Schlagwort-Archive: Privacy Shield

Digitale Agenda kw47 / 2019

 

Politische Werbung

Facebook und Google bedrohen die Menschenrechte, findet Amnesty International in einem neuen Bericht. Sie könnten praktisch nach Belieben die Meinungsbildung beeinflussen oder diskriminieren, entziehen sich aber jeglicher Kontrolle.  

Die Diskussion um politische Werbung in sozialen Medien unterstreicht das Urteil von Amnesty. Facebook hat nichts gegen Lügen in politischen Anzeigen, während es zugleich Presseartikel zensiert. 

Twitters Auffassung von politischer Werbung ist mehr als vage. Die Widersprüche (englisch) der neuen, global geltenden Richtlinien, geben Anlass zur Sorge, wie auch ein aktuelles Beispiel zeigt. 

 

Digitale Welt

Das Privacy Shield wackelt mal wieder. Sollten die USA ernst machen mit der Absicht, die Verschlüsselung zu schwächen, will die EU-Kommission das Abkommen zum Datenaustausch mit den USA überdenken. 

Windows 10 ist noch nicht DSGVO-konform, weil zu viele Daten in die USA übertragen und dort gespeichert werden, glauben Datenschützer und fordern Nachbesserungen – oder Alternativen.

Geplante Obsoleszenz ist immer noch ein Problem. Experten fordern bessere Verbraucherschutzgesetze, bevor wir eines Tages nicht mehr ins Haus kommen, weil die Tür unseres Smart Home nicht mehr aufgeht.

Netzbetreiber wollen den Routerzwang wieder einführen. Im Zuge des Glasfaserausbaus wollen die deutschen Internetanbieter ihre Kunden wieder verpflichten, firmeneigene Router einzusetzen.

Die Bundesregierung formuliert ihre Datenpolitik. Ein kritischer Blick auf das Eckpunktepapier, auf dessen Basis ein neues Gesetz entstehen soll, zeigt allerdings eine Strategie ohne Perspektive.

Deutsche Politiker fordern einen Ausschluss von Huawei vom Ausbau des 5G-Netzes. Ein entsprechender Antrag auf dem CDU-Parteitag wurde jetzt etwas entschärft. Derweil lockern die USA die Sanktionen gegen den Hersteller. 

 

Zu guter Letzt …

Der schlimmste Feind von eGovernment ist die Ratte. Die digitale Verwaltung von Estland gilt als vorbildlich und gegen Cybergefahren gut abgesichert. Gegen Nager, die Glasfaserkabel anknabbern, nicht so sehr. 

Digitale Agenda kw28 / 2019

 

Fake X

Fälschungen im Internet haben eine neue Dimension erreicht. Fake Shops sind inzwischen so ausgefeilt und verbreitet, dass immer mehr Verbraucher darauf reinfallen und vor einiger Zeit die Politik aktiv werden musste.

Ein Betrügerring mit gefälschten Geldanlagen ging letzte Woche der Polizei ins Netz. Nach Recherchen der ARD haben die Kriminellen mitunter Tausende Deutsche um ihr Geld gebracht und dabei Millionenbeträge erbeutet. 

Wie aus einem Bikini-Foto ein Nacktfoto wird, hat ein Entwickler vor kurzem mittels einer KI-Anwendung demonstriert, die er auf Github zur Verfügung stellte. Er wollte über eine bezahlte Version daran verdienen. Die App ist inzwischen gelöscht, wurde davor aber 500.000-mal heruntergeladen.

 

Digitale Welt

Die DSGVO macht langsam ernst. Der Hotelkette Marriott droht eine Strafe von 100 Millionen Euro wegen Datenverlust, Britisch Airways wurde aus demselben Grund zu über 200 Millionen Bußgeld verdonnert. Als erstes Schwergewicht hatte es im Januar Google erwischt: 50 Millionen Euro Strafe wegen intransparenter Informationspolitik.

Frankreich führt Digitalsteuer ein. Große Internet-Konzerne wie Google oder Airbnb müssen rückwirkend zum 1. Januar eine Sondersteuer von 3 Prozent des in Frankreich erzielten Umsatzes zahlen. Donald Trump droht mit Repressalien.   

Gesundheits-Apps soll es künftig auf Rezept geben. Nach einem Gesetzentwurf des Gesundheitsministers sollen Krankenkassen die Kosten für Anwendungen wie Tagebücher für Diabetiker oder Apps für Menschen mit Bluthochdruck übernehmen. Zugleich soll der bisher sehr strenge Datenschutz im Gesundheitswesen aufgeweicht werden, damit die Wirtschaft mehr Marktforschung und Werbung betreiben kann.

Privacy Shield steht auf der Kippe. Safe Harbor, der Vorgänger des Abkommens, das den Datenaustausch mit dien USA regelt, wurde schon vor vier Jahren vom österreichischen Datenschutz-Aktivisten Max Schrems durch eine Klage gegen Facebook zu Fall gebracht. Nun soll der EuGH über Privacy Shield entscheiden. 

Fehlurteile wegen Vorratsdatenspeicherung. Dänemark hat gespeicherte Metadaten von Handyverbindungen zur Verbrechensbekämpfung genutzt, doch ein Software-Fehler könnte zu falschen Beweisen geführt haben. 10.700 Prozesse seit 2012 stehen auf dem Prüfstand. 

 

Zu guter Letzt …

Alexa und Google Assistant hören zu viel mit. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags warnt, Kinder könnten mit Alexa ungeeignete Inhalte abrufen. Zudem sei unklar, welche Daten Amazon speichert und wie diese genutzt werden. Auch Nutzer von Google Assistant sollten damit rechnen, dass sie identifizierbar sind, auch wenn Google ihre Anonymität verspricht, wenn ihre Aufzeichnungen für die Forschung genutzt werden.

Digitale Agenda kw27 / 2018

 

Urheberrechtsreform

Die umstrittenen Upload-Filter sind vorerst gescheitert. Das EU-Parlament hat einen Entwurf für die Reform des Urheberrechts abgelehnt. Das Gesetz hätte Plattformen wie YouTube oder Facebook dazu gezwungen, alle Inhalte beim Hochladen automatisch zu filtern und alles zu blockieren, was urheberrechtlich geschützt sein könnte (Süddeutsche). 

Wie schlecht solche Filter funktionieren, kann man bei der automatischen Löschung von Hasskommentaren und diskriminierenden Inhalten beobachten: Facebook löschte neulich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung, weil darin von „wilden Indianern“ die Rede ist (heise.de). 

Wie geht es weiter? Die Lobby aus Verlegern, Film- und Musikindustrie hat noch lange nicht aufgegeben. Und sie bekommt Verstärkung aus der Ecke der zensurwütigen Innenpolitiker. Im September wird neu abgestimmt.

 

Digitales Leben

Der Datenaustausch mit den USA steht wieder auf der Kippe. Das EU-Parlament hat erhebliche Mängel am jetzigen Verfahren festgestellt und verlangt von den Amerikanern Nachbesserungen. Andernfalls würde das Privacy Shield-Abkommen am 1. September ausgesetzt (Netzpolitik). 

Der Breitband-Ausbau soll umgekrempelt werden. Nach massiver Kritik am derzeitigen Förderverfahren will das Verkehrsministerium Bürokratie abbauen und die Zuschüsse für Kommunen verdoppeln (Süddeutsche).

Wer bei Gmail alles mitlesen darf, ist eben nicht jeder x-beliebige Entwickler, wie es teilweise diese Woche in den Medien hieß. Google scannt Mails seit 2017 nicht mehr, Drittfirmen brauchen die Erlaubnis des Nutzers. Im Spiegel steht, wie man das nachprüfen kann. 

Das Kobalt für Akkus wird knapp. Der Preis hat sich vervierfacht, das Aufkommen ist begrenzt und der Abbau passiert unter brutalen Bedingungen. Und noch haben die Autohersteller nicht mit der Massenproduktion von Elektroautos begonnen (Süddeutsche).

Eine Hausdurchsuchung aus heiterem Himmel mussten die Vorstände des Vereins ‚Zwiebelfreunde‚, der sich mit IT-Sicherheit und Privatsphäre beschäftigt, über sich ergehen lassen. Ihr Vergehen: Sie unterstützen einen E-Mail-Dienst, der ins Visier von Ermittlern geriet (Netzpolitik). 

 

Zu guter Letzt …

Einen Airbag fürs iPhone hat ein junger Absolvent der Hochschule Aachen entwickelt, der so gar nicht nach einem Airbag aussieht, aber mindestens genauso gut funktioniert. Demnächst soll die Produktion von ADcase über Crowdfunding finanziert werden (t3n).

Digitale Agenda kw28

Dilemma Privacy Shield

Der Datenaustausch zwischen EU und USA ist seit Dienstag wieder legal. Durch Privacy Shield, dem Nachfolgeabkommen von Safe Harbor, haben Unternehmen wieder Rechtssicherheit und einen festen Satz an Regeln, an die sie sich halten müssen. Die Industrie kann aufatmen (Bitkom).

Ob die Rechtssicherheit lange anhält, ist allerdings fraglich. Auch dieses Abkommen hat genau die Schwächen, die den Vorgänger zum Kippen brachten: US-Geheimdienste dürfen weiter schnüffeln, ohne groß darüber berichten zu müssen (FAZ).

Vertraut uns, wir sind Spione, nennt die Süddeutsche das Grundprinzip des Privacy Shield. Und die Zeit fragt sich, ob die Vereinbarung nicht lieber “Privacy Sieb” heißen sollte. Netzpolitik.orgfasst die Kritik zusammen, erneute Klagen beim Europäischen Gerichtshof zeichnen sich jetzt schon ab.

Daten lieber innerhalb der EU speichern, lautet jetzt die Devise für viele US-Firmen. Immerhin hat gestern ein US-Berufungsgericht Microsoft recht gegeben und ein Ersuchen der US-Regierung abgelehnt, Kundendaten auszuhändigen, die auf einem Server in Dublin lagern (Süddeutsche).

TECHNIK UND IT-MANAGEMENT

Die Informationspflichten von Firmen im Rahmen der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erläutert Oliver Schonscheck auf SearchSecurity.de. Datenschutzbeauftragte dürften sich in den nächsten Monaten nicht gerade langweilen.

Windows 10 gibt es bald als Cloud-Service. Ab Herbst soll eine spezielle Enterprise-Version für 7 Dollar pro Monat und User angeboten werden, kündigte Microsoft an (Computerwoche)

Welche Art CRM-System das richtige ist, hängt davon ab, welche Art Unternehmen man ist und was man damit machen will, erklärt Dirk Simon, CRM-Experte bei Merifond, auf silicon.de und liefert eine erste Orientierung.

Brexit wird viele Fachkräfte nach Deutschland bringen, glaubt der Personalvermittler StepStone. Eine erste Schätzung beläuft sch auf 600.000 gut ausgebildeten Briten, die das Land verlassen wollen (silicon.de).

Die Netzneutralität in Europa ist in Gefahr, warnen WWW-Erfinder Tim Berners-Lee und zwei prominente Kollegen in einem offenen Briefan EU-Bürger und -Behörden. Nächsten Montag endet die Phase der öffentlichen Beratung zu diesem Thema und es sieht so aus, als hätten die Telko-Konzerne ihre Extrawurst bereits durchgesetzt (Zeit.de).

Google-Werbung verstößt gegen Kartellrecht, glauben die EU-Wettbewerbshüter und eröffneten jetzt ein drittes Verfahren gegen Google (Spiegel). Google zeige Verbrauchern die Suchergebnisse, die es ihnen zeigen will, nicht aber die relevantesten, sagte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager.

Die Welt ist im Pokemon-Go-Fieber. Das neue Smartphone-Spiel produziert Download-Rekorde in den App-Stores, schwere Autounfälle, Eklats in Gedenkstätten — und bringt Leute an die frische Luft. Alles über die Faszination darüber auf Spiegel.deZeit.de und Welt.de.

Trump wäre ein Desaster für den Fortschritt, glauben 145 namhafte Firmengründer und Finanziers im Silicon Valley und haben einen offenen Brief darüber veröffentlicht. Trump schüre Wut, Bigotterie und Angst vor neuen Ideen, neuen Menschen und einem schwachen Amerika (ZDnet.de).

Zu guter Letzt …

She did fucking what? Die Reaktion von Briten und Nicht-Briten auf die Ernennung von Boris Johnson zum Außenminister fiel überall auf der Welt ähnlich aus und kam auf Twitter besonders einfallsreich zum Ausdruck. Die Süddeutsche hat die originellsten Tweets gesammelt und listet in einem weiteren Artikel Johnsons bisherige außenpolitische Peinlichkeiten auf (im Original auf The Atlantic, inklusive Schmähgedicht über Erdogan).