Schlagwort-Archive: Silicon Valley

Digitale Agenda kw22 / 2017

 

Ausstieg aus Paris 

Silicon Valley steht vereint gegen Trump. In einem offenen Brief in mehreren US-Zeitungen hatten sich Apple, Google, Facebook, Microsoft und andere im Vorfeld schon von einem möglichen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen distanziert.

Jetzt twitterten die Firmenbosse ihre Enttäuschung über Trumps Entscheidung. Tesla-Chef Elon Musk steigt außerdem aus Trumps Technologie-Beirat aus (Wirtschaftswoche).

Alle Technologiekonzerne, die den Brief unterzeichnet haben, wollen in absehbarer Zeit die gesamte Energie für den Betrieb ihrer Rechenzentren aus erneuerbaren Quellen beziehen (Greenpeace).

        

Digitale Welt

EU bereitet Milliardenstrafe gegen Google vor. Die EU-Wettbewerbshüter wollen offenbar noch vor der Sommerpause Google dafür bestrafen, dass es Wettbewerber im Bereich Shopping benachteiligt hat (FAZ).

Apple zahlt in Deutschland nur 23 Millionen an Steuern. Das ist immerhin zwei Drittel mehr als im Vorjahr. Als internationaler Konzern konnte Apple jedoch seine Steuerpolitik in der EU sehr effektiv „gestalten“ (FAZ).

Googles neues Smartphone-Betriebssystem heißt Fuchsia und hat rein gar nichts mit Android zu tun. Was Google genau damit vorhat, bleibt vorerst sein Geheimnis (Süddeutsche).

Was die EU dieses Jahr für die Privatsphäre tun kann, erläutert Netzpolitik.org. Die ePrivacy-Verordnung soll bald verabschiedet werden – und davon hängt sehr viel in Sachen Datenschutz ab.

Wie angreifbar Banken übers Internet sind, erkundet ein Artikel in der Süddeutschen. Um ihre Verteidigung zu verbessern, bezahlen Banken sogar Hacker für „Testangriffe“.

Was taugen Versicherungen gegen Hacker? Die Nachfrage steigt und ARAG, Ergo, DEVK & Co. haben auch für Privatleute einiges im Programm. Eine erste Orientierungshilfe liefert die Süddeutsche.

Haben Eltern Zugang zum Facebook-Konto ihres toten Kindes? Nein, entschied das Berliner Kammergericht diese Woche. Das Recht der elterlichen Sorge erlischt mit dem Tod (Zeit). Daten zu erben ist sehr kompliziert.

   

Lesenswerte Kolumnen

Die „informierte Einwilligung“ ist eine Datenschutz-Attrappe, schreiben Jeannette Hofmann und Benjamin Bergemann auf Netzpolitik.org. Hat man als Nutzer wirklich eine Wahl, als auf „Akzeptieren“ zu klicken?

Unsere Sicherheit ist eine einzige Inszenierung, schreibt Sascha Lobo im Spiegel. Alle Attentäter islamistischer Anschläge in Europa in den letzten drei Jahren waren den Behörden als gewaltbereite Islamisten bekannt.

Können Chatbots trösten? Praxistests haben ergeben, dass in Krisensituationen wie Trennung oder dem Tod eines geliebten Menschen Chatbots gute Dienste leisten könnten, schreibt der Psychiater Dr. Jan Kalbitzer in der Zeit.

Digitale Agenda kw06

 

Rüsten gegen Fake News

Im ersten Gerichtsverfahren gegen Facebook, das diese Woche in Würzburg begonnen hat, will der Richter am 7. März sein Urteil verkünden. Geklagt hatte ein syrischer Flüchtling, dessen Selfie mit Angela Merkel zur Verbreitung von Fake News auf Facebook missbraucht wurde (Zeit).

Frankreich rüstet für Fake-News-freien Wahlkampf. Mehrere Medien haben zusammen mit Google ein Projekt gegen Fake News vorgestellt, Facebook will seine in den USA und Deutschland erprobten Maßnahmen jetzt auch in Frankreich einsetzen (heise.de).

Der Bayerische Rundfunk baut Task-Force auf. Das Team “BR-Verifikation” soll behauptete Fakten in Meldungen, Kommentaren und Postings überprüfen, auch mit Hilfe von Software. Zudem gibt es bald ein Firefox-Add-on namens Factfox (silicon.de).

Beweise für eine russische Einmischung in die deutsche Politik mittels Fake News konnte unterdessen auch der BND nicht finden. Die Untersuchung hatte Kanzlerin Merkel persönlich in Auftrag gegeben (Süddeutsche).

  

Ehemals beste Freunde?

Die Zweckehe zwischen Silicon Valley und der US-Regierung scheint zu kriseln. Am Wochenende hatten 97 Unternehmen (darunter Apple, Google, Microsoft und Facebook) ihre Unterstützung für die Klage Kaliforniens gegen Trumps Einreiseverbot erklärt (Zeit).

Aus der Liste fehlen die Unternehmen, die mit dem Pentagon, der CIA und anderen staatlichen Institutionen massiv im Geschäft sind: Amazon, IBM, Oracle und SpaceX.

So sehr die Aufhebung des Einreiseverbots nun von diversen Silicon-Valley-Größen applaudiert wird (Computerwoche), sollte nicht übersehen werden, dass die Abhängigkeiten dieser Zweckehe tiefer gehen, als manchem lieb ist. Sie werden schon wieder zueinander finden (The Guardian).

 

Digitale Welt

Digitalisierung verändert die IT-Berufsbilder. In vielen Jobs rückt die eigentliche IT-Kernkompetenz in den Hintergrund. Stattdessen sind Generalisten gefragt, die Prozesse in der Wertschöpfungskette sowohl aus Sichtweise der IT als auch der Fachabteilungen bewerten können (Computerwoche).

Neue Funktionen für Windows 10. Ein neues Insider Preview des im April erwarteten Windows-10-Updates gibt Einblicke in neue Features, darunter eine Bild-in-Bild-Funktion für verschiedene Anwendungen (Golem).

Facebooks unbändiger Datenhunger wurde von einer Datenwissenschaftlerin bloßgestellt. Sie zählt all die Informationen auf, die Facebook aus seinen Nutzern systematisch herauspresst (Süddeutsche). Die Datensammelei lässt sich übrigens über eine Chrome-Erweiterung nachvollziehen (t3n.de).

Dänemark will digitalen Botschafter bestellen. Er soll für die Beziehungen zu Firmen wie Google, Facebook, Microsoft oder Apple zuständig sein, weil deren wirtschaftlicher und alltäglicher Einfluss stärker ist als der von Ländern, zu denen Dänemark diplomatische Beziehungen unterhält (silicon.de).

Was passiert mit dem Internet-Erbe von Verstorbenen? Dieser Fragegeht FAZ-Autor Christoph Schäfer nach, weil digitale Nachlässe zum Problem werden können. Abgerundet wird sein Artikel durch einen Live-Chat mit IT-Fachanwalt Christian Welkenbach.

   

Zu guter Letzt …

Das Weiße Haus als Werbeagentur für Familienmitglieder des Präsidenten? Unter Trump scheint auch das Normalität zu werden. Erst kündigte das Modehaus Nordstrom die Zusammenarbeit mit Trumps Tochter Ivanka, dann kanzelte Trump selbst Nordstrom per Twitter ab (die Aktien sind wieder oben) und schließlich durfte Trump-Beraterin Kellyanne Conway während eines Interviews auf Fox News unverhohlen für Ivanka Werbung machen („Kauft Ivankas Sachen!“). Inzwischen wird das Ganze selbst den Republikanern zu heiß (TagesspiegelZeit).
Zugabe: Sascha Lobo erklärt Trumps gruseligste Tweets (Spiegel).

Digitale Agenda kw05

 

Silicon Valley rebelliert gegen Trump

Das Schweigen der Tech-Bosse in der Zeit nach den US-Wahlen war unüberhörbar. Außer einem PR-wirksamen Meeting mit Trump im Dezember vermieden sie jegliche Kritik an seiner Politik – bis letztes Wochenende, als er sein Einreiseverbot für Muslime aussprach (FAZZeit).

Jetzt stehen die Zeichen auf Konfrontation.
– Die Firmenbosse lehnen das Einreiseverbot öffentlich ab (t3n.de).
– Mehrere Silicon-Valley-Firmen erwägen Klage gegen die Verordnung (FAZZeit).
– Der Bundesstaat Kalifornien will Trumps Politik generell mit eigenen Maßnahmen aushebeln (Zeit).
– Amazon und Expedia unterstützen eine Klage des Bundesstaats Washington (Golem).
– Uber-Chef Travis Kalanick steigt aus Trumps Technologiebeirat aus (heise.de).

Es ist ein Aufstand der Angestellten. Die Mitarbeiter von Firmen wie Google demonstrierten und streikten gegen das Dekret (Netzpolitik.org), und das im besten Interesse ihrer Arbeitgeber. Keine andere Branche hat von einer freizügigen Migrationspolitik so profitiert (QuartzBusiness Insider).

  

Datenschutz-Fail

Diffus und voller Gummiparagrafen ist auch der zweite Gesetzentwurf der deutschen Fassung der EU-Datenschutzgrundverordnung. Außerdem steht er an so vielen Stellen in Konflikt mit EU-Recht, dass er „in null Komma nix vor dem Europäischen Gerichtshof landen“ würde (Zeit).

Der Entwurf wird von allen Seiten abgelehnt – auch von der Industrie. Der IT-Verband Bitkom warnt davor, „die mühsam errungene europaweite Regelung wieder zum Flickenteppich zu machen“, die Bundesdatenschutzbeauftragte Voßhof hält ihn gar für verfassungswidrig (Netzpolitik.org).

Ein Wettbewerbsvorteil ist in Gefahr. „Die Bundesregierung bemüht sich nach Kräften, die Legende vom „hohen deutschen Datenschutzniveau“ zu entkräften, schreibt der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar.

 

Digitale Welt

Keine Roaming-Gebühren mehr in der EU. Ab Mitte Juni kosten Handy-Telefonate, SMS-Versand und Internet im EU-Ausland nicht mehr als zuhause. Die Telkos rechnen von da an untereinander ab (FAZ).

Verbraucherschützer verklagen WhatsApp. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat wegen der Weitergabe der Telefonnummern an den Mutterkonzern Facebook beim Landgericht Berlin Klage eingereicht. (Spiegel).

Siegeszug des Home Office. Derzeit bieten in Deutschland rund 30 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit an, von zu Hause aus zu Arbeiten. Laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom ist allerdings das Homeoffice nicht für jeden geeignet (silicon.de).

Neue Dropbox-Funktionen für Firmen und TeamsSmart Syncverknüpft das lokale Dateisystem mit Ordnern und Dateien in der Dropbox-Cloud; Paper erlaubt das gemeinsame Bearbeiten von Textdokumenten, Bildern und Tabellen (Golem).

Computer sind die besseren Poker-Spieler. Vier der weltbesten Poker-Profis sind gegen eine neue Poker-Software namens Libratus angetreten. Sie zogen den Kürzeren. Libratus kann inzwischen sogar perfekt bluffen (Süddeutsche).

   

Zu guter Letzt …

Siri bittet um eine kleine Datenspende. Mit dem nächsten Update (iOS 10.3) werden iPhone-Nutzer um die Erlaubnis gebeten, ihre iCloud-Daten – darunter Fotos, E-Mails, Notizen, Kontakte und Termine – analysieren zu dürfen. Diejenigen, die das gestatten wollen, müssen aktiv einwilligen, standardmäßig ist die Option deaktiviert. Ihrem Datensatz werden Hash- und Zufallswerte hinzugefügt, die zwar eine statistische Auswertung zulassen, aber den Nutzer anonym bleiben lassen (Zeit).

Digitale Agenda kw29

Trump

Donald Trump ist das Schreckgespenst der Tech-Branche. Er steht für so ziemlich alles, was das Silicon Valley ablehnt: einen autoritären Staat, strenge Regelungen, geschlossene Grenzen, keine Immigration, weniger freien Handel. Hillary Clinton vertritt in ihrem Programm genau das Gegenteil (ein Vergleich in Englisch auf Wired, Deutsch hier).

Trump hat nur einen namhaften Unterstützer, den deutschstämmigen Paypal-Gründer Peter Thiel. Ausgerechnet Thiel, selbst ein Immigrant, der in den USA zum Milliardär wurde. Was ihn dazu verleitet, sogar auf dem Kongress der Republikaner zu sprechen, versucht das Manager-Magazin zu analysieren.

Alle anderen proben den Aufstand, vorerst mit offenen Briefen(deutsch hier) oder ganzseitigen Anzeigen, und stellen sich geschlossen hinter Hillary Clinton auf.

Dabei ist Trump ein Produkt des Silicon Valley, argumentiert The Atlantic. Kein anderer versteht es besser, die Aufregungsmechanismen von Twitter, Facebook & Co. besser zu seinem Vorteil zu nutzen, selbst wenn er darin Dinge postet, die niemand wirklich gut finden kann oder die erst gar keinen Sinn machen.

TECHNIK UND IT-MANAGEMENT

Ransomware wird zum Problem für Unternehmen, sagt eine neue Studie von Symantec. Die Zahl der betroffenen Firmen steigt und immer mehr von ihnen sind bereit, Lösegeld zu zahlen, weil sie sich nicht anders zu helfen wissen (speicherguide.de).

Kritische Infrastrukturen sind leicht zu hacken, zeigen Recherchen von Internetwache.org. Über das Internet lassen sich erstaunlich einfach Wasserwerke manipulieren und Blackouts auslösen (Zeit).

Die IT der zwei Geschwindigkeiten hat einen logischen Fehler, schreibt der Open-Source-Experte Michael Kienle in der Computerwoche. Die zwei IT-Welten sollen das Unternehmen gemeinsam durch die digitale Transformation führen. Mit Strukturen, die im Resultat auseinander driften, tue man sich aber keinen Gefallen.

Die Telekom darf jetzt Vectoring betreiben, hat die EU-Kommission beschlossen. Vectoring erreicht auf kurzen Kupferstrecken bis zu 100 MBit/s, allerdings verlieren dabei andere Provider den Zugang zur Leitung, die zum Kunden führt (SpiegelNetzpolitik.org).

Die Cloud ist endgültig im Markt angekommen. Das zeigen die Quartalsergebnisse von Firmen wie MicrosoftIBM und SAP, die dank ihrer Cloud-Dienste wieder einen Wachstumspfad haben.

Der Prozessorhersteller des iPhone und vieler Android-Smartphones, die britische ARM Holdings, wurde vom japanischen Konzern SoftBank für 28 Milliarden Euro gekauft. Dabei hat ARM gar keine eigene Herstellung, sondern entwirft lediglich die Prozessoren (FAZ).

iPhones sollten schleunigst aktualisiert werden, empfiehlt das BSI. Die Sicherheitslücken betreffen zudem die aktuellen Versionen des Mac OS (Spiegel).

Zu guter Letzt …

Der VHS-Rekorder ist Geschichte, der letzte Hersteller hat jetzt die Produktion der Geräte eingestellt. Begründung: die Bauteile werden knapp. Leere Kassetten werden seit Jahren nicht mehr produziert und an ein Comeback denkt ebenfalls niemand — die Qualität ist einfach zu schlecht (Süddeutsche).