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Digitale Agenda kw21 / 2020

 

Netzpolitik und Grundrechte

Das BND-Gesetz ist verfassungswidrig. Nach einer Klage von Reporter ohne Grenzen hat das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz gekippt, das dem Bundesnachrichtendienst erlaubte, ohne Anlass jeden zu überwachen (Kommentar, Reaktionen).

Das Pandemieschutzgesetz verletzt den Datenschutz. Den drastischen Maßnahmen des im letzten Freitag beschlossenen Gesetz fehle die Grundlage, bemängelte der Bundesdatenschutzbeauftragte bereits im Vorfeld (Kommentar). 

Politiker weltweit halten an Überwachungskurs fest. Ungarn hat den Datenschutz ausgesetzt, in Frankreich und England kommt die Corona-App mit zentraler Datenspeicherung und in Indien mit einer Nutzungspflicht. 

Die Tracing-Schnittstellen von Google und Apple liegen nun vor, unterstützen aber nur dezentrale Datenspeicherung.

 

Digitales Leben

EU bereitet Nachfolger von Privacy Shield vor. Das Abkommen, das den Datenaustausch zwischen der EU und den USA regelt, könnte demnächst vom Europäischen Gerichtshof erneut gekippt werden.

EasyJet verliert Kundendaten. Hacker haben persönliche Daten von 9 Millionen Kunden der Billigfluglinie erbeutet, darunter auch Kreditkartendaten.

Zoff bei SAP. Nach dem unfreiwilligen Abgang der Co-Vorstandschefin Jennifer Morgan wandte sich SAP-Gründer Hasso Plattner selbst an die Aktionäre. Letztere sind etwas irritiert.

Neue Sanktionen gegen Huawei. Die USA haben den Konzern mit weiteren Exportbeschränkungen belegt. Bei Huawei gehe es jetzt „ums Überleben“. 

Es gibt auch schulgerechte Videokonferenz-Plattformen. BigBlueButton basiert auf Open-Source-Technologie und bietet Features, die Video-Unterricht besser unterstützen als Zoom & Co., wie eine Schule in Berlin berichtet.

 

Zu guter Letzt …

Robert-Koch-Institut lässt Datenjournalisten im Stich. Rund 45 Mitarbeiter großer Zeitungen und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten wandten sich mit einem offenen Brief an RKI-Chef Wieler, weil sie mit der Datenpolitik des Instituts unzufrieden sind. Viele Datenanfragen blieben unbeantwortet und die veröffentlichten Daten seien oft unzureichend und in Formaten, die sich nicht zur weiteren Analyse eignen. 

Digitale Agenda kw11

 

Die Uhr

Irgendwo zwischen „überflüssig“ und „Luxus-Gadget“ verortet die deutsche Presse die Apple Watch (Übersicht auf Spiegel.de), die auf großer Bühne am Montag vorgestellt wurde. Wie viele wirklich dafür Geld ausgeben werden, um damit im Laden zu zahlen, in ein Flugzeug einzuchecken oder die Tür von ihrem Hotelzimmer oder Auto zu öffnen, bleibt abzuwarten.

Hat man das aber nicht seinerzeit auch übers iPhone gesagt? Man sollte ein solches Produkt nicht mit den Augen der heutigen Welt betrachten, sondern der morgigen, gibt der Analyst Ben Thompson zu bedenken. Technik, die man direkt auf der Haut trägt, wird nach Regeln genutzt, die man heute noch nicht wirklich kennt. Genau so wenig wie man 2007 die Nutzungsszenarien und Spielregeln des mobilen Web kannte.

„Das bisher persönlichste Produkt“ von Apple lässt zumindest Bernd Graff auf süddeutsche.deerschaudern bei dem Gedanken, dass dieses Gerät den Körper seines Trägers so genau vermisst, dass es womöglich auch seinen emotionalen Zustand erkennen kann (mehr zum Thema hier). Graff befürchtet, dass Apple seine Kunden jetzt auch noch körperlich an sich bindet.

Biometrische Daten für einen guten Zweck macht zumindest Apples Research Kit verfügbar. Über dem neuen App Framework können Watch- und iPhone-Nutzer ihre biometrischen Daten anonym der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen (Golem.de). Die Idee scheint zu gefallen: Laut Bloomberg hatten sich in den ersten 24 Stunden nach der Ankündigung schon 11.000 Freiwillige für die Herzforschung der Uni Stanford gemeldet.

Ein Alibi, die Apple Watch auf Firmenkosten zu kaufenlieferte Salesforce unterdessen schon am Montag. Über die Salesforce Watch App können Salesforce-Nutzer alle möglichen Daten und Statistiken aufrufen, mit Kollegen kommunizieren oder Rabatte genehmigen. Und ein „Wear Developer Pack“ gibt es auch. Spätestens dafür muss doch auch eine Uhr her.

 

IT-MANAGEMENT

Wie eine IT-Personalplanung mit Weitblick zu bewerkstelligen ist, erklärt Kienbaum-Berater Frédéric Cuny in der Computerwoche. Der Bebauungsplan für die IT sei in vielen Unternehmen schon längst Standard, jetzt könnten sie durch den Faktor Mensch auch die IT-Transformation gestalten. Cuny erklärt anhand eines Fünf-Stufen-Plans, wie das gehen soll.

Die Firmen-IT braucht neue Strukturen, wenn sie die digitale Transformation meistern will, finden Experten wie der ehemalige CIO der Deutschen Post in einem Artikel auf Business User. Neben dem Tanker Legacy IT, der zuverlässig den Laden am Laufen hält, brauche es einige Schnellboote, die mit neuen Technologien experimentieren dürfen – idealerweise eingebettet in den Fachbereichen.

 

TECHNIK

Facebooks RZ-Technik gibt’s bald zu kaufen. Seine Server- und Netzwerk-Designs hat Facebook ja bereits unter dem Open Compute Project veröffentlicht, jetzt kommt die Hardware von der Stange. Auf der OCP-Konferenz diese Woche wurde Sixpack vorgestellt, ein 100 Gibt/s Switch, der bald vom US-Hersteller Edge-Core vertrieben werden soll (Berichte in Datacenter Insider und silicon.de).

Das Märchen vom sicheren iOS versucht der Security-Spezialist Lookout mit Fakten zu widerlegen. Die Tatsache allein, dass Apps im Apple App Store vorher geprüft werden, bedeute nicht viel, wenn es Sicherheitslücken im Betriebssystem gibt. Die Prognose: 2015 wird für iOS ein ähnlich schwieriges Jahr wie es 2011 für Android war, die Hacker schießen sich gerade warm.

De-Mail bekommt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Als sichere Alternative für rechtsverbindliche Korrespondenz wurde De-Mail von der Deutschen Telekom gepriesen, Experten hatten berechtigte Zweifel am Verfahren. Jetzt bekommt es eine für den Nutzer einfach zu handhabende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf PGP-Basis (Spiegel). Ob’s hilft?

 

Zu guter Letzt

Ein sehr guter Kunde von SAP ist auch der US-Geheimdienst NSA, wie deutsche Journalisten jetzt herausgefunden haben (Zeit.de). Um die Wünsche der NSA zu erfüllen, soll SAP sogar Firmen übernommen haben. Die SAP Anwendervereinigung DSAG stellt jetzt die Frage, wie sicher denn die Daten in der SAP-Cloud sind (silicon.de).

Digitale Agenda kw06

 

Ein großer Schritt in Richtung langfristiger Netzneutralität

Die Entscheidung der US-Kommunikationsbehörde hat Signalwirkung auch für Europa: In einem Gastbeitrag im US-Magazin Wired spricht sich der FCC-Vorsitzende Tom Wheeler dafür aus, Internet-Leitungen künftig genauso zu behandeln wie Telefonleitungen. Das bedeutet: Alle Datenpakete werden gleich schnell weitergeleitet, keine Überholspuren für zahlende Streaming-Dienste, keine Drosselung. Einen entsprechenden Vorschlag will er demnächst zur Abstimmung geben.

Erledigt ist das Thema damit aber noch nicht. Die Süddeutsche rechnet damit, dass die FCC Wheelers Vorschlag zwar durchwinkt, der von Republikanern dominierte Kongress das Gesetz dazu aber ablehnt und es nur durch ein Veto des US-Präsidenten durchkommt. Zudem sei mit Klagen seitens der großen Carrier wie AT&T und Verizon zu rechnen.

Die Haltung der Bundesregierung ist nicht ganz eindeutig. Zwar plädiert sie in einem Positionspapier (PDF) für richtige Netzneutralität, will aber freie Bahnen für „Spezialdienste“ wie fahrerlose Autos oder telemedizinische Anwendungen. Wie diese mit Netzneutralität in Einklang zu bringen sind, soll demnächst in Verhandlungen mit den anderen EU-Ländern entschieden werden. Einschätzungen darüber auf Netzpoltik.org.

 

Das Internet der Dinge ist technisch gesehen startklar, aber …

… wo bleiben die Produkte und Anwendungen? Dank der Massenproduktion von Smartphones gibt es heute genug stromsparende und zugleich günstige Komponenten wie Sensoren, Kameras, Kommunikations-Chips und natürlich Prozessoren. Die Herausforderung liegt eher darin, damit Produkte zu bauen, die einen echten Nutzen darstellen, erklärt der Technologie-Experte Ben Evans in seinem Blog.

Nur mit sinnvollen Anwendungsszenarien kann jedoch der Schatz gehoben werden, den Accenture als Wertschöpfung durch das Internet der Dinge projiziert. Diese könnte bis 2030 allein in Deutschland bei 500 Milliarden Euro liegen, durch Investitionen in bessere Rahmenbedingungen sogar bei mehr als 600 Milliarden. Doch die Anwendungsszenarien fehlen ebenso wie die dazugehörigen Geschäftsmodelle, stellt auch Gartner fest (silicon.de).

Es hängt mal wieder an der IT und der richtigen Nutzung von Daten, erklärt der Chef von Accenture Deutschland im Computerwoche-Interview. Man müsse hierfür ganzheitlich und vor allem an den Aufbau von Smart Services denken, die durch eine intelligente Nutzung von Daten entstehen. Und idealerweise würde die IT hier das Heft der Digitalisierung in der eigenen Hand behalten und sich nicht nur um die Infrastruktur kümmern, sondern die Rolle des Innovators übernehmen.

 

IT-MANAGEMENT

Die Vorgehensweise bei der Implementation von IT-Diensten ändert sich, erklärt der CIO-Berater Tim Crawford auf GigaOM. Die Verfügbarkeit von Cloud Computing und Anwendungen, die übers Internet wahrgenommen werden können, macht es möglich, dass IT-Leiter zuerst auf Produkte von der Stange zugreifen können, um erste Erfahrungen mit neuen Anwendungen zu machen, und sich dann entscheiden können, ob sie für ihre Bedürfnisse mit der Konfiguration einer existierenden Lösung besser fahren oder ob sie ein Produkt komplett neu bauen wollen. Das Paradigma lautet jetzt: Consume > Configure > Build.

 

TECHNIK

Was taugt SAPs neue ERP-Suite wirklich? SAP S/4HANA, eine Kombination aus SAP HANA und SAP Fiori, verspricht weniger Komplexität, weniger Hardware, sowie kleinere Datenmengen und Netzwerkkapazitäten (Computerwoche, ausführlicher Bericht auf silicon.de). Soweit die Theorie. Die Analysten von PAC erkennen in einer ersten Einschätzung in dem Produkt eine bedeutende Änderung in der Art und Weise, wie das ERP-Kernsystem funktioniert, sehen aber noch viele Fragen offen, vor allem was eine sanfte Migration auf das neue System betrifft. Zudem sei auch bei der Preisgestaltung noch einiges im Unklaren.

Big-Data-Analysen auf eine neue Ebene heben will der Hadoop-Distributor Cloudera durch die Übernahme von Xplain.io. Das Start-up hatte sich auf die Analyse von Datenbank-Queries spezialisiert und eine Analyse-Software entwickelt, die daraus Nutzungsmuster erkennt. Damit lassen sich beispielsweise Datenmodelle optimieren, Klickpfade auf einer Website feinjustieren oder Geschäftsmodelle verbessern.

AirDisk Pro verwandelt iPhones und iPads in externe Laufwerke. In Android-Geräten ist diese Möglichkeit längst gegeben, Apple ließ das wohl aus Sicherheitsgründen bisher auf der Betriebssystemebene nicht zu. Mit AirDisk Pro (1,99 Euro) geht jetzt auch das, inklusive hierarchischem Dateisystem innerhalb der App. Die Verbindung zwischen PC/Mac und dem iOS-Gerät erfolgt via WLAN, zwischen mobilen Geräten ist auch Bluetooth möglich. Zudem kann die App auch mit Cloud-Speichern wie Dropbox kommunizieren.