Schlagwort-Archive: Ransomware

Digitale Agenda kw22 / 2019

 

Wahl-Nachwehen

Einen Fettnapf-Marathon nennt Sascha Lobo das, was sich die CDU nach dem YouTube-Video von Rezo nach der Europawahl leistete. Dabei hatte Rezo nichts weiter getan, als Union und SPD mit den Ergebnissen ihrer Politik zu konfrontieren. 

Ein gutes Beispiel für digitalen politischen Journalismus ist das Rezo-Video auch für Springer-Chef Matthias Döpfner. Leitartikel in Zeitungen seien schließlich auch „nicht weniger zugespitzt oder einseitig“.

Die Politik ist lernfähig, aber langsam. Ausgerechnet die CSU lernt als erste dazu, stellt die Print-Ausgabe ihres Parteiorgans Bayernkurier ein und will auf digitalen Medien mehr junge Leute erreichen. Geld für Facebook-Werbung geben die Parteien ohnehin schon aus.   

 

Digitales Leben

Das Innenministerium will Zugriff auf alles. Messenger-Dienste wie Whatsapp sollen verpflichtet werden, die Kommunikation ihrer Kunden mitzuschneiden und sie bei Bedarf den Behörden weiterzugeben. Auch die PCs von Journalisten sollen künftig gehackt werden dürfen. 

USA wollen die Telekommunikation in Europa abhören. Die EU-Kommission will ein Abkommen mit der US-Regierung verhandeln, das Internet-Anbieter mit Sitz in der Europäischen Union zu mehr Kooperation mit US-Behörden zwingt.

Polen klagt gegen das EU-Urheberrecht. Die Regierung in Warschau sieht durch die umstrittene Reform die europäischen Grundwerte durch „vorbeugende Zensur“ gefährdet und hat beim Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht.

Ein Netz aus 12.000 Satelliten will SpaceX, das andere Unternehmen von Tesla-Chef Elon Musk, um die Erde spannen, um mit einem Netz namens „Starlink“ die Kommunikation zu revolutionieren. Die ersten 60 Satelliten sind seit dieser Woche im All.

Huawei auch as der IEEE ausgeschlossen. Die USA verschärfen ihren Wirtschaftskrieg gegen den chinesischen Konzern. Derweil macht sich Huawei-Gründer Ren über Trump lustig. 

 

Zu guter Letzt …

Hacker-Waffe der NSA legt Baltimore lahm. Eines der „verloren gegangenen“ NSA-Werkzeuge ist bei Hackern gelandet und wird als Basis für Ransomware genutzt. Das Netz der Stadtverwaltung wurde damit gekapert und soll erst wieder freigegeben werden, wenn die Stadt 100.000 Dollar in Bitcoin zahlt. 

Digitale Agenda kw15 / 2018

 

Mark Zuckerberg im Kongress

Spaziergang statt ‚Grilling‘: Gut vorbereitet und routiniert konterte Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Fragen der Abgeordneten bei der Anhörung im US-Kongress mit einer Mischung aus Demut, unverbindlichen Absichtserklärungen und Tech-Slang (Zeit). 

Ergebnis: 2:0 für Facebook, Silicon Valley darf über Washington weiter lachen (Süddeutsche). Solange solche Anhörungen nur TV-gerechte Inszenierungen des Volkszorns sind, droht Facebook keine Gefahr. Zuckerberg ist schließlich geübt im sich entschuldigen (Netzpolitik). 

Facebook ist ‚Neuland‘, allerdings nicht nur für Politiker. Auch Datenschützer und Internet-Gurus müssen erst verstehen, was diese Art „digitale soziale Infrastruktur“ (Spiegel) für die Gesellschaft, die Demokratie und für jeden einzelnen bedeutet.  

In der Zwischenzeit müssen Gerichte Zensurversuche korrigieren, Datenschützer die Weitergabe von Patientendaten verhindern, Parlamente politischen Druck ausüben und Journalisten tatsächlich relevante Fragen formulieren.

 

Digitale Welt

Android Security Updates werden oft unterschlagen, ergab eine Untersuchung des Security Research Lab. Einzelne Smartphone-Hersteller würden nicht nur keine Patches liefern, sondern ihren Kunden vorgaukeln, ihre Handys seien sicher (Golem). 

US-Regierung Journalisten überwachen. Laut Bloomberg will das Ministerium für Heimatschutz Akten über 290.000 Journalisten, Blogger, Korrespondenten und Herausgeber anlegen, um damit ihren Einfluss auf die Sicherheit des Landes zu identifizieren (Netzpolitik).

Künstliche Intelligenz und Gesichtserkennung kombiniert das chinesische Unternehmen Sensetime und wird damit zum wertvollsten Startup in Chiina. Die Regierung will die Technologie für eigene Zwecke nutzen (Süddeutsche). 

Ein Bündnis gegen Videoüberwachung haben junge Politiker der Union, der Grünen, der Linken und der FDP in Berlin gegründet. Es richtet sich gegen das „Aktionsbündnis für mehr Videoüberwachung und Datenschutz“, das mehr Überwachung „an gefährlichen Orten“ anstrebt (Netzpolitik). 

 

Zu guter Letzt …

Ransomware fordert Opfer zum Spielen auf. Die Erpressersoftware „PUBG“ verschlüsselt die Festplatte des befallenen Rechners, verlangt jedoch keine Überweisung in Bitcoin. Stattdessen heißt es in einer Meldung, der Nutzer soll das Computerspiel „Playerunknown’s Battlegrounds“ eine Stunde lang zu spielen, um wieder auf seine Festplatte zugreifen zu können (Spiegel).

Digitale Agenda kw20 / 2017

 

Staatlich geförderte Unsicherheit

Wie sehr tragen Regierungen zur Cyber-Kriminalität bei? Das ist die Frage, die sich nach dem Angriff mit der Erpresser-Software WannaCry zwangsläufig stellt.

Die Fakten: WannaCry war eine von der NSA entwickelte Schadsoftware (FAZ), die letztes Wochenende viel Schaden anrichtete (Zeit) und den Kriminellen nicht einmal 70.000 Dollar Umsatz brachte.

Je mehr Staaten in Cyberspionage investieren, desto mehr befeuern sie den inzwischen riesigen grauen Markt für Sicherheitslücken, den NSA & Co. im Nachgang zu 9/11 und Patriot Act geschaffen haben (Süddeutsche).

Auch Deutschland ist auf ähnlichem Kurs. Der einstige Anspruch, „Verschlüsselungsstandort Nr.1“ zu werden, wurde begraben zu Gunsten eines „Aktionsplans gegen Verschlüsselung“ (Netzpolitik.org). Nun sollen durch ein neues Gesetz Online-Durchsuchungen drastisch ausgeweitet werden (Süddeutsche).

        

Digitale Welt

Die IT-Branche ist zweitgrößter Arbeitgeber der deutschen Industrie, mit knapp einer Million Beschäftigten und einen Jahresumsatz von 160,5 Milliarden Euro (Line of Business). Tendenz stark steigend, denn die IT wird zunehmend als Wettbewerbsfaktor anerkannt.

110 Millionen Euro Strafe für Facebook. Bei der Übernahme von WhatsApp hatte Facebook versprochen, die Telefonnummern der WhatsApp-Nutzer nicht zu selbst zu nutzen. Facebook hat doch gelogen, urteilten jetzt die EU-Wettbewerbshüter (FAZ).

Das MP3-Patent ist ausgelaufen. Doch entgegen einiger Meldungen, die behaupteten, MP3 sei tot, ist genau das Gegenteil der Fall. Durch das Ende des Patents dürfte MP3 noch mehr Verbreitung genießen (Zeit).

Weitergabe von Patientenakten an Google war illegal. Ein Londoner Krankenhaus hatte 1,6 Millionen personenbezogene Patientenakten an eine Google-Tochter weitergegeben – ohne Einverständnis der Betroffenen (Netzpolitik.org).

Geoblocking wird abgeschafft. Damit wird man als zahlender Abonnent Netflix und Spotify auch im Ausland streamen können. Das EU-Parlament hat die diese Woche die Voraussetzungen dafür geschaffen (FAZ).

Whistleblowerin Chelsea Manning ist frei. Vor ihrer Geschlechtsumwandlung hatte sie als US-Soldat Videos von Kriegsverbrechen der US-Armee an Wikileaks weitergegeben. Präsident Obama hatte sie begnadigt, jetzt stellte sie ein erstes Foto ins Netz (Zeit, Instagram).

Google Assistant kommt aufs iPhone und macht damit Siri Konkurrenz. Als App macht der Assistant über die Sprachsteuerung die Kalenderverwaltung und das Abrufen und Diktieren möglich und kommuniziert mit anderen Google-Apps wie YouTube (Zeit).

   

Zu guter Letzt …

Was Jugendliche auf ihren Smartphones wirklich tun, hat eine repräsentative Studie des Branchenverbands Bitkom untersucht (hier als PDF). Fast jedes zweite Kind im Alter zwischen sechs und sieben Jahren nutzt das Internet, zwei von drei Zehnjährigen hat ein Smartphone. Das Smartphone ersetzt für Jugendliche das Telefon, den PC und den Fernseher. WhatsApp und YouTube sind die beliebtesten Apps. Facebook kommt erst bei den 16- bis 18jährigen auf Platz 3, bei jüngeren liegt es abgeschlagen hinter Instagram und Snapchat auf Platz 5.

Digitale Agenda kw04

 

Digitaler Wahlkampf

Meinungsbildung sollte man nicht Social Bots überlassen. Der deutschen Politik graust es vor einem Wahlkampf à la Trump und Innenminister De Maizière überlegt, den Betrieb von Social Bots unter Strafe zu stellen (Zeit).

Ist die Angst vor Social Bots überhaupt berechtigt? Empirische Beweise für deren Gefahr gibt es kaum (Netzpolitik.org). Und selbst wenn es sie gäbe, ist es fraglich, ob Verbote etwas bewirken würden (Süddeutsche).

Außerdem benutzen Politiker selbst Social Bots. Eine Analyse der Twitter-Follower zahlreicher Politiker hat ergeben, dass ihre Gefolgschaft bis zu drei Vierteln aus Bots oder falschen, inaktiven und längst aufgegebenen Accounts besteht (Mitteldeutsche Zeitung).

Viel wirksamer könnte ein Werbe-Boykott von Medien sein, die bewusst Fake News verarbeiten. Vor dem Start der deutschen Ausgabe von Breitbart haben mehr als 700 internationale Firmen die ultrarechte Lügenschleuder auf eine Blacklist gesetzt (Süddeutsche).

  

Trumps alternatives Internet

Mit der Netzneutralität könnte es bald vorbei sein. Donald Trump hat mit Ajit Pai einen neuen Chef der Telekommunikations-Aufsichtsbehörde FCC ernannt, der es lieber den Telko-Konzernen recht machen und das Neutralitätsgesetz kassieren will (SpiegelNetzpolitik.org).

Das Thema Klimawandel ist im Internet tabu. Trump hat der Umweltbehörde, der NASA und der Verwaltung der Nationalparks einen Maulkorb verhängt, sie dürfen nichts mehr dazu tweeten. Die Reaktion: Zahlreiche Guerilla-Accounts und ein Wissenschaftler-Marsch auf Washington (Zeit).

Trump erschafft seine eigene Faktenwelt – mit „alternativen Fakten“, versteht sich. Lügen sind Teil einer Methode, die von Diktatoren hinlänglich bekannt ist (ZeitBloomberg). George Orwells „1984“ ist derzeit in den USA das meistgekaufte Buch auf Amazon (Süddeutsche).

 

Digitale Welt

Microsoft muss keine Daten rausrücken. Der Konzern hat im Streit mit der US-Regierung ein weiteres Mal gesiegt: In Irland gespeicherte Daten dürfen nicht nach Amerika wandern – zumindest nicht nach aktueller Gesetzeslage (FAZ).

Samsung weiß jetzt, warum Note7 brannte. Schuld an den Bränden seines Flaggschiffs der Galaxy-Serie sollen fehlerhafte Batterien gewesen sein. Samsung will jetzt die Produktionsprozesse ändern (Zeit).

Das digitale Leben erzeugt Stress. Der Zwang zur permanenten Erreichbarkeit und das ständige Multitasking können auf Dauer Depression und Burnout verursachen, sagt eine Studie der Uni Mainz (Politik Digital).

… und soziale Netzwerke können deprimieren, sagt eine Studie von Kaspersky. Der extensive Gebrauch der sozialen Netzwerke und die Jagd nach ‚Gefällt mir‘-Klicks erzeugt Druck und kann Neid, Stress und Depression auslösen (Computerwoche).

   

Zu guter Letzt …

‚Satan‘, der Trojaner zum Selbermachen. Erpresserviren gibt es jetzt auch im Leasing-Modell. Die Gruppe hinter der Ransomware „Satan“ bietet einen Service an, bei dem ihre „Kunden“ die schädliche Software über eine webbasierte Oberfläche gemäß ihren Bedürfnissen anpassen können. Die Satan-Hersteller kassieren dann 30 Prozent des Lösegelds (Süddeutsche).