Schlagwort-Archive: NetzDG

Digitale Agenda kw03 / 2020

 

Next Generation Tracking

Google hat das Ende der Cookies eingeläutet. Anstelle der heutigen, oft rechtswidrigen Tracking-Praxis will Google zusammen mit der Werbeindustrie eine Alternative entwickeln, die Nutzern mehr Privatsphäre gönnt. 

Gezwungenermaßen, denn:
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Der Europäische Gerichtshof hat Tracking den Kampf angesagt.
 Safari und Firefox gehen mit Cookies viel strenger um.
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iOS 13 blockiert die Standortabfrage effektiver.
→  Populäre Apps geben sehr private Nutzerdaten weiter.

Tracking wird damit nur auf eine höhere Ebene gehievt und muss eben ohne Cookies auskommen. Der Weg zu Tracking 2.0 ist bereits vorgezeichnet. 

 

Digitales Leben

Die Online-Bewertungen von Yelp sind rechtens. Der Bundesgerichtshof hat die Klage eines Fitness-Studios abgewiesen, Yelp muss seinen Algorithmus nicht offenlegen.

EU-Parlamentarier wollen Ladegeräte vereinheitlichen. Ein gemeinsamer Standard für Smartphones würde dazu beitragen, jede Menge Elektroschrott zu vermeiden. 

Neue Gesetze nehmen Facebook & Co. stärker in die Pflicht. Die Justizministerin will das NetzDG verbessern, die Familienministerin will junge Nutzer besser schützen.

Gesichtserkennung soll EU-weit verboten werden. Das sieht ein Arbeitspapier der neuen EU-Kommission vor, um Risiken zu vermeiden. Dass Gesichtserkennung im öffentlichen Raum eine schlechte Idee ist, kann man schon heute am Beispiel China nachvollziehen. 

Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen EU-Recht. Ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs findet die anlasslose Speicherung, so wie sie in Frankreich, England und Belgien praktiziert wird, nicht mit EU-Recht vereinbar. 

Google spielt Katz und Maus mit der EU. Android-Nutzer sollen das Recht bekommen, eine andere Standard-Suchmaschine zu wählen, doch dafür will Google Geld sehen.

 

Zu guter Letzt …

Wer managt die Facebook-Seiten von Trump und Greta? Durch einen Bug war für kurze Zeit zu sehen, wer die Facebook-Seiten zahlreicher Prominenter verwaltet. Die die nicht ganz überraschende Entdeckung: Nicht mal Greta Thunberg postet selbst. 

Digitale Agenda kw51 / 2019

 

Was kostet das Internet?

EU-Vizepräsidentin warnt vor Internet-Stromverbrauch. 200 Milliarden kWh verbrauchen allein Streaming-Dienste. Mit solchen Zahlen sind die EU-Klimaziele nicht zu erreichen, warnt Digital-Kommissarin Margarethe Vestager.

Auch das 5G-Netz ist ein Stromfresser. 3,8 Milliarden kWh werden allein in Deutschland zusätzlich nötig sein, hat E.on berechnet. So viel verbrauchen etwa Köln, Düsseldorf und Dortmund zusammen in einem Jahr.

Breitbandausbau verursacht Zweiklassen-Internet. Stadtgebiete werden immer besser mit Breitband versorgt, ländliche Gebiete fallen immer weiter zurück. Auch der Mobilfunk entwickelt sich zu einem Zweiklassen-Netz.

Minenarbeiter verklagen Tech-Konzerne. Microsoft, Google und Tesla sollen von den menschenverachtenden Zuständen in den Kobaltminen im Kongo gewusst haben, seien aber des Profits wegen tatenlos geblieben.

 

Digitales Leben

Die DSGVO soll nachgebessert werden. Datenschützer wollen den bürokratischen Aufwand verringern, einige bestehende Regelungen konkretisieren und verbessern, aber auch neue einführen.

Regierung will Internet-Überwachung verschärfen. Das neue Gesetz gegen Hasskriminalität könnte Online-Dienste dazu verpflichten, Passwörter im Klartext zu speichern und an Ermittler herauszugeben.

Quantenverschlüsselung für deutsche Ministerien. Der Bund arbeitet mit dem Fraunhofer-Institut an einem Pilotprojekt, das Staats- und Wirtschaftsgeheimnisse besser schützen soll. 

Datenaustausch mit USA ist rechtens. Der Datenschutz-Aktivist Max Schrems ist mit seiner zweiten Klage gegen Facebook gescheitert. Die Speicherung persönlicher Daten von EU-Bürgern in den USA ist legal, kann aber bei Verletzung des Datenschutzes gestoppt werden.

Der Vertrag zwischen Facebook und der TU München zur Finanzierung eines neuen Instituts über KI-Ethik ist nicht ganz das, was öffentlich kommuniziert wurde. Facebook hält die Forscher durch seine Bedingungen an der kurzen Leine. 

Das Geschäft mit gekauften Likes durchleuchtet eine Recherche von SZ, NDR und WDR. Rund 90.000 Social-Media-Seiten nahmen die dubiosen Dienste einer deutschen Firma in Anspruch. 

 

Zu guter Letzt …

Facebook verliert sogar Daten der eigenen Mitarbeiter. Mehrere Festplatten mit Personaldaten von 29.000 Angestellten wurden letztes Jahr aus dem parkenden Auto eines Mitarbeiters gestohlen. Weder waren die Daten verschlüsselt noch hätte der Mitarbeiter die Daten bei sich haben dürfen. 

Digitale Agenda kw05 / 2019

 

5G und Huawei

Huawei soll nichts mit dem künftigen 5G-Netz zu tun haben. Die USA werfen dem Hersteller Spionage und ein Unterlaufen der Sanktionen gegen den Iran vor und haben nun Anklage erhoben. Deutsche Geheimdienste meldeten ebenfalls Bedenken an. 

Huawei wird als Druckmittel genutzt im Handelskrieg der USA gegen China, scheinbar mit Erfolg. Die chinesische Regierung deutet nun Zugeständnisse an. Experten erwarten, dass der Handelskrieg darüber hinaus weitergehen wird. 

Der Ausbau des deutschen 5G-Netzes könnte sich verzögern, warnte die Telekom, hat aber (wie auch ihre Wettbewerber Vodafone und Telefonica) kaum eine Wahl. Laut Handelsblatt bereiten sich Netzwerkbetreiber darauf vor, Huawei aus ihren Kernnetzen zu verbannen.

 

Digitales Leben

Die Aufhebung der Netzneutralität macht Mobilfunk teurer. Angebote wie StreamOn der Deutschen Telekom, mit dem die mobile Nutzung von Diensten wie Spotify keinen Datenverbrauch kostet, benachteiligen kleinere Anbieter und treiben Mobilfunkpreise in die Höhe. 

Facebook führt Messenger, WhatsApp und Instagram zusammen. Künftig sollen Nutzer aller drei Plattformen über dieselbe App chatten können. Was mit einer Konsolidierung der Infrastrukturen begründet wird, ist in Wirklichkeit eine Zusammenführung von Nutzerdaten. 

Das Gesetz gegen Hassrede bewirkt sehr wenig. Das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG) sollte dafür sorgen, dass strafbare Inhalte schnell aus sozialen Netzwerken verschwinden. Die Warnungen der Experten im Vorfeld scheinen sich nun zu bewahrheiten. 

EU führt verbessert Verbraucherschutz für Software-Produkte. Kunden müssen nicht mehr selbst beweisen, dass ein Produkt fehlerhaft gewesen ist, und haben das Recht auf Software-Updates. Die Richtlinie bezieht sich sowohl auf reine Software-Produkte und Cloud-Dienste als auch auf „smarte“ Hardware. 

Facetime-Bug verwandelt iPhones in Wanzen. Apple musste Anfang der Woche die Funktion, mit der mehr als zwei Personen an einem Gespräch teilnehmen können, abschalten, weil der dritte Teilnehmer abgehört werden kann, bevor er das Gespräch angenommen hat. 

 

Zu guter Letzt …

Wie man Facebook den Datenhahn zudreht, demonstrierte Apple diese Woche, wenn auch nur für einen Tag. Facebook hatte ein Entwickler-Zertifikat verwendet, um eine Marktforschungs-App unter die Leute zu bringen – an Apple vorbei. Diese App hatte Apple bereits letztes Jahr aus dem App-Store geworfen, weil sie viel zu viele Daten abgriff. Apple erklärte daraufhin das Zertifikat für ungültig mit dem Effekt, dass Facebook weder neue Apps testen noch interne Apps betreiben konnte, geschweige denn „Marktforschung“ durchzuführen. 

Digitale Agenda kw32 / 2018

 

Digitale Bürgerrechte

Staatstrojaner, Upload-Filter, neue Polizeigesetze: Bürgerrechtler befürchten unrechtmäßige Überwachung und eine drastische Einschränkung der Meinungsfreiheit. Diese Woche ist eine Verfassungsklage gegen den Staatstrojaner eingereicht worden. 

Was es mit den neuen Polizeigesetzen auf sich hat, untersuchen derweil die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags und die Neue Richtervereinigung. Andere Stellungnahmen kommen zum Ergebnis, dass sie die Grundrechte massiv einschränken. 

Das Vertrauen an den Staat schwindet andererseits, wenn letzterer sich wenig auskunftsfreudig zeigt, wie es nun beim Datenaustausch mit den USA der Fall ist und zuvor mit Informationen über den Einsatz des Staatstrojaners. 

 

Digitales Leben

Den Handel mit biometrischen Daten im Darknet durchleuchtet die ARD-Dokumentation Pässe für Kriminelle (in der Mediathek, hier ein Vorbericht). Ein Reisedokument „mit freier Wahl der biometrischen Merkmale“ wird dort für 3.000 Euro angeboten. Die Daten dazu kommen häufig aus staatlichen Datenbanken. 

Cyberkrieg ist teuer und bringt nichts, sagt die Stiftung Wissenschaft und Politik. Zumindest trifft das zu, wenn Deutschland nach einer Attacke zurückhacken will. Entsprechende Pläne der Bundesregierung betrachtet die Stiftung deshalb als Risiko.

Online-Händler spielen mit den Preisen wie Tankstellen. Die Preise ändern sich bei manchen Händlern fast stündlich, fand eine Studie der Verbraucherzentrale Brandenburg. 30 Prozent der Preise wurden teils mehr als verdoppelt.

Neue Router-Generation soll das Smart Home absichern. BitDefender und F-Secure haben erste Geräte auf den Markt gebracht, die auch Webcams, intelligente Thermostaten und andere Hausgeräte absichern (WiWo), Avira hat eine Antivirus-Software für Router.

Ein einheitliches Ladekabel für Smartphones versucht mal wieder die EU-Kommission zu etablieren. 50.000 Tonnen Elektromüll werden in Europa jedes Jahr durch weggeworfene Ladekabel produziert. Die Hersteller wollen diesmal mitspielen. 

 

Zu guter Letzt …

Software-Fehler bringt Hausbesitzer um ihr Eigentum. Fünf Jahre lang blieb ein Fehler in der Software der US-Bank Wells Fargo unentdeckt. Wenn Kunden versuchten, ihre Hauskredite anzupassen, wurden immer wieder falsche Beträge und Gebühren berechnet. Etwa 400 Kunden verloren ihr Haus durch Zwangsvollstreckungen – und die Bank hat noch einiges mehr auf dem Kerbholz.