Schlagwort-Archive: Sharing Economy

Digitale Agenda kw33

 

(Schein-)Selbständigkeit 2.0

Wenn in Deutschland neue Jobs entstehen, sind es überwiegend solche im Niedriglohnsektor. Inzwischen gehört jeder vierte Arbeitsplatz zu dieser Sparte, Tendenz steigend.

Für anhaltendes Wachstum sorgen vor allem Internet-Firmen (Hans-Böckler-Stiftung). Neben E-Commerce-Playern wie Amazon oder Zalando sind es Crowdworker-Portale wie CrowdGuru, Delivery-Dienste wie Deliveroo und Foodora, in den USA zunehmend auch Haushaltsdienste wie TaskRabbit und Alfred.

Wie es sich dort arbeiten lässt, schildern Berichte im Tagesspiegelüber Crowdguru, im Zitty Berlin über Deliveroo und im Freitag über TaskRabbit, Alfred & Co.

Die Gemeinsamkeit in ihren Geschäftsmodellen: Möglichst wenig feste Angestellte. Die Arbeit muss von „Partnern“ geleistet werden, die nicht nur keinerlei soziale Absicherung haben, sondern auch ihrer Preis- und Lohnpolitik hilflos ausgeliefert sind.

Dadurch entstehen neuartige Arbeitskämpfe. Beim Versuch von Deliveroo, die Entlohnung von einem Stundenlohnmodell auf einen Preis pro Fahrt umzustellen, streikten die Fahrer in London und setzten sich diese Woche durch (taz). Die Klage von 400.000 Uber-Fahrern in den USA, wie Angestellte behandelt zu werden, wurde gestern von einem Bundesgericht abgelehnt und geht in die nächste Instanz (New York Times).

Die Rückkehr der Diener nennt Christoph Bartmann sein neues Buch, in dem er die neue Kasse der schlecht bezahlten Diener beleuchtet, die durch die digitalisierte Welt entsteht. Es erscheint nächsten Montag.

    

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Wie führt man Mitarbeiter, die nie da sind? Mobiles und flexibles Arbeiten, auch von zuhause aus, stellen Führungskräfte vor neuen Herausforderungen. Wie man damit umgehen sollte, schildert Dirk Pfefferle von Citrix auf CIO.de.

Der Mittelstand nutzt die Potenziale der Digitalisierung nicht, urteilt eine Studie der Aufbaubank KfW. Die einzelnen Projekte hätten einen „überschaubaren Umfang“, die Investitionen seien gering.
Ihren digitalen Reifegrad testen können Unternehmen mit einem neuen Online-Tool von Experton und Salesforce.com.

ChatOps erweitert die Kommunikation innerhalb der IT, glaubt der IT-Dienstleister Materna. Das Szenario sieht vor, dass Anwender ihre Fragen in einem internen Chatroom stellen. Antworten liefert jedoch eine Analyse-Software über einen Chat-Roboter.

Die USA geben Kontrolle über Internet-Adressen ab. In Zukunft sollen Top-Level Domains nicht von der US-Regierung, sondern von der ICANN verwaltet werden, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Kalifornien (Süddeutsche.de).

Google Duo ist eine neue App für Video-Chat, ähnlich wie FaceTime von Apple. Im Gegensatz zum Konferenzdienst Hangouts braucht man dafür kein Google-Konto, sondern nur eine Telefonnummer. Die Computerwoche fragt sich, was dann aus Hangouts werden soll.

Cisco spürt die Auswirkungen der Cloud und muss 7 Prozent seiner Belegschaft entlassen, das sind rund 5.500 Mitarbeiter. Statt in Switche und Firewalls soll jetzt verstärkt ins Internet der Dinge und in Cloud-Dienste investiert werden (silicon.de).

WhatsApp und Skype sollen wie Telefonkonzerne behandelt werden, fordern Telekom & Co. und scheinen bei der EU-Kommission ein offenes Ohr dafür gefunden zu haben (F.A.Z.).

    

Zu guter Letzt …

Die NSA wurde gehackt, vermutlich durch eine russische Gruppe (Zeit.de). Das pikante dabei: Die Hacker veröffentlichten ein NSA-Spionagetool, das Schwachstellen in Cisco-Firewalls nutzte. Solche Schwachstellen sollten aber dem jeweiligen Hersteller umgehend gemeldet werden, hatte die NSA vor zwei Jahren versprochen.

Digitale Agenda kw24

 

Die Geschäfte der „Sharing“ Economy

Die Geschäftsmodelle von Uber, Airbnb & Co. sind für Staat und Gesellschaft problematisch. Uber macht Pkw-Besitzer zu Taxifahrern – ohne Taxischein, ohne Versicherung, ohne Lizenz und meist für sehr wenig Geld (Tagesanzeiger). Und Airbnb verwandelt Haus- und Wohnungsbesitzer in Hoteliers – ohne Gewerbeschein und gerne am Finanzamt vorbei (Süddeutsche).

Der Gesetzgeber lernt erst, damit umzugehen. Uber-Manager rund um die Welt verbringen viel Zeit vor Gericht, um ihr Geschäftsmodell trotzdem durchzudrücken (Handelsblatt). Die Partner von Airbnb scheiterten letzte Woche vor Gericht beim Versuch, das Berliner Zweckentfremdungsverbot zu umgehen (Tagesspiegel).

Man sollte die Startups nicht unterschätzen. Ihre Investoren haben einen langen Atem und sehr tiefe Taschen (Handelsblatt). Und sie investieren neuerdings viel in Lobbyismus – mit ersten Erfolgen: Die EU-Kommission hat der Sharing Economy bereits ihre Unterstützung zugesagt (Spiegel).

 

TECHNIK & IT-MANAGEMENT

Eine Software hilft, den richtigen Bewerber einzustellen – an diesen Gedanken sollten sich Bewerber und Personalmanager langsam gewöhnen. Drei solcher Hilfsmittel und ihre Möglichkeiten beschreibt Michael Schweizer auf Computerwoche.de.

Microsoft kauft LinkedIn und will damit „Produktivität und Geschäftsabläufe neu erfinden“. LinkedIn wirft mehr als 400 Millionen vernetzte Nutzer in den Topf, Microsoft bringt Office, Skype und jede Menge Anwendungen und Infrastruktur mit. Könnte was werden (Zeit.de).

Nur eins von vier Big-Data-Projekten ist profitabel, hat eine neue Studie von Capgemini ergeben. Eine Studie von Bitkom wiederum zeigt, dass deutsche Firmen mit Big Data noch sehr zurückhaltend sind. Zusammenfassung auf Computerwoche.de.

Internet-Anbieter müssen echte Geschwindigkeit angeben, hat die Bundesregierung beschlossen. 50 Mbit/s auf dem Papier sind heute meistens nicht viel mehr als 41 Mbit/s in der Leitung. Die Grünen verlangen zudem Geldbußen bei Nichteinhaltung (Süddeutsche).

Edward Snowden darf keinen Ehrendoktor bekommen, urteilte das Verwaltungsgericht Schwerin. Die Philosophische Fakultät der Uni Rostock wollte ihm der Titel verleihen, der Rektor lehnte es ab mit der Begründung, Snowden habe „keine besondere wissenschaftliche Leistung“ hervorgebracht (Zeit).

Apples neuer Umgang mit persönlichen Daten löst Kontroversen aus. Mit „Differential Privacy“ will Apple Erkenntnisse über die Gewohnheiten seiner Nutzer ziehen, die persönlichen Daten aber vorher anonymisieren. Experten zweifeln an der Praktikabilität des Verfahrens (Spiegel).

Die besten Wetter-Apps fürs Smartphone hat die Süddeutsche gekürt, mit Unterstützung eines Meteorologen. Ihre Pendants fürs iPad hat das CIO-Magazin unter die Lupe genommen.

    

Zu guter Letzt …

Hacker interessieren sich für Trumps Geheimnisse. Gleich zwei russische Hackergruppen sind in das Netzwerk der Demokratischen Partei eigedrungen und haben ein vertrauliches Dossier über The Donald erbeutet (Süddeutsche). Dabei tauschen Trump und Putin seit Wochen Liebenswürdigkeiten aus … (Spiegel)

Microsoft steigt ins Marihuana-Geschäft ein – ganz legal. Der Konzern unterstützt das Startup Kind Financial mit einer Software, die den legalen Marihuana-Verkauf verwaltet und die Rechtmäßigkeit der Transaktionen prüft (New York TimesComputerwoche).
Die Affinität zum Gras scheint bei Microsoft Tradition zu haben: Schon drei Jahre zuvor hatte ein Microsoft-Manager seine Karriere beim Konzern an den Nagel gehängt, um legal Cannabis zu verkaufen (Süddeutsche).

Digitale Agenda kw09

 

Staatsfeind Verschlüsselung

Um die generelle Überwindung von Verschlüsselung seitens der Behörden geht es im Streit zwischen Apple und dem FBI. Das wurde diese Woche während einer Anhörung im US-Kongress mehr als deutlich. FBI-Chef James Comey verlangt, dass es keine Räume geben darf, die nicht per Gerichtsbeschluss durchsuchbar sind (Spiegel).

„Die Forderung des FBI ist absurd“, urteilte am Montag ein US-Bundesrichter in einem ähnlichen Verfahren, in dem Apple klären wollte, wie weit solche Gerichtsbeschlüsse gehen können. Würde das FBI damit durchkommen, könnten Gerichtsbeschlüsse dem Staat alles erlauben, was ihm vom Gesetz her nicht explizit verboten ist (Zeit).

Das alles ist auch für Europäer sehr relevant. In den Verhandlungen um den Nachfolger des Safe-Harbor-Abkommens, das den Datenaustausch zwischen EU und USA regeln soll, wird immer mehr klar, dass die USA von ihrer Praxis der Massenüberwachung nicht abrücken wollen – und das wäre ein Freibrief auch für den Zugriff auf Firmendaten (Zeit).

Deswegen solidarisiert sich die IT-Industrie mit Apple. Bei einem Auftritt vor dem US-Kongress unterstütze Microsofts Chefjustiziar Apple „aus vollem Herzen“ und forderte neue Gesetze, die das Thema nach den Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts regeln, statt sich auf solche zu beziehen, die aus dem Jahr 1911 stammen (WinBeta).

 

Technik & IT-Management

Home Office scheitert oft am Arbeitgeber, fand eine neue Studie von Infratest heraus. 40 Prozent aller Arbeitnehmer könnten zwar gelegentlich von zuhause aus arbeiten, doch nur 12 Prozent tun es tatsächlich. Deutsche Unternehmen pochen mehrheitlich auf Präsenz (CIO.de).

iOS 9.3 bringt neue Management-Funktionen. Das neue Release, das jetzt als Beta-Version vorliegt, lässt Admins eine noch restriktivere Linie fahren für das, was Anwender auf dem Smartphone tun dürfen (Computerwoche).

Tipps für das Führen virtueller Teams liefert eine neue Studie von PAC. Der Einsatz virtueller Teams setzt allerdings einen Kulturwechsel voraus, den viele Firmen noch nicht bereit sind zu vollziehen (CIO.de).

Die Telekom hat jetzt eine Cloud-Telefonanlage im Programm, die besonders für Mittelständler interessant sein dürfte. Abgerechnet wird pro Nebenstelle (5,95 Euro im Monat), es kann monatlich gekündigt werden (silicon.de).

Eine neue WLAN-Technik soll den Energieverbrauch um das 10.000-fache senken und ist damit um ein Vielfaches sparsamer als Bluetooth LE. Das ist vor allem für Kleinstgeräte im Internet der Dinge sehr wichtig (t3n.de).

 

Digitales Leben

Bosch will dieses Jahr 14.000 Akademiker einstellen, gut die Hälfte davon für die IT und Software-Entwicklung. So will sich das Traditionsunternehmen für Industrie 4.0 fit machen (FAZ).

Sharing Economy vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich, hat eine Studie von JP Morgan am Beispiel von Uber und Airbnb herausgefunden. Während Fahrern des Taxi-Dienstes Uber kontinuierlich die Gage gekürzt wird, verdienen Hausbesitzer, die ihre Immobilien über Airbnb zur Miete anbieten, immer mehr (Quartz).

Facebook ist im Visier des deutschen Kartellamts. Eine Untersuchung soll klären, ob Facebook seine marktbeherrschende Stellung missbraucht, um mehr private Daten seiner Nutzer kommerziell auszuschlachten, als ihnen bewusst und lieb ist (Welt.de).

Nächstes Jahr kommen Sex-Roboter auf dem Markt. Roxxxy heißt das erste Modell des Herstellers True Companion, dessen Innenleben gerade durch Künstliche Intelligenz aufgepimpt wird. Die Puppe soll dann verschiedene Persönlichkeiten annehmen können, von „wild“ bis „schüchtern“ (Süddeutsche).