Schlagwort-Archive: Russland

Digitale Agenda kw07 / 2019

 

Digitale Urheberrechte

Eine Anpassung an das digitale Zeitalter sollte die Reform des Urheberrechts in der EU darstellen, und das ist zum Großteil auch gelungen. Der endgültige Reformtext steht nun, allerdings inklusive Artikel 11 über das Leistungsschutzrecht und Artikel 13 über Upload-Filter.  

Dieser Kompromiss gefährdet das freie Netz, kommentiert die Süddeutsche, die Zeit spricht von einem Aufbruch  ins unfreie Internet und der Spiegel fragt: Wollt ihr Europa zerstören? Die Argumente der Befürworter klingen dagegen etwas realitätsfern. 

Kann die Reform noch gestoppt werden? Sie verstößt eindeutig gegen den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD, aber das dürfte kein Hindernis sein. Nur noch das Einwirken auf EU-Abgeordnete der CDU und der Widerstand der Bürger könnten helfen.  

 

Digitales Leben

620 Millionen gehackte Accounts werden wieder im Darknet zum Verkauf angeboten. Stichproben zufolge sind die Daten echt und stammen von 16 verschiedenen Websites, die zwischen 2016 und 2018 gehackt wurden. 

Russland will mehr Kontrolle über sein Internet. Das Parlament hat einem Gesetz zugestimmt, das Russlands Netz im Fall von Angriffen von außen vom globalen Internet abkoppeln soll. Die Opposition befürchtet, dass dadurch Zensur und Totalüberwachung möglich werden.

SPD will Facebook-Daten vergemeinschaften. In einem Konzeptpapier kritisieren Experten die Übermacht von Konzernen wie Facebook, Google oder Amazon und schlagen vor, einen Teil der gesammelten Daten in anonymisierter Form zugänglich zu machen. In den USA droht Facebook derweil ein Milliarden-Bußgeld wegen Cambridge Analytica.

Schweizer Behörden setzen auf Threema statt WhatsApp. Threema ist ein Schweizer Unternehmen und sein gleichnamiger Messenger ist stark verschlüsselt. Außerdem kann er mit pseudonymen Accounts betrieben werden, 

Apple baut Spezial-iPhones für Deutschland. Zwei ältere iPhone-Modelle werden für Deutschland nicht mehr mit Chips von Intel sondern von Qualcomm angeboten. Die Intel-Chips sollen Qualcomm-Patente verletzen und Qualcomm hatte letzten Dezember ein Verkaufsverbot erwirkt. 

 

Zu guter Letzt …

Nacktfotos von Amazon-Chef Jeff Bezos drohte angeblich der Chef des Boulevard-Blatts National Enquirer zu veröffentlichen, falls Bezos ihm weiterhin eine politisch motivierte Verschwörung unterstellt. Das Blatt hatte kurz zuvor eine Affäre zwischen Bezos und der TV-Moderatorin Lauren Sanchez ans Tageslicht gebracht und hatte offenbar Zugriff auf private Chats zwischen ihm und seiner Geliebten. Inzwischen ist die Affäre jedoch politisch und gilt als Stellvertreterkrieg zwischen Donald Trump und der Washington Post. 

Digitale Agenda kw47 / 2017

 

Aus für die Netzneutralität?

Die Netzneutralität soll abgeschafft werden. Der neue Chef der US-Regulierungsbehörde FCC hat seine Pläne vorgelegt, seine Behörde soll die Maßnahmen Mitte Dezember offiziell beschließen (Süddeutsche, Leserdebatte hier).

Telko- und Kabelkonzerne sollen nun bestimmen, wie schnell einzelne Inhalte-Anbieter wie YouTube oder Netflix gestreamt werden und zu welchem Preis für den Verbraucher. Die Maßnahmen betreffen zwar nur die USA, doch Europa ist längst auf ähnlichem Kurs (t3n.de, Zeit).

Die Folgen: Provider könnten nicht nur einzelne Anbieter drosseln, sondern auch Technologien und Protokolle wie BitTorrent komplett sperren (The Verge).

Als Konsequenz werden wohl Google, Facebook & Co. ihr derzeit begrenztes Engagement als Provider verstärken und eigene Netzwerke aufbauen – mit unabsehbaren Folgen für Meinungsfreiheit und Demokratie (Tagesspiegel, Spiegel).

 

Digitale Welt

Feindbild Russland: Google, Facebook und Twitter gehen systematisch gegen russische Medien sowie Nutzer und Kunden von sozialen Medien vor (Spiegel). Facebook will eine Software für Propaganda-Check anbieten (Zeit), Google News gibt russischen Medien weniger Reichweite (Netzpolitik.org).

Android-Smartphones übermitteln heimlich den Standort ihrer Nutzer an Google, auch bei deaktiviertem GPS und ohne SIM-Karte. Die Informationen werden über den Dienst für Push-Benachrichtigungen weitergeleitet (Zeit).

Sicherheitslücken in 31 Banking-Apps haben Security-Forscher entdeckt. Betroffen sind unter anderem die Apps von Commerzbank, die Stadtsparkassen und Comdirect (Süddeutsche).

Die digitalisierte Migrationskontrolle führt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) derzeit ein. Die Technik soll helfen, Flüchtlinge ohne Ausweispapiere zu identifizieren (Netzpolitik.org).

Wie das US-Militär soziale Netzwerke überwacht, hat ein Forscher der Security-Firma UpGuard herausgefunden, als er zufällig drei riesige Datencontainer auf Amazons Cloud-Speicher S3 entdeckte (heise.de).

 

Zu guter Letzt …

Facebook kennt jeden, den Sie jemals getroffen haben – sogar Menschen, mir denen Sie längst nichts mehr zu tun hatten. Sollten Sie sich manchmal wundern über die gespenstisch treffsicheren Vorschläge für Menschen, denen Sie auf Facebook eine Kontaktanfrage schicken sollten, liegt das an den erschreckenden Fähigkeiten der Datensammlung von Facebook, die alle möglichen und unmöglichen Quellen abgreift (Gizmodo, englisch).

Digitale Agenda kw44 / 2017

 

Russische Einmischung

Das volle Ausmaß der russischen Einmischung in den US-Wahlkampf ist erst diese Woche klar geworden, durch die Anhörung von Facebook, Twitter und Google im US-Kongress (Süddeutsche). Rund 3.000 Anzeigen und 80.000 Facebook-Posts sollten nicht etwa für Trump werben, sondern die Gesellschaft spalten (Zeit).

Social Media als ideale Propaganda-Plattform: Die russischen Anzeigen und Posts erreichten 146 Millionen Menschen – für nicht mal 150.000 Dollar (Zeit). Warum das US-Publikum so offen für die Beeinflussung über Social Media ist, beleuchtet ein lesenswerter Artikel im US-Magazin New Yorker.

Ihr Einfluss Russlands auf den Wahlausgang dürfte sich allerdings in Grenzen halten.Immerhin gaben Clinton und Trump zusammen insgesamt 81 Millionen allein für Facebook-Anzeigen aus (TechCrunch).

 

Digitale Welt

Der europäische Daten-Schutzschild hat Löcher. Privacy Shield, der Nachfolger des vom EuGH gekippten Safe Harbor-Abkommens, soll die Daten europäischer Staatsbürger vor US-Geheimdiensten schützen, doch Zweifel daran sind mehr als berechtigt (Spiegel, silicon.de).

eGovernment lässt in Deutschland zu wünschen übrig, finden die Autoren der Studie eGovernment Monitor. Fortschritte gibt es kaum, die Nutzung der digitalen Verwaltung in Deutschland sich verschlechtert, die Bürger sind unzufrieden.

Wikipedia muss renoviert werden. Schon länger kämpft die Online-Enzyklopädie mit Autorenschwund und starren Strukturen. Ein erster Plan wurde jetzt von der Wikimedia Foundation vorgestellt (Netzpolitik.org).

Populäre iPhone-Apps gefährden ihre Nutzer, hat ein Hamburger IT-Spezialist herausgefunden. 111 der 200 beliebtesten Apps umgehen Apples Richtlinien – mit Wissen von Apple (Zeit).

Wie drei Tech-Konzerne das Web dominieren und dadurch seine Existenz gefährden, erklärt der Software-Entwickler André Staltz in einem lesenswerten Artikel mit dem Titel The Web began dying in 2014, here’s how (Zusammenfassung auf Netzpolitik.org).

WhatsApp hat jetzt eine Löschfunktion. Nachrichten lassen sich in den ersten sieben Minuten nach ihrem Abschicken zurückziehen, inklusive Bildern oder Videos (Süddeutsche).

 

Zu guter Letzt …

Donald Trump ohne Twitter – für (leider nur) 11 Minuten war das gestern Abend tatsächlich der Fall. Ein scheidender Twitter-Angestellter hat an seinem letzten Arbeitstag den privaten Account des US-Präsidenten (41,7 Millionen Follower) offline gestellt. Ein Twitter-User kommentierte: „We can be heroes, just for one day“ (Zeit).