2016 hat Gartner identifiziert. Auf der Liste ganz oben stehen Mesh-Netzwerke, die Endgeräte im Peer-to-Peer-Modus miteinander verbinden und damit eine Vernetzung möglich machen, die am Internet vorbei läuft (t3n.de).

Microsofts erstes eigenes Notebook nennt sich ‚Surface Book‘ und ist eine Mischung aus Notebook und Tablet mit herausnehmbarem Bildschirm. Die Leistungsdaten sind beeindruckend und das Gerät ist eindeutig gegen die Edel-Hardware von Apple positioniert (Chip.de).

Einen PC in Form eines gekrümmten Cinemascope-Bildschirms hat HP vorgestellt. Das All-in-one-Gerät hat eine Bildschirmdiagonale von 34 Zoll (!) mit 3440×1440 Pixel Auflösung und auch sonst geizte HP nicht an edler Ausstattung (Mobiflip.de).

 

Zu guter Letzt …

Peeple sollte das ‚Yelp für Menschen‘ werden – so hatten es sich zumindest seine zwei Gründerinnen vorgestellt. Man sollte darauf seine Mitmenschen mit einem bis fünf Sterne bewerten können, ohne dass sie sich hätten dagegen wehren können. Die zwei wissen inzwischen, wie ein Shitstorm von innen aussieht, und ob die App tatsächlich wie geplant im November erscheint, ist ungewiss (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw20

 

 Im Internet bahnt sich ein Paradigmenwechsel an 

Das heutige Internet ist ein Netz der Vermittler. Händler nutzen Plattformen wie Ebay, Amazon oder Etsy, um ihre Kunden zu erreichen, und auch die neuen Schwergewichte wie Uber oder Airbnb tun nichts anderes, als Fahrten und Zimmer zu vermitteln.

Einigen Vermittlern droht jetzt der Untergang. Die Kryptowährung Bitcoin schickte sich an, beim Zahlungsverkehr die Banken zu umgehen, scheiterte aber bisher an den eigenen Schwächen. Nicht so ihre Basistechnologie, die Blockchain. Damit baut man Transaktionsregister, die auf Peer-to-Peer-Basis für jedermann zugänglich sind.

Eine halbe Milliarde an Venture Capital ist bis dato an Startups geflossen, deren Lösungen auf Blockchain-Technologie basieren, Tendenz steigend (Canadian Business). Firmen wie IBM basteln an eigenen Lösungen (Golem.de), Banken wie UBS erkunden ihr Potenzial (heise.de).

Die US-Börse Nasdaq hat das erste Pilotprojekt gestartet. MittelsBlockchain will sie die eigenen Mittelsmänner loswerden, die nichts anderes tun, als ein Transaktionsregister für Aktien zu führen – gegen anständige Gebühren, versteht sich. Über eine Blockchain-Lösung würde sich Nasdaq Millionenbeträge sparen (Wall Street Journal, deutsche Kurzfassung hier).

Apropos Peer-to-Peer: Darüber lässt sich seit dieser Woche auch wunderbar chatten. BitTorrent hat offiziell Bleep in Betrieb genommen – Instant Messaging auf allen PC- und mobilen Plattformen, voll verschlüsselt und ohne ein WhatsApp, Facebook oder Google als Mithörer (t3n.de).

 

IT-MANAGEMENT

Citrix bringt eigene Workspace Cloud. Die virtuellen Arbeitsräumekönnen vom Admin individuell zugeschnitten werden, beherbergen alle notwendigen Anwendungen, sind von jedem Endgerät aus verwendbar und können auch in einer Private Cloud betrieben werden (silicon.de).

Salesforce und Sage bauen gemeinsame Plattform. Die Cloud-Umgebung für Mittelständler ist für Social Media und mobile Geräte optimiert und integriert die Tools von Salesforce mit der Buchhaltung, Lohnabrechnung und Finanzverwaltung von Sage (Computerwoche).

 

TECHNIK

Microsoft beerdigt ActiveX, Active Documents und mehr. Gut 300 APIs werden in Edge, Microsofts neuem Web-Browser, nicht mehr dabei sein (heise.de). Der Schritt sei notwendig, um Edge sicherer und standardkonform zu kriegen, sagt Microsoft.

Selbstfahrende Autos sind sicher. Googles 20 Testwagen waren nach sechs Jahren und 2,7 Millionen gefahrenen Kilometern nur in 11 leichte Unfälle verwickelt, die überwiegend durch andere Autos verursacht wurden (Süddeutsche). Experten befürchten, dass autonomen Autos bald Millionen Jobs zum Opfer fallen werden (Quartz).

Skype Translator startet als Simultandolmetscher für Englisch, Spanisch, Italienisch und Chinesisch (Spiegel). Die Übersetzung wird sowohl als Stimme als auch als Text herausgegeben. Deutsch soll bald folgen.

 

Zu guter Letzt …

Facebook lockt Medien in die Falle. Nachrichten der New York Times und des Guardian können ab sofort vollständig innerhalb von Facebook gelesen werden, ab demnächst auch die von Spiegel Online und Bild.de. Die Verlage betrachten das als „Experiment“ – noch. Wahrscheinlicher ist, dass Facebook bald auch ihre Verbreitung besser kontrolliert als sie selbst.

Goodbye, AOL! Der ehemalige Internet-Pionier ist diese Woche vom Mobilfunk-Konzern Verizon gekauft worden – für 4,4 Milliarden Dollar (Golem.de). Dieselbe AOL, die von 15 Jahren fast 200 Milliarden wert war.
Wie heißt es so schön: Man kann jahrelang eine Firma zugrunde richten und trotzdem Milliarden verdienen …

Digitale Agenda kw18

 

Microsoft ist zurück

Die mobile Revolution hat Microsoft zwar verschlafen, doch kaum ein anderes Unternehmen ist besser aufgestellt, um die Business-Cloud zu dominieren, wie jetzt auf der Entwicklerkonferenz Build deutlich wurde. Mit seiner Cloud-Plattform Azure, mit Office, mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 – und einer neuen Haltung gegenüber dem Rest der Welt.

Proprietär war gestern, jetzt ist Offenheit angesagt. Hat Microsoft in den Neunziger und Nuller Jahren die IT-Welt dominiert, indem es die Konkurrenz ausgrenzte, tut es jetzt genau das Gegenteil. Azure und Office öffnen sich weiter als Plattformen für Produkte anderer Hersteller, Entwickler können jetzt mit einer einfacheren Version von Visual Studio auch auf Linux oder Mac OS programmieren (heise.de).

Windows 10 soll das Betriebssystem für alles werden – auch für iOS- und Android-Apps. Um auch auf Windows 10 laufen zu können, müssen sie ihre Entwickler nicht komplett neu schreiben, sondern können den Code in Java, C++ oder Objective C belassen und über ein neues Software Development Kit für Windows 10 adaptieren (heise.de).

Windows Universal Apps soll das Format werden, in dem Anwendungen mit demselben Code auf allen möglichen Geräten laufen können, vom Smartphone über dem Tablet bis zum Desktop. Über die Funktion Continuum wird dann auch eine App, die auf einem Smartphone läuft, über Tastatur, Maus und einem großen Bildschirm zu bedienen sein.

Microsofts Ziele sind nicht minder ehrgeizig. In drei Jahren soll mit Cloud-Diensten ein Umsatz von 20 Milliarden Dollar erreicht werden, Windows 10 soll bis dahin auf einer Milliarde Geräte laufen. Zumindest scheint sich das Unternehmen dank dem neuen CEO nicht mehr selbst im Weg zu stehen. Jetzt müssen „nur noch“ die eigenen Entwickler liefern.

 

IT-MANAGEMENT

Virtual Desktop Infrastructure für den Mittelstand. Eine virtuelle Desktop-Infrastruktur kann jede Menge Geld sparen, besonders bei mittelgroßen Unternehmen. Doch es ist eine Disziplin, die man erst beherrschen muss. Der IT-Dienstleister Movetech testet auf Datacenter-Insider eine beispielhafte Konfiguration und erklärt, worauf es ankommt.

Sechs Tipps für eine effektive BYOD-Richtlinie sind auf Information Age nachzulesen. Die Nutzung privater Geräte für die Arbeit ist nicht mehr aufzuhalten, doch mit Maßnahmen wie der Registrierung privater Geräte, der obligatorischen Nutzung von VPN-Verbindungen, Security-Software und einem guten Management-System kann man zumindest eine solide Basis aufstellen.

 

TECHNIK

Intels Compute Stick geht an den Start. Der etwa 10 cm lange USB-Stick ist ein kompletter PC mit wahlweise Windows 8.1 oder Linux, hat einen HDMI-Anschluss, WiFi, Bluetooth 4 und einen MicroSD-Slot für Speichererweiterung. Im Unternehmen kann der Stick auch als Thin Client eingesetzt werden. Der Preis liegt bei 170 Euro für die Windows-Version. Mehr Details auf ZDnet.de.

CSS wird mit neuen Fähigkeiten erweitert. Level 4 der Cascading Style Sheets steht kurz vor der Fertigstellung und ist mit einer ganzen Reihe neuer Selektoren aufgebohrt worden. Details auf t3n.

 

Zu guter Letzt …

Amazon will auch Lieferant für Firmen werden. Mit Amazon Businessnimmt Amazon in den USA einen neuen Dienst in Betrieb, der Unternehmen mit allem beliefern will, was sie brauchen können – vom Server über Büromöbel bis hin zum Pausensnack. Amazon Business soll über APIs in gängige Unternehmenssoftware eingebunden werden können (t3n.de).

Die selbstlenkende Gewehrmunition hat jetzt die Forschungseinrichtung des US-Militärs DARPA demonstriert (Golem.de). Damit können auch ungeübte Schützen mit einem Gewehr zuverlässig sich bewegende Ziele treffen. Es muss ja nicht gleich eine Drohne sein …

Digitale Agenda kw14

 

Das Internet – ein Ort der Monokulturen?

Wer braucht schon das World Wide Web wenn er Facebook, Amazon und Google nutzen kann. Die Internet-Riesen tun derzeit alles, um ihre Nutzer im eigenen Ökosystem zu halten. Schon vor zwei Monaten verglich Karsten Lohmeyer auf LousyPennies Facebooks Strategie, alle möglichen Anwendungen – von der Messaging App über den Online-Shop bis zur Tageszeitung – mit einem neuen AOL: Ist man einmal“drin“, kann man den Rest ignorieren.

Die Strategie ist letzte Woche deutlich geworden, als Facebook auf seiner Konferenz tatsächlich eigene Produkte für fast jeden Zweck vorstellte. Facebook will das Internet für sich allein, stellt die FAZ fest und bezieht sich dabei speziell auf Facebooks Angebot an Verlage, statt auf ihre Inhalte zu verlinken, diese direkt in Facebook zu integrieren. Als Informationsplattform ist Facebook ohnehin nicht mehr zu ignorieren. Das musste auch die britische Pressevereinigung anerkennen und hat im Vorfeld der Wahlen in Großbritannien in Kooperation mit Facebook die Seite UK Politics ins Leben gerufen.

Facebooks Rechnung könnte aufgehen. Auch wenn Lohmeyer Facebooks Strategie mit dem Bau eines Todessterns vergleicht, muss er feststellen, dass es sich darin ganz gut leben lassen könnte, und auch das Fazit des Medienfachblatts Horizont klingt nicht viel anders. Außerdem: Facebooks neues Hauptquartier in Menlo Park, gebaut vom Stararchitekten Frank Gehry, hat wirklich nichts düsteres an sich (Fotostrecke auf Business Insider).

Seinem Motto „The Everything Store“ kommt Amazon unterdessen ein gutes Stück näher durch die Vorstellung seiner Home Services in den USA. Darüber kann man praktisch alles bestellen, was ein Haushalt an Dienstleistungen brauchen könnte – vom Handwerker über den Klavierlehrer bis hin zur Ziege fürs Rasenmähen (Spiegel). Und sollte mal plötzlich das Waschmittel alle sein, dafür gibt es Amazon Dash, einen türklingelgroßen Knopf, der an der Waschmaschine angebracht wird und im Fall des Falles per Knopfdruck für eine schnelle Lieferung sorgt (Zeit).

Wie lange es dauern wird, bis Amazon auch Autos verkauft? Gar nicht mehr lange. In Japan bietet Amazon seit Mittwoch das BMW Elektroauto i3 über seine Webseite an (Spiegel).

 

IT-MANAGEMENT

Den Einstieg in DevOps in vier vorsichtigen Schritten beschreibt ein Artikel im Discovery-Blog von HP. Die Integration von Entwicklung und IT-Betrieb kann sehr viele Vorteile bringen, Unternehmen tun sich jedoch schwer damit, weil sie meist zu viel auf einmal umsetzen wollen. Klein anfangen, den aktuellen Ausgangspunkt klar definieren, Kulturunterschiede sehr ernst nehmen und auf Stolpersteine gefasst sein – mit dieser Haltung kann zumindest ein Anfang gemacht werden.

Der pragmatische Weg in die Cloud ist für Unternehmen die so genannte Bottom-up-Strategie, schreibt der Analyst René Büst von Crisp Research in der Computerwoche. Sie sieht vor, dass Legacy-Anwendungen ohne viel Aufwand in die Public Cloud verschoben werden, weil sie dort günstiger zu betreiben sind. Das sei zwar nicht sonderlich innovativ, hat aber ein hohes Kosteneinsparpotenzial und den angenehmen Nebeneffekt, dass man dadurch Erfahrungen im Umgang mit der Cloud gewinnt.

 

TECHNIK

Surface 3: Microsoft scheint endlich die Tablet-Kurve zu kriegen. Intel-Prozessor, ein vollwertiges Windows, ein Display im Format 3:2 statt 16:9, kein Lüfter – Microsoft hat mit dem Surface 3 endlich ein richtiges Arbeitsgerät auf den Markt gebracht. Entsprechend positiv fallen die ersten Kritiken in den Medien aus, beispielsweise auf Welt.de.

Eine Netzwerkverbindung zwischen verschiedenen Clouds will das eben vorgestellte Open Source-Projekt CloudRouter herstellen. Statt als Anwender jede Verbindung mühsam selbst zu konfigurieren, verspricht CloudRouter diesen Prozess zu vereinfachen und eine Brücke zwischen herkömmlichen Netzwerkarchitekturen, SDN, hybriden Cloud-Umgebungen und zwischen Rechenzentren zu schlagen. Details auf silicon.de.

Einen neuen Ansatz in Sachen Endpoint-Security bietet das US-Unternehmen Tanium, das sich diese Woche eine neue Finanzierungsrunde über 52 Millionen Dollar sicherte – obwohl es bereits profitabel ist. Die Software von Tanium kann innerhalb von Sekunden Echtzeitinformationen über den Zustand von Zehntausenden Clients abfragen und an ihnen mit ein paar Klicks Maßnahmen einleiten, um Angriffe sehr schnell zu identifizieren und abzuwehren. Details auf Infoworld.

 

Zu guter Letzt …

Eine Autocomplete-Panne der besonderen Art erlaubte sich ein Mitarbeiter der australischen Einwanderungsbehörde, als er im Vorfeld des letzten G20-Gipfels die Reisepass- und Visa-Daten aller 20 Regierungschefs an die falsche E-Mail-Adresse verschickte. Die Autocomplete-Funktion von Outlook wurde jetzt in der Behörde abgeschaltet (GuardianSpiegel).

Aprilscherz der Woche war diese Geschichte auf Computerwoche, nach der ein japanischer Rentner nur knapp dem Mordanschlag eines humanoiden Pflegeroboters entging. Sein Überleben verdankt er „dem beherzten Einsatz eines zweiten Humanoiden, der in seinem Haushalt für Putztätigkeiten eingesetzt wird“.