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Digitale Agenda kw51 / 2018

 

And the winner is …

Facebook natürlich. Kein anderes Unternehmen produzierte 2018 so viele negative Schlagzeilen wie das mit 2,3 Milliarden Nutzern weltweit größte soziale Netzwerk. Und es will einfach nicht abreißen.

  • Die Cambridge Analytica-Affäre hat jetzt ein Nachspiel vor Gericht. Der Generalstaatsanwalt von Washington hat Klage gegen Datenmissbrauchs eingereicht. 
  • 150 Firmen hatten privilegierten Zugriff auf Nutzerdaten. Sie konnten Daten von Nutzern abgreifen, die überhaupt keinen Kontakt mit den Unternehmen hatten.
  • Anzügliches Flirten und sexuelle Andeutungen sind ab sofort verboten. Die Regeln sind so schwammig formuliert, dass Facebook praktisch nach Belieben löschen kann. 

Es wird langsam Zeit, dass sich Facebook einige grundsätzliche Gedanken über sein Geschäftsmodell macht, meint nicht nur die Süddeutsche.   

Digitales Leben

Eine Kennzeichnungspflicht für Social Bots fordert der neue Fraktionschef der CDU. Er jagt damit die nächste elektronische Sau durchs Dorf und beweist erneut, dass das Internet für die meisten Politiker wirklich Neuland ist. 

Wie Social-Media-Propaganda wirklich funktioniert, zeigen zwei neue Studien über die Aktivität russischer Trolle im US-Wahlkampf sowie das Buch „LikeWar“, das die Methodik der Manipulation erklärt. 

Gegen einen Boykott von Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes hat sich das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ausgesprochen. Die Geheimdienste der USA, Großbritanniens und anderen Länder bezichtigen Huawei der Spionage, liefern aber keine Beweise. 

Die Polizei will ihr eigenes LTE-Netz betreiben, berichtet die WiWo. Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden (BDBOS) will eine Reihe von Frequenzen reservieren, um ein eigenes Datenfunknetz aufzubauen.

Die ePrivacy-Reform der EU wird zur Lobby-Schlacht. Die Verordnung über den Umgang mit Nutzerdaten im Internet soll die DSGVO ergänzen. Tech-Firmen und Verlage, die ihr Geld mit Werbung verdienen, laufen bei EU-Parlamentariern Sturm.  

Zu guter Letzt …

Legen Sie über die Feiertage das Handy weg, empfiehlt Dirk Peitz in der Zeit, liefert einige sehr gute Grunde für sein Anliegen und verrät auch, wie Sie das erreichen und wozu der sogenannte „Digital Detox“ gut sein soll. 

Digitale Agenda kw04

 

Digitaler Wahlkampf

Meinungsbildung sollte man nicht Social Bots überlassen. Der deutschen Politik graust es vor einem Wahlkampf à la Trump und Innenminister De Maizière überlegt, den Betrieb von Social Bots unter Strafe zu stellen (Zeit).

Ist die Angst vor Social Bots überhaupt berechtigt? Empirische Beweise für deren Gefahr gibt es kaum (Netzpolitik.org). Und selbst wenn es sie gäbe, ist es fraglich, ob Verbote etwas bewirken würden (Süddeutsche).

Außerdem benutzen Politiker selbst Social Bots. Eine Analyse der Twitter-Follower zahlreicher Politiker hat ergeben, dass ihre Gefolgschaft bis zu drei Vierteln aus Bots oder falschen, inaktiven und längst aufgegebenen Accounts besteht (Mitteldeutsche Zeitung).

Viel wirksamer könnte ein Werbe-Boykott von Medien sein, die bewusst Fake News verarbeiten. Vor dem Start der deutschen Ausgabe von Breitbart haben mehr als 700 internationale Firmen die ultrarechte Lügenschleuder auf eine Blacklist gesetzt (Süddeutsche).

  

Trumps alternatives Internet

Mit der Netzneutralität könnte es bald vorbei sein. Donald Trump hat mit Ajit Pai einen neuen Chef der Telekommunikations-Aufsichtsbehörde FCC ernannt, der es lieber den Telko-Konzernen recht machen und das Neutralitätsgesetz kassieren will (SpiegelNetzpolitik.org).

Das Thema Klimawandel ist im Internet tabu. Trump hat der Umweltbehörde, der NASA und der Verwaltung der Nationalparks einen Maulkorb verhängt, sie dürfen nichts mehr dazu tweeten. Die Reaktion: Zahlreiche Guerilla-Accounts und ein Wissenschaftler-Marsch auf Washington (Zeit).

Trump erschafft seine eigene Faktenwelt – mit „alternativen Fakten“, versteht sich. Lügen sind Teil einer Methode, die von Diktatoren hinlänglich bekannt ist (ZeitBloomberg). George Orwells „1984“ ist derzeit in den USA das meistgekaufte Buch auf Amazon (Süddeutsche).

 

Digitale Welt

Microsoft muss keine Daten rausrücken. Der Konzern hat im Streit mit der US-Regierung ein weiteres Mal gesiegt: In Irland gespeicherte Daten dürfen nicht nach Amerika wandern – zumindest nicht nach aktueller Gesetzeslage (FAZ).

Samsung weiß jetzt, warum Note7 brannte. Schuld an den Bränden seines Flaggschiffs der Galaxy-Serie sollen fehlerhafte Batterien gewesen sein. Samsung will jetzt die Produktionsprozesse ändern (Zeit).

Das digitale Leben erzeugt Stress. Der Zwang zur permanenten Erreichbarkeit und das ständige Multitasking können auf Dauer Depression und Burnout verursachen, sagt eine Studie der Uni Mainz (Politik Digital).

… und soziale Netzwerke können deprimieren, sagt eine Studie von Kaspersky. Der extensive Gebrauch der sozialen Netzwerke und die Jagd nach ‚Gefällt mir‘-Klicks erzeugt Druck und kann Neid, Stress und Depression auslösen (Computerwoche).

   

Zu guter Letzt …

‚Satan‘, der Trojaner zum Selbermachen. Erpresserviren gibt es jetzt auch im Leasing-Modell. Die Gruppe hinter der Ransomware „Satan“ bietet einen Service an, bei dem ihre „Kunden“ die schädliche Software über eine webbasierte Oberfläche gemäß ihren Bedürfnissen anpassen können. Die Satan-Hersteller kassieren dann 30 Prozent des Lösegelds (Süddeutsche).