Schlagwort-Archive: Quantencomputer

Digitale Agenda kw39 / 2019

 

Politik vs. Justiz

Die Vorratsdatenspeicherung bleibt in Deutschland ausgesetzt, urteilte das Bundesverwaltungsgericht am Mittwoch. Da einzelne Staaten trotz eines EuGH-Urteils immer noch speichern, muss der EuGH jetzt auch über die nationalen Gesetze verhandeln. Derweil überlegt die Politik, wie sie solche Urteile umgehen kann. 

Hamburg will automatisierte Datenanalyse durchsetzen. Ein neues Gesetz soll den Einsatz von Software ermöglichen, die ohne konkreten Anlass Beziehungen zwischen Personen, Organisationen oder Ins­titutionen herausfindet. Jurist*innen sehen Potential für Konflikte mit dem Grundgesetz.

Weiterhin Gesichtserkennung trotz Löschungsanordnung betreibt derweil die Hamburger Polizei und pfeift damit auf den dortigen Datenschutzbeauftragten. Der Einsatz einer einschlägigen Software wurde nach dem G20-Gipfel erlaubt, wird nun aber einfach weiterhin genutzt.

 

Digitales Leben

Google muss nur innerhalb der EU vergessen. Wenn Betroffene Suchmaschinen-Links wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte löschen lassen, müssen Google & Co. die Links nur für ihre EU-Domains löschen, nicht aber für ihre .com-Domains, urteilte der EuGH.

Beim Bundes-IT-Projekt fliegen die Fetzen. Jetzt will ein bundeseigener IT-Dienstleister das Innenministerium verklagen, weil letzteres sich weigert, Rechnungen in Höhe von fast 40 Millionen Euro zu begleichen. 

Googles Quantensprung im Quantencomputing sollte eigentlich noch eine Weile geheim bleiben. Ein neuer Prozessor war erstmals schneller als ein klassischer Supercomputer – und zwar um einige Größenordnungen.

Die Bank soll in der Schweiz den Staat ersetzen. Ein neues Gesetz soll Banken und privaten Unternehmen erlauben, elektronische Pässe auszustellen. Bürgerrechtler laufen dagegen Sturm, ebenso wie gegen neue 5G-Sendemasten.  

Facebook will auch die Gedanken seiner Nutzer lesen und übernahm deswegen eine Firma mit dem ominösen Namen CTRL-Labs. Letztere hat mitunter ein Armband entwickelt, das angeblich Hirnströme auslesen kann. 

 

Zu guter Letzt …

Alexa spricht jetzt wie Samuel L. Jackson. Der aus dem Film ‚Pulp Fiction‘ bekannte Schauspieler ist der erste Prominente, der Amazons elektronischem Assistenten seine Stimme verleiht, zunächst nur in den USA und UK.  Damit er möglichst authentisch klingt, übernahm Alexa teilweise auch Jacksons Sprechweise und Vokabular, inklusive seiner Vorliebe für Flüche.

Digitale Agenda kw08 / 2018

 

Vergleichsportale

Wie weit dürfen Internet-Vergleichsportale gehen? Eine Hautärztin fühlte sich vom Bewertungsportal Jameda unfair behandelt und hatte verlangt, ihr Profil zu löschen. Der Bundesgerichtshof hab ihr recht (Süddeutsche).

Ihr Profil diene als Werbefläche für die Konkurrenz, hatte die Ärztin moniert. Hätte sie an Jameda 59 Euro im Monat bezahlt, würden auf ihrer Profilseite keine anderen Hautärzte aus ihrer Umgebung angezeigt. Das sei eine Art Schutzgelderpressung (Spiegel).

Der Dienst am Verbraucher als Alibi für Abzocke? Das sollte nicht sein, doch das Gericht blieb eine Antwort darüber schuldig, was eine Online-Bewertungsplattform darf und was nicht. Jameda & Co. haben weiterhin die Freiheit zu testen, wie weit sie gehen dürfen (Welt, Zeit).

 

Digitale Welt

Führende Forscher warnen von Künstlicher Intelligenz. Diesmal ist es nicht der übliche Promi-Alarmismus. Diese Herrschaften sind KI-Experten, haben sich mit der dunklen Seite der KI beschäftigt und fordern sogar ein Moratorium, solange die Technik noch beherrschbar ist (Süddeutsche).

Autoritäre Regime lieben Kryptowährungen. Venezuela hat gerade den Petro eingeführt, Russland und China bereiten ihre eigenen digitalen Währungen vor. Es geht ihnen nicht um Fortschritt, sondern um die totale Kontrolle über Währung und Zahlungsverkehr, erklärt Sascha Lobo im Spiegel.

Die gefährliche Abhängigkeit von Microsoft in der öffentlichen Verwaltung schildert ein Dokumentarfilm der ARD. Die darin befragten Experten bestätigen, dass das Monopol nicht nur wirtschaftlich fragwürdig ist, sondern auch hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz (Netzpolitik).

Twitter sagt Social Bots den Kampf an. Das Netzwerk hast diese Woche Tausende Accounts gesperrt, bei denen es vermutet, dass sie von Maschinen gesteuert werden. Viele Trump-Anhänger beklagten kurz darauf eine schwindende Zahl an Followern (Zeit).

Intel baut ihren ersten Quantenprozessor. Bei der Entwicklung sogenannter Spin-Qubits ist es Intel gelungen, entsprechende Strukturen auf Basis von reinem Silizium herzustellen. Nach erfolgreichem Test soll das Fertigungsverfahren verfeinert werden (Inside-IT).

 

Zu guter Letzt …

Dating-Portale schludern mit Nutzerdaten, kritisiert die Stiftung Warentest in ihrer neuen Ausgabe. Nutzer von Tinder, Lovoo & Co. vertrauen den Plattformen intimste Informationen, doch nur fünf der 44 getesteten Portale bieten einen akzeptablen Datenschutz (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw05 / 2018

 

Staatstrojaner

Der Staatstrojaner ist bereits in Aktion, fanden die Süddeutsche, NDR und WDR heraus. Der Trojaner umgeht verschlüsselte Messaging-Dienste wie WhatsApp und hat vollen Zugriff auf alle Daten des Zielgeräts.

Die digitale Inquisition hat begonnen, kommentiert Heribert Prantl. Damit fielen bei der Überwachung zeitliche und inhaltliche Grenzen und die vom Grundgesetz garantierte freie und geschützte Kommunikation werde außer Kraft gesetzt.

Verfassungsklagen sind vorprogrammiert. Politiker aller Fraktionen im Bundestag außer der Union teilen die Ansicht, dass das Gesetz übers Ziel hinausschießt. In Großbritannien hat das höchste Gericht ein ähnliches Gesetz gerade als rechtswidrig erklärt.

 

Digitale Welt

Deutschland ist Pionier bei autonomen Fahrzeugen, aber die Schlagzeilen gehören Tesla, Google und Apple. Mehr als die Hälfte aller Patente zum Thema liegen in Deutschland, Daimler schickte die ersten Autos schon 1992 in den Straßenverkehr (FAZ).

Intelligente Lautsprecher sind Black Boxes, was den Datenschutz betrifft. Amazon Echo oder Google Home sind immer auf Empfang, doch nur die Hersteller wissen, was sie speichern. Datenschützer äußern Bedenken (Tagesspiegel, Süddeutsche), Tests fallen wenig schmeichelhaft aus (Spiegel, Welt).

Spracherkennung lässt sich leicht austricksen, fanden US-Forscher heraus. Man kann Sprachsequenzen mit anderen Signalen so überlagern, dass die Spracherkennung etwas völlig anderes versteht als ein Mensch.

Wie ein Quantencomputer funktioniert, erklärt in einer einfachen Sprache ein Artikel in der Zeit.

Passwörter sind für junge Leute ein alter Hut, sagt eine neue Studie von IBM. Sie setzen lieber auf Biometrie, Multifaktor-Authentifizierung und – wenn’s denn sein muss – auf Passwort-Manager. Für diejenigen, die noch eine Weile mit Passwörtern leben müssen, hier einige Tipps von der Süddeutschen und vom Spiegel.

Populäre Märchen: Bitcoin ist anonym und das Darknet ist sicher. Forscher aus Katar konnten Bitcoin-Nutzer identifizieren, die ihre Bitcoin-Adressen sowohl im Tor-Netzwerk benutzt als auch im Internet veröffentlicht haben (Spiegel).

 

Zu guter Letzt …

Fitness-App verrät Standorte geheimer Militärbasen. Soldaten joggen gerne um ihre Militärbasis herum und zeichnen dabei ihre Strecken und Leistungsdaten auf. Als die Fitness-App Strava neulich eine globale Heatmap der Strecken veröffentlichte, die die Fitness-Strecken ihrer Nutzer zeigte, dürften viele Geheimdienste gejubelt haben. Darauf zu erkennen waren die Umrisse vieler geheimer Stützpunkte in Syrien, Taiwan, Dschibuti und anderen Ländern. Auch ein Camp der Bundeswehr in Afghanistan ist darauf zu finden. Immerhin: die Heatmap ist anonym (Zeit).