Schlagwort-Archive: Staatstrojaner

Digitale Agenda kw14 / 2019

 

Sicherheit und Überwachung

Den Staatstrojaner für den Verfassungsschutz will Innenminister Seehofer freigeben und hat dies in einem Gesetzentwurf zur Harmonisierung des Verfassungsschutzrechts gepackt – sehr zum Ärger der SPD. 

Auch der BND soll den Staatstrojaner einsetzen und seine Dienste allen deutschen Behörden anbieten dürfen. Das würde den Staatstrojaner für alle verfügbar machen und seinen Einsatz der öffentlichen Kontrolle entziehen.  

Außerdem soll das BSI in Zukunft hacken dürfen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik soll nicht nur Cyber-Gefahren abwehren, sondern Sicherheitslücken auch selbst ausnutzen dürfen. 

Das alles macht Massenüberwachung à la NSA möglich. Letztere hortet inzwischen so viele Daten, dass sie  Künstliche Intelligenz für die Sicherheitsüberprüfung von Geheimnisträgern einsetzen will.  

 

Digitales Leben

Barley will Korrekturen bei Upload-Filtern. Die Justizministerin will zwar der EU-Urheberrechtsreform im EU-Rat zustimmen, aber in einem Zusatzprotokoll festhalten, dass Upload-Filter nur für „marktmächtige“ Plattformen wie Facebook in Frage kommen sollen. 

Der Facebook-Chef fordert weltweit einheitliche Regeln für die Sperrung von Inhalten, Wahlmanipulation, die Portierbarkeit persönlicher Daten und für den Datenschutz. Seine „Gedanken“ kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Rufe nach einer Zerschlagung von Facebook immer lauter werden, sind nicht sehr glaubwürdig und die Absicht dahinter mehr als offensichtlich.                    

Unterdessen gibt es noch zwei Facebook-Skandale. Die Algorithmen für das Anzeigen von Werbung betreiben Diskriminierung im großen Stil und der Konzern speichert Nutzerdaten auf öffentlichen Servern. 

Hackerangriff auf Bayer. Der Konzern soll von der vermutlich aus China stammenden Hackergruppe Winnti ausspioniert worden sein. Die Hacker sollen vor allem „Systeme an der Schnittstelle vom Intranet zum Internet sowie Autorisierungssysteme“ im Auge gehabt haben. 

Häftlinge trainieren Algorithmen. Das finnische Start-Up Vainu, das Arbeitskräfte und Dienstleister weltweit vermittelt, lasst seine Unternehmensdatenbank mitunter durch Häftlinge auf den neuesten Stand halten und dabei auch die eigenen Algorithmen mit Erkenntnissen füttern.

 

Zu guter Letzt…

Apple hat vor den Grenzen der Physik kapituliert und die Entwicklung seiner 2017 angekündigten Ladematte eingestellt. Auf der Matte sollten bis zu drei Geräte gleichzeitig drahtlos aufgeladen werden können, doch Apple hat nach der Ankündigung offenbar so große Probleme mit unangenehmen Nebeneffekten beim Laden gehabt, dass das Gerät nun komplett eingestampft wird. 

Digitale Agenda kw04 / 2019

 

Die Internet-Lobby in Europa

Ein schickes neues Büro hat Google in Berlin eröffnet, wenn auch nicht ganz so groß und nicht genau da, wo es ursprünglich stehen sollte. Der Widerstand der Berliner war einfach zu groß. Dafür ist Googles neues Büro so klischeehaft schick, dass es Satire provoziert.  

Facebook spendet 6,5 Millionen Euro an das KI-Ethikzentrum der TU München, hat dafür aber etwas anderes als Wohltätigkeit im Sinn. Genau wie Google will es sich Einfluss in Europa erkaufen – aus gutem Grund. 

Tech-Firmen sind derzeit so beliebt wie Banken nach dem Crash, ergab eine aktuelle Studie. Mit dem Zorn der Nutzer im Rücken fällt es der Politik leicht, hohe Bußgelder wegen Verletzung der DSGVO zu verhängen oder digitale Zölle von Internet-Konzernen zu verlangen. 

 

Digitales Leben

Beim letzten Datendiebstahl prominenter Politiker führen die Spuren in die rechte Internet-Szene, ergaben Recherchen des Spiegel. Der angeklagte 20-jährige Schüler hatte einschlägige Kontakte und wahrscheinlich auch Helfer. 

Jetzt bekommt auch die EU ihren Staatstrojaner, ergab eine Anfrage der Linken im Bundestag. Die Fraktion der Linken in Brandenburg scheint hingegen umgeknickt zu sein und will entgegen der offiziellen Parteilinie den Einsatz von Staatstrojanern absegnen. 

Der Widerstand gegen Upload-Filter wächst und die Verhandlungen zur EU-Urheberrechtsreform stecken fest. Elf Länder, darunter Deutschland sollen den letzten Kompromissvorschlag abgelehnt haben.

Der Einfluss von Fake News auf Wahlen wird überschätzt, sagt eine neue Studie. Unwahre Nachrichten verbreiten sich zwar, werden aber oft nur von einer kleinen Gruppe wahrgenommen und haben nur einen geringen Effekt. 

Microsoft hat in China ausgebingt. Seit Mittwoch wird auch Microsofts Suchmaschine Bing in China blockiert. Dabei war Bing die erste westliche Suchmaschine, die sich bemüht hatte, es der Regierung recht zu machen. Vorauseilender Gehorsam lohnt sich eben nicht immer.

 

Zu guter Letzt …

Die attraktivsten Städte für Start-ups sind nicht in Deutschland, ergab eine neue Studie. Das vielgelobte Berlin liegt abgeschlagen auf Platz 32, München kommt immerhin auf Platz 20. Die attraktivsten Start-up-Stadt in Europa sind bei unseren nördlichen und südlichen Nachbarn.

Digitale Agenda kw34 / 2018

 

Der Staatstrojaner vor Gericht

Eine Verfassungsklage gegen den Staatstrojaner hat die FDP diese Woche eingereicht. Der Einsatz der Späh-Software bringe Deutschland „an die Grenzen eines Überwachungsstaates“ und überschreite damit bewusst die Grenzen der Rechtsprechung. Die Entwicklung des Trojaners wird derweil forciert. Der Chef der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (ZITiS) bekräftigte im Interview mit dem Behörden-Spiegel seine Absicht, Software-Lücken künftig selbst zu suchen und Informationen über Schwachstellen zu kaufen.  Eine Bilanz über den Einsatz digitaler Fahndungsmethoden lieferte bereits das Innenministerium auf Anfrage des Handelsblatts. Fazit: Die digitale Überwachung hat unter der neuen Regierung deutlich zugenommen.  

Digitales Leben

Angela Merkel bestellt einen Digitalrat. Das zehnköpfige Expertengremium soll die Bundesregierung bei Themen wie Zukunft der Arbeitswelt oder Umgang mit Daten beraten und auch „unbequeme Fragen stellen“. Über seine Zusammensetzung gibt es einiges zu kritisieren.  Facebook nimmt Hunderte Seiten vom Netz. Die gesperrten Seiten sollten die kommenden Wahlen in den USA beeinflussen und iranische politische Interessen streuen, „inklusive antisaudiarabischer, antiisraelischer und propalästinensischer Themen“. Instagram, Twitter und YouTube zogen nach.  Erneut Hackerangriffe auf Regierungen. Die Hacker, die vermutlich in das Datennetz des Bundes letztes Jahr eingebrochen waren, haben wohl auch andere europäische Länder erfolgreich attackiert. In den USA wurden konservative Lobbygruppen angegriffen.  Das Internet der Dinge ist langsam und fehlerbehaftet. Laut einer internationalen Studie klagen zwei von drei Nutzern von intelligenten Zählern, Autoschlössern, Thermostaten, Kühlschränken und virtuellen Assistenten über Performance-Probleme und befürchten Fehler.  Hart im Nehmen und fast so dick wie ein Ziegelstein ist das ‚Explorer‚-Smartphone von Land Rover. Spiegel-Redakteur Matthias Kremp nahm es mit in den Camping-Urlaub in Nordschweden und war angetan von seiner Robustheit, eher weniger von seiner Performance.   

Zu guter Letzt …

Ein Trojanisches Pferd in Form eines VPN-Clients scheint die Smartphone-App von Onavo zu sein. Die App gehört der gleichnamigen Facebook-Tochter und teilt Nutzerdaten mit – natürlich –  Facebook. Auf Druck von Apple musste jetzt Facebook die App vom iTunes App Store nehmen. Google lässt sich damit noch etwas Zeit. 

Digitale Agenda kw32 / 2018

 

Digitale Bürgerrechte

Staatstrojaner, Upload-Filter, neue Polizeigesetze: Bürgerrechtler befürchten unrechtmäßige Überwachung und eine drastische Einschränkung der Meinungsfreiheit. Diese Woche ist eine Verfassungsklage gegen den Staatstrojaner eingereicht worden. 

Was es mit den neuen Polizeigesetzen auf sich hat, untersuchen derweil die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags und die Neue Richtervereinigung. Andere Stellungnahmen kommen zum Ergebnis, dass sie die Grundrechte massiv einschränken. 

Das Vertrauen an den Staat schwindet andererseits, wenn letzterer sich wenig auskunftsfreudig zeigt, wie es nun beim Datenaustausch mit den USA der Fall ist und zuvor mit Informationen über den Einsatz des Staatstrojaners. 

 

Digitales Leben

Den Handel mit biometrischen Daten im Darknet durchleuchtet die ARD-Dokumentation Pässe für Kriminelle (in der Mediathek, hier ein Vorbericht). Ein Reisedokument „mit freier Wahl der biometrischen Merkmale“ wird dort für 3.000 Euro angeboten. Die Daten dazu kommen häufig aus staatlichen Datenbanken. 

Cyberkrieg ist teuer und bringt nichts, sagt die Stiftung Wissenschaft und Politik. Zumindest trifft das zu, wenn Deutschland nach einer Attacke zurückhacken will. Entsprechende Pläne der Bundesregierung betrachtet die Stiftung deshalb als Risiko.

Online-Händler spielen mit den Preisen wie Tankstellen. Die Preise ändern sich bei manchen Händlern fast stündlich, fand eine Studie der Verbraucherzentrale Brandenburg. 30 Prozent der Preise wurden teils mehr als verdoppelt.

Neue Router-Generation soll das Smart Home absichern. BitDefender und F-Secure haben erste Geräte auf den Markt gebracht, die auch Webcams, intelligente Thermostaten und andere Hausgeräte absichern (WiWo), Avira hat eine Antivirus-Software für Router.

Ein einheitliches Ladekabel für Smartphones versucht mal wieder die EU-Kommission zu etablieren. 50.000 Tonnen Elektromüll werden in Europa jedes Jahr durch weggeworfene Ladekabel produziert. Die Hersteller wollen diesmal mitspielen. 

 

Zu guter Letzt …

Software-Fehler bringt Hausbesitzer um ihr Eigentum. Fünf Jahre lang blieb ein Fehler in der Software der US-Bank Wells Fargo unentdeckt. Wenn Kunden versuchten, ihre Hauskredite anzupassen, wurden immer wieder falsche Beträge und Gebühren berechnet. Etwa 400 Kunden verloren ihr Haus durch Zwangsvollstreckungen – und die Bank hat noch einiges mehr auf dem Kerbholz.